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Otto Reich

Otto Juan Reich (* 16. Oktober 1945) ist ein Exilkubaner und früherer Regierungsmitarbeiter des 40. US-Präsidenten Ronald Reagan und des 41. US-Präsidenten George H. W. Bush. In der Regierungszeit von Präsident Reagan war er von 1986 bis 1989 US-Botschafter in Venezuela. Von Januar 2003 bis Juni 2004 hatte er die Position eines Sondergesandten für die westliche Hemisphäre des US-Außenministeriums des 43. US-Präsidenten George W. Bush inne.

Reich wurde im Januar 2002 zum „Assistant Secretary of State for the Western Hemisphere“ ernannt. Seine Nominierung erfuhr jedoch ein so hohes Maß an Kritik, dass seine Ernennung nie vom US-Senat bestätigt wurde. Präsident Bush ernannte ihn daraufhin zum „US Special Envoy to the Western Hemisphere for the Secretary of State“, einem Posten der keine Bestätigung des US-Kongresses benötigt.

Aufgrund seiner fanatischen Anti-Castro-Ideologie und seiner fragwürdigen Aktivitäten zur Unterstützung der Politik der Reagan-Regierung in Zentralamerika ist Reichs Person sehr umstritten.

Inhaltsverzeichnis

Frühe Jahre

Reich ist der Sohn einer katholischen kubanischen Mutter und eines jüdischen österreichischen Vaters. Walter Reich, dessen Eltern durch den Holocaust umkamen, floh 1938 nach Kuba und siedelte sich in Havanna an, wo er heiratete und ein Möbelgeschäft betrieb. Als Otto Reich 14 Jahre alt war, erfolgte die kubanische Revolution unter Führung von Fidel Castro, woraufhin die Familie anderthalb Jahre später in die USA emigrierte.

1966 erhielt Reich an University of North Carolina at Chapel Hill den B.A. in „International Studies“. Von 1967 bis 1969 diente er in der US-Armee, wo er in der Panama-Kanal-Zone stationiert war.

Nachdem Reich 1973 einen M.A. in lateinamerikanischen Studien an der Georgetown University erhielt, arbeitete er als Assistent für das US-Repräsentantenhaus, als internationaler Repräsentant der Handelsabteilung des Bundesstaates Florida, als Koordinator für kommunale Entwicklung der Stadt Miami und später als Washingtoner Direktor des Council of the Americas.

Zwischen 1981 und 1983 war Reich als Hilfsadministrator der US-Agentur für Internationale Entwicklung (USAID) verantwortlich für US-amerikanische Entwicklungshilfe für Lateinamerika und die Karibik. Von 1991 bis 1992 berief Präsident George H. W. Bush Reich zum Stellvertretenden US-Repräsentanten in die Genfer UN-Menschenrechtskommission.

Amt für Öffentliche Diplomatie

Zwischen 1983 und 1986 gründete und leitete Reich das Office of Public Diplomacy for Latin America and the Caribbean (OPD). Theoretisch sollte es dem US-State Departement unterstellt sein, aber spätere Untersuchungen des US-Kongresses deckten auf, dass es unmittelbar Oberstleutnant Oliver North von Reagans Nationalem Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten im Weißen Haus unterstand. In Zusammenarbeit mit Propagandaexperten der CIA wurden CIA-Informationen als „weiße Propaganda“ verbreitet, um die Öffentliche Meinung und den US-Kongress zur Finanzierung der Contra-Aktivitäten gegen die Sandinistische Regierung in Nicaragua zu beeinflussen. Verdeckt wurde Journalisten Geheimdienstmaterial zugespielt, dass eine nicaraguanische Bedrohung vortäuschen und die von der Reagan-Regierung gestützten Contras als „Freiheitskämpfer“ erscheinen lassen sollte. Das OPD wurde aufgrund der 1987er Untersuchungen durch den US-Rechnungshof wegen der verbotenen verdeckten Propagandaaktivitäten für illegal erklärt.[1] Im Gegensatz zu North wurde Reich niemals wegen des Verstosses gegen das Verbot des US-Kongresses zur Hilfe für die Contras angeklagt.

Zwischen 1986 und 1989 war Reich US-Botschafter in Venezuela. Seine Berufung wurde sowohl von Demokraten in Washington, als auch von führenden venezolanischen Politikern bekämpft, aber die Widerstände wurden übergangen, als Venezuela Zugang zum US-amerikanischen Ölmarkt suchte. Während seiner Zeit in Caracas soll Reich dem fanantischen Exilkubaner Orlando Bosch, der für seine Beteiligung am Bombenattentat am 6. Oktober 1976 auf den Flug 455 von Barbados nach Havanna der zivilen Fluglinie Cubana, dass 73 Menschen das Leben kostete, zu zehn Jahren Gefängnis in Venezuela verurteilt wurde, bereits sechs Wochen nach seiner Ankunft in Venezuela zur Freilassung verholfen haben. Nach seiner Freilassung reiste der am 16. Februar 1988 ohne Visum in Miami ein. [2][3]

Reich erhielt den Superior Honor Award des State Departement, den Meritorious Service Award und die höchste Auszeichnung der Republik Venezuela, den Befreierorden.

Während der Clinton-Regierung war Reich von 1989 bis 2001 als Berater und Lobbyist für Unternehmen, wie Bell Atlantic, McDonnell Douglas Aircraft Co., AT&T, Bacardi, British American Tobacco und Lockheed Martin tätig, die das F-16-Kampfflugzeug nach Chile zu verkaufen suchten. Als Lobbyist hat er maßgeblich den von der Familie Bacardi inspirierten Helms-Burton Act gefördert. Der Helms-Burton Act, zeitweilig auch als „Bacardi-Gesetz“ verspottet, ist ein 1996 von Senator Jesse Helms zur Verschärfung des US-Handelsembargos gegen Kuba eingebrachtes US-Gesetz, das Schiffen internationaler Reedereien, die Kuba anlaufen, für lange Zeit das Einlaufen in US-amerikanische Häfen verbietet und US-Amerikanern die Reise nach Kuba nur über Drittländer (Kanada, Mexico, Europa etc.) ermöglicht.

Von 1998 und 2001 war Reich Co-Moderator bei „Choque de Opiniones“ von CNN International, einer spanischen Version von CNN’s „Crossfire“. Er tritt regelmäßig in US- und lateinamerikanischen Medien auf.

Venezolanischer Putsch 2002

Reich wird als in den gescheiterten Putschversuch gegen den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez unmittelbar verwickelt angesehen. Nachdem der Putsch scheiterte, wurde öffentlich bekannt, dass Reich sich regelmäßig mit den Verschwörern einschließlich Pedro Carmona im Weißen Haus getroffen hatte, der zwei Tage lang als von den Putschisten als Chávez Nachfolger installiert wurde. Außerdem wurde bekannt, dass neben Reich einem Beamten der Bush-Regierung, Elliott Abrams, nicht nur allgemein die Putschpläne bekannt waren, sondern dass dieser die Operationsplanung überwacht hatte und Reich sie detailliert bis hin zum Timing und zu den Erfolgschancen diskutiert, die er als exzellent erachtete und sie sanktioniert hatte. Am Tag der Installierung von Carmona versammelte Reich Botschafter aus Lateinamerika und der Karibik in seinem Amt und teilte ihnen mit, das die Ablösung von Chávez kein Bruch demokratischer Herrschaft sei, weil der zurückgetreten und „für sein Schicksal selbst verantwortlich“ sei.[4][5]

Die Beteiligung von Reich wird wegen Reichs Hintergrund als amerikanischer Repräsentant in Lateinamerika als möglich angesehen. Beamte und anonyme Quellen bestätigten Treffen mit einigen der Planer des Putsches vor dem 11. April 2002, aber stritten nachdrücklich ab, den Staatsstreich selbst unterstützt zu haben, in dem sie angeblich auf verfassungsmäßige Mittel bestanden. [6] Andere unterstellen, dass dies nur die Verwicklung der US-Regierung verschleiere und es Anzeichen dafür gäbe, dass die USA den Putsch maßgeblich leiteten.[7] Wegen der Anschuldigungen verlangte US-Senator Christopher Dodd einen Überblick über die US-Aktivitäten vor und während des Putschversuchs. Der OIG-Bericht fand keine Fehler seitens US Stellen, weder im US-Außenministerium, noch in der US-Botschaft.

Einem Bericht der New York Times zufolge warnte Reich den US-Kongress davor, dass mehr in Venezuela auf dem Spiel stünde, als der Erfolg oder die Niederlage von Hugo Chávez. Er beschuldigte Chávez, sich bei der historisch unabhängigen staatlichen Ölgesellschaft PDVSA einzumischen, kolumbianischen Guerrilleros eine Rückzugsmöglichkeit („safe haven“) zu liefern und Kuba mit Erdöl zu günstigeren Konditionen zu beliefern. Ferner ergänzte er, dass der US-Regierung Berichte vorlägen, wonach „fremde paramilitärische Kräfte“ - die er als kubanisch verdächtigte - an der blutigen Unterdrückung der Anti-Chávez-Demonstrationen beteiligt gewesen seien, bei denen letztlich vierzehn Menschen getötet wurden.[8]

Die USA, die die Putschisten als de facto-Regierung anerkannten, verurteilten den Staatsstreich erst nach Chávez Rückkehr an die Macht.[9]

Nicht lang nach seiner Berufung zum Sondergesandten wurde Reich 2002 auch in die Leitung des Western Hemisphere Institute for Security Cooperation berufen, die besser bekannt ist als School of the Americas.

Seitdem er 2004 das Weiße Haus verließ, steht er an der Spitze seiner eigenen internationalen Beraterfirma Otto Reich Associates, LLC, die ihren Sitz in Washington D.C. hat.

Quellen

  1. Letter of the Comptroller General to the Chairman of the Committee on Government Operations. 30.07.1987 (Stand: 29.08.2007).
  2. ...there was the case of Orlando Bosch. In: The New Yorker. Oktober 2002 (Stand: 29.08.2007).
  3. Friends of terrorism. 08.02.2002 (Stand: 29.08.2007).
  4. Venezuela coup linked to Bush team. 21.04.2002 (Stand: 29.08.2007).
  5. Otto Reich: Mastermind of the April 2002 coup d'etat against President Hugo Chavez. 24.06.2004 (Stand: 29.08.2007).
  6. US denies backing Chavez plotters. 16.04.2002 (Stand: 29.08.2007).
  7. Christopher Marquis: U.S. Cautioned Leader of Plot Against Chavez. 17.04.2002 (Stand: 29.08.2007).
  8. Christopher Marquis: U.S. Cautioned Leader of Plot Against Chavez. 17.04.2002 (Stand: 29.08.2007).
  9. Official U.S. Government Statements Venezuela. (Stand: 29.08.2007).


Personendaten
Reich, Otto
hoher Regierungsbeamter unter den US-Präsidenten George W. Bush und Ronald Reagan
16. Oktober 1945