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Pechau

Pechau ist ein Stadtteil von Magdeburg in Sachsen-Anhalt mit 569 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2007) auf einer Fläche von 7,39 km². Die Ortschaft wurde im 948 erstmals urkundlich erwähnt.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Pechau liegt östlich der Elbe am Rand von Magdeburg, zwischen Elbe und Ehle; Alter Elbe, Kreuzhorst und Klus; unmittelbar an Elbe-Umflutkanal und Pechauer See. Pechau umgibt eine reizvolle und ursprüngliche Landschaft. Natur – das sind Fischreiher, Milane und Biber, Störche und Frösche, Auenwälder und Felder, Wiesen und Wasser.

Pechau liegt in der Elbaue in etwa 5 km Entfernung (jeweils etwa 15 Autominuten bis zum Stadtzentrum) zwischen Magdeburg und Schönebeck (Elbe) an der Kreisstraße K1227.

Hochwasserschutz

Pechau ist eingedeicht. Hier liegen die Krone des östlichen Elbdeiches etwa 49,0 m und die Krone des westlichen Umflutkanaldeiches etwa 49,5 m ü. NN. Die Alte Elbe ist südlich von Pechau ein Binnengewässer.

Die Kreisstraße K1227, die westlich und südlich an Pechau vorbeiführt, liegt 47 m ü. NN und wirkt als Deich zur Elbe.

Die Entfernungen des Pechauer Ortskerns betragen zur Elbe etwa 2,5 km, zur Alten Elbe etwa 800 m und zum Umflutkanal etwa 500 m. Der Ortskern liegt 47 ü. NN, die tiefsten Flächen liegen etwa 45 m ü. NN. Der Nullpunkt des Elbpegels an der Magdeburger Strombrücke beträgt 39,9 m ü. NN. Die höchsten Elbpegelstände wurden dort 1941 mit 7,01 m und 2002 mit 6,71 m gemessen.

Ab 5,50 m Elbpegelstand wird der Umflutkanal geflutet. Sein Wasserspiegel ist bei Hochwasser etwa 1,5 m höher ü. NN als am Elbpegel.

Gefahr droht Pechau durch Deichbruch an der Elbe bei einem Elbpegel über 7 m oder durch Deichbruch am Umflutkanal sowie Anrainern des Umflutdeiches durch Sickerwasser. Der Grundwasserspiegel ist im Ortsbereich sehr hoch, so daß Kellerräume immer gefährdet sind.

Sehenswürdigkeiten

St.-Thomas-Kirche

Sankt-Thomas-Kirche

1221 erstmals urkundlich erwähnt; einschiffig, im Kern spätromanisch, über dem Westgiebel ein Fachwerktürmchen, barockes Südportal mit schlichter Pilasterrahmung und Segmentgiebel (Ende 17. Jahrhundert), flachgedeckter Saalbau mit 8 Spitzbogenfenstern, Wände aus Bruchsteinen - später verputzt, Chor mit 5/10-Schluss; schlichte Innenausstattung; 1944 Bomben- und 1945 Granatschäden durch RAF beziehungsweise amerikanische Truppen, jedoch keine direkten Treffer; 1980 Einbau der „Winterkirche“ unter der Empore; 2000 Sanierung des Kirchturmes und 2002 des Kirchdaches, 2 Glocken (fälschlich 1921, korrekt 1922 und 2000); Komplettsanierung 2005/6; evangelische Kirchgemeinde.

Pechauer Bockwindmühle

Die 1828 erbaute und nach einem Brand 1897/1898 wieder aufgebaute Bockwindmühle Pechau war bis 1954 in Funktion. Stark verfallen, wurde sie nach 1992 saniert und ist heute wieder funktionsfähig. In einer Ausstellungshalle - eine über 170-jährige Fachwerk-Feldscheune, die 2002 umgesetzt wurde - werden alte landwirtschaftliche Geräte gezeigt. Seit 1994 findet jährlich ein Mühlenfest am ersten Sonntag im Mai statt.

Slawisches Dorf und Burghügel

Auf dem Gemeindehof in Pechau können Rekonstruktionen slawischer Hütten sowie die Ausstellung Die slawische Besiedlung des ostelbischen Raumes vom 8.–12. Jahrhundert besichtigt werden. 200 m vom Gemeindehof entfernt, befindet sich am östlichen Ende der Breiten Straße der Burghügel der historischen Slawenburg.

Klusdamm

Der am Nordrand von Pechau verlaufende Klusdamm war ein wichtiger Handels- und Postweg, der die sumpfige Elbaue durchquerte und von Magdeburg über Wahlitz, Gommern, Leitzkau, Zerbst nach Wittenberg beziehungsweise über Ziesar, Brandenburg (Havel) nach Berlin führte. Schon im 10. Jahrhundert benutzten ihn die Heere, die nach Osten zogen. Die über Jahrhunderte hinweg wichtigste West-Ost-Verbindung im Raum Magdeburg brachte jedoch Pechau kaum wirtschaftliche Vorteile. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde von Flamen der Klusdamm als einziger hochwassersicherer Übergang über die Elbe-Ehle-Niederung als Hauptverkehrsweg von Magdeburg an Pechau vorbei in Richtung Osten ausgebaut. Er besaß bei einer Länge von 7.600 m, einer Breite von fast 6 m und einer aufgeschütteten Höhe von 2,5 m, bis zu 10 steinerne und 35 hölzerne Brücken und war gepflastert. Die 1571 gebaute "Lange Brücke" bei Pechau (Höhe Kolke bei der Mühle) besaß sogar 8 große Gewölbe mit insgesamt 80 Meter Länge. Von der Größe des Klusdamms kündet noch heute die erhaltene steinerne Klusbrücke über die Ehle. Hier lagen einst im Winkel Pechau, Klus und Gübs das Dorf Gröneberg (im frühen Mittelalter aufgegeben) und sogar eine Burg, auf der 1209 Erzbischof Albrecht I. von Magdeburg (1205-1232) kurze Zeit gefangen gehalten wurde. Der Damm hatte nach den Zerstörungen im Befreiungskrieg, dem Bau des Cracauer Wehrs und der Berliner Chaussee um 1819/1820 seine Bedeutung verloren. Heute dient der Klusdamm als Rad- und Wanderweg.

Sonstiges

In Pechau gibt es zwei Gaststätten, davon eine mit Fremdenzimmern, beide mit Biergarten. Zum Mühlenfest, am Deutschen Mühlentag und zu Himmelfahrt gibt es an der Mühle eine gastronomische Versorgung. Es gibt ein Lebensmittelgeschäft. Pechau besitzt außer dem Kirchfriedhof einen neuen Friedhof und einen Sportplatz. Pechau verfügt über zwei Kinderspielplätze und einen Kindergarten, die Pechauer Schulkinder besuchen Schulen in Magdeburg. Trotz des Wasserreichtums existieren keine offiziellen Zelt- und Bademöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung Pechaus, jedoch viele Angelplätze (erlaubnispflichtig). Man kann auf den Wegen entlang der Calenberger Straße skaten und im Herbst am Umflutkanal Drachen steigen lassen. Hier findet auch das jährliche Osterfeuer, das viele Besucher anlockt, statt. Keine der Pechauer Sehenswürdigkeiten, mit Ausnahme der Ausstellung "Die slawische Besiedlung", ist behindertengerecht gestaltet.

Geschichte

Bis zur Slawenzeit

Pechau ist ein typisches Elbdorf, das 1998 sein 1050jähriges Jubiläum feierte. Das Pechauer Gründungsdatum führt man auf einen Hoftag Ottos I. zurück, auf dem das Bistum Brandenburg am 1. Oktober 948 (nach anderen Deutungen 965) gegründet wurde. In der Gründungsurkunde des Bistums wurde Pechau als "Pechovi" (möglicherweise von "pek" - urslawisch für "sorgen") namentlich erstmals erwähnt. Die slawische Burg Pechau selbst ist nachweislich noch älter; das ostelbische Gebiet ist seit mehreren tausend Jahren besiedelt. In der römischen Kaiserzeit (1.-4. Jahrhundert) lebten hier semnonisch-swebische Stämme der Germanen. Im Jahre 5 wurden die Semnonen, die sich selbst für den ältesten und edelsten der Swebenstämme hielten, erstmals in antiken Quellen genannt. Nach der großen europäischen Völkerwanderung (4. bis 6. Jahrhundert) rückten die Wilzen, ein Stamm der Elbslawen, im 6. und 7. Jahrhundert nach. Die Sweben gelangten bis nach Galizien. Nach erfolglosen Versuchen des Frankenkönigs Karls der Großen, der 780 in den Sachsenkriegen (Eingliederung des Herzogtums Sachsen in das Frankenreich, 772-804) von Westen bis zur Elbe vorstieß, gelang es Anfang des 10. Jahrhunderts den deutschen Herrschern Heinrich I. (der Sachse) und seinem Sohn Otto I. (der Große) im ostelbischen Gebiet Fuß zu fassen. Das politische Zentrum des Reiches verlagerte sich vom Rhein-Main zum Gebiet zwischen Harz und Elbe. Otto I. sicherte die Grenze zu den Elbslawen, unterwarf und christianisierte sie. Magdeburg (Magadoburg, gegründet 805 als fränkisches Kastell und Sitz eines fränkischen Grafen zur Überwachung des fränkisch-slawischen Handels an der Elbe) sollte unter Otto I. neben Rom und Aachen zu einem der Regierungszentren des Reiches ausgebaut werden. 937 gründet Kaiser Otto I. den Moritz- oder St. Mauritiusstift Magdeburg. Als 962/968 aus dem Stift das Erzbistum Magdeburg entstand, wurden die Erzbischöfe Herren der Stadt und des Umlandes. Seit 921 ist der Gau Morzane (das Land "am Sumpfsee - dem damaligen Fiener See", zwischen Elbe, Stremme, Havel, Ihle und Nuthe) Teil der Nordmark des Deutschen Reiches. Ab 937 war der gesamte Gau dem Moritzstift in Magdeburg zinspflichtig. Das dazugehörige Alt-Pechau war eine Insel in der Elbe an der Grenze zu Magdeburg und dem Herzogtum Sachsen sowie der nächstgelegene Burgward auf der slawischen Elbseite. Die schriftlich überlieferte Geschichte des Gebiets begann.

Slawenzeit

Der Ursprung des Alten Dorfes Pechau wird auf eine Ringburg der Morzanen zurückgeführt, die zu den 11 Burgbezirken des gleichnamigen slawischen Gaus gehörte. Die Morzanen waren eine der vier Stammesgruppen der nordslawischen Wilzen, die in 95 Burgbezirken siedelten. Die Burg war etwa 125 x 200 m groß. Ihre Besiedlung ist für den Ausgang des 8. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisbar. Sie befand sich auf einem noch heute sichtbaren Hügel am östlichen Ende der Breiten Straße des heutigen Dorfs. Bis zum 12. Jahrhundert verlief um die Insel des Burghügels ein Hauptarm der Elbe. Alt-Pechau war durch eine Brücke mit dem ostelbischen Ufer in Richtung der heutigen Brücke über den Umflutkanal verbunden. 923 und 924 zerstörten Ungarn und verbündete Slawen das benachbarte Magdeburg. Es kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass sich daran auch einige Pechauer beteiligt haben könnten. Die Elbe war die Grenze zwischen Slawengebiet beziehungsweise der Nordmark zum Herzogtum Sachsen des 919 vom ersten deutschen König Heinrich I. (als Nachfolger des ostfränkisch-deutschen Königs Konrad I.) gegründeten Deutschen Reiches und ab 962, mit der Krönung Ottos I. (Königskrönung 936) in Rom zum römischen Kaiser, des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die slawischen Stämme zwischen Elbe, Saale und Oder wurden 928 Heinrich I. tributpflichtig. 965 schenkte Otto I. dem Moritzstift in Magdeburg seinen Besitz in Pechau. Otto II. bestätigt 973 diese Schenkungen. Ende des 10. Jahrhunderts schlossen sich die Wilzen im Bund der Liutizen ("die Grimmigen") zusammen. Durch den Slawenaufstand 983 wurde die deutsche Kolonisation der ostelbischen "heidnischen" Slawengebiete bis zur Oder noch einmal für rund einhundertfünfzig Jahre zurückgedrängt. Die Elbe bei Magdeburg wurde erneut zum Grenzland. Der Burgward Pechau blieb jedoch ein wichtiger deutscher Stützpunkt im Kampf gegen Slawen. 1007 griff der polnische Fürst Boleslaw I. Chrobry (der Kühne und erster polnischer König) beim Versuch der Eroberung des Slawengebiets zwischen Oder und Elbe die Burg Pechau an. Der Gau Morzane wird verwüstet. Es wird angenommen, dass dabei der Palisadenwall der Burg zerstört wurde und danach Alt-Pechau in der Bedeutungslosigkeit versank. Zur Zeit Friedrichs I. (genannt Barbarossa) gewannen die Deutschen in der Auseinandersetzung um die ostelbischen Gebiete unter Albrecht dem Bären, Markgraf der Nordmark, endgültig die Oberhand. 1139 übergab das Kloster Berge dem Bischof von Brandenburg 100 Hufen Land, wobei das Dorf Pechau eingerechnet wurde. Alt-Pechau existierte zum Ende des 12. Jahrhunderts nicht mehr.

12. bis 16. Jahrhundert

Pechau ist ein Haufendorf mit vorwiegend Drei- und Vierseitenhöfen, wie sie für das Magdeburger Land typisch sind. Der heutige Dorfgrundriß mit der Ringstraße geht auf den Aufbau des deutschen Neuen Dorfes unter dem Lokator Heribert zurück, der am 18. Juni 1159 das Dorf Pechau mit 6 Hufen (ca. 60 ha) Land westlich des slawischen Burgwalls mit allem Zubehör und der Gerichtsbarkeit über alle Ansiedler als Lehen erhielt. Erzbischof Wichmann von Magdeburg (1152-1192) holte Neusiedler aus Flandern in die Region, um das Land trockenzulegen und landwirtschaftlich besser zu nutzen. 1185 übereignete Wichmann dem Nicolaistift 2 Hufen und 1191 der Andreaskapelle in Magdeburg 3 Hufen Land in Pechau. Lag Pechau zur Jahrtausendwende noch zwischen zwei großen Elbarmen, so floß später der Hauptstrom in der Alten Elbe und etwa im Bett der jetzigen Stromelbe westlich an Pechau vorbei. Pechau gehörte nun nicht nur politisch, sondern auch geografisch zum Jerichower Land, das sich überwiegend (die Ländereien um Gommern gehörten seit 1269 zu Sachsen und Gebiete im Norden gehörten zu Brandenburg) im Besitz des Erzstiftes Magdeburg befand. 1221 wurde die Kirche in Pechau erstmals erwähnt. Zugehörig war sie bis 1562 dem Lorenzkloster in der Magdeburger Neustadt. 1275 gehörten Zipkeleben, Menz und Königsborn zum Kirchspiel Pechau. 1403 und 1407 wurde Pechau im bis 1407 dauernden Krieg mit Erzbischof Günther II. von Magdeburg (1403-1445) von den Fürsten von Anhalt überfallen und ausgeraubt. Aus dem Jahr 1469 stammte die älteste Erwähnung des Klusdamms von Magdeburg an Pechau vorbei als Hauptverkehrsweg nach Osten. 1459 vertauschte ein Herr von Treskow, der Pechau vom Erzbischof in Magdeburg zum Lehen erhalten hatte, Pechau an das Kloster Berge in Magdeburg. In Pechau entstand am nordwestlichen Ende der heutigen Breiten Straße ein Vorwerk des Klosters. 1524 kam Martin Luther von Wittenberg, an Pechau vorbei, über den Klusdamm und brachte die Reformation nach Magdeburg ("Unsres Herrgotts Kanzlei"). In der Reformationszeit (1517, 95 Thesen zu Wittenberg; 1555, Augsburger Religionsfrieden) wurde Pechau 1546 und 1550 im Schmalkaldischen Krieg (1550/1551) während der vergeblichen Belagerung des protestantischen Magdeburgs durch den katholischen Kurfürsten Moritz von Sachsen (1521-1553) von Magdeburger Bürgern geplündert. 1562 wurden in den Kirchenbüchern 30 Bauernstellen in Pechau erwähnt. Bis zum 16. Jahrhundert hatte Pechau nicht mehr als 100 Einwohner.

17. und 18. Jahrhundert

Bis zum dreißigjährigem Krieg soll es in Pechau ein festes Schloß gegeben haben. 1626 und 1629 kam es mit Wallenstein, 1630 mit Pappenheim und 1631 mit Tilly und Pappenheim zu Kämpfen in der Umgebung Pechaus. Am 31. März 1631 wurden die beiden Magdeburger Schanzen in der Kreuzhorst bei Pechau durch die kaiserlichen Truppen gestürmt. Nach der Erstürmung der Schanze zwischen Pechau und Klus rückte Tilly nach schweren Kämpfen mit 30.000 Soldaten über den Klusdamm auf Magdeburg vor. Am 12. April 1631 schlug Pappenheim sein Hauptquartier in Pechau auf. Die Belagerung und blutige Zerstörung von Magdeburg am 10. Mai 1631 durch die kaiserlichen Truppen unter Tilly und Pappenheim überstand lediglich die Pechauer Kirche. Magdeburg als eine der wichtigsten deutschen Städte verlor in der Folgezeit seine Bedeutsamkeit. 1632 wurden die Kaiserlichen Truppen durch den Sieg Gustav Adolfs II. von Schweden in Lützen wieder vertrieben. Es geht die Sage, dass in der Umgebung von Pechau ein großer Silberschatz von Tillys Truppen versteckt wurde. Als Folge des Westfälischen Friedens im Jahre 1648 kam 1680 Pechau mit dem neu gebildeten Herzogtum Magdeburg zu Kurbrandenburg (ab 1701 Königreich Preußen). Lange lag das Dorf nach dem dreißigjährigem Krieg verlassen, erst nach und nach wurde es wieder aufgebaut. Pechau erhielt durch die Anlage eines großzügigem Straßenkreuzes innerhalb des fast kreisrunden Deichwalls seine heutige Grundgestalt. 1671 besaß Pechau 12 Ackerhöfe und 19 Kossatenhöfe. 1707 wurde die 80 Meter lange Brücke des Klusdamms erneuert. Für die Schlesischen Kriege und den Siebenjährigen Krieg gegen Österreich wurde der Holzreichtum Pechaus geplündert. Friedrich II. von Preußen der Große ließ in der Umgebung 100.000 starke Eichen schlagen. 1782 gab es in Pechau 275 Einwohner.

19. Jahrhundert

In den Napoleonischen Kriegen (in Europa 1796-1815, mit Preußen 1806/1807) lagen im Oktober/November 1806 in Pechau französische Truppen zur erfolgreichen Belagerung Magdeburgs. 1807 wurde Pechau erneut Grenzgebiet. In Folge des Tilsiter Friedens 1807 wurden Magdeburg und 1808 das Amt Gommern sowie das gegenüberliegende ostelbische Überschwemmungsgebiet an das Königreich Westfalen (bis 1813) angegliedert. Pechau wurde zum westlichsten Dorf Preußens. Wegen der ewigen Grenzstreitigkeiten schoben die Franzosen ihre Posten jedoch gewöhnlich bis zur Linie Biederitzer Busch - Königsborn - Gommern vor. Im Befreiungskrieg (1813-1815) gegen Napoleon I. Bonaparte von Frankreich kam es am 5. April 1813 zum Gefecht bei Möckern. Der Klusdamm wurde dabei von der Kaiserlichen Gardedivision (9 1/2 Bataillone und Squadrone, 16 Kanonen) unter Baron Rogeut verteidigt, die in Pechau stand. Die zahlenmäßig überlegenen Franzosen wurden von preußisch-russischen Truppen geschlagen und zogen sich wieder nach Magdeburg zurück. Dabei wurden Brücken des Klusdamms beschädigt, die Kirche, Häuser und die Schule von Pechau zerschossen und es wurde geplündert. Das war der erste Sieg gegen die Franzosen im Freiheitskampf auf deutschem Boden. Das schwach verschanzte Pechau als erster Vorposten der Verbündeten wurde am 20. November 1813 von den Franzosen in großer Übermacht geplündert und am 16. Dezember 1813 bei einem Ausfall der bis Mai 1814 eingeschlossenen französischen Garnison aus Magdeburg erneut geplündert und verwüstet. Es kommt zu einem erbitterten Gefecht mit preußischer Landwehr bei Pechau und Gübs, wo der Ausfall abgewehrt wird. Durch den Pariser Frieden 1814 beziehungsweise Wiener Kongress 1815 kam Pechau zur preußischen Provinz Sachsen (1815-1944; 1944-1945 Provinz Magdeburg u.a.) mit der Hauptstadt Magdeburg. 1827 besaß Pechau 300 Einwohner. Im Revolutionsjahr 1848 wurde in Pechau eine Bürgerwehr gegründet. 1861 hatte Pechau 523 Einwohner.

Zeit des Deutsches Reichs

Pechaus Geschichte in der Zeit des Deutschen Reichs (1871–1945) war sehr wechselhaft. Über Pechauer Opfer im Preußisch-Deutschen Krieg (1866) und im Deutsch-Französischen Krieg (1870/1871) ist nichts bekannt. Im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) wurde 1871 bis 1876 der Elbeumflutkanal gebaut, der an Pechau vorbei führt. 1884 bis 1885 wurden das Pfarrhaus und im gleichen Jahr die Chaussee Prester-Calenberge erbaut. 1913 erhielt Pechau elektrisches Licht. Im Ersten Weltkrieg fielen 16 Pechauer, 1917 wird die größte der Pechauer Kirchglocken für Kriegszwecke eingeschmolzen und erst 1922 ersetzt. In der Weimarer Republik erhielt Pechau 1926 sein dörfliches Siegel. Pechau wurde dem Kreis Jerichower Land I mit der Kreisstadt Burg zugeordnet. Während der Zeit des Dritten Reichs (1933–1945) unterstützten große Teile der Bevölkerung das Naziregime. 1933 hatte Pechau 589 Einwohner. Im II. Weltkrieg wurde Pechau stark in Mitleidenschaft gezogen. 1943 wurde die kleinere der Pechauer Kirchglocken abgenommen und eingeschmolzen. Durch einen britischen Luftangriff des Bomber Command der RAF und RAAF am 21. Januar 1944 wurde Pechau zu 90 Prozent zerstört, es starben 13 Einwohner. Im April 1945 wurde Pechau (obwohl ostelbisch liegend) bei schweren Kämpfen mit amerikanischen Stoßtruppunternehmen und durch amerikanische Artillerie, Bomben und Tiefflieger weiter zerstört und besetzt. Am 12. April 1945 waren zivile Tote und am 13. April 1945 fast zwei Dutzend gefallene deutsche Soldaten zu beklagen. 25 bis 30 Pechauer sind im Krieg umgekommen. Am 5. Mai 1945 wurde Pechau durch sowjetische Truppen befreit und in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ, 1945-1949) eingegliedert. 1947 wurde Preußen durch alliierten Beschluss aufgelöst. Pechau kam zum im gleichen Jahr geschaffenen Land Sachsen-Anhalt der SBZ, das 1946 als Provinz Sachsen-Anhalt aus dem Hauptteil der preußischen Provinz Sachsen und dem Land Anhalt gebildet wurde.

DDR-Zeit

Ab dem 7. Oktober 1949 gehörte Pechau zum Land Sachsen-Anhalt der Deutschen Demokratischen Republik mit der Landeshauptstadt Halle (Saale), das bis 1952 bestand. Danach wurde Pechau in den Landkreis Schönebeck des Bezirks Magdeburg der DDR eingegliedert. Das wirtschaftliche Leben konzentrierte sich nach dem Krieg und der Gründung der DDR auf die Landwirtschaft. Die Unruhen am 17. Juni 1953 führten auch in Pechau zu einem einwöchigen Ausnahmezustand. 1953 wurde die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) in Pechau gegründet. 1958 wurde der Besitz der Kloster-Berge-Stiftung und des Klosters unserer Lieben Frauen in Pechau enteignet. 1960 entstand aus den verbliebenen privaten Bauernwirtschaften eine zweite LPG. Die beiden LPG waren die größten Arbeitgeber in Pechau. Die Einwohnerzahl Pechaus sank von 672 im Jahr 1946 bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 auf rund 500. 1989 gab es nur noch 389 Einwohner in Pechau. Ende der achtziger Jahre entwickelte sich in der DDR aus der ökonomischen eine politische Krise, die zum Zusammenbruch der sozialistischen Gesellschaftsordnung führte. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Nach den Volkskammerwahlen am 18. März 1990 und den Kommunalwahlen im Mai nahm auch in Pechau im Mai 1990 eine demokratisch gewählte Gemeindevertretung die Arbeit auf.

Ab 1990

Am 3. Oktober 1990 kam es zur deutschen Wiedervereinigung, das Land Sachsen-Anhalt erstand jetzt wieder in der Bundesrepublik Deutschland (gegründet 1949) aus den ehemaligen DDR-Bezirken Magdeburg und Halle. 1994 wurde Pechau durch Magdeburg, die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, eingemeindet.

In Pechau existierten nun keine LPG mehr. Es begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten an Straßen, Kanalisation und am Gemeindehof. Der Klusdamm wurde als Radweg bis Wahlitz ausgebaut. 1996 erfolgte die Rückführung des Eigentums der kirchlichen Stiftungen. 1997 wurde der Bau im Pechauer Brückbusch in Angriff genommen: der Bereich zwischen dem alten Ortskern Pechaus und der nach dem 2. Weltkrieg an der Calenberger Straße angelegten Wohnsiedlung wurde mit Einfamilienhäusern bebaut. Ein neues Feuerwehrhaus wurde eingeweiht. 1999 war die Einweihung des neuen Sporthauses und einer Flutlichtanlage für den Sportplatz. Im Jahr 2000 konnte der Turm der Pechauer Kirche in alter Gestalt und mit zwei Glocken wiederhergestellt werden.

Seit Oktober 2001 ist Pechau postalisch unter der Postleitzahl "D-39114 Magdeburg" zu erreichen. Im August 2002 entging Pechau nur knapp einer Hochwasserkatastrophe, der Magdeburger Elbpegel an der Strombrücke erreichte nur 6,71 m statt der erwarteten 8,75 m. 2002 wurde das Kirchendach neu eingedeckt, 2003 ein Beachvolleyballplatz eröffnet. 2004 beging Pechau den 10. Jahrestag seiner Eingemeindung nach Magdeburg.

2005/6 wurde die St. Thomas Kirche in Pechau saniert und rekonstruiert. 2006/7 wurde das Grabensystem für den Hochwasserschutz in und um Pechau saniert. Vom Pechauer See aus wurde ein neuer Graben zum Mühlenkolk gebaut. Die Kolke nördlich von Pechau wurden miteinander verbunden und es wurde eine Verbindung zum Zipkelebener Gutsteich hergestellt. Dort kann das Wasser über ein Siel in den Umflutkanal abfließen.

Persönlichkeiten

Koordinaten: 52° 5' 4" N, 11° 42' 54" O