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Camille Paglia

Camille (Anna) Paglia (* 2. April 1947 in Endicott, New York) ist eine US-amerikanische Kunst- und Kulturhistorikerin und in der angelsächsischen Welt eine der prominentesten Autorinnen auf diesem Gebiet. Sie ist Professorin für Geisteswissenschaften und Medien (Humanities and Media Studies) an der University of the Arts in Philadelphia.

Inhaltsverzeichnis

Ideenwelt und Werk

Paglia ist eine vielseitige, originelle und provozierende Persönlichkeit. Sie vertritt den Anspruch, die Geschichte von Literatur und Kunst aus dem Kerker der akademischen Lehre und Bibliotheken zu befreien (Paglia). Dabei hält sie sich nicht an fest gelegte Fachgrenzen: Ich sehe Literatur, Kunstgeschichte und Religion in ihrem Zusammenhang. In ihre Untersuchungen bezieht sie die klassische bildende Kunst und -Literatur, aber ebenso die Popkultur und populäre kulturelle Erscheinungen wie den Sport ein.

Ihr besonderes Augenmerk gilt der Beziehung zwischen Natur, Zivilisation und Kunst und insbesondere der Sexualität als heikler Schnittstelle zwischen Natur und Kultur. Sie wendet sich sowohl gegen die Idee, Sexualität und Natur aus der Kunst zu verdrängen, als auch gegen die romantische Devise zurück zur Natur. Sie sieht amoralische, aggressive, sadistische, voyeuristische und pornographische Elemente als untrennbare Bestandteile der hohen Kunst, die von der akademischen Kunst- und Literaturwissenschaft ignoriert oder vertuscht worden seien. Auf der anderen Seite warnt sie davor, diesen Elementen freien Lauf zu lassen: Der Verzicht auf gesellschaftliche Kontrolle, die völlige Freiheit des Menschen sei gleichbedeutend mit einer Entfesselung von Gewalt und Lust. Gesellschaft sei kein Verbrechen, sondern die Kraft, die das Verbrechen im Zaum hält.

Der einleitende Essay zu ihrem Hauptwerk Sexual Personae trägt den Titel: Sexualität und Gewalt oder: Natur und Kunst. Sie schreibt darin: Sexuelle Freiheit, Befreiung der Sexualität: moderne Illusionen. ... In der Natur herrscht rohe Gewalt als Gesetz – der Stärkste überlebt. In der Gesellschaft gibt es Schutzvorkehrungen für die Schwachen. Wo sexuelle Befreiung versucht oder erreicht werde, sei der Sadomasochismus nicht weit. Und an anderer Stelle, noch provozierender: Dieses Buch übernimmt die Perspektive von de Sade, des am wenigsten gelesenen von allen großen Autoren der westlichen Literatur.

Die gesamte westliche Kultur- und Kunstgeschichte sieht sie im Spannungsfeld zwischen zwei Prinzipien: Auf der einen Seite die Hingabe an die rohe, faszinierende Natur des Menschen, vor allem seine sexuelle Natürlichkeit, einschließlich ihrer dunklen, gefährlichen und gewaltsamen Facetten. Dies bezeichnet sie als das chthonische, das heißt zur Erde gehörige Prinzip. Auf der anderen Seite versuche der westliche Mensch seine Integrität als Person gegenüber dem blinden Mahlen der unterirdischen Gewalten, dem endlosen, langsamen Sog, Schlamm und Morast zu behaupten: Durch Konzentration auf das Schöne, durch Ordnung, durch Vernunft und Logik, durch Vergegenständlichung. Dies bezeichnet sie als das apollinische Prinzip. Kunst, so schreibt sie, ist Form, die darum ringt, aus dem Alptraum der Natur zu erwachen.

Obwohl Camille Paglia kämpferische Feministin in dem Sinne ist, dass sie sich für die politische, berufliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Frau einsetzt, vertritt sie die Auffassung, dass eher die Männer das apollinische Prinzip vertreten und damit diejenigen seien, die Kunst, Kultur, Wissenschaft und Zivilisation voran getrieben hätten. Sie begründet dies direkt mit der biologischen Rolle von Mann und Frau. Alle Kulturleistung sei ein Ausweichen in apollinische Transzendenz, die Männer seien anatomisch für solche Projektionen prädestiniert. Aber, so schreibt sie weiter, wie bei Ödipus zu sehen, kann Vorherbestimmung ein Fluch sein. Der Mann sei prädestiniert für die Tragödie, für das klassische Drama von Aufstieg und Sturz.

Öffentliche Aufmerksamkeit erregte Camille Paglia erstmals mit ihrem 1990 erschienenen zweibändigen Werk Sexual Personae, das auf Deutsch unter dem Titel Die Masken der Sexualität erschienen ist. Einen gewaltigen Bogen von der Antike über die Renaissance und Romantik bis zur Moderne schlagend, untersucht sie auf mehr als 1500 Seiten, in essayartigen, abgeschlossenen Einzelkapiteln, die sich jeweils mit einem einzelnen bedeutenden Künstler, einer Kunstrichtungen oder Zeiterscheinung befassen, die Manifestationen des chthonischen und des apollinischen Prinzips in der westlichen Kunstgeschichte.

Im selben Jahr begann sie in Zeitungen und Magazinen über Populärkultur und Feminismus zu schreiben. Mit ihren Thesen provozierte sie sowohl Feministinnen als auch konservative und idealistisch eingestellte linke Intellektuelle und wurde sowohl zum Gegenstand als auch zur Teilnehmerin lebhafter öffentlicher Debatten. 1991 erschien unter der Überschrift Woman Warrior (etwa: Die Kriegerin) eine Titelgeschichte über sie im Magazin The New Yorker. Eine Kritik an Susan Sontag erschien unter dem programmatischen Titel "Sontag, bloody Sontag".

1992 erschien ihr Werk Sex, Art and American Culture, das an vielen amerikanischen Hochschulen lebhaft und kontrovers aufgenommen wurde. 1994 erschien Vamps and Tramps.

Sie publiziert weiterhin in Publikums- und Fachzeitschriften, beispielsweise ist sie eine Herausgeberin und Autorin im Magazin Interview.

In der Clinton-Lewinsky-Affäre war Camille Paglia eine der wenigen prominenten Intellektuellen, die sich für eine Bestrafung von Präsident Clinton einsetzten: Es habe sich um Machtmissbrauch mit Folgen für die gesamte Gesellschaft gehandelt. Der Präsident müsse ein integrierendes, stabilisierendes Element innerhalb der Gesellschaft sein. Dieser Rolle sei er nicht gerecht geworden, indem er sich einer leichtsinnigen sexuellen Affäre hingegeben habe.

Paglia ist eine Skeptikerin gegenüber der These der menschengemachten globalen Erwärmung, die sie (vergleichbar zu Josef Joffe) mehr als ein Ausdruck eines Hungers nach Gläubigkeit und Apokalypse sieht, nachdem die gewöhnliche Kirche in eine richtungslose feel-good-Therapie verwandelt worden sei, als eine geowissenschaftlich stichhaltig begründete Theorie. [1].

Biografie

Kindheit und Schulzeit

Camille Anna Paglia wurde am 2. April 1947 in Endicott, New York geboren. Sie war das erste Kind von Pasquale Paglia und Lydia Anna Paglia, geborene Colapietro, und wuchs in einer italienischen Einwandererfamilie auf.

Die Familie war nicht wohlhabend, aber ihre Eltern achteten darauf, sie mit dem Besten in Berührung zu bringen, was westliche Kunst und Kultur zu bieten hatten. Die erste Musik, die sie beeindruckte, soll Georges Bizets Carmen gewesen sein. Sie sagt von sich, diese Oper habe sie mit elektrisierender Kraft getroffen. Damals war sie drei Jahre alt. Im selben Jahr lernte sie die Hexe im Märchen Schneewittchen kennen, eine Figur, die sie später als elegant und königlich beschrieb.

Ihre Eltern nahmen sie häufig mit ins Museum, und ihr Vater brachte ihr von seinem Studium in Frankreich ein Buch über Kunstschätze des Louvre mit, das sie mit seinen vielen Aktbildern und dem dionysischen Aspekt sehr beeindruckte. Sie erlebte auch das amerikanische Kino der 1950er Jahre und verehrte ganz besonders die Schauspielerin Ava Gardner. 1959 erwarb die Familie einen Fernseher. Dadurch lernte Camille Paglia Kinofilme der 1930er Jahre kennen, insbesondere mit Katharine Hepburn, die einen starken Eindruck auf sie machte. Ganz besonders beeindruckt, ja geradezu verliebt war sie in Elizabeth Taylor.

Während ihrer Schulzeit musste die Familie Paglia, bedingt durch die Karriere ihres Vaters als akademischer Lehrer, zweimal umziehen. Ihre Schulzeit an der Primary School und an der High School verbrachte sie in Oxford, New York und in der Universitätsstadt Syracuse, New York. Sie stand in dem Ruf, ein sehr ehrgeiziges, aber auch aggressives Kind zu sein. An der Highschool war sie eine exzellente, hingebungsvolle Schülerin. Ihre Lateinlehrerin Carmelia Metosh schildert sie als alert und präsent – und stets zur Kontroverse aufgelegt: Egal was im Unterricht behauptet wurde, sie musste den Gegenstandpunkt vertreten. Und die brachte dabei gute Argumente vor, genau wie heute, sagte Carmelia Metosh 1992 über sie.

Drei Jahre an der High School widmete sie intensiven Studien über Amelia Earhart und verbrachte praktisch jeden Samstag in der öffentlichen Bibliothek, um alte Zeitschriften und Zeitungen zu durchwühlen. Vor der Zeit des Mikrofilms. Alles zerfiel in Fetzen. Wahrscheinlich habe ich die ganze Sammlung ruiniert.

Mehrere Sommerferien als Teenager verbrachte Camille Paglia in einem Pfadfindercamp für Mädchen. Viele Jahre später nannte sie diese Feriencamps in einem Artikel im New York Observer einen prä-lesbischen Himmel. Es war so romantisch. Voller verrückter Erschütterungen für alle Betreuerinnen. Sie gab sich dort verschiedene Namen, insbesondere von Heldinnen aus Filmrollen, und sprengte eines Tages die Latrine in die Luft, indem sie zu viel Kalk hinein schüttete. Für sie hatte dieser Vorgang eine grundlegende Bedeutung: Er verkörperte alles, was ich mit meinem Leben und meiner Arbeit tun wollte. Exzesse und Extravaganz und Explosivität. Ich würde jemand sein, der in die Latrine der Kultur schaut.

In gewisser Weise war ihr Geburtstag im Jahr 1963 der Beginn ihrer Karriere. Zu diesem Anlass schenkte eine belgische Kollegin ihres Vaters, Josephina van Hal McGinn, das Buch Das andere Geschlecht von Simone de Beauvoir. Dieses Buch hatte einen enormen Einfluss auf sie und förderte ihren Entschluss, eine feministische Autorin zu werden. Am 8. Juli 1963 veröffentlichte Newsweek ihren Leserbrief über gleiche Chancen für amerikanische Frauen. Und am 24. November erschien in der Syracuser Zeitung Herald American ein kurzer Artikel über sie und ihre herausragenden Leistungen.

College und Universität

1964 bestand sie ihren Highschoolabschluss und schrieb sich am Harpur College in Binghamton ein. Sie freundete sich mit Bruce Benderson, Stephen Jarratt und Stephen Feld an, drei schwule Männer, die noch großen Einfluss auf sie ausüben sollten. Während eines Feriensommers arbeitete sie in der Nachtschicht in einem Krankenhaus als Sekretärin in der Notaufnahme.

Ein Semester lang setzte das College sie auf Bewährung, weil ihr 39 Streiche vorgeworfen wurden. Im Alter von 19 Jahren schlug sie einem betrunkenen jungen Mann, der gemeinsam mit einem Freund eine Frau auf der Straße aggressiv begrapschte, mit der Faust in die Zähne.

Im selben Jahr erschien Andy Warhols Film Chelsea Girls. Camille Paglia sah diesen Film und war besonders angetan von der Schauspielerin Mary Woronov. Sie war eine der originellsten, stilvollsten und redegewandtesten sexuellen Rollen (Personae) im königlichen Haus Warhol. Ich vergaß sie nie und verfolgte ihre weitere Filmkarriere mit großer Faszination. Viele ihrer Erinnerungen an die 1960er Jahre sind mit Filmen verbunden, die sie gemeinsam mit ihrem Freund Stephen Jarratt sah.

Auf dem College hatte sie großes Interesse an Geologie und naturkundlichen Themen, fühlte sich aber letztendlich stärker zu Kunst und Kultur hingezogen. Sie bestand ihren Collegeabschluss 1968 mit der Auszeichnung, die Abschiedsrede für ihre Klasse halten zu dürfen, und schrieb sich als Studentin an der Yale Graduate School ein.

Im selben Sommer begegnete sie in New York auf der Straße Catherine Deneuve und ertappte sich dabei, wie sie ihr während ihrer Einkäufe im vornehmen Kaufhaus Saks Fifth Avenue hinterher schlich.

Einige Monate später, bei einer Party bei einem ihrer Hochschullehrer, wurde sie von dem prominenten Psychiatrie-Hochschullehrer Robert Lifton und dessen Frau beschimpft, lesbisch zu sein. Sein Angriff ermutigte sie, nicht nur allgemein als Lesbe bekannt zu sein, sondern sich auch dazu zu bekennen. Zwischen 1968 und 1972 war sie die einzige sich offen bekennende Lesbe in Yale. Dies wirkte sich zunächst negativ auf ihre Karriere aus.

Während ihrer Studienzeit in Yale stritt Camille Paglia mit Rita Mae Brown, die sie später als zu jener Zeit nihilistisch dunkel charakterisierte, und mit der Women's Liberation Rock Band, weil letztere die Rolling Stones als sexistisch abqualifizierten.

Ihre Studien zur Sexualität in der westlichen Literatur setzte sie mit der Lektüre von D. H. Lawrences Women in Love and Edmund Spensers The Faerie Queene (Die Elfenkönigin) fort. Zu letzterem Werk findet sich eine ausführliche Analyse in ihrem Buch Sexual Personae. Sie traf sich zweimal mit Kate Millett, nachdem letztere gerade berühmt geworden war, fand aber, dass letztere zu griesgrämig egozentrisch war, um klar zu sehen. Weil Camille Paglia enttäuscht war von der ihrer Meinung nach nachlässigen Haltung Kate Millets als Lehrerin, entwickelte sie eine Abneigung gegen sie.

1971 entdeckte sie Kenneth Clarks Buch The Nude (Der Akt). Wenn ich jemals ein Buch liebte, dann dieses, schrieb sie in ihrem Buch Sex, Art & American Culture, und in einem Artikel für die Zeitschrift Women's Quarterly nannte sie es 2002 bei weitem die beste Einführung in die Darstellung der menschlichen Gestalt in der Kunst. Das Buch beeinflusste ihre Dissertation in Yale und ihre gesamte weitere Arbeit.

1971 erwarb sie den Master-Titel der Philosophie in Yale.

Karriere als Hochschullehrerin

Im Herbst 1972 trat sie ihre erste Lehrstelle am Bennington College an. Einer ihrer Studenten, Mark W. Edmundson, der inzwischen Professor an der University of Virginia ist, erinnert sich an sie: Sie war mir als Fakultätsbetreuerin in ihrem ersten Lehrjahr zugeteilt worden. Ich kam zum Beratungsgespräch und sie war ganz sie selbst. Sie sprach sehr rasch über eine Menge Sachen, von denen ich nichts wusste. Verängstigt lief ich heraus. Leider war ich zu verwirrt, um einen ihrer Kurse zu belegen, in denen lauter sehr schlaue Leute aus LA und New York zu stecken schienen.

1973 erschien ihr Aufsatz Lord Hervey and Pope in der Zeitschrift 18th century Studies. Die Literaturbeilage der Times pries diese Arbeit am 2. November 1973 als brillant.

Am 9. April 1973 reiste sie nach Dartmouth, um Susan Sontag bei einer Vorlesung zu hören, und lud sie später nach Bennington ein. Susan Sontag las dort am 4. Oktober eine Kurzgeschichte – und löste damit einen Eklat aus, weil sie ursprünglich zugesagt hatte, eine Vorlesung über Kultur zu halten. In den Augen der enttäuschten Camille Paglia hatte Susan Sontag damit ihren Ruf als große Intellektuelle verspielt. Sie schrieb einen boshaften Essay über das Treffen, der in ihrem Buch Vamps & Tramps erschien.

Eine weitere intellektuelle Enttäuschung für Camille Paglia war Marija Gimbutas, die Autorin des 1974 erschienenen Buchs The Goddesses and Gods of Old Europe. Anlässlich einer Ausstellung von ihr in Bennington veröffentlichte Camille Paglia eine Polemik, die im Vorwurf gipfelte, Marija Gimbutas verwende unerträglich schludriges feministisches Material, das die Existenz eines friedlichen prähistorischen Matriarchats unterstellt, das absichtlich von garstigen Männern gestürzt werde.

Durch ihre Studien der Klassiker und von Werken von Jane Ellen Harrison, James George Frazer, Erich Neumann entwickelte Camille Paglia ihre Theorie der Sexualhistorie, die im Widerspruch zu den Ideen stand, die zu jener Zeit en vogue waren. Das war der tiefere Grund für ihre Opposition gegen Kate Millett, Marija Gimbutas, Carolyn Heilbrun und andere führende Feministinnen jener Zeit.

Ihre Ideen legte sie in ihrer Dissertation Sexual Personae: The Androgyne in Literature and Art (Masken der Sexualität: Das Androgyne in Literatur und Kunst) im Dezember 1974, im Alter von 27 Jahren, vor. Für Ihre Dissertation erhielt sie den Titel einer Ph.D. (Doktorin der Philosophie) der Yale Universität.

Ihre Kontroversen mit Feministinnen, Lesben, Chauvinisten, Homophoben und Akademikern setzten sich über die Jahre hinweg fort und erreichten im Jahr 1978 einen Höhepunkt. Camille Paglia hatte zu jener Zeit eine Geliebte, eine ehemalige Studentin. Als das Paar zu einer Tanzveranstaltung ging, wurden sie von einem Studenten körperlich angegriffen. Camille Paglia erstattete Anzeige bei der Polizei. Die reichen Eltern ihrer Geliebten wandten sich jedoch gegen sie. Sie wandten sich an die Hochschulverwaltung, mit dem Ansinnen, dass bekennende Homosexuelle keine Arbeit am College finden sollten, und dass sie ihre Tochter nicht zu solch einer Einrichtung schicken würden. Nach einem längeren Disput mit der Verwaltung akzeptierte Camille Paglia schließlich ihre Beurlaubung und trat ein Jahr später von ihrer Stelle zurück.

Ihr Aufsatz The Apollonian Androgyne and the Faerie Queen (Das apollinisch Androgyne und die Faerie Queen) erschien im Winter 1979. In den frühen 1980er Jahren vollendete Camille Paglia ihr Buch, aber fand zunächst keinen Verlag dafür. Sie hielt sich mit Lehraufträgen in Yale und verschiedenen Colleges in Connecticut und beim Hubschrauberhersteller Sikorsky über Wasser. Ihre Dissertation wurde mehrfach in angesehenen Fachzeitschriften zitiert, aber in Bezug auf ihre berufliche Karriere trat sie auf der Stelle, während viele ihrer akademischen Weggefährten wichtige Stellen an den großen Universitäten antreten konnten.

1984 bekam sie schließlich eine Lehrstelle am Philadelphia College of Performing Arts, das sich 1987 mit seiner Nachbarschule, dem Philadelphia College of Art, zur University of the Arts zusammenschließen sollte. Sie nahm Urlaub, um Europa zu bereisen, und äußerte sich, als sie in Deutschland war: Die Frauen mit ihrem entschlossenen Gesichtsausdruck schmelzen das demütige (submissive) Herz. Sie sehen alle wie Lotte Lenya aus.

In den folgenden Jahren setzte sie ihre Lehrtätigkeit fort, während sie ihr Manuskript für Sexual Personae komplettierte. Ein Kapitel daraus, der Essay Oscar Wilde und der englische Androgyn (Epicene) erschien 1988 in der Zeitschrift Raritan. 1986 erschien ihr Essay Nature, Sex, and Decadence im Buch Pre-Raphaelite Poets bei Harold Bloom.

Ihr Werk Sexual Personae, das zuvor von sieben Verlagen und fünf Literaturagenten abgelehnt worden war, fand schließlich in Gestalt von Yale University Press einen Verlag und erschien 1990. Die Deutsche Übersetzung erschien 1992 unter dem Titel Die Masken der Sexualität (ISBN 3-929029-06-5).

Anfang der 1990er Jahre starben einige ihrer engsten Freunde an Aids und ihr Vater an Krebs. 1993 fand Camille Paglia eine feste Lebensgefährtin in der Person von Alison Maddex, mit der sie seitdem zusammen lebt.

Kritik

Aus dem aktuellen Hauptstrom des Feminismus, aber auch von links-liberaler Seite werden Camille Paglias Arbeiten als revisionistisch oder auch antifeministisch kritisiert. Ihr wird Misogynie vorgeworfen und sie wird als Teil des Backlash betrachtet.

Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. [1] Wirklich unbequeme Wahrheiten, Real inconvenient truths, CP in Salon

In englischer Sprache:

Personendaten
Paglia, Camille
Kunst- und Kulturhistorikerin
2. April 1947
Endicott, New York