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Protestantische Ethik

Nach der so genannten Protestantismusthese von Max Weber besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Beginn der Industrialisierung bzw. des Kapitalismus in Westeuropa und der protestantischen Ethik. Die Kompatibilität ("Wahlverwandtschaften") der Ethik oder religiösen Weltanschauung der Protestanten, insbesondere der Calvinisten, und dem kapitalistischen Prinzip der Akkumulation von Kapital und Reinvestition von Gewinnen waren ein idealer Hintergrund für die Industrialisierung.

Die Prädestinationslehre der Calvinisten führte zu einer Verweltlichung des Gottesdienstes, welcher nicht auf die Kirche beschränkt bleibt, sondern im täglichen Leben seinen Ausdruck findet. Mit Bezug darauf wird oft auch von der innerweltlichen Askese gesprochen, welche Sparsam- und Enthaltsamkeit verlangt. Erfolg durch Arbeit zeugt von der Prädestination des Individuums, welcher somit zum strebenswerten Ideal wurde; wer nicht arbeitet, verschleudert eine Gnadengabe, wer einem Bettler etwas gibt, hält ihn davon ab - was passiv dem 'Geist' des Kapitalismus entsprach. Im Gegensatz zu anderen Religionen kann die Gnade Gottes nicht durch transzendente Handlungen (Beten, Beichte) erlangt werden, sondern ist vorbestimmt. Die Prädestination lässt sich zwar nicht positiv beeinflussen, drückt sich jedoch im Diesseits durch Erfolg aus. Misserfolg aber zeigt an, dass jemand nicht zu den Auserwählten, sondern zu den Verdammten gehört.

Martin Luther hob demgegenüber die Pflicht durch den getreu ausgeübten Beruf hervor, was der älteren Ständeordnung besser entsprach. "und bleibe in deinem Beruf" übersetzt er in dem (apokryphen) Buch Sirach 11, V. 20, 21.

Literatur