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Wilson-Bekassine

Wilson-Bekassine

Wilson-Bekassine (Gallinago delicata)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves, Avialae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Gattung: Bekassinen (Gallinago)
Art: Wilson-Bekassine
Wissenschaftlicher Name
Gallinago delicata
(Ord, 1825)

Die Wilson-Bekassine (Gallinago delicata) ist eine mittelgroße in Nordamerika beheimatete Vogelart aus der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae), welche aufgrund ihrer Lebensweise zu den Watvögeln gehören. Die Wilson-Bekassine gilt seit kurzer Zeit als eigenständige Art der Gattung Gallinago (Bekassinen/Sumpfschnepfen).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Nomenklatur

Diese Vogelart wurde bis vor kurzem als eine Unterart der Gemeinen Bekassine (Gallinago gallinago) betrachtet, bis sie aufgrund einiger festgestellter Unterschiede als eigenständige Art der Gattung Gallinago (Bekassinen/Sumpfschnepfen) getrennt kategorisiert wurde. Die Wilson-Bekassine verfügt im Gegensatz zur Gemeinen Bekassine über einen schlankeren Körper, einen schmaleren weißen Rand an den Flügeln und acht Schwanzfeder-Paare anstatt sieben. Allerdings können die Zahlen variieren, sodass Exemplare der Gemeinen Bekassine auch schon mal sechs bis neun entsprechende Federpaare aufweisen können.

Lebensraum

Die Wilson-Bekassine ist eine in Kanada und den nördlichen USA heimische Watvogel-Art. Sie sieht in Größe und Erscheinung der in Nordeuropa und Russland vorkommenden Gemeinen Bekassine (Gallinago gallinago) sehr ähnlich, hat jedoch eine etwas schlankere Gestalt mit etwas längeren Beinen und einem etwas längeren Schnabel. Diese normalerweise recht scheuen Vögel leben vorzugsweise versteckt in Bodennähe von mit fließendem Wasser gespeisten Marschlandschaften, Regenmooren, Feuchtwiesen sowie der subpolaren Tundra. Hier befinden sich auch ihre Brutgebiete. Während die an der westlichen Pazifikküste der USA lebenden Wilson-Bekassinen das ganze Jahr über in diesem Gebiet verbleibt, zieht die östliche Population im Winter aufgrund des hier kälteren Klimas in die südlichen Landesteile der USA sowie zum Teil auch in das nördliche Südamerika. Einige Tiere wurden während ihrer Durchreise auch auf einigen Karibikinseln beobachtet.

Aussehen

Ausgewachsene Exemplare dieser etwa mittelgroßen Vogelart erreichen eine Länge von 23-28 cm (auch 27-32 cm), eine Flügelspannweite von 39-45 cm sowie ein Gewicht von 79-146 g. Sie haben relativ dünne graugrüne Beine, einen in Verhältnis zu ihrer Größe extrem langen dünnen Schnabel und eher kleine Flügel, mit denen sie aber dennoch ausgezeichnet fliegen können. Ihr Gefieder ist oben und an den Seiten braun gefleckt sowie zunehmend hell an der Unterseite. Ein dunkler Strich der den Verlauf des Schnabels optisch verlängert, setzt sich auch auf der anderen Seite der schwarz gefärbten Augen neben helleren Streifen darüber und darunter fort. Die ausgebreiteten Flügel weisen anders als beim Rumpf ein braungepunktetes Muster auf. Die Augen können jeweils einen Blickwinkel von bis zu 180° erreichen - das heißt die Wilson-Bekassinen können auch nach hinten sehen. Die Tiere beider Geschlechter sind äußerlich sehr ähnlich und wegen des nur mäßig ausgeprägten Sexualdimorphismus beim bloßen hinsehen nicht immer leicht auseinanderzuhalten. Die äußerlichen Unterschiede beschränken sich auf einen längeren Schnabel und kürzere Schwanzfedern beim Weibchen.

Die meisten Betrachter beschreiben ihre Erscheinung als erhaben bis stolz und würdevoll, wobei die Wilson-Bekassine im lokalen Volksmund manchmal auch als „die Premierminister der weiten Vogelwelt“ bezeichnet werden. Dies empfindet der andere Teil der in den Brutgebieten lebenden Bevölkerung wiederum als ziemliche Absurdität, was sich in dieser Dichtung widerspiegelt, dessen Verfasser nicht überliefert ist:

Staksige Beine und gefleckter Mantel, das streifige Auge und bedrohlicher Schnabel / kaum eine Schwinge doch irrwitzig fliegend gegenüber dem Geschmack
(stalky legs and mottled coat, the stripey eye and threatening beak / barely a wing yet flying absurdly in the face of taste)

Der Geschmack ihres Fleisches wird als schrecklich beschrieben, ja sogar als magenumdrehend übel (englisch: gut-wrenchingly awful). Allerdings gibt es Berichte, wonach eine Gruppe von etwa 20 Wanderern die im weiten kanadischen Regenmoor die Orientierung verloren hatte, mit dem Holz aus dem Marschland zusammen mit Katzenschwänzen gekochtes Brust- und Bauchfleisch von Wilson-Bekassinen einige Tage und Stunden lang gegessen hat, ohne daß negative Folgen aufgetreten waren.

Lebensweise

Dieser hervorragend an seinen Lebensraum angepasste und getarnte Vogel ist gewöhnlich sehr scheu und lebt vorwiegend einzelgängerisch in der bodennahen Vegetation, das heißt er hält sich bewusst verborgen und geht eher selten in die Luft, um sich möglichst wenig zu zeigen. Er fliegt in der Regel nur dann davon, wenn eine Person oder ein Tier sich auf kurze Distanz annähert. Sein Flug zeichnet sich durch eine Serie von typischen steil aufsteigenden Zickzack-Manövern in schneller Folge aus, die angreifende Raubtiere verwirren sollen, wobei sie sich nach einiger Entfernung wieder in die sichere Deckung fallen lässt.

Die Schnepfen-Jäger mussten und müssen bis heute daher aufgrund des ungewöhnlichen Flugbildes dieser Vögel sehr gute Schützen sein, weshalb sie im Englischen Sniper genannt wurden – eine Bezeichnung, die sich kurz darauf auch beim Militär (zum Teil international) als Bezeichnung für Scharfschützen bzw. Präzisionsschützen durchsetzte[1].

Allerdings können speziell Wilson-Bekassinen aus den östlichen Landesteilen der USA auf ihrem winterlichen Zug nach Süden durchaus zutraulich und annäherungsfähig sein, da sie auf der Reise, die sie mehrmals im Leben antreten praktisch zwangsläufig Kontakt mit anderen Tieren und auch dem Menschen haben und daher (zumindest in dieser Jahreszeit) zum Teil weit weniger scheu sind.

Lautäußerungen

Die Wilson-Bekassine ist im normalen Flug kaum akustisch wahrnehmbar, ihr nicht selten von Pfählen aus vorgetragener Ruf klingt in etwa wie ein hartes „tuk-a-tuk-a-tuk“ in regelmäßigen Gesangsreihen. Der Balzruf der Männchen, der durch das Abspreizen der beiden äußeren, speziell versteiften gebogenen dünnen Schwanzfedern im flachen Sturzflug bzw. bei Bedarf mit jedem Flügelschlag entsteht, klingt wie ein etwas hohl wummerndes (manchmal auch etwas tief pfeifendes) hu-hu-hu-Geräusch (auch als Quorren bezeichnet), was in der Ornithologie (Vogelkunde) als Instrumentallaut bezeichnet wird. Die Männchen erzeugen dieses „Wummern“ auch mit Flügelschlägen um ihr Revier zu verteidigen.

Wird eine Wilson-Bekassine am Boden aufgescheucht, gibt sie ein heiseres etwas schnatterndes „ääätsch“ von sich, während sie einen typischen steil aufsteigenden Zickzackflug vollführt um sich nach einiger Entfernung wieder in die sichere Deckung fallen zu lassen.

Ernährung

Dieser Vogel ernährt sich ähnlich wie bei verwandten Arten von Würmern (vorwiegend Regenwürmer), Insekten und anderen Wirbellosen Tieren, die er mit seinem langen und an der Vorderseite tastempfindlichen Schnabel aus dem weichen Schlamm pickt, aber auch Pflanzen und Pflanzenteilen, die er nach Sicht aufsammelt. Der Schnabel ist dabei relativ beweglich gestaltet, so dass die Wilson-Bekassine den vorderen Teil mit der Spitze bis zu einem gewissen Grad öffnen kann, ohne den eigentlichen Schnabel an sich am Ansatz öffnen zu müssen.

Fortpflanzung

Die Wilson-Bekassine hat ein aufwendiges Balzritual. Im Frühling und Frühsommer ist sie häufiger als sonst zu hören und zu sehen, da Männchen nun nach Weibchen Ausschau halten und Paare nach Nistgelegenheiten suchen. Nach dem typischen Balzflug des Männchens namens „Schnepfenstrich“ mit hoch geflogenen Kreisen (100 bis 150 m) und flachen Sturzflügen aus etwa 50 m Höhe, die ein charakteristisches etwas hohl wummerndes hu-hu-hu-Geräusch erzeugen (Quorren), bleibt das Paar auch noch nach der Liebesnacht vorerst zusammen und sucht nach Nistgelegenheiten.

Das an gut getarnten Plätzen meist unter Ausnutzung der Vegetation sowie Mulden gebaute Nest, ist mit Laub, Gras, Moos und anderen Pflanzenteilen gepolstert. Das Weibchen legt in den meisten Fällen vier relativ große Eier und wärmt sie etwa drei Wochen, bis die Küken schlüpfen. Die Jungvögel sind Nesthocker, sowohl die Mutter als auch der Vater versorgen die Jungen mit Futter und schützen sie bei drohender Gefahr, indem sie die Küken zwischen die Beine klemmen (dies kommt jedoch wegen der exzellenten Tarnung nur selten vor).

Eine Besonderheit dieser Vogelart ist, das sich die Elterntiere nach einer gewissen Zeit trennen und die Aufzucht der Jungvögel jeweils für sich mit in der Regel jeweils zwei Jungen selbständig weiterführen, bis diese nach etwa einem Monat flügge sind.

Bestand

Die Zahl der Wilson-Bekassine wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch meist sportlich motivierte Jagd reduziert und ging später durch zivilisationsbedingten Verlust des Lebensraumes noch einmal etwas zurück, wenn auch nie in einem bedrohlichen Ausmaß. Dieser Vogel wird seit Jahren nur noch selten bejagt und ist in seiner angestammten Heimat nach wie vor recht präsent.

Quellen

  1. http://www.etymonline.com/index.php?l=s&p=29

Literatur

Siehe auch