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Poppelsdorfer Allee

Die Poppelsdorfer Allee ist eine Prachtstraße in Bonn. Ursprünglich verband sie auf einer Länge von einem Kilometer das Kurfürstliche Schloss mit dem Poppelsdorfer Schloss. Heute ist das innenstadtseitige Ende durch die Bahngleise der Linken Rheinstrecke als Kaiserplatz abgetrennt, das verbleibende Stück ist 800 m lang. Die Straße ist größtenteils mit Gründerzeithäusern bebaut und mit Rosskastanien bestanden.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Verlauf

Die Achse der ursprünglichen Poppelsdorfer Allee verläuft von Nordost nach Südwest von der Bonner Innenstadt durch die Südstadt nach Poppelsdorf. Sie beginnt stadtseitig mit einem kleinen Wiesenstück am Buonretiro-Flügel des Kurfürstlichen Schlosses. Hinter der Straße Am Neutor bildet sie den 100 m langen Kaiserplatz nordöstlich des Hauptbahnhofs. Jenseits der Kaiserstraße folgt eine Fußgängerunterführung unter den Bahngleisen. Von dieser an verläuft sie als eigentliche Poppelsdorfer Allee zum Poppelsdorfer Schloss, wobei sie von Nord nach Süd von Quantiusstraße / Prinz-Albert-Straße, Baumschulallee / Bonner Talweg und Königstraße geschnitten wird.

Anlage

Nördlich der Bahngleise

Der Kaiserplatz besteht aus zwei Kfz-Spuren an der Ostseite, Fußgängerflächen an den anderen Seiten und einer großen Wiesenfläche in der Mitte. Im Norden stehen zwei Antiquariats-Kioske, im Westen befinden sich Gastronomie-Außenflächen. Am Südende steht ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Bonn. Im Westen schließt sich der Bahnhofsvorplatz an.

Auf der anderen Seite der Kaiserstraße befindet sich ein Springbrunnen. Zwischen mehreren kleinen Grünflächen führt ein Rad- und Fußweg in die Bahnunterführung herunter, in der sich mehrere Kleinstgeschäfte befinden.

Blick von Poppelsdorf

Hauptstrecke

Nach dem Südende der Unterführung, der dem nördlichen ähnelt, beginnt jenseits der Quantiusstraße der Hauptteil der Allee, der im Gegensatz zum restlichen Bereich auch heute noch diesen Namen trägt. Die Allee ist hier etwa 60 m breit. Der Kfz-Verkehr fließt jeweils einspurig an den äußeren Rändern. An beiden Seiten folgt dann nach innen ein doppelter Fuß- und Radweg, hier stehen auch die Kastanien. Die Mitte der Allee bildet eine Wiese.

Vor dem Poppelsdorfer Schloss

Die Hauptstrecke endet im Süden am Schlossweiher des Poppelsdorfer Schlosses, der auf einer Fußgängerbrücke überquert wird. Dahinter liegt noch ein ca. 100 m langes Parkstück direkt vor dem Schloss.

Geschichte

18. Jahrhundert

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts gab es bereits einen breiten, mit Linden bestandenen Fuhrweg an der Stelle der späteren Allee. Die Idee zur Anlage der eigentlichen Poppelsdorfer Allee stammte dann von Kurfürst Joseph Clemens, der eine prachtvolle Blickachse zwischen seinem Stadt- und Landschloss wünschte, nach französischem und italienischem Vorbild sowie dem des Schlosses Schleißheim in München. Die ursprüngliche Planung sah einen Bootskanal in der Mitte der Allee vor, dies wurde jedoch aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht. Stattdessen entstand die Allee unter dem nächsten Kurfürsten Clemens August im Wesentlichen in der gleichen Form, die die Hauptstrecke noch heute hat, von 1745 bis 1755. Dabei diente die Kreuzbergkirche als Zielpunkt der Blickachse, was jedoch nicht genau eingehalten werden konnte, da sich das Cassius-Stift weigerte, einige den Blick behindernde Häuser abzutreten. Nach ihrer Fertigstellung durfte die Allee anfangs nur vom Kurfürsten und seinem Hof verwendet werden, der Allgemeinverkehr musste auf die westlich gelegene Meckenheimer Allee ausweichen. Zu dieser Zeit war auch geplant, ein großes Alleensystem zwischen allen Schlössern der Region anzulegen: Die Meckenheimer Allee führte zum Jagdschloss Herzogsfreude in Röttgen, und eine Anschlussallee an die Poppelsdorfer Allee sollte zum Schloss Augustusburg in Brühl hin angelegt werden. Von diesem Projekt ist nur die heutige Nussallee zustande gekommen.

19. Jahrhundert

Zur Zeit der französischen Besatzung waren auf der Allee erstmals auch Fuhrwerke erlaubt. 1812 wurden diese wieder verboten und erst ab 1840 allmählich wieder zugelassen. 1820 ging die Allee in den Besitz der Universität Bonn. Laut einer lokalen Legende genießen die Professoren der Universität bis heute ein historisches Weiderecht für ihre Privattiere auf der Allee, tatsächlich weideten hier nur zwischen 1845 und 1895 Tiere der landwirtschaftlichen Institute. Ab 1840 begann die Bebauung der Straßenseiten mit großen Bürgerhäusern im Gründerzeitstil, der Großteil entstand zwischen 1870 und 1905. In den 1850er-Jahren wurde die Bahnstrecke, die bisher in Bonn endete, im ehemaligen Bett der Gumme, eines sumpfigen Rhein-Nebenarms, nach Süden verlängert und dabei die Poppelsdorfer Allee zerschnitten. Ursprünglich war sogar ein hoher Bahndamm geplant, der den Blick von Schloss zu Schloss völlig versperrt hätte. Durch ein Gesuch des Universitätssenates an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. wurde dies jedoch verhindert und stattdessen ein ebenerdiger Bahnübergang eingerichtet.

20. Jahrhundert

1936 wurde der Bahnübergang durch die bis heute bestehende Unterführung ersetzt [1]. Im Zweiten Weltkrieg gab es wie in der gesamten Bonner Südstadt nur wenige schwere Beschädigungen. Im Verlauf des Jahrhunderts entstanden zwar einige moderne Füllbauten, aber der gründerzeitliche Charakter der Alleebebauung ist weitgehend erhalten geblieben, heutzutage steht der Großteil des Gebietes unter Denkmalschutz. Die Durchschneidung der Allee durch die große Durchgangsstraße Baumschulallee / Bonner Talweg entstand in den 60er-Jahren.

Bauwerke

Die herausragenden Bauwerke an der Achse der Poppelsdorfer Allee sind natürlich die beiden Schlösser an ihren Enden. Die Gründerzeithäuser mit ihren prunkvollen Fassaden und Verzierungen sind alle kleine Sehenswürdigkeiten, das Haus Nr. 108 mit seiner erhaltenen Original-Inneneinrichtung soll in Zukunft als Museum freigegeben werden. Außerdem befindet sich an der Allee die Alte Sternwarte Argelanders, erbaut nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel, in der heute ein Teil des Instituts für Kommunikationswissenschaften der Universität Bonn angesiedelt ist. Von den beiden Wächterhäuschen am Südende ist noch eines erhalten. Darüber hinaus befinden sich zwei Häuser von Studentenverbindungen auf der Allee, nämlich das der Burschenschaft Marchia und der K.D.St.V. Borusso-Westfalia.

Einzelnachweise

  1. Lothar Schenkelberg, Erhard Stang: Rundflug über Bonn wie es früher war. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2001, S. 13

Koordinaten: 50° 43' 43" N, 7° 5' 48" O