Heim

Diskussion:Destruktivität

Ich würde schon noch gerne erfahren, von welchen AutorInnen der Arbeitssoziologie diese Ansichten/Interpretationen von Destruktivität stammen. --Katharina 18:51, 3. Aug 2004 (CEST)

Ich fand die Diskussion zur "Destruktivität spannend. Der Ansatz "produktiv/destruktiv" wurde m. W. erstmals von Clausen (Kiel) auf dem Soziologentag in Bamberg (wann war der bloß?) vorgestellt, und dann in den arbeitssoziologischen Kursen der FernUni Hagen verbreitet (Jäger, Pfeiffer), und findet sich sich dann eben in der Literatur wieder. Hans Werder 62.246.209.90 19:58, 5. Aug 2004 (CEST)

Sehe dass genauso wie Katharina. Lieber anonymer Benutzer (vielleicht verrätst Du uns etwas über Deinen Background). Du hast ja meine Einschränkung eingeschränkt durch die Ersetzung industriepolitisch . Du kannst auch gerne eine bestimmte Ansicht vertreten, es müsste dann aber klar sein, ob das allgemeiner Kanon ist oder "aus welcher Ecke" das kommt.
Zunächst eine ganz allgemeine Frage, um ein Argument aus der Diskussion von jemand anderem aufzugreifen: Wieviel Prozent der Soziologen würden denn grundsätzlich das Bauen von Autos mit dem Abwerfen von Bomben vergleichen bzw. diesen Vergleich unproblematisch finden? --Philip 18:49, 4. Aug 2004 (CEST)

Ist die Frage nicht polemisch? Wieviele Soziologen würden Werkmeister mit dem Unteroffizier vergleichen? Sie müßten dazu Kurt Holm gelesen haben und z. B. beim Bund gewesen sein. Für Nichtsoziologen ist es vielleicht erstaunlich, wie viele unterschiedliche Schulen in der Soziologie bestehen (siehe Soziologie), so dass der "allgemeine Kanon" jenseits des Methodischen recht kurz ist. Aus welcher Ecke? Der "Destruktivitäts"-Ansatz ist nach meinem Urteil deutlich konfliktsoziologisch. Hans Werder 62.246.209.90 19:58, 5. Aug 2004 (CEST)
Hallo. Ich gebe zu, dass einiges in meinen Formulierungen hier polemisch ist, diese Frage hatte ich gehofft, ließe sich einfacher klären. Wenn Du das als Fachmann für vertretbar in einer Enzyklopädie hältst, zweifele ich das nicht an. --Philip 01:52, 6. Aug 2004 (CEST)

Zweitens bitte ich um eine etwas allgemeinverständlichere Beschreibung des folgenden Satzes:

"Aus dieser Sichtweise heraus wird industriesoziologisch (ohne dass dies eine allgemeingültige Wertung darstellt) Serien- und Massenproduktion in einem Industriebetrieb im Vergleich zur "Serien-" und "Massendestruktion" im Krieg untersucht (z. B. in Gestalt von Raketenbatterien, aber auch von Schlacht- und Luftflotten, die insoweit wie mobile Industriebetriebe aufgefasst werden). Ashworth hat dies strukturfunktionalistisch am Beispiel der Auswirkung des Trommelfeuers im Grabenkrieg im Ersten Weltkrieg untersucht (Trench warfare)."

Ich finde persönlich den Artikel mit Ausnahme dieses Satzes OK. Mir ist aber weder vom Verständnis her klar, was genau verglichen wird: Gilt das nur für Betriebe, die Raketenbatterien bauen, oder wieso sind Luftflotten mobile Industriebetriebe (was produzieren die denn)? Was hat Trommelfeuer mit Industriebetrieben zu tun? --Philip 18:49, 4. Aug 2004 (CEST)

BUm es klar zu sagen, der zunächst ins Auge stossende Vergleich von Industrie und Massenvernichtung hat nicht die nötige Objektivität und Meinungsunabhängigkeit, um ohne weitere Klärung unverändert zu bleiben. Zweitens sind wissenschaftliche Artikel bestimmt eine Zierde der Wikipedia, aber sie müssen ein gewisses Maß an Allgemeinverständlichkeit bieten und keine Minderheitsmeinungen vertreten (wie bei Eigenüberlegungen).

Damit meine ich den Satz:

"Empirisch wird der Unterschied (z. B. freizeitsoziologisch) anhand der Bräuche der Genugtuung untersucht, die nach einer abgeschlossenen "destruktiven Arbeit" bzw. anders nach einer abgeschlossenen "vernichtenden Tätigkeit" beobachtbar werden."

Wenn ich das richtig verstehe, ist es destruktive Arbeit, wenn ein Profikiller oder Soldat jemanden erschießt, und danach Mittagessen geht, hingegen eine vernichtende Tätigkeit, wenn er danach einen Freudentanz aufführt, wie er das auch bei einem Tor seiner Heimmannschaft macht.

Das konnte sogar ich verstehen, bis ich das hirnrissige - also gut: abwegige Beispiel las, das Philip gebildet hat. (a) Ein Profikiller ist nach meiner Kinokenntnis ein Facharbeiter der Mafia im Außendienst. Ein Soldat hingegen arbeitet im Frieden (BW: ziemlich viel im Frieden) und Krieg, wo er auch töten soll. Wenn du beide ablehnst, solltest du es immer noch nicht gleich setzen, sonst wirst du ganz schöne Fehler machen, wenn du bei der Wahl deiner Umgangsformen den einen mit dem andern verwechselst. (b) Und ein Fan hat den Fußballern bei der Arbeit zugesehen (eigene Tore produzieren, Torchancen der anderen destruieren), nicht aber selbst gearbeitet. Seine Freudentänze gehören nicht hierher. "Freudentänze" werden von der SS nach dem Vergasen nicht berichtet, Kogon hat da ganz Anderes beobachtet. - Fast glaube ich, dass es dich kränkt, wenn "Arbeit" nicht 'gut' ist. Könnte das nicht ein schädliches Vorurteil sein. Arbeit produziert und destruiert immer, leiderleider. Hans Werder 62.246.209.90 19:58, 5. Aug 2004 (CEST)

@Hans Werder - Es muß sich niemand beleidigt fühlen. Ich erwähne sie nur insofern im gleichen Satz, wenn es sich um Menschen handelt, die töten- ich rede nicht von Friedenszeiten. Ich war auch Soldat. Es geht hier ja nur um die Unterscheidung ("freizeitsoziologisch") von Genugtuungsformen, insofern hatte ich lediglich die Abwesenheit derselbsen mit einer in der Freizeit möglichen Genugtuungsform verglichen. Letztes Wort von mir zum Soldat: Ich glaube nur nicht an das "saubere oder ehrenvolle Töten" (gebe aber mögliche Notwendigkeiten zu)- wenn ich selbst in eine solche Lage käme, würde ich zugeben, dass das "Tier" immer irgendwo freigesetzt werden kann, siehe Irak. Alles Reservisten in Abu Greid(=vor kurzem Zivilisten), die Anmerkung unseres Vert.ministers, dass sowas bei "unseren Jungs" nicht passieren kann, ist dumm und eine Beleidigung der deutschen Geschichte. Die Macht töten (oder foltern) zu können, führt nicht zu ehrenvollem Tun, beim Zusammenbruch zivilisatorischer Regeln ist es nicht einfach, andere aufrecht zu erhalten. --Philip 01:40, 6. Aug 2004 (CEST)

Zurück zum Thema :-) Schon klar mit der Destruktivität, der Arbeit, ich hab nur ein Problem mit dem einen Satz und dem danach im Raum schwingenden Schluß: Alles hat destruktive Züge, also also kann ich alles vergleichen unter dieser Abstraktion, also ist alles vergleichbar, also ist Töten ja gar nicht so außergewöhnlich, also ist Töten ja nicht so schlimm...
Ich gebe zu, ich halte es nicht für sinnvoll, auch nicht wissenschaftlich, Dinge, die mit Töten zu tun haben, auch nicht abstrakt, mit Dingen "gleichzusetzen", die nicht mit Töten zu tun haben. Deswegen schrieb ich ein krass sarkastisches Beispiel: "Die Destruktion vergleichen, die ein Säugling beim Saugen an der Mutterbrust verursacht und derjenigen, die Hitler angerichtet hat." Einen Rüstungsbetrieb der Destruktivität zuzuordnen, natürlich einverstanden, aber so war das ja wohl nicht eingeschränkt, oder? Den Unterschied zwischen dem Stifthersteller und demjenigen, der einen Tötungsbefehl unterschreibt, sollte man nicht gleichmachen, hier wollte ich nur sicher sein, wie das gemeint ist.

Mit verantwortungssoziologischen und moralsoziologischen (oder heißt das soziologethisch :-) Grüßen -- Philip 01:40, 6. Aug 2004 (CEST)

Wunderbare Diskussion. Wärs nur immer so. Das Problem mit dem Töten bleibt der Soziologie (und nicht nur dieser Wissenschaft) immer, und doch muss man hin sehen: Auch getötet wird sozial. Ach, d.h. :-|. 62.246.176.176 11:22, 6. Aug 2004 (CEST)

Stimme zu. -- €pa 14:19, 11. Mai 2008 (CEST)