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Spannagelhöhle

Spannagelhöhle

Im Kolkgang

Lage: Hintertux, (Tirol)
Höhe 2.521 m ü. A.
Geographische Lage 47° 4′ 49″ N, 11° 40′ 18″ OKoordinaten: 47° 4′ 49″ N, 11° 40′ 18″ O
DEC
Katasternummer: 2515/1
Geologie: Hochstegenkalk (=Marmor)
Entdeckung: 1919
Schauhöhle seit: 1994
Beleuchtung: elektrisch
Gesamtlänge: ca. 10 kmdep1
Länge des Schau-
höhlenbereiches:
500 m
Website: Landesverein Tirol/Spannagelhöhle


Die Spannagelhöhle ist eine Natur- und Schauhöhle bei Hintertux, Tirol, Österreich.

Durch eiszeitliches Schmelzwasser entstand unter dem Spannagelhaus am Hintertuxer Gletscher das mit über 10 km Länge größte Höhlensystem der gesamten Zentralalpen. Die Höhle kann unter Führung von geprüften Höhlenführern besichtigt werden, Dauer ca. 1 Stunde.



Inhaltsverzeichnis

Spannagelhöhle – die Fakten

Lage

Die Zillertaler Alpen erstrecken sich von Ost nach West entlang der Grenze zwischen Nord- und Südtirol (mit dem Kulminationspunkt Hochfeiler (3.510 m ü. A.) in Richtung Brennerpass. Bei der Hohen Wand, 3.289 m ü. A., zweigt in nordöstlicher Richtung der Tuxer Hauptkamm der Zillertaler Alpen ab. Der Olperer, 3.476 m ü. A., ist der höchste Punkt der Tuxer Berge und zugleich der dritthöchste Gipfel der Zillertaler. Nordöstlich des Olperers erheben sich die Gefrorene-Wand-Spitzen, 3.288 m ü. A., über dem Gefrorne-Wand-Kees - heute zur leichteren Verständlichkeit für Skitouristen als Hintertuxer Gletscher bezeichnet. Talort ist Hintertux, von dem aus eine Seilbahn in zwei Sektionen bequem (Zwischenhalt Sommerbergalm) empor zum Tuxer-Ferner-Haus führt. Links haltend erreicht man unschwierig das Spannagelhaus des Österreichischen Touristenklubs, in dessen unmittelbarer Nähe der Eingang zur Spannagelhöhle liegt.


Entstehung

Die Zillertaler Alpen bestehen zum überwiegenden Teil aus kristallinem Gestein („Urgestein“), das keine Höhlenbildung ermöglicht. Ausnahmen bilden lediglich Einschlüsse verkarstungsfähiger Gesteine wie etwa Kalk, Dolomit, Gips und dergleichen. Wasserlöslichkeit muss für eine Höhlenbildung gegeben sein. Diese Einschlüsse erreichen im allgemeinen nur geringe Mächtigkeit, die auch nur geringe Hohlräume entstehen lässt. Anders bei der Spannagelhöhle: Gewaltige Einlagerungen des jurassischen Hochstegenkalkmarmors (laut E. Jacoby über 90 % Gesamtkarbonatgehalt!) durchziehen die Schieferhülle des Westlichen Tauernfensters.

Die erstaunliche Tektonik dieses Gebietes erklärt, dass die Korrosion (bzw. Mischungskorrosion) eine derart gigantische Höhlenbildung ermöglicht hat.

Insgesamt ist die Höhle durch eine kräftige Wetterführung und intensive Durchfeuchtung (bis hin zu Wasserfällen) gekennzeichnet. Die diversen Mündungslöcher bilden zum Teil nur durch Tauchen befahrbare Siphons. In den tagfernen Höhlengängen gibt es die ebenso seltenen wie seltsamen Excentriques. Fledermäuse scheinen nur in der Nähe der Mündungslöcher auf - dennoch verirren sich manche (sehr zur Freude der Schauhöhlenbesucher) bis in den Eingangsbereich. Und: Man muss von einem Spannagel-Höhlensystem sprechen, das vom Gefrorne-Wand-Kees bis zur Lärmstange, 2686 m, reicht und (Stand 1977, E. Jacoby) mit 16 katastermäßig erfassten Objekten Tirols höhlenreichstes Gebiet ist. Davon abgesehen bildet die Spannagelhöhle mit über 10.000 Metern (bisher vermessener) Gesamtganglänge auch die höchstgelegene Riesenhöhle Europas.

Erforschung

1919: Der Hüttenwirt der Weryhütte (heute Spannagelhaus) Alois Hotter entdeckt den Höhleneingang. Er bezeichnet die Höhle als „Grausliches Loch“ und benützt sie hinfort als Abfallgrube. Ebenso viele Pächter nach ihm.

1960: Rudolf Radislovich erkundet den vorderen Teil der Höhle mit Hauptgang und Wassergang, die beide in der Halle der Vereinigung zusammentreffen.

1961: Max H. Fink vermisst die bisher entdeckten Höhlenteile und findet das Labyrinth.

1964: Das Bundesdenkmalamt erklärt die Höhle aufgrund der naturwissenschaftlichen Bedeutung zum Naturdenkmal.

1968: Walter Knezicek und Günther J. Wolf entdecken am rechten Rande der Halle der Vereinigung zwei Schächte und den Knesi-Harnisch, die gemeinsam in etwa 10 Metern Tiefe in einen Tunnel münden; - später wurde dies als Beginn des Schrauben-Cañons erkannt.

1970: Hannes Jodl findet am linken Ende der Halle der Vereinigung das Postkastl, das in eine schier unglaubliche Fortsetzung der Spannagelhöhle führt. Erste Befahrung (mit sieben Teilnehmern, bzw. Teilnehmerinnen seines Eiskurses) durch Günther J. Wolf. Erforschung des Kolkganges. Aufsteigend zu Elchschädelgang und Dirndlkammer (später erkannt als Verbindung zum Wassergang). Absteigend über den Kolkgang zum Hannes-Jodl-Dom, an dessen Decke der Schrauben-Cañon einmündet (befahren erst 1989). Weiter zur Dr.-Klaus-Karger-Halle und in weiterer Verfolgung des Kolkganges bis zur Abbruchkante des ÖTK-Schachtes. Das bedeutete eine Verdoppelung der bisher bekannten Höhlenteile und Anreiz für weitere Forschungen.

1972 bis 1975: Vier Vermessungsfahrten (Landesverein für Höhlenkunde in Tirol) bis zum Gneisbach.

1975: Forschungswoche (Groupe Spéléologique Luxembourgeois und E. Jacoby, M. Möller, G. Mutschlechner, B. Schmitz). Erfolgreiche Wasserfärbung: Höhlenbach tritt auf etwa 1980 m inmitten einer Felswand südlich von Waldeben zu Tage. Ebenso wurde die parallel zur Spannagelhöhle verlaufende Schneefleckhöhle entdeckt und vermessen.

1976: Errichtung eines Biwaks in der Umkehrhalle (Landesverein für Höhlenkunde in Tirol).

1976/77: 50stündige Expedition unter der Leitung von E. Jacoby. Neuentdeckte Höhlenteile erforscht und vermessen: Spinnengang, Mutschlechner-Dom, Schatzkammer.

1978: F. Maiberger und W. Mayr erreichen den westlichsten Punkt, das Bauchbad.

1984: Weitere Vermessung des Südsystems durch deutsche Höhlenforscher des Tiroler Landesvereins, unter Führung von C. Cavelius.

1987/88: Entrümpelung des Eingangsbereiches der Spannagelhöhle, gemeinsame Abwasserleitung von Spannagelhaus, Tuxer-Ferner-Haus, Sommerbergalm und Tuxer-Joch-Haus bis Hintertux, bzw. bis Straß bei Jenbach. Errichtung einer Frischwasserleitung aus dem Bereich Hannes-Jodl-Dom über Dirndlkammer und Wassergang für die Versorgung des Spannagelhauses.

1988: Entdeckung und Vermessung des Verbindungsganges zwischen Trümmerhalle und Gneisbach durch W. Mayr und G. Völkl.

1989: Erste Befahrung des schon erwähnten Schrauben-Cañons durch E. Türke und R. Tobitsch.

Literatur