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Herzogtum Braunschweig

Dieser Artikel behandelt das Herzogtum Braunschweig. Beim Herzog von Braunschweig, der die Opern-Schachpartie gegen Paul Morphy verlor, handelt es sich um Karl II. (Braunschweig).
Herzogtum Braunschweig
Wappen Flagge
Lage im Deutschen Reich
 
Landeshauptstadt Braunschweig
Regierungsform Monarchie
Staatsoberhaupt Herzog
Dynastie Welfen
Bestehen 1235/1814-1918
Fläche 3672,2 km²
Einwohner 494.339 (1910)
Bevölkerungsdichte 134 Einwohner/km²
Entstanden aus Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel
Aufgegangen in Freistaat Braunschweig
Hymne  
Stimmen im Bundesrat 2 Stimmen
Kfz-Kennzeichen B
Karte

Das Herzogtum Braunschweig wurde 1814 nach dem Wiener Kongress begründet. Seine Wurzeln liegen im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, welches 1235 durch Aufteilung des sächsischen Stammesherzogtums der Welfen entstand. Nach der Novemberrevolution in Braunschweig von 1918 wandelte es sich um in den Freistaat Braunschweig.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

1235 übertrug Kaiser Friedrich II. dem Enkel Heinrichs, Otto dem Kind, den braunschweigischen Besitz. Daraus wurde das später zum Reichsfahnlehen erhobene Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (1432-1754). Es zerfiel durch Erbteilung in verschiedene Teilstaaten, unter denen sich schon im 14. Jahrhundert das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel herausbildete, das im 15./16. Jahrhundert etwa dem späteren Herzogtum Braunschweig entsprach. Allerdings ging es durch die napoleonische Besetzung zum 28. Oktober 1806 verloren und wurde am 9. Juli 1807 zum Königreich Westphalen geschlagen, dem es bis 1813 angehören sollte.

Brunonia, allegorische Darstellung von Stadt und Land Braunschweig

Geografie und Verwaltungsstruktur

Das Herzogtum Braunschweig wurde auf Beschluss des Wiener Kongresses in den alten Grenzen des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel errichtet.

Es bestand aus mehreren, nicht zusammenhängenden Teilen: das Gebiet zwischen Aller und Harz mit Braunschweig, das Gebiet zwischen Harz und Weser mit Holzminden, Blankenburg am Harz mit seiner Umgebung, das Amt Calvörde (eingeschlossen von der Provinz Sachsen), das Amt Thedinghausen zwischen Bremen und Verden gelegen, der Flecken Bodenburg mit dem Dorf Oestrum (Amt Gandersheim), das nördlich von Goslar gelegene Dorf Ostharingen (Amt Lutter am Barenberge), das südlich von Peine gelegene und zum Amt Vechelde gehörende Dorf Oelsburg.

Das Herzogtum bestand ab 1. Januar 1833 aus den folgenden Kreisen [1] :

Alle sechs Kreisdirektoren bildeten gemeinsam eine Landes-Direktion, an deren Beratungen die Vorstände der Magistrate von Braunschweig und Wolfenbüttel teilnahm. Die beiden Städte nahmen also eine Sonderrolle ein. Ebenso war die Landesdirektion Braunschweig eine herausragende Stellung ein, da sie alle nicht eindeutig zuzuordnenen Akten der Vorgängerorganisationen aufnahm und die "Secretariats-, Registratur- und Kanzlei-Geschäfte der Landesdirections" übernahm. [1]

Geschichte

Welfenherrschaft

1813 wurde Herzog Friedrich Wilhelm restituiert. Nach dem Wiener Kongress wurde das Herzogtum Braunschweig 1814 in den alten Grenzen des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel errichtet.

Nach dem Tod Friedrich Wilhelms folgte ihm 1815 der elfjährige Karl II. als Herzog von Braunschweig. In Braunschweig herrschte nach der Missernte 1830 Arbeitslosigkeit, Hunger und große Unzufriedenheit. Karl II. hatte die Bevölkerung durch seinen ungeschickten Regierungsstil und sein absolutistisches Gehabe gegen sich aufgebracht, was in einen Volksaufstand mündete: Der oben erwähnte “graue Hof” wurde 1830 von Kleinbürgern, Handwerkern und Arbeitern gestürmt und eingeäschert, Karl II. blieb nur die Flucht in die Schweiz - im Gepäck Kunstwerke von unschätzbarem Wert. In Braunschweig konnten Recht und Ordnung derweil nur durch die von Ratsherr Wilhelm Bode gegründete Bürgerwehr aufrechterhalten werden. Herzog Karl II. wurde in Abwesenheit für regierungsunfähig erklärt.

Die Regentschaft wurde seinem jüngeren Bruder Wilhelm (dem zunächst letzten Mitglied der Welfischen Linie) übertragen. Am 12. Oktober 1832 wurde die Neue Landschaftsordnung erlassen, eine erbmonarchistische repräsentative Staatsverfassung mit einer Kammer und einem festen Etat des regierenden Fürsten von 230.900 Talern. Unter diesem unverheiratet regierenden Herrscher durchlebte Braunschweig eine Neutralitätsphase als kleiner Staat, der weder Österreich noch Preußen verbündet war. Das Land bildete mit Hannover 1834 als Zollunion den Steuerverein, schloss sich aber schon 1841 dem Deutschen Zollverein an. 1871 wurde das Herzogtum ein Bundesstaat des Deutschen Kaiserreichs.

Regentschaft der Preußen

Nach dem Tod Wilhelms, der keinen legitimen Erben hinterließ, übernahm zunächst der Vorsitzende des Regentschaftsrates Hermann Graf von Görtz-Wrisberg die Regierungsgeschäfte, bis am 2. November 1885 auf Bestreben Preußens nicht ein Welfe aus dem Haus Hannover (Herzog Ernst August von Cumberland war eigentlich dafür ausersehen gewesen), sondern Prinz Albrecht von Preußen als Regent eingesetzt wurde.

Nach dem Tod Albrechts im Jahr 1906 übernahm erneut der Präsident des Regentschaftsrates, Albert von Otto, die Regierungsgeschäfte. Am 5. Juni 1907 erhielt Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg die braunschweigische Regentschaft zugesprochen, dies blieb so bis zum 1. November 1913, dem Tag des Einzugs des letzten Braunschweigischen Herzogspaares, Ernst August und seine Gemahlin Viktoria Luise in die Stadt.

Erneute Welfenherrschaft

Inzwischen war es - ausgelöst durch die Hochzeit am 24. Mai 1913 zwischen Viktoria Luise, der Tochter Kaiser Wilhelms II., und Prinz Ernst August von Hannover zur Aussöhnung zwischen Welfen und Hohenzollern gekommen. So bestieg mit Herzog Ernst August am 1. November 1913 noch einmal ein Welfe den braunschweigischen Thron. Ernst August dankte 1918 am Ende des Ersten Weltkrieges in der Novemberrevolution ab, damit endete das Herzogtum Braunschweig. Zunächst entstand eine "sozialistische Republik". Am 6. Januar 1922 erhielt Braunschweig dann als Freistaat Braunschweig eine neue demokratische Verfassung.

Regentschaften

Die Regenten des Herzogtums Braunschweig

Name Herrschaft Bemerkungen
Herzog Karl II., (1804-1873) 16. Juni 1815
bis 20. April 1831
Herzog Wilhelm, (1806-1884) 20. April 1831
bis 18. Oktober 1884
Hermann Graf von Görtz-Wrisberg 20. April 1884
bis 2. November 1885
Vorsitzender des Regentschaftsrates
Prinz Albrecht von Preußen, (1837-1906) 2. November 1885
bis 13. September 1906
Regent von Braunschweig
Albert von Otto, (1836-1921) 13. September 1906
bis 5. Juni 1907
Präsident des Regentschaftsrates
Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, (1857-1920) 5. Juni 1907
bis 1. November 1913
Regent von Braunschweig
Herzog Ernst August, (1878-1953) 1. November 1913
bis 8. November 1918
Letzter Herzog von Braunschweig, musste im Zuge der Novemberrevolution in Braunschweig am 8. November 1918 gegenüber dem örtlichen Arbeiter- und Soldatenrat abdanken.

Einwohner

Das Herzogtum zählte

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b siehe: „Gesetz, die Organisation und den Wirkungskreis der Kreisdirektionen und der durch dieselben zu bildenden Landes-Direction betreffend", 1832