Heim

1. Violinkonzert (Bruch)

Das Violinkonzert in g-Moll, op. 26, auch 1. Violinkonzert genannt, ist das populärste Werk des Komponisten und Dirigenten Max Bruch. Es ist eines der wenigen seiner Werke, die noch heute regelmäßig aufgeführt werden. Dem Komponisten aus Köln, der Zeit seines Lebens im Schatten von Johannes Brahms stand, gelang hier ein Violinkonzert von Weltrang. Das Werk entstand in den Jahren 1866 bis 1868. Eine erste Fassung wurde auf dem Niederrheinischen Musikfest uraufgeführt; die heute bekannte, noch einmal deutlich verbesserte Fassung wurde erstmals am 7. Januar 1868 in Bremen gespielt. Gewidmet war das Werk dem bedeutenden Geiger Joseph Joachim, der auch Solist der Uraufführung war. Er hatte Bruch vorher bei der Ausgestaltung des Soloparts beraten. Das Konzert bietet dem Solisten an einigen Stellen die Möglichkeit, Virtuosität zu demonstrieren. Die Aufführungsdauer des Konzertes beträgt je nach Ausführung etwa 25 Minuten.

Inhaltsverzeichnis

Erster Satz

Der erste Satz (von Bruch als "Vorspiel" bezeichnet) trägt die Bezeichnung Allegro moderato. Er fungiert als Vorspiel des Konzertes und hat somit einen stark rhapsodischen Charakter. Eröffnet wird der Satz mit zwei pianissimo Paukenschlägen. Auf diese folgt das zunächst von den Holzbläsern vorgetragene lyrische, regelrecht pathetische Hauptthema. Die Solovioline beginnt anschließend bereits das Thema zu bearbeiten und einige Improvisationen vorzutragen. Einem kurzen Orchestertremolo folgt der erste eigentliche Solopart der Violine. Nach einiger Zeit führt Bruch ein B-Dur Seitenthema in den Satz ein. Es folgt eine verhältnismäßig kurze Durchführung, welche jedoch den Höhepunkt des Satzes einleitet. Dieser besteht aus einem vorandrängendem Orchestertutti (Un poco piu vivo). Die Reprise bringt ein Wechselspiel von Solovioline und Orchester, in welchem das Thema leicht verändert wird. Das Orchester leitet nun direkt in den zweiten Satz über.

Zweiter Satz

Das lyrische Adagio ist der zentrale Punkt des Werkes. Der höchst einfühlsame und innige Satz ist einer Romanze nachempfunden. Der Satz beginnt direkt mit dem gesanglichen und elegischen Hauptthema. Die Solovioline entwickelt mit leiser Orchesterbegleitung dieses lyrische Kantilenenspiel. Hier wird der Erfindungsspielraum Bruchs bezüglich der Melodik besonders deutlich. Der tief berührende Satz steigert sich langsam über den melodischen und ebenfalls höchst lyrischen Seitengedanken. In der Mitte des Satzes folgt ein Wechsel nach Ges-Dur. Diese leichte musikalische Verschiebung bewirkt eine Veränderung des Klangbildes. Mit weiteren dynamischen Steigerungen, wird das Klangbild schließlich zu einem hellen Es-Dur entwickelt. Der Satz verläuft ähnlich einem Bogen und führt den Satzverlauf schließlich in ein dem Ausgangszustand ähnliches Geschehen zurück. Hier kommt der Solovioline nun ein Höchstmaß an Ausdruck und melodischen Glanz zu. Ein letztes Mal erklingt das träumerische Hauptthema, bevor der ergreifende Satz langsam verklingt.

Dritter Satz

Das "Finale" Allegro energico ist von tänzerischem Charakter und steht größtenteils in G-Dur. Die Orchestereinleitung stellt das leidenschaftliche und populär gewordene Hauptthema vor. Der rhythmische Kerngedanke des Satzes wird allmählich entwickelt und erstrahlt schließlich im Fortissimo. Der Solist hat dieses Thema mit dem oft anspruchsvollen Doppelgriffspiel zu bewältigen. Im weiteren Verlauf des Satzes umspielt und variiert die Solovioline das Hauptthema. Auch wird ein festliches und kompaktes Seitenthema durch die Violine eingeführt. Den Abschluss des majestätisch wirkenden Satzes bildet eine virtuose Presto-Stretta, vorgetragen vom Orchester und dem Solisten. Mit dieser imposanten Coda endet das Werk.

Stellenwert

Das Violinkonzert g-Moll op.26 ist Bruchs einziges Werk, das heute noch regelmäßig gespielt wird. Die drei Sinfonien, weitere Violinkonzerte und sonstige Werke sind nahezu in Vergessenheit geraten. Nur dieses empfindungsvolle Werk konnte sich bis heute in den Konzerthallen halten. Musikwissenschaftler und -kenner attestieren dem Werk einen ähnlichen Stellenwert wie den Violinkonzerten von Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Bartholdy. Die ausdrucksstarke Melodik, die Klangschönheit und die klare Struktur des Werkes begründen seine anhaltende Beliebtheit bei Solisten und Zuhörern.