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Haus Nassau

Das Haus Nassau ist ein weit verzweigtes deutsches Adelsgeschlecht von europäischer Bedeutung, dessen Anfänge bis ins 10. Jahrhundert reichen und das zunächst als Grafen von Laurenburg an der Lahn auftritt.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Der 1093 genannte Dudo-Heinrich von Laurenburg ist vermutlicher Stammvater des Hauses. Vor Nassau war die Burg Laurenburg der Herrschaftssitz des Geschlechts, davor vermutlich der Ort Lipporn. 1159 wird die wenige Kilometer flussabwärts gelegene Burg Nassau Sitz des Geschlechts, das sich seither nach dieser Burg nannte. Die Grafen von Laurenburg und Nassau erweitern unter den Brüdern Arnold I. von Laurenburg (1123–1148) und Ruprecht I. (1123–1154), dessen Sohn Walram I. (1154–1198) sowie Walrams Sohn Heinrich II., dem Reichen (1198–1247) stetig ihren Besitz im Raum zwischen Taunus und Westerwald an der unteren und mittleren Lahn. Vor 1128 erwerben sie die Vogtei des Klosters Worms, welches in der Gegend zahlreiche Rechte besaß und schaffen so eine Verbindung zwischen ihrem Erbe an der unteren Lahn und ihrem Besitz um Siegen. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wird diese Verbindung gefestigt mit dem Erwerb der so genannten Hessisch-Thüringischen Reichslehen, nämlich der Herborner Mark, der Kalenberger Zent und des Gerichts Heimau (Löhnberg). Eng damit verbunden war die „Herrschaft zum Westerwald“, die ebenfalls zu dieser Zeit in nassauischen Besitz gelangt. Ende des 12.Jahrhunderts kann mit dem Reichshof Wiesbaden ein wichtiger Stützpunkt im Südwesten erworben werden.

Heinrichs II. Söhne Walram II. und Otto I. teilen 1255 ihre Lande in zwei Teile und ihr Haus in zwei Linien, die nach ihnen Ottonische und Walramische Linie genannt werden. Grenzlinie war im wesentlichen die Lahn, wobei Otto den nördlichen Landesteil mit den Städten Siegen, Dillenburg, Herborn und Haiger und Walram den südlich des Flusses gelegenen Teil der Grafschaft mit Weilburg und Idstein erhält. Beide Linien werden in den nächsten Jahrhunderten vielfach geteilt (s.u.). Die Könige der Niederlande stehen seit 1890 nur in weiblicher Folge der ottonischen Linie, die Großherzöge von Luxemburg seit 1912 nur in weiblicher Folge der walramischen Linie. Da nach traditionellem deutschen Namensrecht der Familienname nur in der männlichen Erbfolge weitergegeben wird, ist das Haus aus dieser Sicht erloschen.

Die Ottonische Linie (1255–1890)

Die Ottonische Linie wird nach Graf Ottos Tod 1289 zunächst von dessen Söhnen gemeinsam geführt und 1303 geteilt in

Die ältere Dillenburger und die Bredaer, später Oranische Linie

Nassau-Dillenburg erwirbt unter Johann I. (1362–1416) und seinen Söhnen 1386 die Grafschaft Diez, 1403/1404 Breda und 1420 durch Erbschaft die Grafschaft Vianden. Unter der Regierung Johanns IV. (1442–75) verlagert sich der Schwerpunkt der Herrschaft mehr und mehr in die niederländischen Besitzungen. Diese fallen seinem Sohn Engelbert II. (1475–1504) zu, während dessen Bruder Johann V. (1475–1516) Dillenburg erhält. Da Engelbert keine Erben hinterlässt, folgt ihm sein Neffe, Johanns V. Sohn Heinrich III. (1504–38), der den Einfluss Nassaus in den Niederlanden noch erheblich ausweiten kann. Durch die Heirat mit Claudia von Chalons und Orange erhält er das Fürstentum Oranien in Südfrankreich; beider Sohn Renatus (1538–44) führt als erster Nassauer den Titel „Prinz von Oranien“.

Heinrichs Bruder Wilhelm, genannt der Reiche (1516–1559) erbt das Dillenburger Land, führt dort bis 1536 die Reformation ein und gründet in Herborn eine reformierte, universitätsähnliche Hochschule, die so genannte „Hohe Schule“. Als die Bredaer Linie erneut erlischt, tritt wieder der älteste Dillenburger Prinz das dortige Erbe an. Es ist Wilhelms des Reichen Sohn Wilhelm der Schweiger (1545–1584). Er ist der „Wilhelmus von Nassauen“ des gleichnamigen Volkslieds und späteren niederländischen Nationalhymne. Als Statthalter der Niederlande führen er und seine Söhne Philipp Wilhelm (1609–1618), Moritz (1618–1625) und Friedrich Heinrich (1625–1647) diese im Befreiungskrieg von 1568 bis 1648 in die Unabhängigkeit und erringen mit seinem Urenkel Wilhelm III., dem „letzten Oranier“ 1688 die englische Krone. Sein niederländisches Erbe fällt an die Linie Nassau-Diez (siehe unten).

Der jüngere Bruder Wilhelms von Oranien, Johann VI. genannt der Ältere von Dillenburg (1559–1606), kann nach dem Erlöschen der älteren Beilsteiner Linie 1561 wieder die gesamten ottonischen Stammlande, d.h. die deutschen Besitzungen, in seiner Hand vereinigen. Nach seinem Tod wird das Land jedoch erneut geteilt und es entstehen die Linien

und

Die Linie Nassau-Diez und das Haus Oranien

Die Linie Nassau-Diez beginnt mit Johanns VI. Sohn Ernst Casimir (1607–1632), der seit 1620 Statthalter von Friesland, seit 1625 auch von Groningen und Drenthe ist. Er hält sich fast ausschließlich in den Niederlanden auf, wie auch seine Nachfolger Wilhelm Friedrich (1632–1664), der 1655 in den Reichsfürstenstand erhoben wird, Heinrich Casimir (1664–1696) und Johann Wilhelm Friso (1696–1711). Letzterer wird 1702 von Wilhelm III. von England zum Generalerben der oranischen Linie eingesetzt; seine Nachkommen tragen seit 1713 den Titel „Prinzen von Oranien“, sie sind seit 1747 Erbstatthalter der Vereinigten Provinzen und seit 1815 Könige der Niederlande, von 1815 bis 1890 auch Großherzöge von Luxemburg. 1806 verlieren sie die Herrschaft über ihre deutschen Länder, als die vereinigten Fürstentümer Diez, Dillenburg, Hadamar und Siegen an das napoleonische Großherzogtum Berg und im Wiener Kongress an die walramische Linie Nassau-Weilburg fallen (siehe unten). Die ottonische Linie stirbt zwar 1890 mit König Wilhelm III. (1849–1890) im Mannesstamm aus, da in den Niederlanden jedoch die weibliche Thronfolge anerkannt wird, existiert das Haus Nassau-Oranien dort noch heute.

Die Walramische Linie (1255–1912)

Ihr entstammt Walrams II. Sohn Adolf von Nassau (1277–1298), der 1292 zum deutschen König gekrönt wird. Ihm folgen seine Söhne Ruprecht (1298–1304) und Gerlach (1305–1361). 1328 fallen die Herrschaft Merenberg, 1353 Saarbrücken durch Heirat an das Haus.

1355 wird die Linie von Gerlachs Söhnen Adolf I. (1344–1370), Johann I. (1344–1371) und Ruprecht VII. (1361–1390) geteilt in:

Graf Philipp III. (1523–1559) führt 1526 die Reformation in seinem Land ein. Die Saarbrücker Linie fällt 1574 an Weilburg zurück und so kann Philipps III. Enkel Ludwig II. (1593–1627) 1605 mit dem Erbe der Wiesbaden-Idsteiner Linie wieder alle walramischen Linien in seiner Hand vereinigen. Nach seinem Tode wird das Land erneut geteilt, es entstehen die Linien:

Die jüngere Weilburger Linie und das Herzogtum Nassau

Die Linie erhält 1688 unter Johann Ernst (1675–1719) die Fürstenwürde, die jedoch erst sein Sohn Karl August (1719–1753) 1739 annimmt. Dessen Enkel Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg (1788–1816) vereinigt sein Land mit Nassau-Usingen 1806 zu einem Gesamtstaat, den er gemeinsam mit Friedrich August von Nassau-Usingen (1803–1816) regiert. Gleichfalls werden die Residenzen von Usingen und Weilburg nach Wiesbaden in das Schloss Biebrich verlegt. Im selben Jahr treten die beiden Staaten dem Rheinbund bei, wobei Friedrich August als Oberhaupt des Hauses die Herzogswürde erhält und das Herzogtum Nassau entsteht. Für den Verlust der linksheinischen Landesteile (Saarbrücken) an Frankreich wird das Land territorial erheblich vergrößert. 1813 und endgültig im Wiener Kongress kommen die Fürstentümer Diez, Hadamar und Dillenburg der oranischen Linie hinzu, wodurch erstmals seit 1255 alle deutschen nassauischen Länder – mit Ausnahme Siegens – wieder in einer Hand vereinigt sind. Erbe beider verbliebenen walramischen Linien – der Usinger und der Weilburger – ist Wilhelm von Nassau-Weilburg, der als Wilhelm I. (1816–1839) Regent des Herzogtums wird. Regierungssitz ist Wiesbaden, das schon seit 1734 usingische Residenz war. Wilhelms Sohn Adolf V. (1839–1866) verliert jedoch sein Land nach dem Deutschen Krieg 1866 an Preußen. Nachdem das Haus Oranien-Nassau in den Niederlanden im Mannesstamm ausstirbt (siehe oben), wird Adolf 1890 auf Grund eines 1783 geschlossenen Erbvertrages Großherzog von Luxemburg. 1912 erlischt mit dem Tod seines Sohnes Wilhelm IV. von Luxemburg (1905–1912) zwar auch die walramische Linie im Mannesstamm; über die weibliche Thronfolge besteht die Linie Nassau-Weilburg jedoch dort noch heute.

Literatur

Siehe auch