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H. P. Lovecraft

Dieser Artikel befasst sich mit dem Schriftsteller H. P. Lovecraft; zur gleichnamigen Rockband siehe H. P. Lovecraft (Band).

Howard Phillips Lovecraft (* 20. August 1890 in Providence, Rhode Island; † 15. März 1937 ebenda) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er gilt als einer der weltweit einflussreichsten Autoren im Bereich der phantastischen und anspruchsvollen Horror-Literatur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Howard Phillips Lovecraft wurde 1890 in Providence, Rhode Island geboren. Sein Vater, Winfield Scott Lovecraft, war Handelsreisender. Seine Mutter, Sarah Susan Phillips Lovecraft, konnte den Stammbaum ihrer Familie bis ins Jahr 1630 zurückverfolgen, als ihre Vorfahren die Massachusetts Bay erreicht hatten, um dort zu siedeln. Howard war das erste Kind seiner Eltern (beide bereits über 30 Jahre alt), als er auf die Welt kam. Das Geburtshaus in der Angell Street 194 (heute 454) wurde 1961 niedergerissen.

Als Howard drei Jahre alt war, erlitt sein Vater einen (angeblichen) Nervenzusammenbruch in einem Hotel in Chicago und wurde ins Butler Hospital in Providence gebracht, wo er bis zu seinem Tode fünf Jahre später blieb. Als Todesursache wurde „generelle Parese“ angegeben. Mit diesem Begriff wurden seinerzeit auch die Symptome einer fortgeschritten Syphiliserkrankung beschrieben, die sogenannte Neurolues. Es wurde daher vermutet, Lovecrafts Vater hätte an Syphilis gelitten.[1]

Howard wurde fortan hauptsächlich von seiner Mutter, seinem Großvater und zwei Tanten aufgezogen und zeigte bereits früh literarische Begabung. Als Kleinkind lernte er Gedichte auswendig und begann im Alter von sechs Jahren, bereits eigene Gedichte zu schreiben. Sein Großvater unterstützte diese Neigung, sowie Howards Interesse am Mysteriösen und Fantastischen, indem er ihm Bücher wie die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht sowie Kinderausgaben von Klassikern wie der Odyssee und der Ilias zu lesen gab. Der Großvater erzählte Howard auch selbsterfundene Horrorgeschichten, teils zum Missfallen der Mutter, die sich um deren möglichen Einfluss auf den Jungen sorgte.

Lovecraft hatte im Schulalter sowohl körperliche als auch psychische Probleme, weshalb er bis zum Alter von acht Jahren nur sporadisch den Unterricht besuchte und dann ein Jahr später aufgrund seines aggressiven und undisziplinierten Verhaltens von der Schule genommen wurde. In dieser Zeit las Lovecraft viel und entwickelte eine große Begeisterung für die Geschichte Neu-Englands, Chemie und Astronomie und veröffentlichte mehrere Artikel in The Scientific Gazette. Vier Jahre später, im Alter von 13, wurde Lovecraft wieder eingeschult, auf der Hope Street High School in Providence.

Howards Großvater verstarb 1904 und die Familie geriet alsbald in Armut, da die Hinterlassenschaft infolge von Misswirtschaft bald aufgebraucht war. Die Familie musste ihr Haus aufgeben und in eine Pension in der gleichen Straße ziehen. Howard litt so schwer an den Veränderungen, vor allem daran, sein Geburtshaus verloren zu haben, dass er eine Zeitlang Selbstmordabsichten hegte. 1908, kurz vor dem Ende seines letzten Schuljahres, erlitt Lovecraft einen Nervenzusammenbruch, sodass er nie einen High-School-Abschluss erwarb. Der Umstand, dass er nie seine Schullaufbahn beenden und auch nie, wie gewünscht, die Brown University besuchen konnte, empfand er selbst noch spät in seinem Leben als schmerzend und beschämend.

1914 folgte Lovecraft der Einladung von Edward F. Daas, dem Präsidenten der United Amateur Press Association, einer Vereinigung von amerikanischen Hobbyautoren, die sich untereinander austauschten und auch Kongresse veranstaltete. Daas war aufgrund eines Leserbriefes Lovecrafts im Schundmagazin The Argosy, in der er sich über die fehlende „Würze“ bei den Liebesgeschichten beschwerte, auf den jungen Schriftsteller aufmerksam geworden. Lovecraft trat der Vereinigung bei und urteilte später zurückblickend, dass dies einer der entscheidenden Schritte in seinem Leben gewesen sei. Er erfuhr im Miteinander mit Gleichgesinnten einen neuen Schwung, der ihn bestärkte. Er schrieb in dieser Zeit die Kurzgeschichten "The Tomb" und vor allem "Dagon", die später, 1923 als seine erste professionelle Veröffentlichung in Weird Tales, einem Fantasy- und Horrormagazin gedruckt wurde.

Ab dieser Zeit begann er ein Netzwerk brieflicher Korrespondenz aufzubauen, das später kolossale Ausmaße annehmen sollte. Unter seinen Brieffreunden waren junge Autoren, wie Forrest J. Ackerman, Robert Bloch (Autor von Psycho) und Robert E. Howard, der Verfasser von Conan der Barbar. Letzterer beging später Selbstmord, was Lovecraft tief berührte.

1919 wurde Lovecrafts Mutter, so wie sein Vater zuvor, aufgrund psychischer Leiden ins Butler Hospital eingewiesen, wo sie nach sehr reger brieflicher Korrespondenz mit ihrem Sohn 1921 verstarb. Dieses Ereignis erschütterte Lovecraft ebenfalls sehr stark.

Späteres Leben

Kurze Zeit nach dem Tod seiner Mutter lernte Lovecraft auf einer Tagung junger Journalisten die sieben Jahre ältere jüdische Ukrainerin Sonia Greene kennen. Die beiden heirateten 1924, gegen den Willen von Lovecrafts Tanten, welche Greene, die ein Hutgeschäft besaß, als von ungeeigneter Herkunft für Lovecraft hielten.

Das Ehepaar zog nach New York City. Anfänglicher Enthusiasmus über das Leben im Viertel Brooklyn verflog und finanzielle Schwierigkeiten bestimmten den Alltag der Lovecrafts. Sonia verlor ihr Geschäft und litt unter schlechter Gesundheit. Da Howard nicht alleine für beide sorgen konnte, suchte sie sich eine Arbeit in Cleveland und zog fort. Lovecraft musste viele Fehlschläge hinnehmen und war lange Zeit erwerbslos.

In dieser Zeit steigerte sich nach Ansicht einiger Biographen sein allgemeiner Menschen- und speziell Fremdenhass, bis zur panischen Angst vor Einwanderern, die ihm in seinen Augen den Zugang zu Jobs versperrten [2].

Einige Jahre später einigten sich die getrennt lebenden Sonia Greene und Lovecraft auf eine einvernehmliche Scheidung, die jedoch nie rechtswirksam vollzogen wurde.

Letzte Jahre

Lovecraft kehrte zurück nach Providence und lebte dort wieder mit seinen Tanten. Dieser letzte Abschnitt seines Lebens war der produktivste. Nahezu sämtliche seiner bekannten Erzählungen, wie Der Fall Charles Dexter Ward oder Berge des Wahnsinns stammen aus dieser Zeit. Ein Großteil dieser Erzählungen wurde im Magazin Weird Tales veröffentlicht. Darüber hinaus rezensierte und überarbeitete er Werke anderer Autoren oder betätigte sich im Ausnahmefall als Ghostwriter, etwa für Harry Houdini, für den er Imprisoned with the Pharaos verfasste.

Seine zu Lebzeiten recht bescheidenen literarischen Erfolge waren mitverantwortlich dafür, dass Lovecraft immer mehr verarmte und schließlich gezwungen war, mit seiner Tante in eine billigere Unterkunft zu ziehen. Er betrachtete sich selbst als eine Art Aristokrat und hielt an einem Ehrenkodex fest, der ihn zeitweilen den Hunger einer niederen Arbeit vorziehen ließ. Sein Ehrgefühl umfasste auch seine literarische Arbeit: er bemühte sich, künstlerisch anspruchsvolle, wirkungstechnisch ausgefeilte und oft komplex inszenierte Erzählungen zu verfassen, die „ehrliche“ Emotionen darstellen und auch erwecken sollten. Eine Tätigkeit als Lohnschreiber oder Verfasser billiger Groschenromane lehnte er von Herzen ab.

Lovecraft bezeichnete sich selbst als einen „Menschen des 18. Jahrhunderts“, da diese Epoche ihm mit ihren Ansichten, noblen Gesten und Umgangsformen als die Beste erschien. Das 20. Jahrhundert hingegen erschien ihm als eine Zeit der Barbarei. Seine Briefe datierte er in der Regel 200 Jahre zurück, in die Kolonialzeit vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

Diese Vorliebe für das Altertümliche findet sich in seinem Schreibstil und seiner Wortwahl wieder, die gewollt antiquiert erscheinen. Der selbsterklärte Anglophile bediente sich auch häufiger älterer englischer Ausdrücke und Bezeichnungen anstelle der amerikanisierten.

1936 wurde bei Lovecraft Darmkrebs diagnostiziert. Bis zu seinem Tode ein Jahr später litt er an ständigen Schmerzen und Unterernährung. Sein Name ist neben denen seiner Eltern auf dem Familiengrabstein eingemeißelt.

1977 wurde von Fans seiner Werke ein eigener Grabstein für Lovecraft errichtet; bis auf die Lebensdaten enthält dieser den Spruch "I AM PROVIDENCE", der aus einem seiner Briefe stammt. Öfters tauchen auf dem Grabstein auch Graffiti von Fans auf, allen voran ein Zitat aus "The Call Of Cthulhu" That is not dead which can eternal lie, and with strange aeons even death may die.

Künstlerisches Schaffen

Auch wenn sich Lovecraft bisweilen nicht ganz einfach einem literarischen Genre zuordnen lässt, wird sein Prosawerk in der Regel als „Supernatural Horror“, also als Horrorliteratur eingeordnet. Seine späteren Werke - wie insbesondere am Beispiel von Berge des Wahnsinns mit seiner Mischung aus Science Fiction, Horror und versteckter sozialer Utopie deutlich wird – dehnen deutlich die Genregrenzen.

Sein Schaffen lässt sich grob in drei Kategorien unterteilen: traditionelle Schauergeschichten, Traumweltgeschichten und die Mythosgeschichten. Dazu kommen viele Gedichte und unzählige Briefe.

Traditionelle Schauergeschichten

Hierzu zählen viele der frühen Kurzgeschichten; sie sind stark inspiriert von den Schriften Edgar Allan Poes, dessen Stil und unheimliche, teils makabre Erzählungen einen großen Einfluss auf den Lovecraft der jüngeren Schaffensperiode hatten. Typische Schauplätze sind Friedhöfe, verlassene, unheimliche Häuser und dergleichen mehr. Die Geschichten sind durch keinen Hintergrund miteinander verbunden; Lovecraft wurde allerdings oft von Albträumen inspiriert, und in einigen dieser Erzählungen lassen sich bereits Motive ausmachen, die später in meisterhaft ausgeführten Erzählungen wiederkehren sollten.

Traumweltgeschichten

Dies ist eine Reihe von märchenhaften Kurzgeschichten, die von dem von Lovecraft verehrten Autor Lord Dunsany inspiriert wurden. Fremdartige Landschaften, exotische Städte, verbotene Berge, geheimnisvolle Götter - mit all diesen Dingen ist die Traumwelt ausstaffiert, die dieser Reihe von Geschichten als gemeinsamer Hintergrund dient, und dazu kommen Ghoule, Ghasten und andere bizarre Wesen. Katzen, denen der Autor zugetan war, sind bevorzugte Bewohner der Traumwelt. Es gibt einige mehrfach wiederkehrende Charaktere wie Kuranes, im Traum ein König, im wachenden Leben ein Nichts, oder den Traumreisenden Randolph Carter, das Alter Ego des Autors.

Mythosgeschichten

Dies ist der lose zusammenhängende Kreis von Kurzgeschichten und Erzählungen, auf denen Lovecrafts heutiger Ruhm und Status als Kult-Autor zum größten Teil beruht; mit ihnen fand der Autor zu „seinem“ großen Thema. Sie mögen beeinflusst sein von Arthur Machen, mit seinen sorgfältig konstruierten Geschichten vom Überleben eines uralten Übels und der verborgenen Mystik, die hinter der Realität steht.

Die Geschichten bilden die Basis für den Cthulhu-Mythos, der von anderen Autoren erweitert wurde. Lovecraft selbst sprach vom „Arkham Cycle“, da in vielen seiner Geschichten die fiktive neuenglische Stadt Arkham vorkommt; andere Namen für den Kreis lauten „Yog-Sothoth-Zyklos“ oder „Cthulhu-Zyklus“, nach der prominentesten Schöpfung Lovecrafts, die im ersten wirklichen Vertreter des Zirkels mit „The Call of Cthulhu“ 1926 ihr Debüt hatte. Die Gottheit Cthulhu erwies sich als so populär, dass sogar ein nach dieser Kurzgeschichte benanntes Rollenspiel, Call of Cthulhu, herauskam und bis heute recht erfolgreich ist.

Davon ausgehend, dass die moderne, in seinen Augen von der Wissenschaft durchprägte und deterministisch bestimme Weltsicht keine Wunder mehr bieten kann, versetzte Lovecraft die Quelle des Schreckens vorzugsweise in die Vergangenheit oder in die Tiefen des Weltalls. Aus diesen zwei bodenlosen Abgründen der Zeit und des Raumes erheben sich kosmische Kräfte und dringen in das alltägliche Leben der im Vergleich mit ihnen völlig unbedeutenden Menschen ein, in der Regel in der vertrauten und beschaulichen Umgebung, in der der Autor aufwuchs. Die Vergangenheit der Erde birgt mehrere den Menschen weit überlegene Rassen, von denen z.T. in entlegenen Gebieten noch Spuren und Relikte künden; aus dem All und aus anderen, „äußeren“ Dimensionen drohen Furcht einflößende kosmische Gottheiten, deren alleiniger Anblick schon genügt, sterbliche Menschen dem Wahnsinn anheim fallen zu lassen.

Diese Erzählungen sind durchweg präzise konstruiert und laufen in der Regel nach einem ähnlichen Schema ab. Als Bekenntnis, Brief oder Tagebuch angelegt, schildern sie mit vielen Vordeutungen das Einbrechen des übermächtigen Fremden in das Leben gewöhnlicher Menschen, oftmals ausgelöst durch Nachforschungen oder Expeditionen, die es besser nie gegeben hätte. Dabei sind die menschlichen Charaktere dem Übernatürlichen fast durchweg schutzlos ausgesetzt und verfallen regelmäßig dem Wahnsinn, wenn sie schließlich die Augen gegenüber der Wahrheit nicht mehr verschließen können.

Lovecraft zog die Ausstrahlung seiner Erzählungen aus Themen und Ängsten, die ihn tief bewegten: die moderne Weltsicht, die den Menschen aus dem Zentrum der Schöpfung reißt und zu einem Staubkorn im All reduziert; die Liebe zur Vergangenheit mit ihren zugedeckten Geheimnissen; die Angst vor Inzucht, Degeneration, kulturellem Zerfall und, nicht zuletzt „rassischer Verunreinigung“. Eine ganz spezifische Abscheu vor Meeresgetier hat in zahlreichen Erzählungen tiefe Spuren hinterlassen.

Seine Erzählungen spielen dabei in der Regel in seiner Heimat, dem Neu-England des 20. Jahrhunderts, doch sind auch Ausflüge in entlegene Regionen (Antarktis, Australien) und die lokale Vergangenheit darunter. Gerade in der Kombination des alltäglich Vertrauten mit dem unsagbaren Schrecken aus weiter Vergangenheit oder kosmischen Tiefen liegt einer der besonderen Reize seiner Texte.

Durch Ausstaffierung mit immerzu wiederholten Versatzstücken erreichte Lovecraft eine höchst eigene Wirkung. Dazu zählen fiktive Orte wie das Plateau von Leng ebenso wie zahlreiche fiktive Bücher voll von verbotenem Wissen. Das bekannteste dieser Werke ist das Necronomicon, eine Schrift, die vorgeblich von dem verrückten Araber Abdul Alhazred verfasst wurde. Bis heute regt dieses Buch die Fantasie von Lovecrafts Lesern an und die Spekulationen, es gebe dieses Buch wirklich oder habe es einmal gegeben, reißen nicht ab und füllen ihrerseits ganze Bücher. Lovecrafts Biograph Lyon Sprague de Camp berichtet, der Name Alhazred sei von Lovecraft schon als Kind während seiner „Tausendundeine Nacht“-Phase verwendet worden und spiele scherzhaft auf eine befreundete Familie an. Lovecraft selbst schrieb, er habe sich so genannt, wenn er Araber spielte. Als Jugendlicher schrieb Lovecraft regelmäßig eine astronomische Kolumne für eine Lokalzeitung und erwähnte hier häufiger das antike Lehrgedicht Astronomicon des Marcus Manilius. In Anlehnung an diesen Titel könnte der Titel „Necronomicon“ entstanden sein. Lovecraft verwendete in seinen Geschichten häufig Namen aus seiner direkten Umgebung oder wandelte diese leicht ab. Ein anderes Buch, das von Lovecraft des öfteren erwähnt wird, ist von Junzt' Unaussprechliche Kulte.

Vor allem jedoch durch die Schaffung wiederkehrender kosmischer Quasi-Gottheiten entsteht eine Intertextualität, die eine beklemmende Kohärenz erzeugt. August Derleth bemühte sich später, diese Wesen - mit Namen wie Cthulhu, Yog-Sothoth, Tsathoggua, Azathoth und Nyarlathotep - in ein manichäisches Raster zu zwängen und überdies ein komplettes Pantheon aus ihnen zu bilden; darunter hat sein Ansehen bei vielen heutigen Anhängern schwer gelitten.

In seinen besten Erzählungen, wie "Die Farbe aus dem All", "Die Musik des Erich Zann", "Die Ratten im Gemäuer", "Cthulhus Ruf" und "Schatten über Innsmouth" gelingt es ihm, den Leser zu bannen und in eine bedrohliche Welt zu versetzen, die von undurchschaubaren Gesetzen regiert wird (Rein A. Zondergeld).

Kritiker bemängeln seinen übermäßigen Gebrauch von Adjektiven und seinen oft archaischen Stil, während wohlmeinende Rezensenten darauf hinwiesen, seine Sprache sei präzise und auf Wirkung berechnet. Lieblingswörter wie „blasphemisch“, „zyklopisch“ und „abscheulich“ stets wiederholend und sich zum bombastischen Finale steigernd, verbinden sich diese Stilelemente mit dem oft abgefeimt konstruierten Handlungsgerüst, den ritualistisch wiederholten Versatzstücken, geheimnisvollen Andeutungen und der offensichtlichen Sorgfalt und Liebe zu seinem Thema zu einem Ganzen, das bis heute viele Leser in den Bann zieht.

Briefe und Gedichte

Obwohl Lovecraft durch seine Erzählungen bekannt wurde, bestand der überwiegende Teil seiner schreibenden Tätigkeit im Verfassen von umfangreichen Briefen, in denen er sich zu allen möglichen Themen äußert, wie der fantastischen Literatur, Kritiken, Politik und Geschichte. S.T. Joshi schätzt, dass Lovecraft zwischen 1912 und seinem Todesjahr 1937 etwa 87.500 Briefe verfasst haben muss. Ein bekannt gewordener Brief an Woodburn Harris umfasste 70 Seiten.

Dabei war Lovecraft in jungen Jahren kein sehr eifriger Briefeschreiber. 1931 bemerkte er: „In meiner Jugend schrieb ich kaum einen Brief. Jemandem schriftlich für ein Geschenk zu danken, war für mich eine derartige Qual, als müsste ich einen 250-seitigen Hirtenbrief oder eine 20-seitige Abhandlung über die Saturnringe schreiben.“ Sein Interesse am Schreiben von Briefen wurde durch die Korrespondenz mit seinem Cousin Phillips Gamwell geweckt. Sein späterer umfangreicher Schriftverkehr war die Folge seines Engagements für den Amateurjournalismus.

Lovecraft bekannte, dass sein brieflicher Austausch mit zahlreichen unterschiedlichen Menschen mit am meisten dazu beitrug, seine Weltanschauung zu formen und seinen Horizont zu erweitern: „Ich sah mich dutzenden von unterschiedlichen Gesichtspunkten gegenüber, die mir ansonsten nie in den Sinn gekommen wären. Mein Verständnis und meine Sympathien wuchsen und viele meiner sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ansichten änderten sich als Folge meines wachsenden Wissens.“

Teile von Lovecrafts Briefverkehr wurden von mehreren Verlagen veröffentlicht. So brachte Arkham House eine Auswahl seiner Briefe als fünfbändige Ausgabe unter dem Titel Selected Letters heraus.

Lovecrafts umfangreiche Gedichte sind heute so gut wie unbekannt. Er sah sich nach eigenem Zeugnis in erster Linie als Dichter und erst in zweiter Linie als Prosaautor. Seine Liebe zur Vergangenheit und seine intensive Beschäftigung mit der Literatur verflossener Jahrhunderte schlug sich beispielsweise in langen Lehrgedichten im Stil des 18. Jahrhunderts nieder, die heute wohl als schwer verdaulich gelten müssen. Es existieren auch Gedichte, die den Hintergrund seiner Mythoserzählungen aufgreifen. Diese erschienen unter dem Titel „Fungi from Yuggoth“.

Einfluss

Viele spätere Schöpfer von Horrorgeschichten oder -filmen und Künstler wurden von Lovecraft beeinflusst, darunter Clive Barker und H. R. Giger. Autoren wie Clark Ashton Smith, August Derleth, Neil Gaiman, Alan Moore, Ljubko Deresch, Wolfgang Hohlbein, Stephen King und Brian Lumley, verfassten Geschichten, die in Lovecrafts „Universum“ angesiedelt sind. Je näher sich jedoch Nachahmer an das Vorbild drängten, je stärker versucht wurde, seinen Stil und seine Eigenheiten zu kopieren, desto deutlicher wurde der Abstand zwischen Lovecraft und seinen Epigonen. Autoren hingegen, die nicht einfach seine Staffage übernahmen, sondern eigenständig unter seiner Inspiration kreativ wurden, können wohl von ihrem Vorbild profitiert haben.

Als literarische Nachfahren Lovecrafts können Robert Bloch, Clark Ashton Smith und Frank Belknap Long angesehen werden. Auch Autoren wie H. C. Artmann (der auch einige Geschichten ins Deutsche übersetzt hat), Jorge Luis Borges, Michel Houellebecq und Colin Wilson sowie der US-Comic-Künstler Richard Corben wurden von seinem Werk beeinflusst.

In Deutschland hat Arno Schmidt Lovecrafts Geschichten in Julia, oder die Gemälde verwendet. Er sah zwischen Lovecraft und sich eine Art Verwandtschaft. Michael Marrak schuf 2002 mit Imagon eine aktualisierte, recht freie Analogie zu Berge des Wahnsinns, die im Grönland der Gegenwart spielt und 2003 mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet wurde.[3] Der Künstler Reinhard Kleist hat einige von Lovecrafts Geschichten als Comic umgesetzt.

Verfilmungen

Die Werke Lovecrafts wurden oft verfilmt. Manche Filme halten sich eng an die Vorlage, meist werden jedoch nur einige Themen oder Figuren aufgegriffen. Die größte Zahl dieser Filme sind als B-Movies oder Genrefilme für Freunde des Horrorfilms einzuordnen. Ähnlich wie Versuche seiner literarischen Epigonen arbeiten sie sich am Vorbild ab und verfehlen doch das Ziel weit.

Als drei der besseren Verfilmungen gelten etwa Re-Animator von 1985, Hemoglobin von 1997 und Dagon von 2001. Aus allem ragt John Carpenters Die Mächte des Wahnsinns („In the Mouth of Madness“) von 1994 heraus, der dem Geist des Originals am nächsten kommt, vielleicht gerade, weil er sich nur lose inspirieren lässt. Einerseits werden typische Lovecraft-Themen aufgegriffen – der Film beginnt und endet mit dem Protagonisten als Insassen einer Irrenanstalt; eine zentrale Rolle spielt ein abgeschiedenes Dorf, in dem sich unter der Oberfläche Monstren tummeln und die Apokalypse lauert – andererseits werden diese herkömmlichen Motive geschickt mit einem gänzlich neuen Thema kombiniert.

Ein deutlich an Stephen King orientierter fiktiver Autor namens Sutter Kane steht im Mittelpunkt des Geschehens. Der Film spielt mit dessen Fähigkeit, durch seine Leser Realität erst zu erschaffen und damit die geschriebenen Schrecken wahr werden zu lassen. Ist John Carpenter sonst als durchaus bodenständiger Regisseur bekannt, gelingt hier doch das selbstbezogene Spiel mit der Realität. So, wie die Schrecken Lovecrafts im Kopf seiner Leser zu einer gewissen Wirklichkeit gelangen, so wird hier die Apokalypse heraufbeschworen, indem mehr und mehr der Leser von Sutter Cane sich in dessen Bann ziehen lassen, gemäß der These „das Bewusstsein bestimmt das Sein.“

Eine werkgerechte Verfilmung der Erzählung The Call of Cthulhu wurde im Jahr 2005 von der HPLHS (HPL Historical Society) herausgebracht. Dabei handelt es sich um einen s/w Stummfilm im Stil der 20er Jahre (Die Originalstory stammt aus dem Jahr 1926). Vorbild für die Darsteller und die zur Anwendung kommende Tricktechnik ist klar der expressionistische deutsche Film. Die Illusion eines authentischen alten Films ist dabei nahezu perfekt gelungen.

Rassismus

Lovecrafts Leser werden oft mit dem Thema Rassismus konfrontiert. Einige Erzählungen, wie „The Shadow over Innsmouth“ (Schatten über Innsmouth) und „The Strange Fate of Arthur Jermyn“ (Arthur Jermyn) handeln von der Vermischung von Menschen mit „niederen“ oder degenerierten Rassen . Andere, wie „Herbert West: Reanimator“ enthalten unverhohlen abschätzige Schilderungen von Menschen, die nicht der „weißen Rasse“ angehören. Natürlich sollte vermieden werden, den Autor Lovecraft mit seinen Figuren und Erzählern gleichzusetzen – der Erzähler in „Herbert West: Reanimator“ etwa ist ein mittelmäßig begabter Laborant, der sehr bemüht versucht, seinem Meister Herbert West nachzueifern, nicht zuletzt auch dessen misanthropischer, rassistischer Ethik.

Dennoch ist nicht daran zu rütteln, dass für Lovecraft die „angelsächsische Rasse“ als inhärent überlegen und besonders edel galt. Auch Lovecrafts persönliche Korrespondenz enthält rassistisch geprägte Aussagen.

Im Widerspruch zu solchen Aussagen steht sein tatsächliches Verhalten im alltäglichen Umgang: Er zählte durchaus auch Schwarze zu seinen Bekannten und heiratete schließlich eine ukrainisch-stämmige Jüdin – ihre Herkunft hatte keinen Einfluss auf die recht kurze und wenig glückliche Ehe.

Lovecraft selbst schilderte sich rückblickend auf den Beginn seiner Mitgliedschaft in der United Amateur Press Association (UAPA) als arroganten Stockkonservativen, der sich im Laufe der Zeit dem individuell geprägten Liberalismus zuneigte. Nach seiner Rückkehr aus New York erklärte ein Freund, er sei geläutert wie reines Gold zurückgekommen; auf seine Ansichten bezüglich der „menschlichen Rassen“ scheint dies allerdings nach vorhandener Quellenlage keinen allzu großen Einfluss gehabt zu haben, auch wenn die großen Geschichten der letzten zehn Jahre seines Schaffens weitgehend frei sind von rassistischen Ausfällen.

Seine politischen Ansichten spiegeln sich in vielen seiner Erzählungen wider; ideelle Gesellschaften hochstehender „älterer“ Wesen wurden von ihm unter Mischung sozialistischer und faschistischer Elemente geschildert.

Musikalische Verarbeitung

Neben Aleister Crowley und Friedrich Nietzsche gehört Lovecraft zu den meist zitierten Personen im Black- und Death-Metal sowie anderen Metal-Subgenres. Zum Beispiel veröffentlichte die Thrash Metal Band Metallica auf ihrem Album "Ride the Lightning" das Instrumental "The Call Of Ktulu".

1967 gründete sich zudem in Chicago (USA) eine Psychedelic-Rockband unter dem Namen H.P. Lovecraft. Die Mitglieder verarbeiteten in verschiedenen Musikstücken einige Geschichten und Elemente aus Lovecrafts literarischem Werk. Zu diesen zählen etwa „The White Ship“, „At the Mountains of Madness“ und „Mobius Trip“.

Werke

Lovecraft hinterließ nach seinem Tode ein eher schmales belletristisches Werk, das zudem in unzähligen Zeitschriften verstreut war sowie eine sehr umfangreiche Korrespondenz. Weniger bekannt sind seine Essays, Teile seiner Rezensionen, seine Theaterstücke und Gedichte. Dank seiner Freunde und Kollegen August Derleth und Donald Wandrei, die seine Werke sammelten, im eigens dafür gegründeten Verlag „Arkham House“ veröffentlichten und somit vor dem Vergessen bewahrten, gilt Lovecraft heute als einer der großen Meister der Horror-Literatur.

Prosa

Prosafragmente

Prosagedichte

Lyrik

Einen kaum bekannten Aspekt des Lovecraft'schen Schaffens stellen die lyrischen Arbeiten dar. Besonders in seinem unheimlich-makaberen Gedichtszyklus "Funghi from Yuggoth / Saat von den Sternen" klingt der Schrecken an, den er bereits so virtuos in seiner Prosa beschwor.

Essays

Kollaborationen

Lovecraft lebte in bescheidenen Verhältnissen und bestritt seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit dem Redigieren von Manuskripten anderer Verfasser. Die meisten dieser Texte wurden zunächst nur in Amateur-Zeitschriften abgedruckt. Einige Geschichten konnten jedoch (nach mehrfacher Überarbeitung) auch in seriösen Zeitschriften veröffentlicht werden. Seine Bearbeitungen beschränkten sich meist auf die Korrektur von Syntax, Sprache und Interpunktion. Doch gab es auch Manuskripte die ihn so sehr interessierten, dass er aktiv daran mitwirkte. Manche Geschichten wurden von ihm so überarbeitet, dass man sie eigentlich als eigene Werke einstufen müsste. Nur Thema und Grundhandlung wurden vom ursprünglichen Fremd-Manuskript übernommen. Lovecraft sah sich hier eher als Co-Autor, denn als Lektor. Viele der mit anderen Autoren verfassten Werke enthalten seine eigenen Ideen, sind aber stilistisch und inhaltlich von sehr unterschiedlicher Qualität. Einige von Lovecrafts eigenen Werken wurden posthum durch andere Autoren bearbeitet.


In Zusammenarbeit mit Robert H. Barlow

In Zusammenarbeit mit Elizabeth Neville Berkeley

In Zusammenarbeit mit Zelia Bishop

In Zusammenarbeit mit Robert Bloch

In Zusammenarbeit mit Wilfried Blanch Talman

In Zusammenarbeit mit Donald Burleson

In Zusammenarbeit mit Lin Carter

In Zusammenarbeit mit Adolphe de Castro

In Zusammenarbeit mit Anna Helen Crofts unter dem Pseudonym Henry Paget-Low

In Zusammenarbeit mit August Derleth

In Zusammenarbeit mit C. M. Eddy

In Zusammenarbeit mit Sonia Greene

In Zusammenarbeit mit Hazel Heald

In Zusammenarbeit mit E. Hoffmann Price

In Zusammenarbeit mit Frank Belknap Long

In Zusammenarbeit mit William Lumley

In Zusammenarbeit mit Duane W. Rimel

In Zusammenarbeit mit Richard F. Searight

In Zusammenarbeit mit Henry S. Whitehead

In Zusammenarbeit mit Kenneth Sterling

Ausgaben

Werkausgaben

Es existieren viele Ausgaben von Lovecrafts Werken. Als maßgeblich gilt die bei Arkham House ab 1963 erschienene, von S. T. Joshi herausgegebene Ausgabe des erzählerischen Werkes. Der Verlag Arkham House wurde nach dem Tod von Lovecraft von August Derleth und anderen mit dem Ziel gegründet, Lovecrafts Werk als gebundene Ausgaben zu veröffentlichen, was ihm von der Lesergemeinde als großes Verdienst angerechnet wird. Meistens folgen Herausgeber der von August Derleth geschaffenen Textgestalt und -anordnung.

Derleth teilte die Prosatexte in drei Bände auf. Chronologische oder thematische Kategorien spielten dabei offensichtlich keine große Rolle:

Weitere Bände enthalten sogenannte Kollaborationen von H. P. Lovecraft und August Derleth:

Tatsächlich handelt es sich um Werke Derleths unter Verwendung von Notizen und Entwürfen Lovecrafts.[4]

Die Gedichte Lovecrafts erschienen in zwei Auswahlbänden:

Eine chronologisch angelegte Auswahl aus dem umfangreichen Briefwechseln von Lovecraft:

Übersetzungen

Die ersten deutschen Übersetzungen von Erzählungen erschienen 1965 unter dem Titel 12 Grusel-Stories in der Reihe der Heyne-Anthologien. Eine nennenswerte Lovecraft-Rezeption in Deutschland begann jedoch erst mit den Lovecraft-Bänden, die im Rahmen der von Kalju Kirde herausgegebenen Bibliothek des Hauses Usher ab 1968 im Insel-Verlag und in der Folge als Suhrkamp-Taschenbuch erschienen. Zu dem Erfolg trugen auch die namhaften Übersetzer bei:

Seit 2005 veröffentlicht der Verlag Edition Phantasia eine auf Vollständigkeit angelegte Ausgabe der Werke in deutscher Übersetzung. Die bereits erschienen Teile umfassen das erzählerische Werk. Weitere Bände sind in Vorbereitung.

Literatur

Einzelnachweise

  1. de Camp: Lovecraft 1989. S. 18
  2. books.guardian.co.uk.
  3. Laudatio zum Kurd Lasswitz-Preis 2003
  4. Alpers Lovecraft 1983 S. 176
 Wikisource: H. P. Lovecraft – Quellentexte (englisch)
Personendaten
Lovecraft, H. P.
Lovecraft, Howard Phillips
amerikanischer Horrorautor
20. August 1890
Providence, Rhode Island, USA
15. März 1937
Providence, Rhode Island, USA