Heim

Polenblut

Operndaten
Titel: Polenblut
Form: Operette
Originalsprache: Deutsch
Musik: Oskar Nedbal
Libretto: Leo Stein
Literarische Vorlage: „Das Fräulein als Bäuerin“ von Alexander Puschkin
Uraufführung: 25. Oktober 1913
Ort der Uraufführung: Wien
Ort und Zeit der Handlung: Russischer Teil Polens vor 1914
Personen
  • Heléna Zarémba (Sopran)
  • Graf Boléslaw Baranski (Tenor)
  • Wanda Kwasinskaja, Tänzerin an der Warschauer Oper (Soubrette)
  • Bronio von Popiel, Baranskis Freund (Tenorbuffo)
  • Jan Zarémba, Gutsherr, Helénas Vater (Bass)
  • Jadwiga Pawlowa, Wandas Mutter (Alt)
  • Die Edelmänner Gorski und Wolenski (Tenöre)
  • Die Edelmänner Senowicz und Mirski (Bässe)
  • Frau von Drygulska (Sopran)
  • Komtesse Napolska (Sopran)
  • Wlastek, Diener (Bariton)
  • Ballgäste, Edelleute, Bauernvolk, Musikanten, Lakaien, Kinder (Chor und Statisterie)

Polenblut ist eine Operette in drei Akten von Oskar Nedbal. Das Libretto verfasste Leo Stein. Als literarische Vorlage diente ihm die Erzählung „Das Fräulein als Bäuerin“ von Alexander Sergejewitsch Puschkin. Die Operette erlebte ihre Uraufführung am 25. Oktober 1913 am Carltheater in Wien.

Inhaltsverzeichnis

Orchester

Zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, eine Harfe, Schlagwerk und Streicher

Handlung

Die Operette spielt im russischen Teil Polens zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Graf Boléslaw Baranski, von seinen Freunden nur Bolo genannt, liebt die heiteren Seiten des Lebens mehr als die Arbeit. Kein Wunder, dass er deshalb sein großes Gut völlig heruntergewirtschaftet hat. Zurzeit spukt ihm die Tänzerin Wanda Kwasinskaja im Kopf herum, die in Warschau gerade ein Gastspiel gibt. Aber auch sie verursacht ihm nur Kosten. Ganz anders verhält es sich bei Bolos polnischem Freund Jan Zarémba. Er versteht es, sein Gut in Schuss zu halten und seinen Reichtum zu mehren. Gerne würde Jan Zarémba seinem Freund helfen, aber dies setzte voraus, dass er seinen Lebenswandel änderte. Schließlich will er sein Geld nicht in ein Fass ohne Boden stecken.

Zarémba hat eine Tochter, die – wenn Not am Mann ist – kräftig zupacken kann. Auch ist sie sehr energisch, ein richtiges Polenblut eben. Wenn Bolo sie zur Frau nähme, da ist sich Zarémba ganz sicher, triebe sie ihm schon die Flausen aus dem Kopf. Heléna, so heißt das Mädchen, wäre auch gerne bereit, eine Ehe mit Bolo einzugehen, schwärmt sie doch schon lange für ihn.

Als Zarémba Bolo das Angebot macht, seine Tochter zu heiraten und so in den Genuss einer großzügigen Mitgift zu kommen, lehnt er es schroff ab. Seine Frau müsse entweder – wie er selbst – von Adel sein oder – wie Wanda Kwasinskaja – einen künstlerischen Beruf haben. Als Heléna hört, wie sie von ihrem Angebeteten brüsk zurückgewiesen worden ist, sinnt sie auf Rache. Gerade verbreitet sich die Nachricht im Dorf, Bolos Wirtschafterin habe ihren langjährigen Dienst bei ihm quittiert, weil sie seiner Launen überdrüssig geworden sei. Da kommt Heléna eine Idee: Sie verbündet sich mit Bolos Freund Bronio von Popiel und sorgt dafür, dass er sie Bolo als neue Wirtschafterin empfiehlt. Damit sie von ihrem neuen Chef nicht erkannt wird, verkleidet sie sich als ein einfaches Bauernmädchen, das den Namen Marynia trägt. Heléna bzw. Marynia bedingt sich von ihrem künftigen Herren aus, dass sie bei allen Entscheidungen, die das Wirtschaften auf dem Gut betreffen, das letzte Wort haben darf. Bolo ist darüber natürlich alles andere als erfreut. Aber ihm steht das Wasser bis zum Hals, und ohne Wirtschafterin kann er sich überhaupt nicht mehr aus seiner Notlage befreien. Also stimmt er zu.

Auf dem Gut weht jetzt ein anderer Wind. Zuerst bekommen dies Bolos windige Freunde, die ihn bisher nur auszunutzen verstanden, zu spüren. Die Wirtschafterin Marynia weist sie aus dem Haus. Damit Bolo nicht mehr dem Alkohol zusprechen kann, versteckt sie ihn. Von seiner neuen Wirtschafterin ist er hin- und hergerissen. Sie fasziniert und verblüfft ihn zugleich. Wie er merkt, dass es mit seinem Gut nach und nach aufwärts geht, entdeckt er, dass er sich in sie verliebt hat. Er vergisst allmählich sein früheres Lotterleben und arbeitet von früh bis spät.

Im Herbst wird die Ernte eingefahren, und sie fällt üppig aus. Fröhlich feiern die Mägde und Knechte das Erntedankfest. Nach altem Brauch muss der Gutsherr jemand von seinem Personal die Erntkrone aufs Haupt setzen. Es überrascht nicht, dass er dazu seine Haushälterin Marynia auserkoren hat. Zugleich bittet er sie, seine Frau zu werden. Marynia gesteht ihm, dass sie in Wirklichkeit die von ihm einst zurückgewiesene Heléna Zarémba ist. Ihre einstige Absicht, sich an ihm zu rächen, ist inzwischen der Liebe gewichen. Beide haben das Gefühl, dass sie sich gegenseitig aufs Prächtigste ergänzen.

Musikalische Höhepunkte

Verfilmung

1934 wurde die Operette unter ihrem Titel in einer tschechoslowakisch-deutschen Coproduktion verfilmt. Unter der Regie von Karel Lamac spielten Anny Ondra, Hans Moser, Ivan Petrovich, Margarete Kupfer, Hilde Hildebrand und Rudolf Carl die Hauptrollen.