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Waldenburger Kreisbahn

Als Waldenburger Kreisbahn wurden die elektrischen Straßenbahnlinien bezeichnet, die den Nahverkehr in der niederschlesischen Stadt Waldenburg und ihren Nachbarorten bedienten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Eulengebirge geht nach Nordwesten in das Waldenburger Bergland über. Dieses ist nach der – seit 1924 kreisfreien – Stadt benannt, die das Zentrum des niederschlesischen Steinkohlenbergbaus bildete. Obwohl im Stadtgebiet von Waldenburg und seiner Umgebung zwischen 1853 und 1877 Eisenbahnstrecken mit mehreren Stationen errichtet wurden, wuchs im Laufe der Jahre das Bedürfnis nach einer weiteren Verdichtung des Verkehrsnetzes. Vor allem die Arbeiter in den Kohlengruben und anderen Industrieanlagen, aber auch die Besucher von Bad Salzbrunn gehörten zu den Fahrgästen.

Niederschlesische Elektricitäts- und Kleinbahn-AG

Die am 6. Juli 1896 gegründete Niederschlesische Elektricitäts- und Kleinbahn-AG eröffnete am 12. September 1898 die erste 11 Kilometer lange, meterspurige Straßenbahnlinie von dem westlich gelegenen Nachbarort Hermsdorf zur Innenstadt und dann über den Stadtteil Altwasser nach Norden bis Nieder Salzbrunn. Ein halbes Jahr später, am 26. März 1899, folgte die Linie vom Stadtzentrum nach Süden zum Bahnhof Dittersbach, dem wichtigsten Bahnhof der Stadt. In nordwestlicher Richtung kam am 15. September 1907 noch eine Verbindung vom Zentrum nach Ober Salzbrunn hinzu, das seit 1935 Bad Salzbrunn hieß. Diese Linie war damit 10 Kilometer lang. Den Bau der Straßenbahn führte die Firma Siemens & Halske aus Berlin durch.

Knotenpunkt in der Innenstadt waren der Ring und weiter nördlich der Vierhäuser Platz, in dessen Nähe der Betriebsbahnhof an der Weißsteiner Straße lag.

Eine letzte Erweiterung fand statt, als die Gemeinde Reußendorf im Osten (5 km) mit Waldenburg verbunden wurde. Im Jahr 1927 wurde das Gleis bis zur Hermannstraße in der Neustadt in Betrieb genommen, der Rest erst 1933. Da an einigen Stellen mehrere Linien auf einer Strecke verkehrten, war das Streckennetz nun (1939) 24 Kilometer lang. Es wurde von 36 Triebwagen mit 11 Beiwagen befahren.

Eine Omnibuslinie wurde am 4. April 1927 eröffnet. Sie war 4,1 km lang. Es waren drei Fahrzeuge im Einsatz.


Elektrizitätswerk Schlesien AG

Die Hauptaktionärin, das Elektrizitätswerk Schlesien AG in Breslau, übernahm im Jahr 1931 die Niederschlesische Elektricitäts- und Kleinbahn-AG und führte den Bahnbetrieb weiter.

Während des Zweiten Weltkrieges musste über eine Erneuerung des Straßenbahnnetzes entschieden werden. Die eingleisigen, in Seitenlage angelegten Strecken waren nach jahrzehntelangem Betrieb abgenutzt; nicht zuletzt waren durch die zahlreichen Kohlengruben Bergschäden aufgetreten. Man entschied sich damals – wie in vielen anderen Städten – für die schrittweise Umstellung auf den Obusbetrieb. Ab 27. Oktober 1944 führte eine 4 Kilometer lange Obuslinie vom Vierhäuser Platz parallel zur Straßenbahn hinauf zum Bahnhof Dittersbach; anschließend wurde mit dem Bau in Richtung Altwasser begonnen, der erst durch die polnische Verwaltung nach 1945 vollendet wurde.

In den letzten Kriegsjahren verkehrten folgende Nahverkehrslinien:

Bahnhof Dittersbach 9,5 km

Die Straßenbahn blieb trotz der Obuslinie über das Kriegsende hinaus in vollem Umfang in Betrieb. Erst in den sechziger Jahren begannen die Umstellungen der Straßenbahn.

Als erste (um 1947?) wurde die Strecke nach dem Bahnhof Dittersbach eingestellt, auf der auch die Obuslinie verkehrte, die nun in Altwasser begann. 1960 folgte die Linie nach Nieder Salzbrunn und 1963 die Ost-West-Linie Reußendorf–Innenstadt–Hermsdorf. Den Abschluss bildete die damalige Linie 8 nach Bad Salzbrunn im Oktober 1966.

Kurz zuvor – im Sommer 1966 – verkehrten folgende Linien:

Damals zählte die durch Eingemeindungen vergrößerte Stadt Waldenburg etwa 134.000 Einwohner, doppelt so viele wie vor dem zweiten Weltkrieg.

Der Obus wuchs mit der Reduzierung des Straßenbahnbetriebs bis zum Jahr 1966 auf zehn Linien an mit einem Gesamtnetz von 26 Kilometern Länge. Doch damit war der Höhepunkt überschritten, und das Netz schrumpfte nach und nach wieder. Die Gesamtstilllegung des Obusverkehrs folgte am 30. Juni 1973.

Literatur