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Verlag Ferdinand Schöningh

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Der Verlag Ferdinand Schöningh wurde am 12. Mai 1847 von dem aus Meppen/Emsland stammende Buchhändler Ferdinand Schöningh in der Paderborner Innenstadt gegründet. Dort residiert das Unternehmen noch heute: im Zentrum der Stadt und direkter Nachbarschaft zum Rathaus.

Düsseldorf oder Köln hatte Schöningh zunächst als Niederlassungsorte ins Auge gefasst. Doch diese mittelgroße Stadt, damals katholische „Frontstadt“ im evangelisch-preußischen Regierungsbezirk Minden, schien dem bekennenden Katholiken Schöningh besonders exzellente Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Im beginnenden „Kulturkampf“ war es ihm darum zu tun, dem sich immer mehr artikulierenden Bildungsbestreben des deutschen Katholizismus ein geistiges Forum zu bieten. Paderborn überzeugte ihn. Und Schöningh hatte Erfolg. Mit seinem Buchprogramm, das sich nicht auf katholische Literatur beschränkte, sondern sehr schnell im akademisch-wissenschaftlichen Bereich Fuß fasste und den Verlag bereits wenige Jahrzehnte nach der Gründung zu einem der renommiertesten Bildungs- und Wissenschaftshäuser des deutschen Sprachraums werden ließ. Und mit seinem Zeitungsverlag hatte Schöningh ebenfalls Erfolg. Denn bereits 1849 hatte Schöningh das „Westfälische Volksblatt“ gegründet und es zur größten Zeitung Paderborns ausgebaut, die es heute noch ist. Die „Grüne“, wie sie von den Paderbornern von jeher genannt wird, blieb im Hause Schöningh, bis sie 1936 während der NS-Zeit gleichgeschaltet wurde.

Wiedergründung und Wiederaufbau der völlig zerstörten Verlagsgebäude nach dem Krieg: die erste Verlagslizenz in der Britischen Besatzungszone überhaupt war der störrischen Unangepasstheit des Gründerenkels Eduard Schöningh zu verdanken, der in der NS-Zeit vorrangig mit katholischer Literatur „überwintert“ hatte.

Nach einer Epoche, in der das Schulbuch im Vordergrund stand und in der Ferdinand Schöningh mit seinen großen Unterrichtswerken, allen voran „Wort und Sinn“ und „Zeiten und Menschen“ Schulbuchgeschichte geschrieben hatte, steht heute allein die universitäre Wissenschaft im Zentrum der Verlagsarbeit, die auch nach dem frühen Tod des Gründerururenkels Ferdinand Schöningh IV (1953–2004) von einem unabhängigen, mittelständischen Familienunternehmen geleistet wird. Die Schulbücher werden mittlerweile bei der Westermann Druck- und Verlagsgruppe verlegt.

Auf dem Feld der Zeitgeschichte ist Ferdinand Schöningh seit langem eine der ersten Adressen im deutschen Verlagswesen; das gleiche gilt für die wissenschaftliche Theologie, aber auch für die Philosophie, die Pädagogik und die Philologie. Die Großeditionen des Hauses (Kritische Werkausgaben von Augustinus, Friedrich und August Wilhelm Schlegel und Wilhelm von Humboldt, die 40bändige Konziliengeschichte des päpstlichen Chefhistorikers Walter Brandmüller, die opulente Faksimilereihe „Biblia Slavica“ und die große Forschungsedition zur Römischen Inquisition und Indexkongregation) sind - da sind sich die Feuilletons der führenden überregionalen Zeitungen einig - wissenschaftliche Ereignisse von europäischer Dimension. Auch die verlagsübergreifende „Rote Reihe“ der Uni-Taschenbücher (UTB) hat Ferdinand Schöningh mitgegründet und bis heute maßgeblich mitgestaltet.