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Das Paradies und die Peri

Das Paradies und die Peri (op.50) ist ein weltliches Oratorium von Robert Schumann. Es entstand zwischen Februar und Juni 1843 und gelangte am 4. Dezember 1843 in Leipzig zur Uraufführung.

Besetzung und Aufbau

Soli (Sopran, Mezzosopran, Alt, Tenor, Bass), achtstimmig gemischter Chor und Orchester. Dreiteiliger Aufbau mit insgesamt 26 Nummern. Aufführungsdauer etwa 90 Minuten.

Libretto

Das Libretto des Oratoriums wurde nach dem Orient-Epos Lalla Rookh von Thomas Moore von Emil Flechsig und dem Komponisten übersetzt und bearbeitet. Schumann dürfte die Erzählung Moores bereits als Kind gekannt haben, da 1822 eine deutsche Übersetzung im Verlag seines Vaters erschien. Nach Anregung durch Schumanns Freund Flechsig entstand der Oratorientext ab 1841 und war am 6. Januar 1842 fertiggestellt. Schumann nannte das Werk auch zunächst „Dichtung“ und nicht Oratorium, um die Neuartigkeit der kompositorischen Anlage zu betonen.

Handlung

Die Peri (persisch für Fee, Elfe), Kind eines gefallenen Engels und einer Sterblichen, versucht Zutritt zum Paradies zu erlangen, von dem sie aufgrund ihrer unreinen Herkunft ausgeschlossen wurde. Ihre ersten beiden Opfergaben - das Blut eines tapferen, jungen Kriegers und der letzte Seufzer einer in den Armen ihres von der Pest dahingerafften Geliebten sterbenden Jungfrau - werden von dem himmlischen Wächter nicht anerkannt. Erst mit den Tränen eines Verbrechers beim Anblick eines betenden Knaben erreicht die Peri schließlich ihr Ziel.

Der heute als kitschig empfundene Text - wohl Hauptgrund für seine geringe Rezeption im 20. Jahrhundert - geht auf eine altpersische Sage zurück. Sie mag den Zeitgenossen überwiegend durch den romantischen und orientalischen Anklang, sowie durch den Gedanken der individuellen Erlösung angesprochen haben. Die Uraufführung war für Schumann ein entscheidender Erfolg; bis 1855 erlebte das Werk fünfzig Aufführungen.

Durch eine Uminterpretation und Umstellung des Textes und der einzelnen Nummern wurde das Werk 1914 als „Musik zur Totenfeier unserer Heldenscharen“ missbraucht („Blut eines tapferen, jungen Kriegers“). Ebenfalls in diesem Sinne wurde es in einer auf Grund eines Aufrufs der Reichsmusikkammer von Max Gebhard überarbeiteten Fassung, die das Thema der Reue an den Anfang und das des Opfertodes zur Erzielung einer heldischen Wirkung an das Ende versetzte, 1943 unter der Leitung von Kurt Barth bei den offiziellen Schumann-Feierlichkeiten in Schumanns Geburtsstadt Zwickau aufgeführt und durch begleitende Vorträge politisch umgedeutet. Danach jahrzehntelang vernachlässigt, wird das Oratorium heute wieder öfter und von bedeutenden Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt (u.a. Wien, März 2008) aufgeführt und ist in mehreren CD-Aufnahmen präsent.