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Gräzistik

Die Gräzistik oder Altgriechische Philologie ist die Wissenschaft von der Sprache und Literatur des Altgriechischen.

Gräzistik kann an vielen deutschen Universitäten studiert werden (Abschlüsse: Magister, Staatsexamen, Bachelor/Master) und bildet zusammen mit der Latinistik die sogenannte Klassische Philologie. Ziel des Studiums der Gräzistik ist bis heute die möglichst exakte Beherrschung der altgriechischen Sprache, zumindest in deren schriftlicher Form. Dies wird durch Übersetzungen der griechischen Texte ins Deutsche, aber auch durch Übersetzung deutscher Texte ins Griechische geübt. Da die Gräzistik sich ebenso wie die Latinistik mit Sprache und Literatur beschäftigt (die Trennung zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft ist in den klassischen Philologien weit weniger scharf als in den Neuphilologien), kommt zur Beherrschung der Sprache eine umfassende Kenntnis der griechischen Literatur. Auch für die Studenten der Latinistik sind Grundkenntnisse der Gräzistik von Bedeutung. Aus diesem Grund muss bis heute jeder Latein-Student auch ein Graecum besitzen.

Inhaltsverzeichnis

Die Gräzistik als Literaturwissenschaft

Die Gräzistik behandelt alle Autoren von Beginn der griechischen Schriftlichkeit (Homer oder Hesiod) bis zur Byzantinistik, wobei das Ende der griechischen und der Beginn der byzantinischen Literatur fließend ineinander übergehen bzw. nicht klar definiert werden kann. Teilweise gibt es extra Lehrstühle für Byzantinistik (z.B. FU Berlin), teilweise werden Lehrveranstaltungen zur Byzantinistik innerhalb der Gräzistik angeboten (z.B. FSU Jena). Schwerpunkte innerhalb der Gräzistik bildet das Studium der sogenannten klassischen Autoren, das sind für

Dazu kommen die hellenistischen Autoren sowie das Neue Testament, das in der griechischen Gemeinsprache Koine geschrieben ist (wobei das NT eher in den Theologischen Studiengängen behandelt wird als in der Gräzistik).

Stellung des Faches

Die Gräzistik ist in Deutschland (in geringerem Umfang auch in der Schweiz und Österreich) Teil des Fächerkanons an deutschen Universitäten. Da die griechische Sprache zusammen mit der lateinischen immer an Gymnasien unterrichtet wurde, hat die Gräzistik auch immer an den Universitäten ihrer Beitrag zur deutschen Lehrerausbildung geleistet. Da heutzutage nur noch sehr wenige Schüler Griechisch an den Schulen lernen, sind die Studentenzahlen der Gräzistik auch eher gering. Teilweise wird die Gräzistik als Orchideenfach bezeichnet, da man außerhalb des Lehrberufs auch keine besonders guten Chancen auf Arbeit in der freien Wirtschaft hat. Andererseits zeichnet sich der Stellenwert der Gräzistik aber weiterhin dadurch aus, dass die griechischen Texte das Fundament der modernen europäischen Gesellschaft bilden, dass die griechischen Texte den Beginn der europäischen Schriftlichkeit setzen.

Nachbar- und Spezialdisziplinen

Zur Ausbildung in Literatur und Sprache sollen Kenntnisse in den Nachbar und Spezialdisziplinen gelehrt werden. Wichtig sind vor allem Kenntnisse in griechischer Geschichte, griechischer Kultur und griechischer Philosophie, ohne deren Kenntnis ein Verständnis vieler griechischer Texte nicht möglich ist. Gerade für Lehramtsstudenten ist die umfassende Kenntnis auch dieser Bereiche von Bedeutung, da auch deren Vermittlung innerhalb des Griechischunterrichts in den Schulen Teil des Lehrplans ist. Bei den Spezialdisziplinen sind vor allem die Epigraphik, die Papyrologie und die Textkritik zu nennen. Gerade durch die Anwendung der Papyrologie konnten viele neue Texte gewonnen werden (siehe: Oxyrhynchus).

Geschichte des Fachs

Griechische Philologie ist bereits in der Antike betrieben worden, zur Zeit des Hellenismus haben sich griechische Philologen sehr genau mit den vorhandenen Homer-Texten befasst, die zu dieser Zeit wohl schon sehr unterschiedlich waren. Mit dem Aufstieg des römischen Imperiums kam die griechische Sprache auch nach Rom, jeder gehobene römische Bürger konnte Griechisch ebenso wie Latein sprechen (ungefähr ab 150 v. Chr). Es ist daher nicht verwunderlich, dass einige Römer ihre Werke in griechischer Sprache verfassten (so z.B. Kaiser Marc Aurel). Mit dem Beginn der Spätantike (ca. 4. Jh. nach Chr.) nahmen die Griechischkenntnisse im Westen dann ab, was auch zu einem Niedergang der griechischen Philologie in Westeuropa führte. Bewahrt worden ist die Gräzistik zu dieser Zeit hauptsächlich durch byzantinistische Gelehrte, auch in Arabien hat man sich mit griechischer Literatur, häuptsächlich Aristoteles, beschäftigt.

Mit der Renaissance und dem Humanismus kehrte das Griechische nach Westeuropa zurück und überholte das Lateinische sogar in seiner Bedeutung. Im 18. Jahrhundert beschäftigten sich wichtige Persönlichkeiten wie Winckelmann, Nietzsche und Goethe mit dem Griechischen, Johann Heinrich Voß legte seine berühmte Übersetzung der homerischen Epen vor. Im 19. Jahrhundert war der Höhepunkt der Gräzistik in Deutschland erreicht, als bedeutendster Philologie dieser Zeit gilt Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff. Im 20. Jahrhundert nahm die Bedeutung der griechischen Philologie dann mehr ab (parallel zur Abnahme der Bedeutung des Griechischen an den deutschen Gymnasien), trotzdem haben sowohl in West- als auch in Ostdeutschland immer bedeutende Gräzisten gewirkt (z.B. Bruno Snell, Friedrich Zucker). Heute kann man an den meisten Universitäten, an denen auch Latein studiert werden kann, Griechisch studieren, da die beiden Fächer die Klassische Philologie bilden und häufig von Studenten fachlich kombiniert werden möchten.

siehe auch: Liste der klassischen Philologen

Literatur

Siehe auch