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Reinhard Höhn

Reinhard Höhn (* 29. Juli 1904 in Gräfenthal, † 14. Mai 2000 in Bad Harzburg) war deutscher Staats- und Verwaltungsrechtler. Höhn ist der Erfinder des Harzburger Modells und gründete im Jahr 1956 die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft GmbH, Bad Harzburg.

Der Sohn eines Amtsanwalts war 1922 Mitglied des „Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutzbundes“ und studierte ab 1923 Rechtswissenschaften; 1926 erfolgte Höhns Promotion.

Zwischen 1923 und 1932 war Höhn Mitglied des Jungdeutschen Ordens, und war so enger Mitarbeiter von Artur Mahraun, über den er 1929 ein Buch publizierte: Artur Mahraun, der Wegweiser der Nation.

Im Juli 1933 trat Höhn in die NSDAP, und im Dezember des selben Jahres in die SS ein.

Höhn machte rasch Karriere. So war er bereits 1934 Dozent für Jura, 1935 Professor in Heidelberg und Berlin und zwischen 1933 und 1935 Hauptabteilungsleiter im SD-Hauptamt. Sein direkter Vorgesetzter war Reinhard Heydrich.

Ab 1936 fungierte Höhn als Mitglied der Akademie für deutsches Recht, und stellte seine Fähigkeiten unter Beweis, so dass er zwischen 1939 und 1945 Direktor des Instituts für Staatsforschung an der Universität Berlin wurde. Von 1941 bis 1943 betreute er die Publikation Reich – Volksordnung – Lebensraum. Zeitschrift für völkische Verfassung und Verwaltung. Zum Herausgeberkreis gehörten neben Höhn vier Spitzenbeamte, die alle mit Fragen der Herrschaftssicherung in den von Deutschland besetzten Gebieten befasst waren. Zwei dieser Mitherausgeber nahmen am 20. Januar 1942 an der Wannsee-Konferenz zur endgültigen Vernichtung des europäischen Judentums teil: der Staatssekretär im Innenministerium und SS-Obergruppenführer, Wilhelm Stuckart, mit dem Höhn persönlich befreundet war, und SS-Gruppenführer Gerhard Klopfer, Staatssekretär in der Parteikanzlei.

In der Hierarchie der SS wurde Höhn 1939 zum SS-Standartenführer und 1944 zum SS-Oberführer befördert.

Nach dem Krieg tauchte Höhn zunächst unter und ging einer Arbeit als Heilpraktiker nach. Nach 1955 - er war entnazifiziert worden -, leitete Höhn die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft in Bad Harzburg.

Der bis zum Opportunismus wandlungsfähige Mahraun-Schüler Höhn lehnte den liberalen Verfassungsstaat und die Demokratie ab und suchte nach rechtsphilosophischen Begründungen für die „Volksgemeinschaft als Artgemeinschaft des Volkes“ und den „Führerstaat“. Auch trat er gegen Ende des Krieges für ein hartes Strafrecht gegenüber Nichtdeutschen ein und äußerte 1944 die Meinung, dass der Eid auf Adolf Hitler auch über dessen Tod Gültigkeit besäße. Er war einer der (im negativen Sinne) profiliertesten unter den NS-Rechts- und Staatswissenschaftlern und betrieb eine selbst für nationalsozialistische Verhältnisse besonders radikale Auflösung rechtsstaatlicher Prinzipien.

Nach dem Krieg schien er sich der demokratisch verfassten Grundordnung der Bundesrepublik angepasst zu haben, ohne in der Eid-Frage eine neue grundsätzliche Erklärung abgegeben zu haben. Die Behauptung, er habe sich der BRD angepasst, ist umstritten.

Im Jahr 1962 stellte Höhn sein geschlossenes Management-System, das Harzburger Modell vor, welches die folgenden Jahrzehnte die Unternehmensführung in Deutschland bestimmte. Das Modell war eingebettet in den Harzburger Bildungsverbund, dessen bekanntester Bestandteil die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft war.

Liste der Publikationen von Reinhard Höhn

Literatur

Personendaten
Höhn, Reinhard
deutscher Staats- und Verwaltungsrechtler
29. Juli 1904
Gräfenthal
14. Mai 2000
Bad Harzburg