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Stadtmauer (Nürnberg)

Die Stadtmauer ist eines der bedeutenden Kunst- und Baudenkmäler der Stadt Nürnberg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In seiner langen Geschichte wurde Nürnberg nur einmal mit militärischen Mitteln eingenommen – 1945 durch die Amerikaner. Dass dies zuvor niemals geschah, ist neben geschickter Politik vor allem der über Jahrhunderte ausgebauten und unüberwindlich scheinenden Stadtbefestigung zuzurechnen, die bis heute ihresgleichen sucht.

Die letzte, heutige Stadtumwallung wurde 1400 geschlossen und ist in Mauer, Zwinger und Graben gegliedert fünf Kilometer lang. Der etwa 1430 im Blick auf die Hussitenkriege ausgehobene Graben war im Schnitt 12 Meter tief und bis zu 20 Meter breit, im Gegensatz zu manchem Burggraben aber niemals mit Wasser gefüllt. Wenn auch zum Teil stark restauriert bzw. wiederaufgebaut, ist die Stadtmauer im Verlauf fast komplett erhalten und umgibt heute noch die Altstadt – die größte Lücke besteht über 310 Meter beim Laufer Torturm (49° 27' 27,55" N, 11° 5' 17,75" O).

Anders als beispielsweise in Rothenburg ob der Tauber prägt nicht eine mittelalterliche Mauer mit begehbarem Wehrgang das Bild. Vielmehr stehen die vier dicken Türme wie Eckpfeiler, zwischen denen sich die Mauerzüge erstrecken, und nicht zuletzt die im Norden voll in die Befestigung integrierte weitläufige Burganlage. Bis ins 16. Jahrhundert wurde die Umwallung immer wieder dem Stand der Kriegstechnik angepasst – und diese verschiedenen Erweiterungen sind auch heute noch erkennbar.

Im 13. Jahrhundert waren die Stadtteile beiderseits der Pegnitz, Sebalder und Lorenzer Siedlung, zunächst getrennt befestigt und wurden erst 1320–1355 über den Fluss hinweg durch Mauern zusammengeführt. Von dieser vorletzten Mauer sind vor allem der Weiße Turm im Westen und der Schuldturm auf der Insel Schütt sowie der Laufer Schlagturm im Osten als markante Punkte zu nennen.

Der einzige mittelalterliche Rundturm Nürnbergs ist der 1313 erstmals urkundlich erwähnte Bergfried Sinwellturm. Die vier anderen Rondelle wie der abgebildete Laufer Torturm wurden erst Mitte des 16. Jahrhunderts durch Ummantelung rund.

Am westlichen Stadtausgang überspannt die sogenannte Fronfeste von 1489/94 imposant die Pegnitz; der Schlayerturm mit achtseitigem Helm schließt sich nördlich an. Stadtseitig vorgestellt ist der Kettensteg, den der Mechaniker Johann Georg Kuppler 1824 konstruiert hat (1930 wurden massive Stützen hinzugefügt). Am Nordufer der Pegnitz befindet sich das Hallertürlein.

Hinter, auf und vor der Mauer und in dem stellenweise erhaltenen Graben gibt es heute zumeist öffentlich zugängliche Spazierwege. Die mächtigen Bastionen westlich und nördlich der Burg sind als Burggarten eingerichtet und in der warmen Jahreszeit allgemein zugänglich.

Auf dem Plan des Zeichners Hans Bien kann man den Zustand der Mauer der Zeit um 1700 gut erkennen.

Von den noch bestehenden 65 Stadtmauertürme (von ursprünglich 118) werden heute viele von Organisationen, Vereinen und Privatleuten beispielsweise als Jugendzentrum, Beratungsstelle, Museum, Künstlertreff und Zimmer für Studenten genutzt.

So wurde der um 1480 errichtete Jakobsturm am Jakobstor entkernt und mit Eigenleistung unter Leitung des Stadthochbauamtes 2005 als Herberge für fahrende Gesellen eröffnet; 5 Schlafstellen, eine Küchenzeile und ein Badezimmer stehen den Wandergesellen zur Verfügung.

Siehe auch

Literatur

 Commons: Stadtmauer von Nürnberg – Bilder, Videos und Audiodateien