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Julleuchter

Der germanische Julleuchter ist ein vorchristlicher, nordischer Kultgegenstand, der die Sonnenwende symbolisiert. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde er im Rahmen des Brauchtums der SS verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Germanischer Ursprung

Zum ersten Mal erwähnt wurde der Julleuchter 1888 im schwedischen Magazin „Runa“. Dabei wurde ein Original beschrieben, das aus dem 16. Jh. aus der Gegend von Halland stammt und heute im dortigen Museum ausgestellt ist.[1] Er sieht dem SS-Julleuchter vollständig ähnlich und wurde von Herman Wirth („Die Ura Linda Chronik“) in Deutschland nachgebaut und diente daher als Vorbild für den Julleuchter der SS.[2] Auch in norwegischen Museen finden sich ähnliche Turmleuchter.

Symbolik

Über die Symbolik gibt es unterschiedliche Quellen, das Herz-Symbol dient wohl der Nachempfindung des Lebenspulsars, und die Hagall-Rune (jüngeres Futhark) versinnbildlicht erstmal Hagel und Schnee und im tieferen Sinne, nach dem existenziellen Grundgesetz, dass die Ereignismuster der Vergangenheit formend auf die Gegenwart einwirken (im Bild des alles verwüstenden Hagels, der nach seiner Schmelze das grüne Land erfrischt freigibt). Somit versinnbildlicht Hagall die in der Vergangenheit entstandenen, bis in die Gegenwart wirkenden Energien.[3]

Verwendung

Wie auch bei der SS, wurde in der Vorzeit die Sonnwend-Zeremonie folgendermaßen durchgeführt: Während einer gewissen (regional unterschiedlich langen) Periode vor der Wintersonnenwende (nordisch: Julfest, am 21.12.) wird der Kerzenstummel des letzten Jahres (der das Jahr über in einem besonderen Gefäß aufbewahrt werden musste) in den Leuchter hineingestellt. Die noch nicht gewendete Sonne wird dabei durch die Lichtprojektion von Herz und Rune im Raum versinnbildlicht. Das Licht darf dabei nie ausgehen. Am 21.12. nachts wird die brennende Kerze auf den Leuchter gesteckt - die Sonne hat sich gewendet, ist, wie man im Volksmund sagt, „über sich gegangen“. Die Kerze bleibt dann (ebenfalls regional) unterschiedlich lange auf dem Leuchter, im Alpenraum meist bis nach den Raunächten (6.1.). Der Stummel der letzten Kerze bleibt an jenem besonderen Ort, um die nächste Sonnenwende einzuleuchten.

Der Julleuchter im Brauchtum der SS

Der SS-Julleuchter der NS-Zeit war ein Kerzenhalter aus Ton, der mit Symbolen verziert war, die an Runen und germanische Symbolik erinnern sollten,[4] welche die SS bei Feiern einsetzte. Vor allem beim Julfest, das die Nationalsozialisten anstelle des christlichen Weihnachtsfestes propagierten, wurden Julleuchter entzündet.

Herstellung

Häftlinge des KZ Dachau stellten im Jahr 1939 52.635 Julleuchter her. Die Angaben über die in der Modellierwerkstatt des Klinkerwerks im KZ Neuengamme im Jahr 1943 hergestellten Exemplare sind widersprüchlich und belaufen sich auf 15.116[5] bzw. ca. 150.000[6] Stück.

Verwendung

Der Julleuchter war Teil des Pseudo-Brauchtums der SS und sollte auch im täglichen Leben präsent sein:

"Die Wohnung des SS-Mannes soll man daran erkennen, dass eine ihrer Ecken für die Feier seiner Familie bestimmt ist. In ihr sollen diejenigen Dinge zusammengetragen werden, die den Menschen an seine höheren Verpflichtungen erinnern. [...] Auf der Truhe [, die in der Ecke stehen und Erbstücke enthalten soll, ] stehen das ganze Jahr über der Julleuchter und ringsherum die Julteller (aus Zinn oder Steingut) der einzelnen Familienmitglieder, die sie zu allen Festen des Jahres, aber auch zu Geburtstag, Hochzeit und Todestag gebrauchen. [...] Die Wand schmückt das Bild des Führers und des Reichsführers SS, dazu Ahnentafel und Familienbilder, Erinnerungsstücke an Kriegs- und Kampfzeiten. Die große SS-Rune soll dabei nicht fehlen. Die Jul- und SS-Ecke ist der Gradmesser, wieweit der SS-Mann und seine Frau am Brauchtum der SS teilnehmen."[7]

Vom Freundeskreis Reichsführer SS wurde er auch als Geschenk verwendet.

Literatur

Quellen

  1. Nordiska Museet, Stockholm, www.historiska.se
  2. Militaria : Zeitschr. für neuzeitliche Wehrgeschichte, Uniformierung, Ausrüstung, Orden & Ehrenzeichen, Nov-Dez 200x, ISSN 0724-3529.
  3. ISBN 3-8290-7508-1
  4. http://www.km.bayern.de/blz/eup/05_04/7.asp#n50
  5. Handreichung des Kreismuseums Wewelsburg
  6. Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Klett-Cotta, 1997, ISBN 3-608-91805-1
  7. SS-Oberabschnitt West: Die Gestaltung der Feste im Jahres- und Lebenslauf in der SS-Familie, Wuppertal o.J., Seite 41, KW, Archiv, 70/1/3/7; zitiert nach [1], Seite 217