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Brüder vom gemeinsamen Leben

Die Brüder vom gemeinsamen Leben, ursprünglich niederl.: Broeders des gemeenen levens werden im Deutschen auch Fraterherren (von lat. frater = Bruder) genannt. Regional verbreitet waren die Bezeichnungen Kogel- oder Kugelherren beziehungsweise Kugelhaus für ihre Stiftsgebäude. Diese Bezeichnungen waren möglicherweise von ihrer „Gugel“ genannten Kopfbedeckung abgeleitet. Die Brüderschaft war eine am Ende des 14. Jahrhunderts in Deventer um Geert Groote entstandene religiöse Gruppe, deren Mitglieder keine Mönchsgelübde ablegten, sich aber in kleinen klosterähnlichen Gemeinschaften (Kloster Windesheim bei Zwolle, siehe Windesheimer Chorherren) oder sogenannten Brüder- oder Fraterhäusern zusammenschlossen.

Sie predigten eine praktische Frömmigkeit und galten als die wichtigsten Vertreter der Devotio moderna. Ihr Einfluss auf das Geistesleben in den Niederlanden und Nordwestdeutschland war bis zur Reformation bedeutend. Besonders bedeutsam war ihre frühe Nutzung des Buchdrucks. 1468 richteten sie im Kloster Marienthal in Geisenheim die erste Klosterdruckerei überhaupt ein. Das Fraterhaus in Rostock, auch als Michaeliskloster bekannt, unterhielt eine der wichtigsten Buchdruckereien im Ostseeraum.

Ein bedeutender Bruder vom gemeinsamen Leben war Georgius Macropedius. Auch der Theologe Thomas von Kempen (Thomas a Kempis) kann zu dieser Gruppe gerechnet werden. Gabriel Biel war Vorsteher des Brüderhauses in Butzbach.

Im Laufe der Reformation und endgültig dann im 17. Jahrhundert starben diese Gemeinschaften aus.

In Marburg ist noch der umfangreiche Komplex der Kugelherren aus spätgotischem Kugelhaus, das heute die Völkerkundliche Sammlung der Universität enthält, und der Kugelkirche erhalten. Einen Altar in dem zugehörigen Krankenhaus (infirmaria) weihte um 1495 der Erfurter Weihbischof Johannes Bonemilch von Laasphe. 1527 ging das Haus, in dem auch eine Lateinschule untergebracht war, an die Universität Marburg über, nachdem Landgraf Philipp die Niederlassung und die Schule, in der er selbst Schüler war, aufgelöst hatte.

Neuanfänge

Die Beschäftigung mit dem Lebensstil dieser Laienkommunitäten war Angang des 20. Jahrhunderts wegweisend für Entstehung einer gleichnamigen "Bruderschaft vom gemeinsamen Leben" in der Schweiz, die erste der neuen Kommunitäten, die in den Kirchen der Reformation klösterliche Lebensformen wiederbelebten. (Gründer: Gotthilf Haug (1875-1951), Jakob Schelker-Kellenberger (1868-1954), Lina Schelker (1861-1936).)

Seit 1975 gibt es wieder eine Kongregation "Brüder vom Gemeinsamen Leben", die Mitglied der Konföderation der Augustiner-Chorherren (CRVC) ist.

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