Heim

Schwanensee

Schwanensee (russ. Лебединое Озеро, Lebedinoje osero) ist eines der berühmtesten Ballette, zur Musik Pjotr Iljitsch Tschaikowskis. Es ist ein fester Bestandteil des Repertoires aller klassischen Ballettkompanien.

Inhaltsverzeichnis

Handlung und Libretto

Das Libretto stammt von Begitschew und Geltzer und entsprach ganz der Vorstellung des Komponisten Tschaikowsky. Inzwischen wurde das Libretto jedoch schon häufig umgeschrieben und verändert, so dass es verschiedene Versionen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Enden gibt. Die Sage von der verzauberten Schwanenprinzessin, die nur durch wahre Liebe aus dem Bann des bösen Zauberers erlöst werden kann, ist bei vielen Völkern bekannt.

In Schwanensee lassen sich häufige Motive zahlreicher Märchen nachweisen: Insbesondere die unglücklich verzauberte Prinzessin, die durch die Liebe eines Prinzen erlöst wird. Allerdings ist das unglückliche Ende des ursprünglichen Librettos eine Innovation, die so kaum in Märchen vorkommt.

Handlung

1. Akt

Prinz Siegfried welcher unter der sicheren Obhut seiner Mutter aufgewachsen ist feiert seinen 21. Geburtstag. Jetzt endlich volljährig möchte er sich von der Dominanz seiner Mutter befreien. Auch der beste Freund des Prinzen, Benno von Sommerstein, erwartet mit Spannung diese Zeit; seine Empfindungen für den Prinzen gehen über die vertrauliche Verbundenheit zwischen engen Freunden hinaus. In diese Feier hinein tritt die Mutter in Begleitung ihres Premierministers des Herrn von Rotbart. Sie überreicht Prinz Siegfried als Geschenk ein Gewehr und verleiht ihm aus Anlass der Volljährigkeit eine Auszeichnung. Nach dem Fest ruft Benno von Sommerstein zur Jagd auf. Der Prinz aber bleibt in melancholischer Stimmung zurück. Die Feier hat ihm erneut gezeigt, dass er fremdbestimmt wird.

2. Akt

Siegfried zieht sich an das Ufer eines Sees zurück. Benno bringt ihm das Gewehr nach. Da Siegfried jedoch alleine sein möchte, bitte er Benno, ohne ihn zu jagen. Am See begegnet der Prinz der Schwanenprinzessin Odette, die ihm von dem bösen Zauber erzählt, der sie in der Schwanengestalt gefangen hält. Nur wenn jemand sie ehrlich liebt und ihr treu ist, kann sie erlöst werden. Der Prinz glaubt, dass nur Odette es sein kann, die ihn von der engen Beziehung zu seiner Mutter zu befreien vermag. Deshalb schwört er ihr ewige Treue.

3. Akt

Benno von Sommerstein hatte aber heimlich am See die Begegnung zwischen Prinz Siegfried und der Schwanenprinzessin beobachtet. In seiner Eifersucht berichtet er der Königin was am See geschehen ist. Diese ist zutiefst beunruhigt ihren Sohn zu verlieren und sinnt nun auf eine schnelle und wirksame Lösung, um Siegfried von Odette abzubringen.Zusammen mit Premierminister spinnt sie eine Intrige und lädt zu einem Ball. Neben Prinzessinnen aus verschiedenen Ländern, steht auch Odile auf der Gästeliste, die Tochter des Premierministers. Bevor der Ball beginnt hält die Königin vor dem unvollendeten Porträt ihres Sohnes inne und sinniert darüber was sie mit ihrem Sohn vorhat. Dann nimmt der Ball seinen Lauf und die Königin eröffnet mit Rotbart den Ball mit einem Tanz. Allen Verführungsversuchen und -künsten der eingeladenen Prinzessinen bleibt Siegfried unbeeindruckt. Dann aber kommt die Reihe an Odile und in ihr glaubt Siegfried die Schwanenprinzessin Odette zu erkennen. Seine Mutter und von Rotbart drängen ihn Odile ewige Treue zu schwören. Ale er dann schwört, erscheint die Gestalt des weißen Schwanes, und der Prinz erkennt seinen tragischen Irrtum. Gedemütigt und und von seiner Verzweiflung gepeinigt, folgt Siegfried der Schwanenprinzessin zum See.

4. Akt

Hier gibt es mehrere Varianten:

1. Am See warten die Schwäne auf die Rückkehr ihrer Prinzessin, diese kommt und berichtet ihnen, was sich zugetragen hat. Der Prinz erreicht den See und bittet Odette um Verzeihung und sie vergibt ihm. Eine große von Rotbart geschickte Welle droht Siegfried zu ertränken. Odette stürzt sich in die Flut, um Siegfried zu retten. Abhängig von der Inszenierung stirbt entweder einer von beiden (Siegfried oder Odette) oder beide sterben oder beide leben glücklich bis an ihr Lebensende.

2. Am See warten die Schwäne auf die Rückkehr ihrer Prinzessin, diese kommt berichtet ihnen, was sich zugetragen hat, dass der böse Zauber nicht gebrochen werden konnte. Der Prinz erreicht den See und bittet Odette um Verzeihung. Am See erscheint nun auch der Premierminister von Rotbart. Siegfried muss nun erkennen, dass Rotbart der böse Zauberer ist der den Zuaber über Odette gelegt hat. Es kommt zum Kampf, und der Prinz tötet Rotbart. Als der Prinz sich der Ausweglosigkeit seiner Situation bewusst wird sucht er den Freitod im See. Die Königin bleibt alleine und verzweifelt zurück.

Rollen

Neben den technischen Anforderungen stellt das Ballett auch hohe Ansprüche an die schauspielerischen Fähigkeiten der Darsteller. Prägende Rolle des Stücks ist die Doppelrolle der Odette/Odile, die neben den tänzerischen Anforderungen die Tänzerin zwingt, zum einen einen lyrischen, guten Charakter zu verkörpern, zum anderen einen dämonischen. Nach Legnani tanzten unter anderem auch Anna Pawlowa, Tamara Karsawina, Maria Danilowa oder Margot Fonteyn berühmte Interpretationen der Rolle.

Siegfried muss in dem Moment, in dem er den Betrug entdeckt, vom etwas arglosen und glücklichen Verliebten in den wütenden und zornigen Betrogenen wechseln. John Figg beschreibt eine starke dramatische Wirkung des Stücks dadurch, „dass der Prinz zu einem lebenden Wesen gemacht wurde, der die Tragödie durchlebt, anstatt ein menschlicher Kran zu sein, der lediglich die Ballerina aufhebt.

Tanz und Musik

Die Rollen von Odette und Odile werden meist von ein und derselben Tänzerin getanzt. Es ist eine der anspruchsvollsten und anstrengendsten Rollen des klassischen Balletts. Es werden nicht nur zwei völlig unterschiedliche Charaktere dargestellt, auch die Choreografie stellt höchste Ansprüche an die Tänzerin. Unter anderem verlangt die Rolle, in einer der bekanntesten Szenen im 3. Akt, zweiundreißig Fouettés. Dieses Kunststück wurde in die Choreografie eingebaut, weil es die Spezialität von Pierina Legnani war, der ersten Prima Ballerina Assoluta des Mariinski-Theaters.

Geschichte

Inszenierungen

Seine Uraufführung erlebte Schwanensee am 20. Februarjul./ 4. März 1877greg. im Moskauer Bolschoi-Theater in einer Inszenierung von Wenzel Julius Reisinger mit der Primaballerina Pelagaja Karpakowa - die Aufführung war von einer ungenügenden Vorbereitung und technisch mangelhaften Darstellern sowie einer ebensolchen Ausstattung gekennzeichnet. Das Bolschoi-Ballett hatte zu dieser Zeit jedoch nicht das erforderliche Niveau, um dieses Stück zu tanzen, und so wurden die zu schwierigen Stellen in der Musik einfach gestrichen und durch leichtere Nummern anderer Komponisten ersetzt. Die Aufführung wurde dadurch unbeliebt und schnell wieder abgesetzt. Sie litt ebenso sehr unter den damaligen Umständen des Balletts, die John Cranko in seinem Stuttgarter Programmheft beschreibt: „... geschichtliche Ereignisse wurden völlig geändert, Nationaltänze wurden in ganz falschen Ländern und total unpassenden Kostümen getanzt ... Danach wurde vom Komponisten verlangt, eine Anzahl allgemein beliebter Rhythmen wie Polka, Galopp, Walzer oder Mazurka zu liefern. ... das Ganze wurde von einem Ballettmeister auf einer Diskant-Violine geprobt, so daß der Tanz mit dem Orchester zusammengebracht manchmal einen sonderbaren Gegensatz zur Musik darstellte. Auch mußte die Primaballerina von den 'Nummern' befriedigt sein, und war sie es nicht, war es leicht, die Stücke zu streichen, unbekümmert darum, ob die musikalische Sequenz unterbrochen wurde oder nicht.“ Unter diesen Umständen floppte Schwanensee bei seiner Erstaufführung wenig überraschend.

Die Inszenierungen ab 1880 - Tschaikowskis Ruhm begann langsam auch außerhalb Russlands zu wachsen - hatten nur mäßigen Erfolg, vor allem aber entstellten sie das Ballett immer weiter. Nikolai D. Kaschkin, Musikkritiker und Leiter des Konservatoriums in Moskau, schrieb in seinen Memoiren von 1896: „Der Ersatz der ursprünglichen Nummern durch eingeschobene wurde in immer höherem Grade praktiziert, und schließlich war fast ein ganzes Drittel der Musik von Schwanensee durch Einschübe aus anderen Balletten ersetzt, zudem meist nur durchschnittlichen.

Die bis heute maßgebliche Inszenierung wurde am 17. Februar/15. Januar 1895 am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg aufgeführt. Die Choreografie war von Marius Petipa und Lew Iwanow. Spätere Inszenierungen lehnten sich meist sehr eng an diese Fassung an. Die Petersburger kamen wahrscheinlich durch konzertante Aufführungen des zweiten Akts im Mariinski-Theater 1894 auf die Idee, das Ballett wiederzubeleben. Auf Auftrag des Petersburger Theaterdirektors Iwan Wsewoloschski überarbeitete Tschaikowskis Bruder Modest die Partitur grundlegend. Die Inszenierung war ebenfalls nur ein mäßiger Erfolg, sie ist unautorisiert, da es keinerlei Anzeichen gibt, dass Tschaikowski selbst je eine Umarbeitung in Betracht zog, aber sie beeinflusste die gesamte weitere Aufführungspraxis zutiefst.

Petipa selbst rechnete nicht mit dem Erfolg und traf auch keine Vorkehrungen für die weitere Aufführungspraxis: weder ließ er die Choreografie Schritt für Schritt notieren noch traf er Verfügungen über den Umgang mit der Choreografie nach seinem Tod. Erst 1934 gelangte mit dem London-Emigranten Nikolai Sergejew überhaupt eine einigermaßen vollständige Aufzeichnung der Version in den Westen. Die erste Aufführung des Kirow-Balletts im Westen musste bis 1969 warten.

Alternative Interpretationen

Bekannte Inszenierungen stammen von George Balanchine (New York), Bourmeister (Moskau), Orlikowski (Basel) und John Cranko (Stuttgart 1972/73).

Zu den bekanntesten Neuinterpretationen von Schwanensee gehört John Neumeiers „Illusions like swan lake“, das 2002 in Hamburg uraufgeführt wurde.

Noch erfolgreicher war „Matthew Bourne's Swan Lake“, in dem die Schwäne ausschließlich von Männern getanzt werden. Diese Choreografie wurde 1995 in London am Sadler's Wells Theatre uraufgeführt. Sie feierte ebenso Erfolge bei Tourneen durch Europa, Nordamerika und Japan.

Bilder (JPEG-Format):

Noten:

Literatur