Heim

Kaltenleutgebener Bahn

Kaltenleutgebener Bahn
Wien-Liesing - Kaltenleutgeben
Geografische Daten
Kontinent Europa
Land Österreich
Bundesland Wien
Niederösterreich
Streckenbezogene Daten
Streckenlänge: 6,7 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Legende
Südbahn
0,0 Wien-Liesing
Abzweig von der Südbahn
1,6 Perchtoldsdorf
2,7 Rodaun
4,1 Neumühle
5,5 Waldmühle
6,7 Kaltenleutgeben

Die Kaltenleutgebener Bahn ist eine Nebenlinie der Südbahn von Wien Liesing nach Kaltenleutgeben in Niederösterreich. Fast die gesamte Strecke über 7 km führt über Perchtoldsdorfer Gemeindegebiet.

Sie wurde 1883 als Normalspurbahn erbaut und diente ursprünglich sowohl dem Personen- als auch dem Güterverkehr. Die Konzession erhielt die k.k. privilegierte Südbahngesellschaft, während die konkurrierende Münchner Lokomotivfabrik Krauss & Co. die Konzession für die Dampfstraßenbahn von Hietzing nach Perchtoldsdorf und später weiter nach Mödling bekam. Diese später elektrifizierte Bahn war die Straßenbahnlinie 360, die bis 31. November 1967 geführt wurde. Züge dieser Straßenbahnlinie, die nur zwischen Mauer und Perchtoldsdorf liefen, trugen die Linienbezeichnung 260.

Die Kreuzung der Kaltenleutgebener Bahn mit der Straßenbahnlinie 360 befand sich im Norden Perchtoldsdorfs kurz westlich der Kreuzung Bahngasse-Donauwörther Straße im Bereich des ehemaligen Bahnhofes Rodaun der Kaltenleutgebener Bahn. Knapp nördlich dieser Kreuzung zweigte ein Gleis von der Straßenbahntrasse in den Bahnhof Rodaun ab. Über dieses Gleis wurden auch nach der Einstellung der Straßenbahnlinie bis 1977 Straßenbahnwaggons in das Gleisnetz der Wiener Linien überstellt bzw. von dort übernommen. Diese Waggons wurden im Werk der Fa. Gräf & Stift in Atzgersdorf erbaut oder repariert und wurden von dort zunächst über eine Anschlussbahn in den Bahnhof Liesing und danach von Liesing auf der Kaltenleutgebener Bahn nach Rodaun transportiert.[1] Nach Einstellung der Straßenbahn wurde auf deren Trasse die Donauwörther Straße gebaut. Die Trasse der Kaltenleutgebener Bahn wurde an der Grenze von Perchtoldsdorf und Rodaun um einige Meter nach Süden verschwenkt und verläuft bei der Bahngasse dort, wo sich früher die Geleise der Straßenbahnlinie und deren Haltestelle (Ausweiche) Rodaun befanden. Die Einmündung der Straße in die Hochstraße an der Wiener Landesgrenze liegt dort, wo sich der Bahnhof Rodaun der Kaltenleutgebener Bahn befand.

Bis Ende der 1940er-Jahre waren Bahn und Straßenbahn die wichtigsten Verkehrsmittel für den Personenverkehr in diesem Naherholungsgebiet. So wurde erwogen, die Bahn weiter über Sulz im Wienerwald nach Preßbaum weiterzuführen, wo sie auf die Westbahn treffen sollte. Diese Pläne wurden aber nicht umgesetzt.

Im Jahr 1951 wurde der Personenverkehr eingestellt. Heute fährt die Bahn nur noch bis zur Station Waldmühle am östlichen Ende Kaltenleutgebens und dient lediglich dem Güterverkehr der Zementfabrik. Manchmal finden Nostalgiefahrten statt. Das weiter führende Gleis zum Bahnhof Kaltenleutgeben ist abgetragen. Sein Verlauf ist im Wald entlang des Kaltenleutgebener Baches (Dürre Liesing) noch erkennbar, ebenso die Widerlager der ehemaligen kleinen Brücke kurz vor dem Bahnhof Kaltenleutgeben. Auf dem Gebiet dieses Bahnhofes befindet sich eine Wohnhausanlage mit dem Namen „Hans-Czettel-Hof“.

Es wird diskutiert, den Personenverkehr auf der Kaltenleutgebener Bahn wieder aufzunehmen, da die Straße durch Rodaun nach Kaltenleutgeben sehr eng, aber verkehrsreich ist. Dazu müsste die Bahn jedoch praktisch neu gebaut werden, um den heutigen Anforderungen zu entsprechen.

Die Verlängerung des Schnellbahnbetriebes vom Bahnhof Liesing nach Rodaun wurde in einer Projektarbeit an der Technischen Universität Wien untersucht. Diese Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Ausbau der Strecke aus Kostengründen nicht empfehlenswert ist. Argumente sind u. A. die geringe Zahl von Einwohnern im Einzugsgebiet der Bahn sowie der notwendige völlige Neubau der Strecke inklusive Bahnsteigen und Elektrifizierung. Günstiger erscheint eine Buslinie oder die Verlängerung der Straßenbahnlinie 60 der Wiener Linien.

Einzelnachweise

  1. Peter Wegenstein: Die Linien 360 und 317 der Wiener Verkehrsbetriebe. Bahn im Bild Band 16. Verlag Pospischil. Wien 1980. Keine ISBN. Seiten 3–4.