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Alter Markt (Köln)

Der Alter Markt (Kölsch Alder Maat) ist neben dem Heumarkt der größte Altstadtplatz in Köln. In der Römerzeit lag das Gelände des heutigen Platzes vor der Rheinmauer und wurde als Hafen genutzt; im Laufe der Zeit versandete der Hafen jedoch und wurde im Rahmen einer Stadterweiterung endgültig zugeschüttet; eine erste urkundliche Erwähnung als mercatus coloniae findet er im Jahr 992 n. Chr. Die gesamte, durch die Stadterweiterung erschlossene, Rheinvorstadt hatte in dieser Zeit den Charakter eines einzigen großen, zentralen Marktes für Köln, mit dem Alter Markt in der Mitte. Hier befand sich auch die erzbischöfliche Münze.

Eine Unterteilung des großen Marktgeländes durch Buden und Gassen im 11. Jahrhundert bewirkte eine Trennung des Platzes, und zu Beginn des 13. Jahrhunderts erhielt die abgeteilte südliche Hälfte des Marktplatzes den Namen „Heumarkt“.

Neben seiner Funktion als Marktplatz diente der Alter Markt im Mittelalter auch als Gerichts- und Richtstätte sowie als Turnierplatz; das „Gericht auf dem Kornmarkt“ wurde hier abgehalten, und es gab einen Pranger und ein „Drillhäuschen“. 1486 nahm der spätere Kaiser Maximilian an einem Turnier auf dem Alter Markt teil und wurde legendär aus dem Sattel in den Mist geworfen.

Während der französischen Besatzung Kölns trug der Markt den Namen Le grand Marché, „der Große Markt“. Über die Jahrhunderte wurde der Platz oftmals enthusiastisch an anderen berühmten Plätzen gemessen, so verglich ihn etwa Sibylle Mertens-Schaaffhausen mit der Piazza Navona in Rom; im „Beobachter des Rheindepartementes“ 1802 wurde der Alter Markt „Cölnischer Markusplatz“ genannt. Für die Kölner hingegen war er Et jolde Böddemche („der goldene Boden“, „eine Goldgrube“). Der heutige Name „Alter Markt“ ist ein feststehender Eigenname und wird nicht flektiert.

In der Mitte des Alter Markts befindet sich ein 1884 entstandener Brunnen mit dem Denkmal für Jan von Werth. Direkt gegenüber befindet sich die älteste Apotheke Kölns, die Jan von Werth-Apotheke (gegründet 1584). Die Westseite des Platzes wird vom alten Rathaus dominiert, das Elemente der Neurenaissance enthält und im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Das gleiche gilt für die meisten der großzügigen Renaissance-Bauten, die den Platz säumten; sie hatten Namen wie „Zum Olvansrucken“ („Elefantenrücken“), „Zum Papagei“, „Zum Regenbogen“ oder „Zu den sieben Sternen“. Erhalten geblieben ist hingegen das 1580 entstandene Haus „Zur Bretzel“ an der Ostseite. Das Haus „Zum Granen“, das als eines der schönsten gotischen Häuser Deutschlands galt, wurde bereits 1853 abgerissen.

1970 bis 1972 wurde der Verwaltungstrakt des Rathauses nach Entwürfen des Architekten Karl Band in typischem Stil der damaligen Zeit neu aufgebaut. Die Ostseite wurde nach Plänen von Hans Spiertz modern, aber in alten Proportionen wiedererrichtet. Einige historische Details des alten Platzes wurden von dem Düsseldorfer Kunstprofessor Ewald Mataré neu gestaltet, so etwa die skurrile Plastik des Kallendressers (Hochdeutsch: jemand, der seine Notdurft in die Regenrinne verrichtet), zu deren Entstehung es mehrere Legenden gibt. Eine berichtet, es habe Streit zwischen zwei Bewohnern eines Hauses am Alter Markt gegeben, von denen einer stets laut und bei offenem Fenster seine Tuba geblasen habe — woraufhin der andere, in der Wohnung darüber lebend, sich eines Tages nicht mehr anders zu wehren gewusst habe, als dem Nachbarn „gezielt“ von oben seine Tuba mit Exkrementen zu verstopfen. Eine andere Legende spricht davon, man habe den Politikern im Rathaus, das direkt gegenüber liegt, seine Kritik auf derbe Art zu verstehen gegeben. War die ursprüngliche Plastik ein flaches, etwa 70 cm² großes Relief am Haus Nr. 40 Em Hanen, heute ist es in Dachnähe an dem unauffälligen Haus Nr. 24 an der Ostseite angebracht.

2007 wurde in einer Tiefe von über 11 Metern ein römisches Schiffswrack entdeckt, das wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammt.[1]

Zweimal jährlich ist der Alter Markt das Zentrum des Kölner Karnevals, hier wird zum einen am 11. November um 11.11 Uhr die neue Karnevalsession eröffnet und zum anderen an Weiberfastnacht offiziell der Straßenkarneval eröffnet, der Köln in den Tagen bis Aschermittwoch dominiert.

Quellen

  1. Schiffswrack unter dem Alter Markt entdeckt
 Commons: Alter Markt (Köln) – Bilder, Videos und Audiodateien

7Koordinaten: 50° 56′ 19″ N, 6° 57′ 36″ O