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Hutewald

Ein Hutewald, auch Hudewald oder Hutung genannt, ist ein als Waldweide genutzter Wald. Durch die Beweidung und die damit verbundene Auslese besonders ertragreicher Bäume mit für das Vieh nutzbaren Früchten (in Mitteleuropa vor allem Eichen, seltener Buchen) entstanden seit der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter lichte Wälder mit wenig Unterwuchs und großkronigen, alten Bäumen. Durch die in der Neuzeit erfolgende schrittweise Ablösung der Waldweide durch Stallhaltung sind die meisten Hutewälder in andere Wirtschaftsforste umgewandelt worden. Die wenigen in Mitteleuropa noch erhaltenen Hutewälder stehen heute meist unter Naturschutz.

Inhaltsverzeichnis

Namensherkunft

Das Wort Hutung leitet sich von Vieh hüten ab: Bei dieser Art der Haltung, der Waldweide, wurde das Vieh, vor allem Schweine, Hausrinder oder Pferde, in den Wald getrieben, wo es sich hauptsächlich von Baumfrüchten, vor allem Eicheln und Bucheckern, aber auch von Wildobst, Pilzen, Wildkräutern oder den Trieben und Knospen junger Bäume ernährte.

Struktur

Hutewälder sind licht, da durch die Beweidung die natürliche Verjüngung des Waldes deutlich reduziert wird. Die nicht weideharte, krautige Vegetation wurde häufig völlig zurückgedrängt. Die Artenzusammensetzung änderte sich hin zu lichtliebender Bodenvegetation.

Geschichte

Die Hutung ist eine sehr alte Form der Landnutzung, die bereits in der Antike betrieben wurde. Im Mittelalter wurde sie in der Nähe der Siedlungen ausgeweitet. Im Hochmittelalter bedeckten Hutewälder im dicht besiedelten Mitteldeutschland zwischen den Siedlungen und Feldfluren große Flächen. Zahlreiche Hutewälder entstanden zu Beginn des 16. Jahrhundert durch den erneuten Beginn des Bergbaus in Mitteldeutschland. Die Feudalherren vergaben umfangreiche ökonomische Sonderrechte, Bergfreiheiten genannt, um Bergleute anzuwerben. Die Bergfreiheit gestattete unter anderem die Waldweide. Durch die damals schon überwachte Nutzung entstanden die Weide- oder Hütewälder (auch Hude- bzw. Hutewälder), dazu entstanden Genossenschaften von Bergleuten, die ihr Vieh mit Hirten (Huten oder Huden) zur Selbstversorgung in den Wald trieben.

Nach den Wüstungen der Pestperioden und nach dem 30-jährigen Krieg wurde in der Neuzeit wieder verstärkt das Vieh in die Wälder getrieben, so dass eine neue "Hutewaldperiode" begann, die auch in Pollenanalysen nachweisbar ist. Das Ende der Hutewälder begann bereits im 17. Jahrhundert durch das Verbot ungeregelter Waldnutzungen. Holz wurde knapp, Hutewälder wurden weiter gerodet oder wegen der Holznot aufgeforstet. Die Landwirtschaft entwickelte sich weiter, steigende Preise machten intensiveren Ackerbau lohnender - später wurden ehemalige Hutewälder gerodet. Da im 19. Jahrhundert fast überall in Mitteleuropa die Waldweide wegen ihrer schädlichen Auswirkung auf den Wald gesetzlich verboten wurde, gibt es hierzulande heute nur noch wenige Hutewälder.

Heutige Hutewälder

Im Reinhardswald in Nordhessen waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts große Flächen durch übermäßige Viehweide devastiert (zerstört), so dass sie teilweise entwaldet waren. In der Folge wurden gezielt Hutewälder mit Eichen angelegt, die durch ihre Mast die Fütterung des Viehs gewährleisten und Holz produzieren sollten. Die Bäume wurden in einem Verband von 12x8 oder 12x6 m gepflanzt. Noch heute sind aus dieser Zeit etwa 600 ha Hutebestände vorhanden, die unter Schutz stehen.

In einigen Gegenden Europas gibt es immer noch wirtschaftlich bedeutsame Hutewälder, beispielsweise in Zentral- und Südwestspanien. Dort werden sie dehesas genannt und dienen vor allem der Produktion von Eicheln für die Ernährung Iberischer Schweine (traditionelle Eichelmast). Der typische Baum ist die Steineiche.

Hutewälder und Naturschutz

Die erhaltenen Hutewälder Mitteleuropas stehen aufgrund ihrer überragenden Bedeutung für eine Vielzahl gefährdeter Organismen meist unter Naturschutz. Besonders wichtig sind Hutewälder für Organismen, die großvolumige Bäume mit hohem Totholzanteil benötigen. Typisch sind totholzbewohnende Käfer wie der Heldbock, der Hirschkäfer oder der Eremit und bestimmte Schmetterlinge wie der Eichenwollafter, die heute alle hochgradig bedroht sind. Eine typische Vogelart der Hutewälder ist der Mittelspecht, der seine Nahrung in grober Rinde im Kronenraum alter Bäume sucht.

Siehe auch

Literatur