Heim

Unternehmen Wüste

Das Unternehmen Wüste war der Deckname für ein Projekt der Nationalsozialisten, im Rahmen des Geilenberg-Programms dringend benötigten Treibstoff aus Ölschiefer zu gewinnen.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Die deutsche Führung war ab Ende 1943 gezwungen, neue Ölquellen aufzutun. Die kriegswichtigen rumänischen Rohölquellen im Gebiet von Ploiesti wurden durch das Vorrücken der Roten Armee sowie durch alliierte Luftangriffe (nach der alliierten Landung in Italien veränderte sich der Einsatzradius der alliierten Luftflotten durch die Gewinnung italienischer Stützpunkte) bedroht. Verschärft wurde dies durch zusätzliche schwere alliierte Luftangriffe auf die mitteldeutschen Hydrierwerke in Leuna, Böhlen bei Leipzig und Pölitz bei Stettin. Der Nachschub schwand, so dass immer mehr motorisierte Truppenteile aus Treibstoffmangel nicht mehr voll einsatzfähig waren. Die teilweise Umrüstung der Fahrzeuge auf Holzvergaser brachte keine zufriedenstellende Lösung. Die Holzvergaseranlagen eigneten sich wegen ihres schlechten Wirkungsgrades nur für PKW und Lastwagen, nicht aber für Motorräder oder Kampffahrzeuge wie Panzer und Schützenwagen. Entlastung bringen sollte das bereits bekannte Verfahren, aus dem Lias-Ölschiefer Treibstoff zu gewinnen. Dabei waren nur äußerst geringe Rohölerträge zu erwarten. Das Deutsche Reich befand sich jedoch in einer sehr prekären kriegswirtschaftlichen Notlage, so dass auch äußerst ineffiziente Produktionsverfahren zum Einsatz gelangten.

Unternehmen Wüste

Das Deutsche Reich errichtete in kürzester Zeit an den in der Folge aufgelisteten Standorten KZ-Außenstellen des KZ Natzweiler-Struthof. Die Lager sollten alle an der Zollernalb, entlang der Bahnlinie Tübingen–Aulendorf und der Nebenstrecke Balingen–Rottweil entstehen. Die Lager selbst lagen zwischen Hechingen und Rottweil. Die Werke und Lager wurden als Eigenbetrieb der SS betrieben. Die 15.000 Lagerinsassen, von denen rund 3.500 starben, sollten nicht nur in den eigentlichen Steinbrüchen für die Ölgewinnung arbeiten. Sie hatten auch die gesamte Infrastruktur aufzubauen. Der kriegswirtschaftlich Nutzen der vier in Betrieb genommen Werke kann als sehr gering angesehen werden. Weitere sechs geplante oder in Bau befindliche Werke waren zu Kriegsende noch nicht einsatzbereit.

Das Ölgewinnungsverfahren

Zunächst wurde der Lias-Ölschiefer im Tagebau händisch durch die Lagerinsassen abgebaut. Anschließend wurde je nach Standort das abgebaute Gestein mit Feldbahn oder Seilbahnen abtransportiert. Die Extraktion des Öls fand im Meilerverfahren statt: Hierbei wird zunächst das Gestein aufgeschichtet, mit brennbaren Materialien und mit einer abschließenden Erdschicht abgedeckt. Durch Verschwelung verdampft das im Gestein gebundene Schweröl und wird in Destillationsanlagen kondensiert. Die gewonnenen Mengen sind äußerst gering und das Öl ist von sehr schlechter Qualität.