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Landkreis Osterholz

Der Landkreis Osterholz liegt im nördlichen Niedersachsen. Er grenzt im Westen an die Weser (westlich davon der Landkreis Wesermarsch), im Norden an den Landkreis Cuxhaven, im Osten an den Landkreis Rotenburg (Wümme) und im Süden an den Landkreis Verden und die Stadt Bremen und damit an das Land Bremen. Kreisstadt ist Osterholz-Scharmbeck.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Norden und Westen des Landkreises wird von der Osterholzer Geest geprägt, der Osten gehört zur Niederung von Hamme und Wümme mit dem großenteils seit dem 18. Jahrhundert kultivierten Teufelsmoor. Im äußersten Westen erstreckt sich der Landkreis mit der Osterstader Marsch bis an die Weser.[1]

Geschichte

Der Landkreis hat seinen Namen Osterholz dem ehemaligen Kloster (1184-1650) in der Kreisstadt zu verdanken, dessen Basilika als Klosterkirche St. Marien erhalten ist. Bis zum Dreißigjährigen Krieg war das Kloster, wie auch das benachbarte Kloster Lilienthal teil des Erzstifts Bremen, das später säkularisiert teil des Herzogtums Bremen-Verden wurde. Aus den Klöstern gingen im Rahmen der Säkularisierung Ämter hervor, die ab 1719 im Kurfürstentum Hannover offizielle politische Gemeinwesen wurden. Ab 1823 waren das Amt Osterholz und das Amt Lilienthal teil der Landdrostei Stade im Königreich Hannover.

Der Kreis Osterholz selbst wurde 1885 aus den ehemals hannoverschen Ämtern Osterholz und Lilienthal gebildet und wurde Teil des neuen Regierungsbezirks Stade. 1932 wurde der aufgelöste ehemalige Kreis Blumenthal eingemeindet, wodurch der Kreis seine Einwohnerzahl etwa verdoppelte. Allerdings musste der Kreis 1939 einen Teil der hinzugewonnenen Gemeinden (Aumund, Blumenthal, Farge, Grohn, Lesum und Schönebeck) an die Stadt Bremen abgeben und verlor dadurch einen großen Teil der Einwohnerschaft wieder. In Zuge dieser Gebietsreform wurde der Kreis in Landkreis Osterholz umbenannt.

Anlässlich der niedersächsischen Kreisreform 1974 wurde das Kreisgebiet leicht verändert. Es kam die Weserinsel Harriersand und das Gebiet Hammelwarder Sand vom Landkreis Wesermarsch, sowie die Gemeinden Axstedt und Lübberstedt aus dem Landkreis Wesermünde an den Landkreis Osterholz.

In den 1980er Jahren wurden die Ortschaften Wilstedter Moor und Tarmstedter Moor aus dem Landkreis Rotenburg (Wümme) eingemeindet.

Bevölkerungsentwicklung

Die Zahlen der folgenden Tabellen stammen aus der ausführlicheren Tabelle des ehemaligen Regierungsbezirks Stade, den dort angegebenen Quellen und dem Gemeindeverzeichnis von 1900 [2] und für 1904 aus der Chronik von Osterholz-Scharmbeck.[3]

Einwohnerzahl 1890 1900 1904 1910 1925 1933 1939 1950 1969 1980 1990 2006
Blumenthal 22547 30353 39535 43104
Osterholz 28232 29205 29471 31284 32545 80216 41529 73407 80600 93700 96000 112498
Fläche (km2) 1900 1932 1950 2000
Blumenthal 175
Osterholz 478 653 620 651

Politik

Kreistag

Kreistag Osterholz
Sitzverteilung:
SPD CDU Grüne Wählergemeinschaft Bürgerfraktion FDP WASG => Gesamt
15. September 1996 21 17 5 1 1 1 - = 46 Sitze
9. September 2001 21 16 4 2 1 2 - = 46 Sitze
10. September 2006 20 15 5 1 1 3 1 = 46 Sitze

Die nächste Kommunalwahl in Niedersachsen findet im September 2011 statt.

Landräte und (Ober-)Kreisdirektoren

Landrat von bis Partei aus
1. August Lange 11. Juni 1945 - 14. März 1946 SPD Osterholz-Scharmbeck
2. Louis Biester 15. März 1946 - 31. Oktober 1946 SPD Teufelsmoor (Ort)
3. Wilhelm Ahrens 1. November 1946 - 31. März 1949 NLP/DP Lilienthal
4. Christian Evers 1. April 1949 - 4. Mai 1964 DP/CDU Ritterhude
5. Hinrich Winters 8. Juni 1964 - 14. Januar 1968 CDU Lilienthal
6. Walter Schlüter 15. Januar 1968 - 20. November 1972 SPD Osterholz-Scharmbeck
7. Heinrich Blanke 30. November 1981 - 20. November 1991 CDU Grasberg
8. Ludwig Wätjen 21. November 1991 - 31. Dezember 2004 SPD Osterholz-Scharmbeck
9. Jörg Mielke 1. Januar 2005 - heute parteilos Bremen

Landrat Jörg Mielke ist seit dem 1. Januar 2005 der erste gewählte Landrat seit Einführung der „Eingleisigkeit“ der Verwaltung im Landkreis Osterholz.

(Ober)-Kreisdirektoren

(Ober)-Kreisdirektoren von bis
1. Hinrich Horstmann 21. Juni 1946 - 31. Oktober 1946
2. Otto Stegemann 6. Januar 1947 - 31. Dezember 1953
3. Hermann Brünjes (kommissarischer Amtschef) 1. Januar 1954 - 30. September 1954
4. Jasper-Wilhelm Gottschalk 1. Januar 1954 - 30. Mai 1974
5. Hans-Dieter von Friedrichs 1. Juni 1974 - 31. Dezember 2004

Partnerschaften

Seit April 2006 besteht eine Partnerschaft mit dem polnischen Landkreis Marienwerder (Powiat Kwidzyński). Beide Kreise haben über das EU-Projekt „Baltic Rural Broadband“ Verbindung aufgenommen, das sich mit dem Ausbau der Breitbandtechnologie im ländlichen Raum befasst. In Kwidzyn leben auf rund 834 km² etwa 80.200 Einwohner, davon etwa die Hälfte in der gleichnamigen Stadt.

Institutionen

Wirtschaft und Infrastruktur

Im Schatten des Oberzentrums Bremen wurde bereits 1970 festgestellt, dass der Landkreis Osterholz hinter der industriellen Entwicklung anderer niedersächsischer Kreise zurückgeblieben war, unter anderem eine Folge der Gebietsreform von 1939 mit der durch Abgabe der höher entwickelten Gemeinden (Aumund, Blumenthal, Farge, Grohn, Lesum und Schönebeck) 75% der Industrie an Bremen verloren gegangen waren. Auf Grund mangelnder Standortvoraussetzungen und der Nähe zu Bremen konnte der Landkreis Osterholz diesen Verlust bis heute nicht kompensieren.

Es wird deshalb u.a. auf touristisches Konzepte insbesondere im Teufelsmoor gesetzt.

Die an Bremen angrenzenden Gemeinden Schwanewede, Ritterhude und Lilienthal haben ihre Einwohnerzahlen durch Zuzüge aus Bremen erheblich steigern können.

Arbeitslosen- und Sozialstatistiken

Der Landkreis Osterholz gehört zu den Optionskommunen. Die Betreuung der Langzeitarbeitslosen unter Arbeitslosengeld II wird nicht von der Agentur für Arbeit sondern vom Landkreis vorgenommen. Die Förderung und Vermittlung dieses Personenkreises erfolgt durch ProArbeit, einer kommunalen Gesellschaft öffentlichen Rechts (kAöR), die Leistung- und Grundsicherung durch die Gemeinden des Landkreises. So waren im November 2007 von insgesamt 3.259 Arbbeitslosen 2.108 (64,7 %) auf ALG II angewiesen. [4]

Arbeitslosenquote [5]

Der Arbeitsmarkt des Landkreises ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Bremen eng verknüpft; da vlele Einwohner des Landkreises dorthin als Pendler unterwegs sind. Die Arbeitslosenquote des Landkreises folgte damit dem Bundestrend:

Die Aufschlüsselung nach Geschlecht ergibt z.B. für den Januar 2006, dass von 4.976 Arbeitslosen 2.706 (54,4%) Männer und 2.270 (45,6 %) Frauen waren. [4] Die Zahl der gemeldeten Offenen Stellen bewegt sich zwischen 200 bis 300; so waren es im Januar 2006 z.B. 247 und im November 2007 286.[4]

Verkehr

Straße

Durch das Kreisgebiet verläuft in Süd-Nord-Richtung die Autobahn A 27 von Walsrode über Bremen, Ritterhude und Schwanewede nach Bremerhaven und Cuxhaven.

Eisenbahn

Religion

Traditionell ist das Gebiet des heutigen Landkreises Osterholz evangelisch-lutherisch geprägt. Die Gemeinden gehören zur Landeskirche Hannover. Insbesondere nach dem Krieg haben sich durch Zuzug vieler Heimatvertriebener, Gastarbeiter aus Südeuropa und Aussiedler aus Ostmittel- und Osteuropa große katholische Gemeinden gebildet, die zum Bistum Hildesheim gehören. Durch die hohe Zahl der Kirchenaustritte sind beide großen christlichen Kirchen Umstrukturierungsprozessen unterworfen. Ferner leben im Kreisgebiet Angehörige von Freikirchen, Zeugen Jehovas, Juden sowie Muslime und Atheisten.

Städte und Gemeinden

(Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2006)

Einheitsgemeinden

Samtgemeinde mit ihren Mitgliedsgemeinden:

Einzelnachweise

  1. Landkreis Osterholz, Übersicht … (PDF)
  2. Tabelle der Gemeinden in Hannover
  3. Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band I. Von den Anfängen bis 1929. Hrsg. Stadt Osterholz-Scharmbeck. S. 251
  4. a b c Agentur für Arbeit
  5. www.pub.arbeitsamt.de

Literatur