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Schwarzmeerflotte

Die Schwarzmeerflotte oder Rotbanner- Schwarzmeerflotte (russisch: Черноморский Флот oder Tschernomorskij Flot) ist der Teil der Seestreitkräfte der UdSSR bzw. Russlands, der im Schwarzen Meer und im Mittelmeer operiert. Sie ist in verschiedenen Häfen des Schwarzen und des Asowschen Meeres stationiert. Ihr Hauptstützpunkt ist die ukrainische Hafenstadt Sewastopol. Die fortdauernde Nutzung dieser Basis, mehr als eine Dekade nach dem Zerfall der Sowjetunion, führt gelegentlich zu Irritationen in den russisch-ukrainischen Beziehungen. Sie soll bis 2017 von der russischen Marine geräumt werden. Die Ukraine erhebt (nach russischen Angaben: [1]) eine jährliche Pacht für die Nutzung der Grundstücke von rund 100 Millionen US-Dollar.

Inhaltsverzeichnis

Zeit des Zarenreiches (1783 - 1922)

Die Flotte wurde 1783 auf Befehl von Zarin Katharina II. gegründet. Die ersten Schiffe stammten aus der 1695 von Zar Peter I. gegründeten Asow-Flottille. Die Flotte wurde schnell mit Schiffsneubauten aufgerüstet und ausgebaut. Im 18. und 19. Jahrhundert kämpfte die Schwarzmeerflotte gegen die türkische und französische Flotte. Ein Geschwader unter Admiral Fjodor Fjodorowitsch Uschakow operierte zusammen mit türkischen Schiffen erfolgreich im Mittelmeer gegen die Franzosen.

Im Krimkrieg (1853-1856) war die Schwarzmeerflotte zwar zunächst gegen die Türken erfolgreich, verhielt sich jedoch nach dem Erscheinen britischer und französischer Flotten passiv und beschränkte sich auf die Verteidigung Sewastopols, wobei die Schiffe nur als schwimmende Küstenbatterien eingesetzt wurden. Als Sewastopol 1856 fiel, wurden die noch existierenden Schiffe durch ihre Besatzungen gesprengt. Im Frieden von Paris, der den Krieg beendete, wurde das Schwarze Meer neutralisiert und Russland untersagt, mehr Kriegsschiffe darauf zu halten als die Türkei. Diese Beschränkung wurde 1871 auf der Londoner Pontuskonferenz wieder aufgehoben.

Nach der Oktoberrevolution in Russland fuhr die Schwarzmeerflotte unter der roten Fahne der Bolschewiki. Um während des Bürgerkrieges die Flotte nicht in die Hände der Konterrevolution und der ausländischen Interventen fallen zu lassen, gab Lenin am 18. Juni 1918 den Befehl zur Selbstversenkung der Flotte.

Zeit der Sowjetunion (1922 - 1991)

Nach dem Bürgerkrieg wurde die Schwarzmeerflotte neu aufgebaut. Dazu wurden selbstversenkte Schiffe gehoben und instandgesetzt sowie Schiffsneubauten der Flotte zugeführt. Im Zweiten Weltkrieg nahm die Schwarzmeerflotte aktiv am Kampf gegen Deutschland und seine Verbündeten teil. Neben Kampfschiffen wurden Angehörige der Schwarzmeerflotte an allen Fronten auch als Bodentruppen eingesetzt. Sie setzte nach dem Krieg für kurze Zeit über das sowjetische Luftschiff Pobeda zur Minensuche ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schwarzmeerflotte zu einem modernen operativ-strategischen Verband der sowjetischen Seekriegsflotte aufgerüstet. Neben dem Einsatz im Schwarzen Meer war die Schwarzmeerflotte auch im Mittelmeer eingesetzt. Aus Anlass des 20. Jahrestages des Sieges über den Faschismus wurde die Flotte am 7. Mai 1965 mit dem Rotbannerorden ausgezeichnet. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde der Schiffsbestand der Schwarzmeerflotte zwischen der nun unabhängigen Ukraine und Russland aufgeteilt. Die Ukraine ist auf Grund der angespannten wirtschaftlichen und finanziellen Situation jedoch kaum in der Lage, ihre Schiffe in Fahrt zu halten. Auch Russland hat erhebliche Schwierigkeiten, die Gefechtsbereitschaft seiner Schiffe zu gewährleisten.

Die Flotte ist von großer historischer und politischer Wichtigkeit für Russland, jedoch ist ihr militärischer Wert seit dem Zerfall der Sowjetunion wegen der Aufteilung und wegen starker Etatkürzungen erheblich gesunken. Der strategische Wert der Marine im Schwarzen Meer ist auch dadurch stark eingeschränkt, dass sich der Bosporus seit dem türkischen NATO-Beitritt 1952 unter westlicher Kontrolle befindet und zudem den Nutzungsbeschränkungen der Konvention von Montreux unterliegt. Andere sowjetische beziehungsweise russische Flotten erlangten zudem als Teile der strategischen Nuklearkräfte eine größere Bedeutung als die Schwarzmeerflotte.

Zeit der Russischen Föderation (ab 1991)

Nach dem Zerfall der Sowjetunion verschwand die sowjetische Marine in der Bedeutungslosigkeit und wurde zwischen mehreren Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetrepubliken verteilt. Vor allem die Schwarzmeerflotte verbrachte mehrere Jahre in einem unklaren Zustand, bevor zwischen Russland und der Ukraine ein Abkommen getroffen werden konnte, das der Ukraine 97 Millionen US-Dollar pro Jahr an Liegegebühren zusichert.

Neuere regionale Konflikte in der Kaukasusregion (besonders in Georgien) und die Entwicklung des Öltransits in der Region verhalfen der Schwarzmeerflotte nach 1992 zu begrenzten neuen Aufgaben. Ihre Marineflieger, Marineinfanterie und Landungsboote nahmen am Tschetschenienkrieg sowohl unterstützend als auch direkt teil.

Seit den frühen 1990ern ist die Flotte nuklear abgerüstet.

Wie viele militärische Organisationen versucht auch die Schwarzmeerflotte mit musikalischen Aktivitäten ein positives Image zu erzielen. Mit dem Chor der Schwarzmeerflotte, der im eigenen Theater in Sewastopol auftritt, aber auch regelmäßig internationale Tourneen durchführt, ist sie dabei sehr erfolgreich.

Der Streit um die Preiserhöhung russischen Gases an die Ukraine auf Marktpreisniveau 2005/2006, hat auch eine Erhöhung der Pacht ins Gespräch gebracht.

Der Hauptstützpunkt in Sewastopol soll jetzt nach Noworossijsk überführt werden. Ein spezielles Terminal nahe Schesharis befindet sich zur Zeit im Bau.

Siehe auch