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Riesenkrabbenspinnen

Riesenkrabbenspinnen

Heteropoda venatoria

Systematik
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Riesenkrabbenspinnen
Wissenschaftlicher Name
Sparassidae
Bertkau, 1872

Die Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae, ehemals Heteropodidae, Eusparassidae) sind eine Familie mit weltweit etwa 1018 Arten in 83 Gattungen.[1] Ihre englische Bezeichnung ist Huntsman. In Mitteleuropa ist nur eine heimische Gattung, die Huschspinnen (Micrommata) Latreille, 1804, und in Gewächshäusern die eingeschleppte, Heteropoda venatoria Latreille, 1804, nachgewiesen worden. Der Verbreitungschwerpunkt liegt in den Tropen und Subtropen.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen

Die meisten Riesenkrabbenspinnen können unter anderem durch die Beinstellung identifiziert werden: Die Beine sind in den Hüften (Coxae) leicht gedreht. Dadurch zeigen die Beine mehr oder weniger deutlich nach vorne, ähnlich wie bei den Krabben. Viele, aber nicht alle Riesenkrabbenspinnen haben eine unauffällige braune oder graue Färbung. Die Beine sind behaart und auffällig bedornt, der Körper ist glatt, aber nicht glänzend. Obwohl die Tiere häufig recht groß werden (die Männchen der in Laos vorkommenden Heteropoda maxima Jäger, 2001 erreichen eine Bein-Spannweite von 25 bis 30 cm), sind sie für Menschen nicht gefährlich. Die gebänderte Riesenkrabbenspinne (Holconia) ist grau bis braun und trägt Streifen auf den Beinen. Der Badge huntsman (Gattung Neosparassus) ist braun und haarig.

Einige größere Arten ähneln Vogelspinnen; eine Verwandtschaft besteht jedoch nicht. Riesenkrabbenspinnen wurden manchmal falsch als Australian Tarantula bezeichnet - selbst vom Naturkundemuseum in Sydney.

Verbreitung und Lebensweise

Mitglieder der Riesenkrabbenspinnen-Familie findet man in Australien, Neuseeland, Südostasien, im Nahen Osten in Gebieten am Mittelmeer, in den USA in Florida und auf Hawaii und sehr wahrscheinlich in vielen anderen tropischen und subtropischen Gegenden. Sie kommen heute auch in vielen Teilen der Welt vor, in denen sie möglicherweise nicht beheimatet sind, wie China, Japan, Florida, Puerto Rico und im südwestlichen Teil der USA und auf Hawaii. Allgemein kann man sagen, dass sie überall dort auftreten, wohin sie als 'blinde Passagiere' mit Schiffen gelangen können und wo die Winter nicht zu kalt für sie zum Überleben sind. Man findet die Tiere häufig in Schuppen, Garagen und an anderen wenig besuchten Plätzen. Sie leben in Spalten der Baumrinde, kommen aber auch in Häusern und Autos vor. Sie können an Wänden und Decken sehr schnell laufen, da sie sich auch an glatten Oberflächen festhalten können.

Die Sehfähigkeit dieser Spinnen ist bei weitem nicht so gut wie die der Springspinnen (Salticidae). Sie reicht aber aus, um größere Tiere aus wenigen Dezimeter Entfernung zu sehen. Riesenkrabbenspinnen bauen keine Netze, sondern suchen sich ihre Nahrung - hauptsächlich Insekten und andere Wirbellose.

Sie zeigen auch eine Art "Klammer-Reflex", wenn man versucht, sie aufzuheben. Das macht es schwierig, sie abzuschütteln und es kommt leichter zu Bissen. Die Weibchen verteidigen vehement ihre Eiersäcke und auch den Nachwuchs. Sie nehmen dann eine Drohhaltung ein. Wenn diese ignoriert wird, können sie angreifen und beißen.

Die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, National Science Museum Tokyo, Museum of the Institute of Zoology, Chinese Academy of Sciences und das International Rice Research Institute Manila haben hier einen Forschungsschwerpunkt. Sie Untersuchen die Radiationen in Asien (Pseudopoda, Sinopoda), Südostasien sowie Australien (Heteropoda, Pandercetes), sowie afrikanische Arachnofauna. Im westlichen Südafrika werden verwandtschaftliche Beziehungen und Anpassungen an unterschiedliche Biome makroökologisch untersucht.[2]

Toxizität und Aggressivität

Im allgemeinen werden Riesenkrabbenspinnen nicht als gefährlich angesehen. Sie beißen zwar, wenn sie provoziert werden, aber das Opfer leidet nur unter einer Schwellung und lokalen Schmerzen, die nach etwa einem Tag wieder abklingen.

Es gibt jedoch Berichte über Bisse der Art Neosparassus (früher Olios genannt), die lang anhaltende Schmerzen, Entzündung, Kopfschmerzen, Erbrechen und unregelmäßigen Puls verursacht haben sollen. Es ist nicht bekannt, unter welchen Umständen diese Spinnen Menschen beißen, aber man weiß, dass die Weibchen dieser Art mutig ihren Eiersack und die Jungen verteidigen.

Geräusche beim Paarungsritual

Männchen von Heteropoda venatoria, eine der weit verschleppten Arten, wurden kürzlich dabei beobachtet, dass sie absichtlich ein Geräusch produzieren, wenn man ihnen Anlass gibt zu glauben, dass sich ein Weibchen derselben Art in der Nähe befindet. Ihre Methode zum Erzeugen von Geräuschen unterscheidet sich von Stridulation mit den Palpen oder anderen Gliedmaßen anderer Webspinnen. Die Männchen verankern sich fest auf der Oberfläche, auf der sie sitzen und versetzen den ganzen Körper in Vibrationen. Hiermit kündigen sie sich konspezifischen Weibchen an, um nicht für Beute gehalten zu werden.[3]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Norman I. Platnick, 2007. The World Spider Catalog, Version 8.0. American Museum of Natural History.
  2. Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft - Arachnologie
  3. Rovner, J . S . 1980 . Vibration in Heteropoda venatoria (Sparassidae) : A third method of sound production in spiders . J . Arachnol ., 8 : 193-200.
 Commons: Riesenkrabbenspinnen – Bilder, Videos und Audiodateien