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Menstruationszyklus

Der Menstruationszyklus (auch Ovarialzyklus: Zyklus eines Follikels des Eierstocks während des Menstruationszykluses) ist der periodische Wechsel im Körper der Frau, der in den Jahren zwischen der Menarche und der Menopause in etwa monatlich auftritt. Die Phase zwischen Eisprung und Beginn der nächsten Menstruation (Lutealphase) hat eine relativ konstante Dauer von 12 bis 16 Tagen. Die Dauer der Phase ab der Menstruation bis zum Eisprung (Follikelphase) ist hingegen viel variabler. Als normal werden heute alle Zyklen bezeichnet, die eine Länge von 23 bis 35 Tagen zeigen. Immerhin noch 5 % der Zyklen gesunder Frauen dauern länger als 35 Tage – die „Normgrenze“ ist also relativ eng gezogen. Unter dem Einfluss der Sexualhormone Östrogen und Progesteron wird die Gebärmutterschleimhaut, das Endometrium, aufgebaut und nach Ende des Zyklus wieder abgestoßen. Hormonell gesteuert wird dieser Vorgang von der Achse HypothalamusHypophyseOvar.

Inhaltsverzeichnis

Vorgänge im Eierstock ab der Geschlechtsreife

Mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife beginnt die fruchtbare Phase der Frau: Dabei wachsen unter dem Einfluss des Follikelstimulierenden Hormons (FSH) zu Beginn des einzelnen Ovarialzyklus jeweils 5 bis 15 Primordialfollikel heran. Dabei vermehren sich sowohl die Follikel- als auch die Thekazellen.

Die sich vermehrenden Follikelzellen bilden Progesteron und geben dieses in die Follikelhöhle ab, was die Eireifung unterstützt. Die Thekazellen produzieren Östrogen, das in die Blutbahn gelangt und letztlich unter anderem die Gebärmutterschleimhaut in die Proliferationsphase bringt.

Vom Primordialfollikel erfolgen Wachstum und Reifung über Primär- und Sekundärfollikel zum Tertiär- oder Graaf-Follikel, der diesen Namen nach dem Erstbeschreiber der ovariellen Follikel, Reinier de Graaf (1641–1673), trägt. Allerdings reift in der Regel nur einer der Primordialfollikel zum reifen und sprungbereiten Tertiärfollikel heran. Die übrigen gehen bindegewebig zugrunde.

Mit dem Follikelsprung wird nun eine Eizelle ausgestoßen, die nach langen Jahren der Ruhe im Dictyotänstadium die erste Reifeteilung nun endlich beendet hat.

Die Progesteron bildenden Follikelzellen des Graafschen Follikels werden nun vaskularisiert, was jetzt auch einen Progesteronanstieg im Blut bewirkt. In der Folge wird durch die Wirkung des luteinisierenden Hormons (LH, Lutropin) aus diesen Zellen das Corpus luteum (Gelbkörper) gebildet.

Die Phasen des Menstruationszyklus

Follikelphase

Der erste Tag der Menstruation markiert den Beginn eines neuen Zyklus. In der Proliferationsphase, der ersten Zyklushälfte, wird unter Einfluss des im Eierstock gebildeten Östrogens in der Gebärmutter eine neue Schleimhautschicht aufgebaut. Parallel reift im Eierstock, dem Ovar, ein Ovarialfollikel heran, der die Eizelle enthält.

Ovulation

Der Follikelsprung (im allgemeinen Sprachgebrauch eher als Eisprung bezeichnet), also die Ovulation, findet unter dem Einfluss von LH ungefähr 12 bis 16 Tage vor der nächsten Menstruation statt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration an Östrogen im Blut maximal. Daraufhin wird der Follikel zum Gelbkörper (Corpus luteum), der ebenfalls unter LH-Einfluss das Hormon Progesteron produziert. Die Kombination aus Östrogen- und Progesteronwirkung führt in der Gebärmutterschleimhaut zu einem weiteren Ausbau der Gefäßversorgung und zu einer Abgabe von nährstoffhaltigem Sekret aus den Drüsen der Schleimhaut (Dezidualisierung). Die Schleimhaut ist nun optimal auf die Einnistung (Nidation) der befruchteten Eizelle vorbereitet. Kommt es nicht zur Befruchtung der Eizelle, geht der Gelbkörper im Eierstock zugrunde und wird durch eine narbige Umwandlung zum Corpus albicans. Die Progesteronproduktion versiegt. Ohne die hormonelle Unterstützung kann die Schleimhaut nicht aufrechterhalten werden und wird abgestoßen, es kommt zur Blutung.

Die Ovulation selbst bezeichnet eigentlich keine Phase, dieses Ereignis trennt lediglich zwei Phasen voneinander.
Bei manchen Frauen wird der Follikelsprung von einem charakteristischen Schmerz begleitet, dem sogenannten Mittelschmerz, welcher mehrere Stunden dauern kann. Die Eizelle mit einem Durchmesser von etwa 0,1 mm wandert durch den Eileiter zur Gebärmutter. Dieser Vorgang dauert etwa drei Tage. In den ersten 12 bis 24 Stunden nach der Ovulation kann das Ei von einem Spermium befruchtet werden.

Gelbkörperphase

Die Gelbkörperphase wird im Fachterminus auch Luteal- oder Sekretionsphase genannt.

Schwangerschaft

Wenn eine Befruchtung eintritt, kann sich die Eizelle mit 25- bis 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit in die Gebärmutterwand einnisten und die Frau schwanger werden. Der Ovarialzyklus wird unterbrochen, damit es zu keiner Superfetatio kommen kann – der neuerlichen Befruchtung einer Eizelle bei schon bestehender Schwangerschaft, die allerdings auch aufgrund der Beschaffenheit des Zervixschleims während einer Schwangerschaft und dessen Undurchdringbarkeit für Spermien extrem selten vorkommt.

Erst einige Wochen oder Monate nach der Geburt setzt der Menstruationszyklus wieder ein, wenn der Sättigungsspiegel des milchbildenden Hormons Prolaktin gesunken ist. Auch in der Zeit nach der Geburt bis zum ersten Wiederauftreten der Menstruation kann ein Follikelsprung stattfinden, so dass die Frau erneut schwanger werden kann.

Spermien können einige Tage im Körper der Frau aktiv bleiben, weshalb die Tage kurz vor dem Follikelsprung die fruchtbarste Zeit sind. (siehe auch: Zeugung). Es wurden noch nach zehn Tagen lebende Spermien in der Gebärmutter gefunden, wobei die Spermien allerdings meist nur ein bis drei Tage befruchtungsfähig sind. Verschiedene natürliche Familienplanungsmethoden der Geburtenkontrolle versuchen die exakte Bestimmung des Follikelsprungs zu ermitteln, um die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage des Zyklus zu finden.

Östrogen und Progesteron sind auch die Hauptbestandteile der meisten Empfängnisverhütungspillen.

Obwohl es zwei Eierstöcke gibt, wird normalerweise nur eine Eizelle pro Periode entwickelt. Welcher Eierstock letztendlich der Follikel-Lieferant ist, ist im Wesentlichen zufällig, denn es gibt keine Rechts-Links-Koordination. Steigt der Spiegel des follikelstimulierenden Hormons (FSH), wird die Reifung des Follikels angeregt. Der Follikel sondert Inhibin ab, womit es das Ansteigen des FSH-Spiegels und somit eine Reifung eines weiteren Follikel verhindert. So ist es jedes Mal unterschiedlich, ob der linke oder rechte Eierstock den Follikel produziert.

Ohne Schwangerschaft

Kommt es allerdings zu keiner Schwangerschaft, wandelt sich der Gelbkörper in ein Corpus albicans um, das schließlich nur noch aus fibrösem Gewebe besteht und dem senilen Ovar sein narbiges Aussehen verleiht – schließlich wird sich der hier geschilderte Prozess bis zum endgültigen Ausbleiben der Regelblutung, der Menopause, noch einige Male wiederholen.

Blutung

Während der Menstruation gehen ungefähr 30 bis 60 Milliliter Blut verloren (das Blutungsmaximum liegt meist am zweiten Tag, Werte zwischen 10 und 80 ml werden als normal angesehen).[1] Je nach Quelle wird die Grenze zur Hypermenorrhoe (ungesund starke Menstruation) mit 150 ml oder mit 200 ml angegeben. Das Gerinnen des Bluts wird durch das Enzym Plasmin verhindert, welches in der Gebärmutterschleimhaut enthalten ist. Bei vielen Frauen wird die Menstruation von verschiedenen unangenehmen Symptomen, Menstruationsbeschwerden (medizinisch Dysmenorrhoe), begleitet, die der Menstruation auch vorausgehen können. Sie werden durch die beteiligten Hormone und die sich zusammenziehende Gebärmutter verursacht. Manche Frauen erleben die Zeit der Menstruation aber auch als positiv, einhergehend mit einem erhöhten Körperbewusstsein.

Schwangerschaft und Geburt

Während des Schwangerschaftszyklus kommt es zu keiner Regelblutung. In manchen Fällen können jedoch auch während der Schwangerschaft Regelblutungen auftreten. Die Geburt markiert den Beginn eines neuen Zyklus, der dann mit der folgenden Menstruationsblutung endet. Die zurückkehrende Regelmäßigkeit des Menstruationszyklus ist von Frau zu Frau verschieden und hängt oft unter Anderem mit der Länge des Stillens zusammen.

Vorgänge vor der Geschlechtsreife

Mit dem Menstruationszyklus wird eine Entwicklung fortgesetzt, die beim menschlichen Embryo schon in der 3. Woche ihren Anfang nimmt: Urkeimzellen wandern in die weibliche Gonadenanlage ein, differenzieren sich im Rahmen der Oogenese zu Oogonien und teilweise weiter zu Oozyten, den eigentlichen Eizellen, die noch vor der Geburt in die 1. Reifeteilung eintreten. Diese Oozyten bilden dabei als sog. primäre Oozyten zusammen mit dem sie umgebenden Epithel den sog. Primordialfollikel.

Die weitere Entwicklung wird nun bis zum Eintritt der Pubertät unterbrochen und die Oozyten treten in ein Ruhestadium, das Diktyotän ein. In dieser Ruhephase gehen die meisten Oozyten wieder zugrunde. Zum Zeitpunkt der Menarche – der ersten Regelblutung – sind noch etwa 40.000 der ursprünglich 700.000 bis 2 Millionen Primordialfollikel vorhanden.

Andere Lebewesen

Ein regelmäßiger Menstruationszyklus tritt lediglich bei den höheren Primaten auf. Bei anderen weiblichen Säugetieren gibt es zwar ebenfalls zyklische Veränderungen an den weiblichen Geschlechtsorganen, die Gebärmutterschleimhaut wird jedoch nur um-, nicht aber abgebaut und es tritt demzufolge keine Menstruationsblutung auf. Daher wird für diese Vorgänge der Begriff Sexualzyklus verwendet.

Quellen

  1. David L. Healy: Menorrhagia Heavy Periods.

Siehe auch