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Vorgeschichtlicher Bohlenweg

Speziell aus der Weser-Ems-Region, im nordwestlichen Niedersachsen ist das Phänomen vorgeschichtlicher Bohlenweg bekannt. Bisher wurden hier über 300, in den benachbarten Niederlanden weitere rund 40 artifizielle Wege gefunden. Aus der neolithischen und bronzezeitlichen Epoche erhielten sich aufgrund der guten Konservierungseigenschaften für organisches Material vom Moor überwachsene hölzerne Wegebauten in diesen Regionen.

Das Seeklima und der holozäne Meeresspiegelanstieg förderten die Vermoorung Norddeutschlands. Nördlich der Geestrücken zeigt die alte Kartierung Landstriche, die vom Moor bedeckt und von Geestinseln durchdrungen waren. Mit etwa 6300 km² war etwa ein Sechstel des Landes Niedersachsen bis ins 18. und 19. Jahrhundert hinein von Mooren bedeckt, davon nahmen die Hochmoore etwa 55 % der Fläche ein. Bis zur Trockenlegung und Kultivierung bildeten Moore für die Verbindung zwischen den besiedelbaren Flächen naturräumliche Barrieren, die außerhalb der Frostperiode, scheinbar durch die Anlegung von Bohlenwegen überwunden wurden.

Ein Weg ist in der Regel eine artifizielle Verbindung zwischen verkehrstechnisch ansonsten getrennten Orten. Ein auf einer Geestinsel endender Moorweg, der also eine Sackgasse bildet, ist hingegen ein Steg. Der älteste, stellenweise sehr breite und kurvenreiche Weg/Steg im Norden (mit der arch. No. XXXI Pr), verlief im Campemoor bei Damme (Landkreis Vechta) durch einen Wald und existierte laut C14-Daten zwischen 4.835 und 4.715 v. Chr.[1], also mehr als ein Jahrtausend vor der ältesten Raddatierung. Somit besteht zwischen Bohlenwegen und der Nutzung von Fahrzeugen kein Kontext. Die 14 breiteren überhaupt für Wagen geeigneten Wege bilden ohnehin die Ausnahme.[2] Auf Geestinseln endend sind sie verkehrstechnisch gesehen keine Verbindungswege sondern Stege. Ihr eigentlicher Nutzungszweck ist unklar.

Die Einebnung der Stegoberfläche durch den Einsatz von Bohlen statt der anfangs verwandten runde Pfähle muss lt. Hajo Hayen vor dem Hintergrund bronzezeitlicher Befahrung der nur temporär, nach Hayen etwa 10-30 Jahre, nutzbaren Stege gesehen werden.

Der mit 1,8 km sehr lange „Sweet Track“ auf den Britischen Inseln ist ein jüngerer Bohlenweg. Er führt über ein Sumpfgebiet in der Grafschaft Somerset. Die verwendeten Baumstämme wurden vor etwa 3800 v. Chr. gefällt.

Literatur

Quellen

  1. Burmeister: Rad und Wagen. 2004, S.336
  2. Burmeister: „Bei den meisten dieser (200) Wege handelt es sich um schmale Stege, die den vernäßten Randmoorbereich überbrücken und auf die Hochmoorfläche führen“ (Burmeister: Rad und Wagen. 2004, S.335)