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Franzensfeste

Franzensfeste
(ital.: Fortezza)
Bezirksgemeinschaft Wipptal
Provinz: Bozen (Südtirol)
Region: Trentino-Südtirol
Staat: Italien
Einwohner (VZ 2001 / 31. Dezember 2004): 892 / 917
Sprachgruppen
laut Volkszählung 2001:
57,8 % deutsch
40,7 % italienisch
1,5 % ladinisch
Koordinaten 46° 47′ N, 11° 37′ OKoordinaten: 46° 47′ N, 11° 37′ O
Meereshöhe: 723 - 2.708 m, Zentrum 749 m
Fläche / Dauersiedlungsraum: 61,7 / 2,4 km²
Fraktionen: Grasstein, Mittewald
Nachbargemeinden: Freienfeld, Mühlbach, Natz-Schabs, Sarntal, Vahrn
Partnerschaft mit: Zeitlarn (D)
Postleitzahl: 39045
Vorwahl: 0472
ISTAT-Nummer: 020032
Steuernummer: 00246310213
Politik
Bürgermeister (2005): Dr. Johann Wild

Franzensfeste (ital.: Fortezza) ist sowohl eine Festung mit Eisenbahnviadukt, eine Gemeinde als auch ein danach benannter Stausee mit Kraftwerk in Südtirol in der Nähe von Brixen. Franzensfeste ist die südlichste Gemeinde des Wipptales.

Inhaltsverzeichnis

Die Festung

Die Franzensfeste wurde von 1833 bis 1838 unter Kaiser Ferdinand I. erbaut und nach Kaiser Franz I. von Österreich, dem Monarch der Planungsphase, benannt. Sie sollte die wichtige Verkehrsverbindung durch das Eisacktal über den Brenner nach Norden sichern.

1832 wurde Ingenieurgeneralmajor Franz von Scholl mit dem Entwurf beauftragt. Die Bauleitung erhielten Oberstleutnant Karl von Martony und die Hauptleute Magdlich von Magddenau und Lazarus Manula. Je nach Jahreszeit waren zwischen 3.500 und 4.600 Mann am Bau tätig. Der Höhenbereich mit in den Felsen gebauten Kavernen diente der Lagerung der Munition und dem Bestreichen der Verkehrswege mit Geschützen. Im Talbereich wurden die Kasernen untergebracht. Eine in den Felsen gebaute gedeckte „ewige Stiege“ führte mit 433 Stufen von den Talwerken zu den Höhenwerken.

Festung, Detail

Das Bauwerk mit seinem eingeschlossenen Militär-Haltepunkt (Bahnhof) blieb jedoch unvollendet und wurde nie in kriegerische Ereignisse verwickelt. Es sollte ursprünglich mit 90 Geschützen bestückt werden und konnte im Kriegsfall eine Garnison von 1.000 Mann aufnehmen. Im Frieden reichten 70 Soldaten für den Betrieb.

Nach 1930 wurden von der italienischen Armee rund um die Festung neue moderne kleine Bunkeranlagen gebaut, um die Sperre zu verstärken. Ab 1940 wurde am nahe gelegenen Ochsenbühel eine neue unterirdische Großfestung erbaut, die die Franzensfeste ablösen sollte. Jedoch wurde ab 1942 der Festungsbau aufgrund der politischen Entwicklung hier ganz aufgegeben. Die deutsche SS soll die Festungen noch als Depot für Raubgüter genutzt haben. Um die Festung ranken sich Gerüchte betreffend tatsächlich stattgefundener Goldtransporte der italienischen Nationalbank im Zweiten Weltkrieg.

Der Stausee mit Kraftwerk

Für ein Kraftwerk der Italienischen Staatsbahnen wurde ab 1939 ein 65 m hoher Staudamm in Unterau errichtet. Dazu wurden das Dorf Unterau und Teile der Festung überflutet. Die Generatoren befinden sich in einem Kavernenkraftwerk in der Nähe von Brixen. Sie werden von hier und einem Kraftwerk der Rienz bei Mühlbach angetrieben.

Der Verkehr und die Gemeinde

Bereits 2.500 v. Chr. befand sich eine kleine Siedlung beim heutigen Franzensfeste (durch Funde von Hausgeschirr belegt). Sie lag an der Route der Bernsteinstraße. Um 15 v. Chr. besiegten die Römer die Räter in einer Schlacht bei Bozen (Tiberius gegen Drusus). Der Ort wurde dann vermutlich in den römischen Staatsverband einverleibt, weil er die Route von Aquilea nach Norden sicherte.

Im Zeitalter Napoleons rückte während des Tiroler Freiheitskampfes am 4. und 5. August 1809 General Lefebvre mit 2.500 Franzosen, Sachsen und Bayern in Richtung Süden durch das Eisacktal vor. In der Nähe von Franzensfeste wurde der Verband von 500 Tiroler Schützen unter Andreas Hofer in einem Hinterhalt aufgerieben, der später nach dem Ereignis benannten Sachsenklemme.

Im Jahr 1889 wurde auf Franzensfeste ein kleiner Obelisk aufgestellt, der einen geodätischen Fixpunkt markiert. An dieser Stelle treffen ein Breitengrad und ein Meridian aufeinander. Die Urmarke liegt auf 736,4520 m über NN.

Die Ortschaft Franzensfeste stellt seit Jahrhunderten einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Brennerverkehr dar. Früher und zum Teil immer noch aufgrund der Brennerbahn und der Pustertalbahn, heute besonders durch die Autobahn-Ausfahrt für Brixen und das Pustertal. Zunächst war die Ortschaft Teil von Mittewald. Erst 1940 erhielt Franzensfeste die Anerkennung als eigenständige Gemeinde.

In Franzensfeste ist der südliche Austrittspunkt des Brennerbasistunnels geplant. Derzeit wird bei Aicha in der Gemeinde Natz-Schabs am Erkundungsstollen gearbeitet. Zur Unterbringung der Arbeiter wurde in der Ortschaft Franzensfeste in der Nähe des historischen Bahnhofs aus der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie eine große Siedlung errichtet.

Am 15. August 1998 löste sich eine Schlamm- und Gerölllawine und verschüttete die Brennerautobahn. Mehrere Menschen kamen ums Leben.

Zwischen Franzensfeste und der Ortschaft Aicha wurde ein Viadukt des Abzweigs der Eisenbahnlinie ins Pustertal über den Eisack hinweg errichtet. Die Länge des Viaduktes betrug ursprünglich 203,90 Meter. Die Brücke lief über sieben bis zu 32 Meter hohe Bogenöffnungen in einer Geraden. Zwei hohe Pfeiler sind heute noch erhalten. Der mittlere Stahlträger war und ist ein Gitterwerksbau, die seitlichen waren Vollblechträger. Auf der Seite der Franzensfeste konnte der dortige Seitenträger zur Sperrung der Linie eingezogen werden.

Literatur