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Kirchen und Religionsgemeinschaften im Nationalsozialismus

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Das Thema Religion während der Zeit des Nationalsozialismus wird in diesem Beitrag nach Religionen und Konfessionen differenziert. Auch religiöse Formen des Nationalsozialismus werden betrachtet.

Nach der Machtübernahme kam es zu einer umfangreichen Kircheneintrittsbewegung in Deutschland. Ganze SA-Abteilungen traten wieder geschlossen in die Kirche ein, ließen sich kirchlich trauen und ihre Kinder taufen. Dieses enge Zusammengehen von Kirche und Staat dauerte allerdings nicht sehr lange an. Zwischen 1937 und 1940 traten schließlich in den Ausmaßen ähnlich viele Menschen in Deutschland und Österreich aus den Kirchen aus wie nach 1969 und nach 1989, den dann folgenden Kirchenaustrittsbewegungen.

Inhaltsverzeichnis

Jüdische Religion

Hauptartikel: Shoa

Die Anhänger der jüdischen Religion wurden von der nationalsozialistischen Regierung bis zum Tod verfolgt, allerdings nicht aus religiösen, sondern aus rassistischen Gründen. Jüdische Gotteshäuser wurden 1938 während der Novemberpogrome in der von den Nazis so genannten „Reichskristallnacht“ zerstört. Viele Synagogen wurden von der SA in Brand gesteckt, Torarollen geschändet und zerstört, jüdische Familien in Konzentrationslager deportiert. Viele starben dort aufgrund von Misshandlungen oder wurden weiter in ein Vernichtungslager transportiert. Als Mitglieder einer so genannten „jüdischen Rasse“ wurden von den Nationalsozialisten auch Christen gesehen, wenn sie aufgrund der Nürnberger Gesetze als jüdisch galten.

Insgesamt wurden unter den Nationalsozialisten ca. 6 Millionen europäische Juden in den Vernichtungslagern ermordet. Diese Vernichtungsaktionen sind heute auch als Holocaust bekannt.

Christliche Religionsgemeinschaften

Evangelische Kirche

Unter den evangelischen Christen Deutschlands gab es sowohl Befürworter als auch Gegner des Nationalsozialismus. Eine Gruppe von Befürwortern nannte sich Deutsche Christen. Sie verbanden ihre nationale Sicht vom Christentum mit dem Nationalsozialismus und gingen so weit, beweisen zu wollen, dass Jesus von NazarethArier“ war; der Bibel nach war Jesus von Geburt aus Jude. Als Mitbruder sahen sie nur den „Volksgenossen“ an. Andersdenkende wurden in der Evangelischen Kirche durch die Gleichschaltung mit Hilfe der Deutschen Christen aus der offiziellen Kirche gedrängt. So genannte „Nichtarier“, unter ihnen Pfarrer, wurden von evangelischen Gemeinden entlassen (z.B: Pfarrer Katz, Hechingen). Die Kirchenbücher wurden für die „Ariernachweise“ zur Verfügung gestellt.

Um der Gleichschaltung entgegenzutreten gründete der Pfarrer Martin Niemöller den Pfarrernotbund, aus dem die „Bekennende Kirche“ hervorging. Dessen Anhänger leisteten Widerstand, indem sie beispielsweise weiterhin christliche Jugendarbeit betrieben oder unter Lebensgefahr Juden versteckten. Somit entstand auf evangelischer Seite 1938 das Büro Grüber, dass sich auf die Unterstützung der Juden konzentrierte. Im Dezember 1940 wurde das Büro geschlossen und Pfarrer Grüber verhaftet; viele seiner Mitarbeiter bezahlten ihren Einsatz mit ihrem Leben. Vereinzelt wandten sich Pfarrer gegen die Novemberpogrome von 1938 (z.B. Julius von Jan aus Oberlenningen). Die Hitler-Jugend behinderte die Kirchen- und Gemeindearbeit.

Katholische Kirche

Vor der Machtergreifung distanzierte sich der deutsche Episkopat vom Nationalsozialismus, indem er den Katholiken verbot, sich in der NSDAP zu engagieren und NS-Verbänden untersagte, bei kirchlichen Prozessionen mitzumarschieren. Sämtliche Diözesen im Deutschen Reich sahen sich 1932 veranlasst, die Zugehörigkeit zur NSDAP, also der Partei Hitlers, für „unvereinbar mit dem christlichen Glauben zu erklären“. Entsprechendes seitens der evangelischen Kirche hat es nicht gegeben.[1]

Nach der Wahl Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 gab es jedoch Versuche seitens der römisch-katholischen Kirche (nicht zuletzt mit dem Abschluss des Reichskonkordats), sich mit dem Regime in Anerkenntnis der existierenden Machtverhältnisse zu arrangieren. Es gab Bischöfe, die Adolf Hitler zur Wahl gratulierten, aber auch entschiedene Gegner. In seiner programmatischen Rede vor dem Reichstag am 23. März 1933 sagte Hitler unter anderem zu den Konfessionen:

„Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren der Erhaltung unseres Volkstums. Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern abgeschlossenen Verträge respektieren. Ihre Rechte sollen nicht angetastet werden … Sie wird allen anderen Konfessionen in objektiver Gerechtigkeit gegenübertreten. Sie kann aber nicht dulden, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession oder einer bestimmten Rasse eine Entbindung von allgemeinen gesetzlichen Verpflichtungen sein könnte … Die Sorge der Regierung gilt dem aufrichtigen Zusammenleben zwischen Kirche und Staat; der Kampf gegen eine materialistische Weltanschauung, für eine wirkliche Volksgemeinschaft dient ebenso den Interessen der deutschen Nation wie dem Wohl unseres christlichen Glaubens … Die nationale Regierung wird in Schule und Erziehung den christlichen Konfessionen den ihnen zukommenden Einfluss einräumen und sicherstellen.“

Das waren erfreuliche Worte für die Kirchen. Es lag nun an den Bischöfen den Bann von der Unvereinbarkeit von christlichem Glauben und Mitgliedschaft in der Nazi-Partei zu lösen. Diese Rede des Führers war aber ein rein taktisches Geplänkel. Im Sommer 1934 wurden die prominenten Katholiken Erich Klausener, Adalbert Probst und Fritz Gerlich zur Abschreckung kaltblütig ermordet.

1934 war auch der Beginn der Auseinandersetzung um christliche Symbole an den Schulen. Die Schulen sollten entkonfessionalisiert werden. Ein junger Schulrat aus Ahaus in Westfalen verbot das Singen religiöser Lieder und ordnete die Entfernung aller Heiligenbilder im Schulgebäude an. In Trier verlangte im Juni 1936 der Regierungspräsident das Anbringen von Führer-Bildern an der Vorderwand der Schulräume, was Lehrer veranlasste, Kreuze abzunehmen. In badischen Waibstadt gab der Bürgermeister im Oktober 1936 die Anweisung, alle Kreuze aus den Schulen zu entfernen. Am 4. November 1936 verfügte der Kultusminister im Lande Oldenburg, Julius Pauly, dass

„künftig in Gebäuden des Staates, der Gemeinden und Gemeindeverbände kirchliche und andere religiöse Zeichen nicht mehr angebracht werden dürfen.“

Proteste der Bevölkerung zwangen die Rücknahme des Erlasses (Kreuzkampf). In ihrem Parteiprogramm sprachen die Nationalsozialisten von einem wie auch immer gearteten sogenannten „positiven Christentum“. Sie sprachen hochachtungsvoll von Jesus, leugneten aber seine jüdische Herkunft.

Mit brennender Sorge

Am 21. März 1937 wurde die Enzyklika von Pius XI. Mit brennender Sorge von allen deutschen Kanzeln verlesen. Sie verurteilte die Rassen- und Staatsideologie des Dritten Reiches. Sie prangerte den von den Nazis nicht erfüllten Teil der Konkordats-Abmachungen an. Sie beginnt mit den Worten:

„Ehrwürdige Brüder! Gruß und Apostolischen Segen! Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat.“

Ein Teil der Enzyklika wendet sich gegen die Verwendung des Begriffs „gottgläubig“ durch die Machthaber in Deutschland. Als gottgläubig galt, wer sich von den anerkannten Religionsgemeinschaften abgewandt hatte, jedoch nicht glaubenslos war. Hierdurch sollte denjenigen, die sich außerkirchlich zum Religiösen und zum Gottesglauben bekannten, die Möglichkeit gegeben werden, sich statt bisher als „Dissidenten“ als gottgläubig zu bezeichnen.[2] Neben der Einstufung als „gottgläubig“ war die Kategorie „glaubenslos“ möglich.

Sie wendet sich auch gegen eine sich ausbreitende pantheistische Verschwommenheit die „Gott mit dem Weltall gleichsetzte“. Die Theoretiker des Nationalsozialismuses kultivierten auch die Vorstellung von „einer Welt des düsteren Schicksals“, die an die Stelle der Welt des persönlichen seine Geschöpfe liebenden Gottes gestellt wurde. Rasse, Volk, und Staat waren die höchste Staatsraison.

„11. Wer nach angeblich altgermanisch-vorchristlicher Vorstellung das düstere unpersönliche Schicksal an die Stelle des persönlichen Gottes rückt, leugnet Gottes Weisheit und Vorsehung, die ‚kraftvoll und gütig von einem Ende der Welt zum anderen waltet‘ [5] und alles zum guten Ende leitet. Ein solcher kann nicht beanspruchen, zu den Gottgläubigen gerechnet zu werden.
12. Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt.“

Der Papst bestärkte die Christen in Deutschland den „Irrlehren einer neuen Botschaft, eines neuen Christus und eines neuen Reiches zu widerstehen“.

Der Völkische Beobachter und der Vatikan

Am 1. August 1938 schrieb das Parteiorgan der NSDAP, der in München aufgelegte Völkische Beobachter, das auflagenstärkste Parteiblatt:

„Der Vatikan hat die Rassenlehre von Anfang an abgelehnt. Teils deshalb, weil sie vom deutschen Nationalsozialismus zum erstenmal öffentlich verkündet wurde, und weil dieser die ersten praktischen Schussfolgerungen aus der Erkenntnis gezogen hat; denn zum Nationalsozialismus stand der Vatikan in politischer Kampfstellung. Der Vatikan musste die Rassenlehre aber auch ablehnen, weil sie seinem Dogma von der Gleichheit aller Menschen widerspricht, das wiederum eine Folge des katholischen Universalitätsanspruchs ist und das er, nebenbei bemerkt, mit Liberalen, Juden und Kommunisten teilt.“

Am 11. November 1938, also im Anschluss an die Reichspogromnacht, erschien in selbiger Postille einen Aufruf an Alle:

„Das nationalsozialistische München demonstriert heute Abend 20 Uhr in 20 Massenkundgebungen … gegen das Weltjudentum und seine schwarzen und roten Bundesgenossen.“

Der Kruzifix-Führerbild-Streit in Oberbayern

Am 23. April 1941 erließ der bayerische Innen- und Kultusminister Adolf Wagner, der zugleich Gauleiter der NSDAP von München-Oberbayern war, einen geheimen Kruzifix-Erlass der, von einer Weisung des Reichserziehungsministeriums über Ersetzung des Schulgebetes durch NS-Wochensprüche ausgehend, für ganz Bayern ebendies verfügte und darüber hinaus anordnete:

„Gleichzeitig weise ich darauf hin, dass kirchlicher Bilderschmuck, auch wenn er künstlerischen Wert besitzen sollte, sowie Kruzifixe in der Schule am falschen Platze sind; ich ersuche daher, Sorge dafür zu tragen, dass solcher Wandschmuck allmählich entfernt oder durch zeitgemäße Bilder ersetzt wird.“

Die Versuche diesen Erlass in die Tat umzusetzen löste eine Protestwelle in Bayern aus. Der Kardinal und Erzbischof des Erzbistums von München und Freising Michael Faulhaber ließ einen Hirtenbrief verlesen, in dem er an die ersten Christenverfolgungen erinnerte und auch der evangelische Bischof Meiser empörte sich, wies auf die Widersprüchlichkeit von offizieller Kriegspropaganda und staatlich angeordneter Entfernung der Kruzifixe aus den Schulräumen hin.

„Das innerlichst erschütterte Kirchenvolk vermag in seinem geraden Denken nicht zusammenzureimen, dass der Kampf gegen die Symbole des von 95 Prozent aller Deutschen bekannten Christentums in der Heimat eine unerlässliche Aufgabe sein soll, während der Kampfgeist seiner Söhne, die gegen Russland im Felde stehen, mit dem Hinweis auf die Feindschaft des Bolschewismus gegen das Christentum gestärkt wird.“

Am 28. August 1941[1] nach nicht einmal 4 Monaten wurde der geheime Gauleiter-Wagner-Erlass in aller Heimlichkeit wieder aufgehoben. Der vom ersten Weltkrieg schwer kriegsversehrte und deswegen am Unterschenkel amputierte „Adolf Wagner erfreute sich der besonderen Wertschätzung Hitlers und war einer dessen weniger Duz-Freunde.“ Die Idee das Kruzifix flächendeckend an allen Schulen durch das Bild des größten Führers aller Zeiten zu ersetzen erwies sich nach dem gescheiterten oberbayerischen Testlauf vorerst als unduchführbar und wurde bis zum sich in bälde einstellenden deutschen Endsieg verschoben.

Im Laufe der Zeit wurde die katholische Kirche mehr und mehr behindert. Neben den Kommunisten, Sozialdemokraten (den „Roten“) und den Juden und anderen so genannten Nichtariern galten die „schwarzen Pfaffenn“ als Feinde des NS. Die katholische Jugendarbeit wurde erst behindert, dann verboten. 3000 katholische Priester deutscher, aber auch anderer, insbesondere polnischer Nationalität, waren insbesondere im KZ Dachau interniert. So predigte der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, gegen das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten, die Aktion T4. Umstritten ist das „Schweigen“ von Papst Pius XII. in den Jahren des Holocaust. Unbestritten ist aber, dass der Papst Tausende von Juden in Italien vor dem Zugriff der NS-Häscher retten ließ.

Zeugen Jehovas

Hauptartikel: Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Angefangen von der Verweigerung des Hitlergrußes über die Ablehnung, an Wahlen teilzunehmen, bis hin zur Kriegsdienstverweigerung gerieten die Zeugen Jehovas ab 1933/34 in Konflikt mit dem NS-Regime. Sie wurden in den KZ z. T. weiter „Ernste Bibelforscher“ genannt, so wie sie sich bis Anfang der 1930er Jahre selbst genannt hatten.

Nach eigenen Angaben wurden mindestens 860 Kinder von ihren Eltern getrennt, um sie deren „staatsfeindlichen“ Einfluss zu entziehen.

Von den etwa 25.000 Zeugen Jehovas im Deutschen Reich wurden etwa 13.000 inhaftiert. Etwa 2000 davon wurden in die Konzentrationslager (KZs) eingeliefert und dort seit 1938 durch einen lila Winkel auf der Häftlingskleidung als „Bibelforscher“ gekennzeichnet und in den Lagern Dachau und Sachsenhausen in von anderen Häftlingen isolierten Bereichen untergebracht. In Gefangenschaft waren Zeugen Jehovas auch deshalb den Angriffen der Lagerleitung ausgesetzt, weil sie sich weigerten Produkte für Kriegszwecke herzustellen.

Ein besonderes Merkmal der Verfolgung der Zeugen Jehovas durch die Nationalsozialisten war eine Verpflichtungserklärung, die bei Abschwören des Glaubens und Verrat aller Kontakte sofortige Freiheit versprach. Man schätzt, dass in den Konzentrationslagern nur etwa 12 Prozent diese Erklärung unterschrieben.

Während der Anteil der Zeugen Jehovas in den KZs vor Kriegsbeginn durchschnittlich fünf bis zehn Prozent betrug, stellten die Zeuginnen Jehovas zeitweise in einigen Frauen-KZs die größte Gruppe – im Frauen-KZ Moringen fast 90 Prozent der Inhaftierten. 1937 erstellte man in diesem Lager erstmals eine spezielle Unterlassungserklärung für weibliche Zeugen Jehovas.

Der erste exekutierte Wehrdienstverweiger war der Zeuge Jehovas August Dickmann, der am 15. September 1939 vor allen Insassen des Lagers Sachsenhausen erschossen wurde. Unter den wegen Kriegsdienstverweigerung Getöteten waren Zeugen Jehovas mit etwa 270 Opfern mit Abstand die größte Gruppe.

Man schätzt, dass insgesamt 1490 Zeugen Jehovas durch die Verfolgung der Nationalsozialisten ihr Leben verloren.

Freie Bibelforscher

Die Freien Bibelforscher beteiligten sich nicht an den Wahlen und dem Personenkult um Hitler (Hitlergruß) und verweigerten ihre Mitgliedschaft in den NS-Massenorganisationen. Sie entzogen sich somit der Gewissenskontrolle und den Bekenntnisritualen des NS-Staates. Die „Freie Bibelforscher-Vereinigung“ wurde im November 1933 bzw. im Januar 1934 verboten und verfolgt. Angehörige dieser Gruppe wurden in den Konzentrationslagern unter dem „Lila Winkel“ der Bibelforscher geführt.

Siehe auch: Ernste Bibelforscher im Dritten Reich

Die Siebenten-Tags-Adventisten-Reformationsbewegung

Von den etwa 500 Mitgliedern der Religionsgemeinschaft kamen etwa 50 in Konzentrationslager. Insgesamt verloren etwa 20 Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft ihr Leben durch die Nationalsozialisten. Die Siebenten-Tags-Adventisten-Reformationsbewegung war die einzige Religionsgemeinschaft außer den Zeugen Jehovas, die ihre Mitgliedern bei der Kriegsdienstverweigerung unterstützte.

Evangelische Freikirchen

Die einzelnen evangelischen Freikirchen betrieben während der NS-Zeit in ihrer großen Mehrheit einen Anpassungs- und Loyalitätskurs gegenüber dem NS-Regime, welcher seine Wurzeln einerseits in der weit verbreiteten Bejahung des Regierungswechsels 1933 und der Ablehnung der Weimarer Republik durch viele Freikirchler, andererseits in der Furcht um den eigenen Bestand hatte. Seitens des NS-Regimes und des Reichskirchenministeriums unter Hanns Kerrl wurde den protestantischen Freikirchen in den 1930er Jahren aus außenpolitischem Kalkül gegenüber den USA, dem Vereinigten Königreich und den dortigen Schwesterkirchen ein gegenüber anderen kleineren Religionsgemeinschaften größerer Spielraum zugestanden. Freikirchliche Vertreter auf internationalen Kirchenkonferenzen versuchten vielfach die Kritik ihrer Schwesterkirchen am NS-Regime und dessen Antisemitismus und Kirchenpolitik abzuschwächen oder als „Boykotthetze“ zu diskreditieren.

Die Lehren der Deutschen Christen wurden in allen Freikirchen von der großen Mehrheit der Mitgliedschaft abgelehnt, den Positionen der Bekennenden Kirche fühlte man sich vielfach inhaltlich nahe, was aber in der Praxis wirkungslos blieb. Sehr wenige freikirchliche Pastoren gehörten zu Widerstandsgruppen, so Johannes Schempp von der Evangelischen Gemeinschaft, der zum Kreis um Carl Friedrich Goerdeler zählte, oder wurden, wie 1940 Walter Kuschke von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Altpreußens, wegen NS-kritischer und defätistischer Äußerungen zu einer Haftstrafe verurteilt.

Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker)

Wie bei andere Glaubensgemeinschaften, zeichnet sich bei den Mitglieder der Religiösen Gesellschaft der Freunde (oder Quäker), kein einheitliches Bild ab. Das Archivmaterial der Gemeinschaft aus dieser Zeit ist nicht aufgearbeitet und liegt nur ungeordnet (wahrscheinlich auch unvollständig) vor und ist für die Forschung bisher nicht zugänglich. Bisher dienten andere Quellen wie Wehrmachts- oder Gestapo-Unterlagen und die Archive der Religiösen Gesellschaft der Freunde in Großbritannien der Forschung.[3]

Zum Zeitpunkt der Machtergreifung Hitlers, war die Deutsche Jahresversammlung der Quäker noch keine 10 Jahre alt. Der Norden und Westen Deutschland waren von England aus schon im 17.Jahrhundert durch Missionare bereist worden, doch hatte sich nie eine ununterbrochene Tradition etabliert.

Bei der Gründung der Deutschen Jahresversammlung gab es zeitweilig eine zweite konkurrierende Jahresversammlung aus orthodoxen Quäkern (in Süddeutschland), die aber kein Bestand hatte. Viele Gründungsmitglieder waren von christlich-sozialistischen oder nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs von pazifistischen Positionen her zu den Quäkern gestoßen. Aber es gab auch Mitglieder, die der NSDAP angehörten.

Die Religiösen Gesellschaft der Freunde war nie direkt durch Verfolgung bedroht und wurde auch nicht verboten oder aufgelöst. Es gibt Belege für Spitzelaktivitäten, die aber auf Grund der sehr intimen Beziehungen der Mitglieder wirkungslos blieb, da die Widerstandsaktivitäten wie die Unterstützung der Widerstandsgruppe Roter Stoßtrupp durch das Berliner Quäker-Büro[4] außerhalb der offiziellen Strukturen stattfanden. Die Monatszeitschrift der Quäker – sie hieß gleichfalls Quäker – wurde erst 1942 in ihrem Erscheinen gehindert, wenn auch nicht offiziell verboten. Im selben Jahr wurde die größte Immobilie in Bad Pyrmont, das „Quäker-Haus“, für die Hitler-Jugend beschlagnahmt.

Anders als die Katholische Kirche verbot die Religiöse Gesellschaft der Freunde ihren Mitgliedern die Mitgliedschaft in Organisationen der NSDAP nicht. Es gab einige Bestrebungen, die Gesellschaft zu einem öffentlichem Bekenntnis gegen den Nationalsozialismus zu bewegen, doch setzte sie sich nicht durch; für einen solchen Beschluss hätte es des Konsenses bzw. der Einmütigkeit bedurft. Damit ist es durchaus möglich, dass eine Mehrheit für einen solchen Entschluss vorhanden gewesen sein könnte. Es ist kein Fall dokumentiert, in dem ein Mitglied für seine religiöse Überzeugung von den Nationalsozialisten interniert oder ermordet wurde.

Die beiden Zentralfiguren in der Zeit des Nationalsozialismus sind zum einen der Sekretär des Internationalen Quäkerbüros in Berlin Corder Catschpool und zum anderen der Vorsitzende („Schreiber“) Hans Albrecht.

Eine gesonderte Rolle hatten die Quäker der Englischen Jahresversammlung bei ihren Aktivitäten in Deutschland. Diese sind besser dokumentiert und aufgearbeitet als die der Deutschen. Zum einen weil die Archive der Engländer geordnet, gepflegt und zugänglich sind und zum anderen weil sie zu damaliger Zeit nicht damit rechneten, dass die Nationalsozialisten jemals Zugriff auf Unterlagen in Großbritannien haben würden.

Einer der wahrscheinlich wichtigste Aktivität war das „Rest Home Projekt“. Ziel war es einen geschützten Ort für politisch Verfolgte zu schaffen, um den Widerstand gegen das Nationalsozialistische Deutschland zu stärken.

Verbote gegen kleinere Religionsgemeinschaften

Neben den Zeugen Jehovas und der Freien Bibelforscher-Vereinigung wurden auch gegen verschiedene weitere kleinere Religionsgemeinschaften staatlicherseits während des Nationalsozialismus Organisationsverbote verhängt. Zu nennen sind hier die Christliche Gemeinschaft Hirt und Herde (1933), das Apostelamt Simeon in Jacobs Geschlecht (1934), ein Teil der freireligiösen Gemeinden (ab 1933), der Bund der Kämpfer für Glaube und Wahrheit (1935), die Evangelisch-Johannische Kirche (1935), das Apostelamt Juda (1936), die „geschlossenen“ Brüdergemeinden (13. April 1937), die Bruderhöfer (1937), die Christian Science (1937), die Neue Kirche (1941) und die Christengemeinschaft (1941).

Islam

Zur Zeit des Machtergreifung lebten etwa 3000 Muslime in Deutschland, davon etwa 260 bis 300 Deutsche. Die Einstellung der in Deutschland lebenden Anhänger des Islam zum Regime und der NS-Politik war weder einheitlich ablehnend, noch vollständig befürwortend. Die meisten deutschen Muslime konnten sich mit den Verhältnissen arrangieren, sie standen jedoch eher unter besonderer Beobachtung. Nichtdeutsche Muslime sahen die deutschen Eroberungen teilweise als Chance zur Befreiung ihrer Länder vom Kolonialismus. Ab 1941/42 dienten in der Wehrmacht und Waffen-SS muslimischen Soldaten aus Südosteuropa, Osteuropa und Zentralasien.[5] Ein verbindendes Element von Islam und Nationalsozialismus war auch der Antisemitismus. Mit Mohammed Amin al-Husseini, dem „Mufti von Jerusalem“, gab es ab 1938 eine enge Zusammenarbeit. Er floh 1941 nach Deutschland, wo er bis zum Kriegsende als persönlicher Gast Adolf Hitlers bleib. In dieser Zeit setzte er sich für den Holocaust ein und war mit der Organisation und Ausbildung von bosnisch-islamischen Wehrmachtseinheiten und Waffen-SS-Divisionen befasst (13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“, 23. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Kama“ u.A.).

Muslimische Roma wurden wie andere Zigeuner verfolgt (Antiziganismus). Unter den 2.720 im Pfarrerblock des KZ Dachau inhaftierten Geistlichen waren auch zwei Muslimische Geistliche. 1947/1948 lebten nur noch etwa 150 Muslime in Deutschland.[6]

Religiös anmutende Formen der Nationalsozialisten

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Der Kirchenaustritt von 1937 bis 1940 war stark von „gottgläubigen“ Nationalsozialisten und Diskussionen rund um kirchenkritische Schriften von Autoren wie Alfred Rosenberg und dem Bekenntnis „gottgläubig“ oder „deutsch-gottgläubig“ getragen. Während des Zweiten Weltkrieges gehörte die große Mehrheit der Abgeordneten des „Großdeutschen Reichstages“ nicht mehr einer Kirche an.

Von Seiten der NSDAP wurde pseudoreligiöser Ersatz geboten, wozu auch nationalsozialistische Feierstunden gehörten. Statt des Herrgottswinkels gab es bald das blumengeschmückte Bild des „Führers“. Weiterhin gab es Gebete, die den Führer mit dem Erlöser Jesus oder mit Gott gleichsetzten und von ihm das tägliche Brot erbaten.

„Führer, mein Führer, von Gott mir gegeben,
beschütz und erhalte noch lange mein Leben!
Du hast Deutschland errettet aus tiefster Not,
Dir verdank ich mein täglich Brot,
Führer, mein Führer, mein Glaube, mein Licht,
Führer mein Führer, verlasse mich nicht!“

Gebet aus einem Waisenhaus

In Todesanzeigen wurde von Gefallenen berichtet, die „im festen Glauben an ihren Führer“ gestorben seien.

Auch die SS unter dem Einfluss Heinrich Himmlers hatte manchmal obskure, kultische Formen, die sich unsystematisch beim germanischen Glauben sowie beim Okkultismus, Hinduismus und Buddhismus bedienten, teilweise auch Himmlers eigenen Theorien entsprangen. Hitler selbst hielt dagegen sehr wenig von Religion im allgemeinen, obwohl er sich anfänglich gerne als Katholik gab. Das Gewissen wurde in den NS-Kulten als „jüdische Erfindung“ bekämpft.

Die Rückbindung (lat. religio = „Rückbindung“ an etwas Größeres) war hier nicht eine Rückbindung an Gott oder an das Nirwana wie in der Religion, sondern an einen Diktator.

Siehe auch

Literatur

Zeitgenössische Literatur und Quellen

Forschungsliteratur

Quellenverweise

  1. a b Schriften des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der Diözese Augsburg e.V.: Der Kampf um das Schulkreuz in der NS-Zeit und heute 1. Auflage 2003, Prof. Dr. Konrad Löw
  2. Margarete Dierks: Jakob Wilhelm Hauer; Heidelberg 1986, S. 270
  3. Hier wurden einige Details zu Quäker-Persönlichkeiten in dem Buch Quäker aus Politik, Wissenschaft und Kunst zusammengetragen.
  4. Rudolf Küstermeier: Der Rote Stosstrupp; Berlin 1972, S. 6
  5. Muhammed Faruk: Zwischen Preussenadler und Hakenkreuz. Islam in Deutschland von 1739–1945
  6. http://www.schuelerwettbewerb.nlpb.de/GY-Uslar/deutschland.htm