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Wilhelm Staedel

Wilhelm Staedel (* 12. Januar 1880 in Hamruden, Siebenbürgen; † 11. Oktober 1971 in Marburg/Lahn) war Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Staedel studierte evangelische Theologie und Philosophie in Jena, Budapest und Berlin. Er zählte sich zu den „Gruppisten“, d.h. zu einer Gruppe von Studenten aus dem siebenbürgischen Ungarn, die studierten, um allein Pfarrer und nicht Lehrer zu werden. Stadel wurde schließlich Vikar in Marktschelken.

Im Ersten Weltkrieg wurde Staedel Feldgeistlicher. Im Jahre 1919 wurde ihm die Pfarrei von Arkeden übertragen, 1924 ging er nach Honigberg und 1930 nach Martinsberg bei Kronstadt. Sein Freund Dr. Waldemar Gust, einer der späteren Vertreter der „radikalen“ nationalsozialistischen Deutsche Volkspartei in Rumänien (DVR), hatte ihm die Stelle verschafft.

Gemeinsam mit dem Veterinärarzt Dr. Alfred Bonfert, einem Wandervogelbewegung-Aktivisten, übernahm Staedel die Führung im Deutsch-sächsischen Jugendbund. Er wandelte den Bund konsequent zu einer NS-Jugendorganisation um. Zukünftige Multiplikatoren aus Schüler- und Studentenkreisen wurden dort in freiwilligen, mehrwöchigen Arbeitslagern zu gemeinnütziger Arbeit angehalten, aber auch politisch-ideologisch geprägt. Nach der politischen Spaltung dieser völkisch-nationalistischen Gruppierung überführten Bonfert, der im Juli 1935 Parteivorsitzender der DVR geworden war, und sein Freund Staedel viele Jugendliche in die DVR.

Ganz nach volksmissionarischen Gesichtspunkten übertrug Bischof Dr. D. Viktor Glondys – unter Vorbehalten – dem bei der Jugend beliebten Staedel 1935 die Leitung der landeskirchlichen Jugendarbeit. Wegen fehlenden Vertrauens zu ihm entfernte ihn Glondys aber wenig später von dieser Position. Etwa 1936 spitzte sich zwischen der Kirchenleitung und den Kirchen-Nazis ein Konflikt zu, weil die Kirchenführung ihren Angestellten untersagt hatte, an parteipolitisch geführten Kampagnen teilzunehmen. Wie Staedel bekannten sich nahezu 70 Anhänger weiterhin hartnäckig zur DVR und wurden mit Disziplinarprozessen überzogen. Staedel wurde 1937 verurteilt und bis 1941 von seinem Amt entfernt.

Dessen ungeachtet initiierte Staedel die Gründung eines Arbeitskreises am Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben in Siebenbürgen. Nach dem Vorbild Walter Grundmanns wurde der Lehrplan für den Religionsunterricht neu gefasst.

Als 1940 die halbautonome Deutsche Volksgruppe in Rumänien gebildet wurde, stieg Staedel zum Leiter des Kulturamtes der Deutschen Volksgruppe auf wozu er von dem SS-Angehörigen und Volksgruppenführer Andreas Schmidt, der gleichsam auslanddeutscher Gauleiter war, ernannt wurde. Binnen kurzem erfolgte die vom Reich aus gesteuerte Demissionierung des angeschlagenen Bischofs Glondys, woraufhin Staedel zum Kandidaten für das Bischofsamt aufstieg. Staedel wurde auch zum Bischof gewählt; sein Gegenkandidat, Bischofsvikar D. Friedrich Müller, unterlag. Gleichzeitig wurde Staedel rehabilitiert.

Es wurde von seiten des durch Staedel gleichgeschalteten Kirchenamtes versucht, die Opposition auszuschalten. Es gelang jedoch dem von Bischofsvikar D. Friedrich Müller geführten „Verteidigungsring“, seine Amtsführung zu konterkarieren.

Einige Zeit nach dem Frontwechsel Rumäniens am 23. August 1944 wurde Staedel von der Pfarrerschaft zum Rücktritt aufgefordert. Noch im Oktober 1944 wurde Staedel im Lager Târgu Jiu interniert, von wo er im Frühjahr 1946 in den Westen fliehen konnte.

In Minden/Westfalen wurde er als Krankenhausseelsorger tätig und ging 1959 in den Ruhestand, den er in Marburg verbrachte.

Kritik und Auseinandersetzung

Staedels Amtszeit als Bischof ist geprägt von fast uneingeschränkter Unterordnung unter die Ansprüche der Volksgruppenführung. Zunächst wurde die Übergabe des kirchlichen Schulwesens veranlasst – bei spürbarem Widerstand seitens der bekenntnisgebundenen Opposition. Staedels Vorstellungen waren von ungeordneten Spekulation über das Gottesreich und von der Gotteskindschaft der Menschenseele geprägt. Politische Phrasen und völkischer Überschwang durchdrangen einen arisch dominierten Synkretismus. – Die von ihm hinterlassenen Versuche einer Selbstreflexion beinhalten fast nur Apologetik. Kritische Erwiderungen sind weitgehend ausgeblieben.

Werke

Literatur

PND: Datensatz zu Wilhelm Staedel bei der DNB
keine Treffer im Katalog der DNB, 20. Dezember 2007
Personendaten
Staedel, Wilhelm
Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien
12. Januar 1880
Hamruden
11. Oktober 1971
Marburg