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Handkamera

Als Handkamera bezeichnet man allgemein eine Kamera, die mobil genutzt werden kann, d. h. die kein Stativ benötigt. Der Begriff meint dabei

  1. in der Fotografie eine bestimmte kompakte Bauform von Fotoapparaten für Aufnahmen aus freier Hand (Freihandfotografie);
  2. in der Film- und Videotechnik eine tragbare Film- oder Videokamera, die in der Regel von der Schulter betrieben wird und diese Verwendung etwa seit den 60er Jahren gezielt als Stilmittel eingesetzt wird; siehe Handycam und SteadiCam™.

Inhaltsverzeichnis

Handkameras in der Fotografie

Systematisch betrachtet sind nahezu alle heute gefertigten Fotoapparate prinzipiell Handkameras; die einzigen Ausnahmen bilden Spezialkameras wie Großformat-, Balgen- und Studiokameras.

Geschichte und Entwicklung

Die Kamerabauform der Handkamera entwickelte sich etwa ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, also rund drei Jahrzehnte nach der Erfindung der Fotografie; in diesen ersten Jahren der Fotografie waren Fotoapparate sperrig und schwer, sie mussten ausnahmslos vom Stativ aus benutzt werden.

Mit der Einführung der Gelatine-Trockenplatten 1871 durch Richard Leach Maddox wurden einerseits die Belichtungszeiten durch eine höhere Lichtempfindlichkeit kürzer, vor allem wurde jedoch auch das fotografische Verfahren an sich mobil, so dass nun leichtere und handlichere Plattenkameras hergestellt werden konnten, mit denen man aus der Hand, und das bedeutet vor allem ohne Stativ, fotografiert werden konnte. Die Trockenplatten ermöglichten nicht nur den Verzicht auf ein mitzuführendes Dunkelkammerzelt, sondern auch die Entwicklung von Wechsel- und Doppelkassetten sowie Magazinkameras für mehrere Aufnahmen in Folge. Eine weitere wichtige Voraussetzung für die mobile Fotografie war die Verfügbarkeit lichtstarker Objektive wie des Euryscop (Voigtländer & Sohn, 1878) und des Antiplanet (Steinheil, 1881).

Zu den ersten kastenförmigen Handkameras zählt die von Thomas Bolas konstruierte Detektivkamara, die 1881 vorgestellt und patentiert wurde. Bekannte Handkameras sind auch die zahllosen Boxkameras wie die Kodak Nr. 1 (1880), die sich etwa ab den 188er Jahren verbreiteten. In Deutschland besonders verbreitet waren die Boxkameras von Agfa (Agfa-Box oder Volkskamera ab 1932 sowie diverse Nachfolgemodelle bis in die 50er Jahre) und Bilora (Bilora-Box ab 1935, Bilora Stop-Box ab 1936).

Ab den 1880er Jahren entwickelte sich eine enorme Vielzahl und Vielfalt der Kameratypen und -modelle; dazu gehören Bauformen als Taschenbuchkamera, Geheimkamera. Ein typisches Beispiel hierfür ist C. P. Stirns papentirte photographische Geheim-Camera von 1886, die 30 Mark kostete und ein Plattenmagagzin für sechs Momentfotografien enthielt.

Die Aufnahmeformate dieser Zeit sind noch nicht standardisiert, können rechteckig, rund oder quadratisch sein und haben Abmessungen wie 3×3, 4×4, 5×5, 5×6, 6×8 oder 6×9 cm bzw. Durchmesser von 4,2 oder 6,5 cm. Mittelfristig setzt mit dem Aufkommen der Rollfilme ab Mitte der 80er Jahre eine Normierung der Aufnahmeformate ein, die sich jedoch erst mit dem Kleinbildfilm mit Abmessungen von 24×36 mm etwa ab den 1930er Jahren großflächig durchsetzt.

Weitere bekannte frühe Varianten der Handkamera-Bauform sind die Klapp- und Faltkameras, die einen ausklappbaren oder herausziehbaren Balgen verwendeten und meist mit Rollfilm betrieben wurden. Ein bekannter Vertreter dieser Bauform ist die Folding Pocket Kodak von Eastman Kodak (1897).

Etwa ab den 30er/40er Jahren konvertiert die Entwicklung spezieller Handkameras mit der allgemeinen Fototechnik; seit dieser Zeit sind die meisten Spiegelreflex-, Mittelformat- und Sucherkameras prinzipiell als Handkameras konstruiert.

Viktor Hasselblad etablierte die Handkamera in der Mittelformatfotografie ab 1940 mit der Hasselblad HK 7, die er im Auftrag der schwedischen Regierung konstruiert hatte; diese Kamera hielt Bilder auf 80-mm-Rollfilm im Format 7×9 cm auf und verfügte über zwei austauschbaren Objektive, ein Zeiss Biotessar sowie ein Meyer Tele-Megor bzw. ein Schneider Tele-Xenar. Für die schwedische Luftwaffe konstruierte Hasselblad ab 1941 die Hasselblad HK 7 sowie ihre Nachfolgerin, die Hasselblad SKa4. Durch diese Arbeiten erwarb Hasselblad die Kenntnisse und Fähigkleiten für die Serienproduktion einer Präzisionskamera für Fotoamateure, die in die Hand passen würde. Das erste Modell für den Kassenmarkt war die bekannt Hasselblad 1600F, die 1948 eingeführt wurde und Bilder und Bilder im klassischen Mittelformat von 6×6 cm aufzeichnete.

Auch Minolta produzierte beispielsweise zwischen 1940 und 1947 eine Luftbild-Handkamera (Typ 100) mit dem Aufnahmeformat 160×115 Millimeter und Rokkor-Objektiven, die allerdings weniger für den Amateurfotografen als vielmehr die militärische Luftaufklärung konzipiert war.

Weitergeführt wurde die Entwicklung der einfach zu bedienenden Handkamera mit den Kassettenkameras der 1960er Jahre wie beispielsweise Eastman Kodaks Instamatic-Kamera (1963) sowie die zahllosen heutigen Kompakt- und Sucherkameras.

Heutige Handkameras

Heute wird praktisch nur noch mit Handkameras fotografiert. Der Fotoreporter ist ohne seine SLR nicht denkbar. Stative - um Verwacklung zu vermeiden - werden nur noch selten eingesetzt. Der Tourist mit (Dreibein-) Stativ gilt - mit der Ausnahme von Langzeitaufnahmen bei Nacht und Dämmerung - eher als Ausnahme.

Auch Fernsehreportagen werden weitgehend mit Handkameras aufgenommen.

Siehe auch

Literatur