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Ochse

Der Ausdruck Ochse (v. althochdt.: ohso = Samenspritzer; eigtl. Zuchttier) bezeichnet heute ein kastriertes männliches Rind.

Nur mittels Kastration war es möglich, die gegenüber dem weiblichen Rind viel größere Arbeitskraft des Stiers für menschliche Zwecke zu nutzen. Im Gegensatz zum unkastrierten männlichen Rind, dem Stier, ist der Ochse gutmütig und lässt sich in der Landwirtschaft als Zug- und Arbeitstier einsetzen. Der Ochse ist das älteste belegte Zugtier, allerdings können z.B. Hunde bereits zuvor für geringere Lasten eingesetzt worden sein. Der frühste Einsatz von Ochsenpaaren vor dem Pflug erfolgte bereits unter Verwendung eines Jochs, wahrscheinlich ab der Mitte des 6. Jh. v. Chr. in Mitteleuropa. Bei der chrono-typologischen Auswertung von Funden der Goldberg Gruppe aus dem mittelfränkischen Gipsbruch bei Marktbergel ergaben sich Hinweise auf die Existenz von Ochsen.[1] Etwas später zog der Ochse bereits Schleifen und Schlitten, später dann auch Karren und Wagen.[2] Ochsenkarren haben in der dritten Welt noch heute große Bedeutung. Bei Ochsenrennen werden die Tiere auch als Reittiere verwendet. In Ägypten wurden noch lange Kühe vor dem Pflug eingesetzt.

In den letzten Jahren werden Ochsen vermehrt auch aufgrund ihres sehr hochwertigen, gut marmorierten Fleisches gehalten.

Ein Ochsenkarren in Thailand

Normalerweise erfolgt die Kastration lange vor der Geschlechtsreife der Tiere etwa im Alter von einigen Wochen bis wenigen Monaten. Da dadurch die Testosteron-Produktion der Hoden entfällt, wachsen Ochsen deutlich langsamer als Stiere heran und erreichen auch nicht die normale Größe eines männlichen Rindes der gleichen Rasse, zeigen allerdings einen muskulöseren Wuchs als die Kühe.

In einigen Ländern (z.B. den USA) ist es üblich, männliche Tiere für die Weidemast generell zu kastrieren (da diese dann wesentlich friedlicher sind). Die fehlende Mastleistung wird dann (falls es erlaubt und gewollt ist) vielfach durch das Injizieren von Hormonkapseln sowohl bei den männlichen als auch weiblichen Jungtieren (über-)kompensiert, so dass man die Tiere für die Mast nicht nach Geschlecht selektieren muss.

Quellen

  1. "M. Nadler: Tierische Arbeitskraft im Neolithikum? - Belege von Ochsen im frühen Jungneolithikum von Marktbergel, Mittelfranken In: Hemmenhofener Skripte 3 Schleife, Schlitten, Rad und Wagen Zur Frage früher Transportmittel nördlich der Alpen" 2002 S. 109 - 110 ISSN 1437-8620.
  2. "J. E. Walkowitz: Logistik im Neolithikum und Chalcolithikum In: Varia Neolithica IV 2006 S. 123-151" ISBN 3-937517-43-X

Siehe auch

 Wiktionary: Ochse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Ochsenfuhrwerk – Bilder, Videos und Audiodateien