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Heiliger Rock

Der Heilige Rock ist eine Reliquie, die im Trierer Dom aufbewahrt wird und Fragmente der Tunika Jesu Christi enthalten soll. Die Authentizität des Heiligen Rocks ist umstritten. Er wurde nie mit wissenschaftlichen Methoden auf seine Echtheit untersucht.

Nach dem Johannesevangelium wurde ein Teil der Gewänder Jesu nach dessen Kreuzigung verteilt. Der Leibrock jedoch wurde unter den Soldaten verlost, da er für eine Zerteilung zu kostbar erschien. Denn er war "von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht (Joh 19,23). Der weiteren Überlieferung nach soll in dem in Trier aufbewahrten Heiligen Rock ein etwa 30 x 30 cm großes Stück Gewebe dieses Leibrocks eingenäht sein, welches Flavia Iulia Helena Augusta, Mutter Konstantins des Großen, nach Trier brachte. Da man sich allerdings des Öfteren anlässlich einer Zeigung gezwungen sah, Ausbesserungen und Schutzmaßnahmen vorzunehmen, ist der "Urzustand" der Tunika zunehmend verändert worden.

Urkundlich erwähnt wurde der Heilige Rock erstmals am 1. Mai 1196. Das Bistum Trier übertrumpfte mit diesem Fund die konkurrierende Abtei Prüm, die im Besitz der Sandalen Christi war. Die Weihe des Hochaltars im damals neu errichteten Ostchor des Trierer Domes fand durch Erzbischof Johann I. statt, der in dem Altar den Heiligen Rock einschloss. Diesen Altar, in dem die Reliquie aufbewahrt wurde, ließ Erzbischof Richard von Greiffenklau in Anwesenheit von Kaiser Maximilian I. im Jahr 1512 öffnen. Der Heilige Rock wurde in den unsicheren Zeiten von 1657 bis 1794 auf der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz aufbewahrt.

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Wallfahrten

In den folgenden Jahren fanden Wallfahrten statt, in denen der Heilige Rock ausgestellt wurde: 1513, 1514, 1515, 1516, 1517, 1524, 1531, 1538, 1545, 1655, 1810, 1844, 1891, 1933, 1959, 1996.

Im Jahr 1810 wurde der Heilige Rock 18 Tage lang ausgestellt und von über 220.000 Pilgern besichtigt.

1844 kamen in den 7 Wochen über eine Million Pilger. Diese Zurschaustellung führte zu heftigen Debatten in der Öffentlichkeit. Sie war Auslöser für Otto von Corvins antiklerikales Buch Pfaffenspiegel und Rudolf Löwensteins Spottgedicht Freifrau von Droste-Vischering zum heil'gen Rock nach Trier ging im Kladderadatsch. Der Priester Johannes Ronge schrieb einen Protestbrief an den Bischof von Trier, in dem er den „Götzendienst“ anprangerte, der mit der Wallfahrt zu der Reliquie geleistet würde. Das führte in der Folge zu seiner Exkommunikation und zur Gründung der kurzlebigen Deutschkatholischen Kirche.

Anlässlich der Wallfahrt wurde K.D.St.V. Bavaria Bonn im Cartellverband gegründet.

Im Jahr 1891 wurden in Pressemeldungen in Rom, Paris, London, und Kairo über die Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt, die von Bischof Michael Felix Korum organisiert wurde, geschrieben. Die Wallfahrt war zu einem kirchlichen Ereignis internationalen Ranges geworden.

Im Jahre 1933 fand anlässlich des Heiligen Jahres die Ausstellung des Heiligen Rocks vom 23. Juli bis zum 8. September statt. Über zwei Millionen Pilger sahen die Reliquie.

Als vom 19. Juli bis zum 20. September 1959 der Heilige Rock ausgestellt wurde, sahen ihn 1,8 Millionen Pilger.

Die letzte Wallfahrt, in der die Tunika Christi ausgestellt wurde, brachte im Jahr 1996 rund 700.000 Pilger nach Trier. Seitdem veranstaltet das Bistum Trier jedes Jahr die "Heilig-Rock-Tage", eine zehntägige Veranstaltung in der Art eines regionalen Katholikentags.

Zuletzt wurde der Heilige Rock der Öffentlichkeit im Rahmen der "Tage der Begegnung" im Vorfeld des Kölner Weltjugendtages 2005 zugänglich gemacht. Bischof Reinhard Marx lud alle Teilnehmer der regionalen Begegnungsfeiern im Trierer Dom am 13. August 2005 zur Verehrung der Reliquie in der dem Chor angegliederten Heilig-Rock-Kapelle ein.

Die nächste Wallfahrt, zu der auch Papst Benedikt XVI. eingeladen werden soll, wird 2012 stattfinden, nur 16 Jahre nach der letzten Wallfahrt 1996.

Siehe auch

Literatur