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Kloster Wettingen

Das Kloster Wettingen war ein Zisterzienserkloster in Wettingen im Schweizer Kanton Aargau. Es wurde 1227 gegründet und im Zuge der Säkularisierung im Jahr 1841 aufgehoben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Langhaus der Klosterkirche Wettingen

Freiherr Heinrich II. von Rapperswil kaufte nach 1220 Güter in Wettingen sowie das Patronatsrecht über die Kirche des Dorfes. Nachdem Heinrich während der Kreuzzüge auf wundersame Weise aus Seenot gerettet worden war, schenkte er seine Besitztümer in Wettingen dem Kloster Salem, einer Zisterzienserabtei im nördlichen Bodenseeumland. Das für den Neubau notwendige Grundstück stiftete das Kloster Schänis. Der Salemer Abt Eberhard von Rohrdorf entsandte die für eine Neugründung notwendigen zwölf Mönche und einige Laienbrüder unter dem designierten Abt Konrad, zuvor Eberhards Stellvertreter.

Am 14. Oktober 1227 begannen die Mönche mit dem Aufbau des Klosters Maris Stella (Stern der Meere). In Erinnerung an ihren grosszügigen Spender lautete der Wahlspruch „Non mergor“ (lat. „Ich gehe nicht unter“). Im Jahre 1256 wurde die Klosterkirche Maria Meerstern wie alle Kirchen des Zisterzienserordens der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter geweiht, mit dem Patrozinium am 15. August. Von Anfang an konnte das Kloster seinen Grundbesitz vermehren; in Uri, in Zürich, in Riehen und vor allem im Limmattal um Wettingen herum. Das meiste war Streubesitz. Im Limmattal besass die Abtei die niedere Gerichtsbarkeit. Schirmherren waren bis 1415 die Habsburger, danach die Eidgenossen.

Im frühen 16. Jahrhundert war das Kloster aufgrund finanzieller Probleme stark geschwächt. 1529 trat die Mehrheit der Mönche zum reformierten Glauben über. Nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 verfügten die katholischen Orte die Rekatholisierung des Klosters und ernannten bis 1564 die Äbte selbst.

Unter der Führung des Abtes Christoph Silberysen (1563 - 1594) entstanden im Kloster reich illustrierte Chroniken; die Abtei erhielt Glasgemälde und Standesscheiben. Unter Abt Peter Schmid (1594 bis 1633) blühte das Kloster auf. Die Anlage wurde restauriert und erweitert, 1604 wurde eine Philosophie- und Theologieschule eröffnet, 1671 eine Druckerei. Während des Zweiten Villmergerkriegs von 1712 mussten die Mönche für einige Zeit in die Innerschweiz flüchten. In den Wirren nach der Französischen Revolution war das Kloster Zufluchtsort für Tausende von religiösen und politischen Flüchtlingen aus Frankreich.

1803 gelangte das Kloster in den Besitz des neu gegründeten Kantons Aargau, der vorerst das Weiterbestehen zusicherte. Das Kloster wurde jedoch zur Führung einer Schule verpflichtet. Ab 1830 stellte die Aargauer Regierung immer höhere Geldforderungen an das Kloster. 1834 wurde das Vermögen unter staatliche Aufsicht gestellt, ein Aufnahmeverbot für Novizen verhängt und die Klosterschule geschlossen. Am 13. Januar 1841 beschloss das Aargauer Kantonsparlament die Aufhebung aller aargauischen Klöster, was zum Aargauer Klosterstreit führte.

Kurz darauf mussten die Mönche - unter ihnen Alberich Zwyssig, der Komponist des Schweizerpsalms - das Kloster verlassen. Die umfangreichen Bestände der Klosterbibliothek wurden von der Aargauischen Kantonsbibliothek übernommen. Die Mönche zogen einige Jahre umher und machten am 8. Juni 1854 das säkularisierte Benediktinerkloster Mehrerau in Bregenz zu ihrer neuen Heimat. Diese Abtei heisst seither Territorialabtei Wettingen-Mehrerau.

Die leer stehenden Gebäude wurden 1843 dem Lehrerseminar zur Verfügung gestellt. Seit 1976 werden die Räumlichkeiten von der Kantonsschule Wettingen benutzt. In der Klosterkirche werden wöchentlich römisch-katholische und christkatholische Gottesdienste gehalten. Es finden auch Hochzeiten statt.

Gebäude

Das Kloster bestehet aus einer Vielzahl von Gebäuden. Diese verteilen sich auf den inneren und äusseren Klosterberzirk sowie auf Bauten ausserhalb des Schutzgürtels. Der innere Klosterbezirk war das eigentliche Kloster mit der Kirche und den Aufenthaltsräumen der Mönche, während der äussere Klosterbezirk die Gebäude für die Versorgung und Unterbringung der Gäste des Kloster beinhaltete. Um das Kloster befanden sich noch andere Gebäude, die zwar dem Kloster gehörten, aber der weltichen Obrigkeit unterstanden.

Klosterkirche

Die Klosterkirche wurde schon im 13. Jahrhundert erbaut, aber mehrmals umgebaut und erweitert. Sie ist in zwei Teile geteilt. Der hintere Teil des Schiffes war schon während des Klosterbetriebs der Öffentlichkeit zugänglich und wird deswegen Konversenkirche genannt. Der vordere Teil des Schiffes ist durch ein Portal vom hinteren Teil abgetrennt und war nur dem Mönchen und Geistlichen zugänglich, weshalb er auch Mönchskirche genannt wird. Es gibt nur ein Kirchengebäude auf dem Klosterareal, das sowohl als Klosterkirche, Konversenkirche und Mönchskirche benannt werden kann, je nachdem ob das gesamte Gebäude gemeint ist oder nur ein Teil davon.

Innerer Klosterbereich

Der innere Klosterbereich umfasst den Kreuzgang mit dem umstehenden Gebäuden und den Osthof mit den umstehenden Gebäuden sowie auch die Klosterkirche. Der Kreuzgang besitzt grosse gotischen Masswerkfenster zum Kreuzganggarten hin. Diese Fenster sind mit Kabinettscheiben mit Glasmalereien geschmückt.

Im Erdgeschosses des Osttraktes befindet sich die Kreuzgangkapelle. Diese endstand um 1285 und wurde 1953 wiederhergestellt. Dabei wurden auch die spätmittelalterlichen Fresken wieder sichtbar gemacht, welche die Taufe Jesu sowie die Heiligen Benedikt von Nursia und Antonius Eremita darstellen. In der Kapelle befindet sich ein Holzbild des Sitzenden Jesuskindes (15.Jh.). Die zahlreichen Glutlöcher erinnern an die wundersame Bewahrung dieses Bildes im verheerenden Klosterbrand vom 11. April 1507, am Sonntag nach Ostern. Das herzförmige Glutloch im Zentrum des Bildes bildet zugleich das Herz des Jesuskindes.

Ebenfalls im Erdgeschoss des Osttraktes befindet sich der Kapitelsaal. Er wird seit seiner Renovation 1954, wobei er auch eine Rückführung in sein ursprüngliches Aussehn erhielt, als Musikaula benutzt.

Äusserer Klosterbereich

Der äussere Klosterbereich umfasst alle Gebäude an der Klosterstrasse, die sich innerhalb der Schutzmauer befanden. Die Schutzmauer trennte die gesamte Halbinsel ab.

Das Schwesternhaus ist das einzige historische Gebäude, das im Bereich des Klostertores erhalten geblieben ist. Die beiden Torhäuser, die sich nordwestlich davon befanden, wurden abgebrochen. Der dazwischen liegende Platz war während des Klosterbetriebes jener Bereich, wo sich der sakrale und der weltliche Bereich trafen. Nach der Klosteraufhebung wurde das Schwesternhaus zum Gasthaus zum Sternen umgebaut.

Das ehemalige Weinlager, auch Langhaus genannt, bildet zusammen mit dem Schwesternhaus den markanten Riegel zwischen dem ehemaligen Kloster und der Gemeinde Wettingen. Der 70 Mtere lange Langbau beherbergt heute die Biologie- und Chemielehrerräume und auch Vorbereitungs- und Praktikumsräume. Er wurde nach der Klosteraufhebung oberirdisch stark verändert um dem neuen Verwendungszweck erfüllen zu können.

Südöstlich in der gleichen Achse schliesst sich dem Langbau das ehemalige Backhaus an. Karl Rothpletz gestaltete es 1884 zu einer Wohnung um. Danach folgt der mehrseitig offene Zwyssighof, wo sich früher das abgebrochene Knechten- und Gesindhaus befand. Der Hof erhielt seinen Namen von der Bronzeplastik welche den Alberich Zwyssig zeigt. Das Kunstwerk wurde 1954 vom Bildhauer Eduard Spörri geschaffen.

Bildergalerie

Literatur

 Commons: Kloster Wettingen – Bilder, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 27' 23" N, 8° 18' 57" O