Heim

LDL (Videoformat)

LDL ist ein analoges Videoformat, das 1968 von der Firma Philips für den Heimanwendermarkt konzipiert wurde.[1] Es unterstützte Schwarz/Weiß-Aufnahmen mit einer Videobandbreite von etwa 2,2 MHz. Die Aufzeichnung erfolgte erstmals auf einem nur ½ -Zoll (= 1,27 cm) breiten Band und ohne umgebende Kassette. Bei Verwendung von 450 m Bandspulen konnten 45 Minuten Bild und Ton aufgezeichnet werden. Das erste schwarz-weiß-Videoformat war bereits 1956 von Firma Ampex entwickelt worden.

1969 präsentierte Philips auf der 26. Funkausstellung in Stuttgart[2] und der Hannover Messe[3] den Videorekorder LDL 1002 sowie den baugleichen Typ LDL 1000 mit einfacherem Gehäuse; und auch die Firma Grundig brachte ein baugleiches Modell unter dem Namen BK 100 auf den Markt. Durch Gerätepreise unter 2000 DM wurde das Aufzeichnen von Fernsehsendungen somit erstmals auch für Heimanwender erschwinglich.

In Design, Größe und Gewicht entsprachen die Videorekorder etwa den damaligen Tonbandgeräten. Die Bedienung war für den Heimgebrauch relativ einfach gehalten; so erfolgte z.B. die Aussteuerung von Bild und Ton durch zwei Pegelregler. Mit einem solchen Rekorder konnten dann die Signale direkt vom Fernsehempfänger aufgezeichnet werden; dazu war ein Adapter erforderlich – wahlweise für die Fernsehnorm PAL oder das amerikanische Fernsehsystem NTSC.[3] Ferner war es nötig, jeweils zu Beginn der Wiedergabe noch die Spurlage anzupassen.

Bei einer Bildaufzeichnung fällt jedoch im Vergleich zu reiner Tonaufzeichnung grundsätzlich ein Vielfaches an Daten an. Daher stellen sich für Videorekorder ungleich höhere Anforderungen an das Aufzeichnungsverfahren: Denn entweder müsste das Band an den bei Tonbandgeräten üblichen starren Aufnahme- bzw. Wiedergabeköpfen ebenfalls um ein Vielfaches schneller vorbeigeführt werden; daraus würde jedoch eine Bandgeschwindigkeit von ca. 5m/s resultieren. Oder, wenn man dies – nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Gründen – vermeiden will, dann ergibt sich daraus das Erfordernis einer höheren Aufzeichnungsdichte. Diesem Zweck diente die Entwicklung des sog. Schrägspur-Aufzeichnungsverfahrens mit zwei rotierenden Videoköpfen, wodurch eine Transportgeschwindigkeit des Bandes von 18,48 cm/s; ausreichend ist. Durch die Rotation der Kopftrommel ergibt sich aber eine Relativgeschwindigkeit (zwischen Band und Kopf) von 8,08 m/s; dabei ist die Kopftrommel halb, also zu 180°, vom Band umschlungen. Das Schrägspurverfahren war zwar schon 1961 von der Firma Ampex vorgestellt worden, allerdings für 2-Zoll (= 5,08 cm) breite Bänder.

Eine technische Besonderheit lag auch darin, dass die Wellen beider Wickelteller nicht wie sonst üblich mit einem Riemen, sondern stattdessen direkt vom Motor angetrieben wurden; bei Capstan, Kopftrommel und Bandzähler dagegen wurden weiterhin Riemen verwendet.[4]

Die Geräte waren die technischen Vorgänger des ersten VCR Videorekorders mit Kassette, des Philips N1500; er kam 1971 auf den Markt. Sein Format gilt als erstes kommerziell erfolgreiches Video-Kassettenformat für den Heimgebrauch.


Siehe auch

Liste der Videobandformate



Einzelnachweise

  1. Museum of early consumer electronics and 1st achievements, rewindmuseum.com.
  2. Funkausstellungen 1961 bis 1970, Deutsches Rundfunkmuseum.
  3. a b Philips Videorecorder LDL 1002, in Der TV-Amateur – Mitteilungsblatt der «AGAF», Ausgabe 02/69.
  4. Video History − Philips LDL-1000 (1968), videointerchange.com.