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Fayyumische Sprache

Fayyumisch (auch Faijûmisch) ist eine regionale Varietät des Koptischen, literarisch zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert zu greifen, jedoch nur mit marginalem Status. Gesprochen wurde Fayyumisch in Nord-Mittelägypten, in dem Gebiet um das Fayyum-Becken. Die gesprochensprachlichen Dialektgrenzen sind nicht mehr zu rekonstruieren, daher ist das prestigearme Fayyumisch als Graphodialekt zu verstehen. Im Hieroglyphisch-Ägyptischen wurde das Gebiet als "das Seenland" = ta-esch bezeichnet, im modernen Ägyptisch-Arabischen analog als Fayyum =فيوم, was auf Koptisch "der See" =ΦΙΟΜ (mit proklitischem Präfixartikel) zurückgeht. Das Wort yom "Meer" ist jedoch semitischen, genauer kanaanäischen, Ursprungs (ym > Demotisch ym "Meer, Gewässer, See" > Koptisch ΕΙΟΜ).

Hauptsächlich wegen des sehr unübersichtlichen Publikationsstandes des Sprachmaterials (Teile der Manuskripte des St. Michael Klosters von Hamuli liegen in der Pierpont Morgan Library, New York [davon Fayyumisch: Depuydt 1993: I 449-476 19 Manuskripte] bzw. im Koptischen Museum Kairo [davon Fayyumisch: Depuydt 1993: I 633/634 1 Seite eines Manuskripts], Berlin, Strasbourg, sowie Freiburg im Breisgau) sowie der Heterogenität des Dialektes (Kasser 1991) sind bislang weder eine umfassende Grammatik, noch Studien bezüglich grammatischer Details des Fayyumischen erschienen. Distinktivtes Merkmal zu den anderen koptischen Dialekten ist der sogenannte Lambazismus (<r> wird standardmässig durch <l> wiedergegeben, Ausnahmen bei Kasser 1994 bzw. Peust 1999: 130/131), der ein phonologisches Phänomen des Fayyums darstellt, da er auch in griechischen Texten aus der Region zu finden ist (Milani 1981: 221-229). Hintergrund dürfte eine Artikulation des <r> als Approximant sein, der in dieser Region mit dem lateralen Approximanten (Lateral) /l/ zusammenfiel. Die silbischen Sonoranten der anderen Dialekte (B, L, M, N und R) sind aufgelöst zu e plus Konsonant (d.h., statt B als Silbengipfel wird auf EB ausgewichen).

Lexikalisch verfügt das Fayyumische über einige Lexeme, die in anderen Dialekten nicht belegt scheinen (Kasser 1991: 128/129).

Wie auch in den anderen Varietäten des Koptischen ist das Schrifttum des Fayyumischen vornehmlich religiösen Inhalts (z.B. Bouvarel-Boud'hors 1998, Depuydt 1993: I Nr.259/260 AT; Nr. 261-269 NT), daneben finden sich aber auch dokumentarische Texte, die z.T. unpubliziert sind, und Briefe (z.B. Crum 1939: Nr. 114-116 und 128).

Literatur