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Übersetzungskritik

Übersetzungskritik ist ein Werkzeug der historisch-kritischen Methode und ist Teil der biblischen Exegese.

Die Übersetzungskritik versucht anhand der Originaltexte, die z. B. im Neuen Testament in Altgriechisch verfasst sind, Übersetzungsfehler zu umgehen. Dies ist für das Interpretieren von Bibeltexten von großer Bedeutung, da eine fehlerhafte Übersetzung teilweise den Sinn ganzer Texte verändern kann.

Übersetzungskritik am Beispiel des Johannesevangeliums

Der Prolog des Johannesevangelium ist ein gutes Beispiel für die Bedeutung der Übersetzungskritik.

Im griechischen Original steht:

En arché én ho logos (Siehe auch Logos und Kosmos)

deutsch:

Im Ursprung ging der Sinn auf

In der Vulgata, der lateinischen Übersetzung der griechischen Bibel, wurde übersetzt mit:

in Principio erat Verbum

Dies übersetzte Martin Luther anhand der Vulgata mit:

Im Anfang war das Wort

Schon früh erkannten die Menschen die Notwendigkeit der Übersetzungskritik. So schrieb Goethe beispielsweise in seinem Werk Faust:

Interpretator Faustus:

Geschrieben steht: "Im Anfang war das Wort!"
Hier stock' ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh' ich Rat
Und schreib' getrost: Im Anfang war die Tat!