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Harnröhrenstimulation

Die Harnröhrenstimulation auch Sounding (dt. Sondierung) oder umgangssprachlich auf Männer bezogen Cockstuffing (dt. Penisfüllung; cock = englischer Slang-Ausdruck für Penis) genannt, bezeichnet eine risikoreiche Sexualpraktik, bei der ein Fremdkörper in die männliche oder weibliche Harnröhrenöffnung (lat. Ostium urethrae externum) oder tiefer in die Harnröhre (lat. Urethra) eingeführt wird um diese zu dehnen. Neben der für manche Menschen als lustvolle Stimulation empfundenen Manipulation, kann diese Technik in der Klinikerotik oder im BDSM auch im Rahmen von Katheterismus und speziellen Formen der Blasenkontrolle vorkommen.

Es werden neben länglich-glatten Alltagsgegenständen, wie zum Beispiel kunststoffummantelte Drähte, Kerzen, Trinkhalme usw. auch speziell für diesen Zweck geschaffene Gegenstände verwendet, beispielsweise ein Prince’s Wand, ein Harnröhrenvibrator oder Dilatatoren. Auch in der Elektrostimulation gibt es Sonden, die sich zum Einführen in die Harnröhre eignen. Dabei wird die Harnröhre je nach verwendetem Gegenstand stark gedehnt, was zu ernsthaften Verletzungen führen kann. Bei Männern wird üblicherweise eine Einführung über die Biegung des Penis (engl. „Cobb’s Curve“) in den Körper hinein als sehr riskant angesehen, da dort sowohl die Schleimhaut weicher und empfindlicher wird, Irritationen häufiger sind und auch Infektionen durch eingeschleppte Bakterien leichter aufsteigen können. Bei Frauen ist das Risiko aufsteigender Infektionen und Verletzungen der Blase durch die vergleichsweise kurze Harnröhre und deren gradlinigen Verlauf ungleich höher. Die Verwendung nicht steriler Gegenstände und der Verzicht auf Verwendung eines (sterilen) Gleitgels können die Risiken einer Verletzung oder Infektion erhöhen. Medizinische Katheter können sich bei unsachgemäßem Gebrauch sowohl in der Harnblase aufrollen, als auch die Harnblase durchstoßen, dadurch kann es zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.

Die Häufigkeit dieser Technik als autoerotische oder sadomasochistische Praktik ist unklar, allerdings werden Empfehlungen zur Entfernung von Fremdkörpern dieser Art sowohl aus der Harnröhre wie der Harnblase in einigen klinischen Urologiehandbüchern und gynäkologischen Fachbüchern aufgeführt.[1][2] Dies legt zumindest nahe, dass Unfälle mit eingeführten Gegenständen vorkommen und diese auch bis in die Blase rutschen können. Die Zahl durch diese Manipulation ausgelöster Infektionen bei Frauen ist unklar, da sich in der Praxis mehrere Ursachen als Erklärung einer Blaseninfektion anbieten. Generell gehören transuretrale Manipulationen zu den häufigsten Infektionen der Harnröhre (vgl. nosokomiale Infektionen), außerhalb des klinischen Umfeldes wird jedoch nicht zwischen medizinisch notwendiger (Katheter, Operationen, Untersuchungen) und sexuell stimulierender Ursache unterschieden.[3]

Einzelnachweise

  1. vgl. Hansjürgen Piechota, Michael Waldner, Stephan Roth: „Tipps und Tricks für den Urologen: Problemlösungen von A bis Z“, Springer, 2003, ISBN 3-540-43634-0
  2. vgl. J. Steffens: „Endourologie“, Springer, 2003, ISBN 3-7985-1432-1
  3. Urologielehrbuch: Verletzungen der vorderen Harnröhre
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