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Braunschweiger Volksfreund

Der Braunschweiger Volksfreund wurde von Wilhelm Bracke in Braunschweig gegründet[1] und ist eine der ältesten sozialdemokratischen Zeitungen Deutschlands[2] Die Erstausgabe erschien am 15. Mai 1871, die letzte am 2. März 1933, die Zeitung richtete sich an Leser im gesamten Gebiet des Herzogtums bzw. Landes Braunschweig.

Inhaltsverzeichnis

Erste Jahre in Kaiserreich

Zunächst erschien die Zeitung wöchentlich, ab dem 2. Oktober 1871 täglich. Ab dem 8. September 1871 bis 1880 wurde das Blatt in Brackes Verlag gedruckt und hatte in diesem Zeitraum zwischen 600 und maximal 2700 Abonnenten.[3]

Aufgrund des Sozialistengesetzes wurden sämtliche Zeitungen der Arbeiterschaft im Kaiserreich verboten, so auch am 28. Oktober 1878 der „Braunschweiger Volksfreund“. Aber schon fünf Tage später, am 2. November 1878, erschien das Blatt wieder –allerdings diesmal unter dem Decknamen „Braunschweigisches Unterhaltungsblatt“. Damit war es das einzige „sozialdemokratische Organ in Deutschland, [das] während der ganzen zwölf Jahre des Sozialistengesetzes erscheinen konnte.“[4] Unter dem „Tarn-Titel“ erschien die Zeitung bis zum 27. November 1890. Ab dem 30. November trug sie wieder ihren ursprünglichen Namen, den sie bis zum 30. Dezember 1906 beibehielt. 1898 ging der „Braunschweiger Volksfreund“ in das Eigentum der SPD über. Die Abonnentenzahl war bis 1906 auf 7442 gestiegen. 1907 wurde die Zeitung in „Volksfreund“ umbenannt und von nun an in der parteieigenen Druckerei produziert, bis zum Beginn des ersten Weltkrieges stieg die Auflage auf 16.000 Exemplare an.

Ende des Kaiserreiches und Weimarer Republik

1914 wurde das „Volksfreundhaus“, das neu erbaute Partei-, Gewerkschafts-, Verlags-, Druckerei- und Redaktionsgebäude an der Ecke Schlossstrasse/Ackerhof bezogen, das schon bald den Namen „Rotes Schloss“ erhielt, da es sich nur ca. 100 m vom Braunschweiger Schloss entfernt befindet.

Der „Volksfreund“ zählte während des Ersten Weltkrieges zu den wenigen sozialdemokratischen Zeitungen, in denen auch noch nach Kriegsbeginn Gegner des Krieges und der Burgfriedenspolitik der SPD-Parteiführung zu Wort kamen. Tatsächlich wurde die Position des „Volksfreundes“ mit zunehmender Kriegsdauer radikaler, was darauf zurückzuführen war, dass sich in seiner Redaktion unter der zeitweiligen Leitung von August Thalheimer der linke Flügel der SPD gesammelt hatte. Ab ca. 1915 wurden die Positionen Hugo Haases und Karl Kautskys vertreten, auch die noch radikaleren Kriegsgegner Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hatten ihre Anhänger in der Redaktion. Die Braunschweiger SPD wurde zur Opposition innerhalb der SPD in im ganzen Kaiserreich.[5]

Als sich die SPD 1917 in die USPD und MSPD spaltete, kam es in Braunschweig – ganz im Gegensatz zum größten Teil des restlichen Deutschlands – zu einer erheblichen Radikalisierung der Arbeiterschaft, die sich u. a. dadurch zeigte, dass von den ehemals 3000 SPD-Mitgliedern in der Stadt nach der Spaltung nur noch etwa 100 in der gemäßigteren MSPD verblieben (unter ihnen z. B. Heinrich Jasper), die anderen aber zur radikaleren USPD wechselten. Der Parteirechten gelang es im Zuge der Spaltung im Besitz des „Volksfreundes“ zu bleiben, was die Gräben zwischen USPD und MSPD in der Stadt weiter vertiefte, die Abonnentenzahl dramatisch zurückgehen ließ und schließlich von der USPD als der „Volksfreund-Raub“ bezeichnet wurde.[5]

1919 wurde der „Volksfreund“ mit „Der Sozialdemokrat“ (MSPD) und 1922 mit „Die Freiheit“ (USPD) zusammengelegt.[6] Die beiden Zeitungen bestanden vom 2. Dezember 1918 bis zum 30. September 1919 bzw. vom 1. Januar 1919 bis zum 31. Oktober 1922 und waren aus der Spaltung der SPD hervorgegangen.

Verbot durch die Nationalsozialisten

Nachdem die NSDAP 1930 im Freistaat Braunschweig an die Macht gekommen war und in einer Koalitionsregierung mit bürgerlichen Parteien regierte, wuchs allmählich der politische Druck auf den linken „Volksfreund“. 1931 kam es zu einem ersten Publikationsverbot für zehn Tage.[2] Nach dem Reichstagsbrand am 27./28. Februar 1933 und der darauf folgenden Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat, wurde der „Volksfreund“ vom nationalsozialistischen Innenminister des Freistaates, Dietrich Klagges, am 1. März 1933 für zwei Wochen verboten. Da dieses Verbot jedoch nicht wieder aufgehoben wurde, erschien die SPD-Zeitung bis zur Befreiung 1945 nicht. [6]

Am 9. März stürmten SS-Truppen das „Rote Schloss“, zerstörten die Inneneinrichtung und misshandelten das „Volksfreund“-Personal z. T. auf das Schwerste, eine Person wurde bei dieser Aktion, die von Friedrich Alpers geführt wurde, erschossen. Das Gebäude wurde von der SS besetzt und in den Folgemonaten als Haftlokal missbraucht, in dem u. a. Matthias Theisen zu Tode geprügelt wurde.[7]

Nachkriegszeit

Nach 1945 wurde der „Volksfreund“ vom Bezirksvorstand der SPD wieder beinah regelmäßig monatlich herausgegeben. Zu keiner Zeit jedoch erreichte die Zeitung wieder die Bedeutung, die sie vor dem Verbot gehabt hatte. Ende der 60er Jahre wurde das Erscheinen eingestellt.

Seit einigen Jahren erscheint nun unter dem Titel „Volksfreund“ mehrmals im Jahr eine Informationsschrift an alle Haushalte Braunschweigs. Herausgeber ist der Unterbezirksvorstand der SPD.

Beilagen und Lokalausgaben

Beilagen

Lokalausgaben

Bekannte Mitarbeiter

Literatur

Einzelnachweise

  1. Dieter Fricke: Zur Organisation und Tätigkeit der deutschen Arbeiterbewegung (1890-1914). Daten und Materialien. Leipzig 1962, S. 166
  2. a b Camerer, Garzmann, Schuegraf, Pingel: Braunschweiger Stadtlexikon, Braunschweig 1992, S. 42
  3. Britta Berg: Zeitungen und Zeitschriften aus Braunschweig einschließlich Helmstedt (bis 1810) und Wolfenbüttel (bis 1918), Braunschweiger Werkstücke, Band 93, Braunschweig 1995, S. 46f
  4. Horst-Rüdiger Jarck, Gerhard Schildt (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region, Braunschweig 2000, S. 838
  5. a b Horst-Rüdiger Jarck, Gerhard Schildt (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region, Braunschweig 2000, S. 930
  6. a b c Britta Berg: Zeitungen und Zeitschriften aus Braunschweig einschließlich Helmstedt (bis 1810) und Wolfenbüttel (bis 1918), Braunschweiger Werkstücke, Band 93, Braunschweig 1995, S. 47
  7. Horst-Rüdiger Jarck, Gerhard Schildt (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region, Braunschweig 2000, S. 982f