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Ozeanien

Dieser Artikel behandelt die Inselwelt des Pazifik. Den von George Orwell erdachten fiktive Staat siehe 1984 (Roman) #Ozeanien.

Ozeanien ist die Bezeichnung für eine kulturelle und wirtschaftliche Zusammenfassung der Inselwelt des Pazifik zu einem Kontinent. Diese Definition ist aber geographisch wie tektonisch nicht zutreffend, da die Gebiete sowohl auf der australischen, der pazifischen und einigen kleineren Platten liegen. Als kultureller Kontinent betrachtet ist er der kleinste an Landmasse und der zweitkleinste im Bezug auf die Bevölkerung. Die über 7.500 Inseln umfassen zusammen eine Landfläche von fast 1,3 Mio. Quadratkilometer und sind über ein Meeresgebiet von etwa 70 Mio. Quadratkilometer verstreut. Etwa 2.100 Inseln sind davon bewohnt, insgesamt leben 14,9 Mio. Menschen auf diesen.

Eine Besonderheit ist, dass kein Staat Ozeaniens eine Festlandgrenze besitzt und dass mit Ausnahme Papua-Neuguineas und bei entsprechender Definition Osttimors (je zu Indonesien) keine Staaten auch nur eine Landgrenze auf einer Insel haben.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Ozeanien

Der Umfang des zu Ozeanien gehörenden Gebietes wird verschieden definiert. In einer engeren Definition gehören nur Polynesien Melanesien (mit Neuguinea) und Mikronesien zu Ozeanien. Diese Einschränkung basiert vor allem auf dem gemeinsamen kulturellen Ursprung. In einer weiteren werden auch Australien und der indonesische Archipel (mit Indonesien, dem östlichen Teil Malaysias, Brunei und Osttimor) hinzu gezählt, was aber bis auf Australien (vergleiche Australien und Ozeanien) im allgemeinen Sprachgebrauch sehr selten gebräuchlich ist.

Ihre eigentümliche Nomenklatur verdankt das Gebiet der augenscheinlichen Distanz zu anderen Kontinenten. Um die kulturelle Identität der Ureinwohner der Pazifikwelt in einem Begriff zu vereinen, entstand vormals die Bezeichnung Austronesien für die von Māori und polynesischen Völkern bewohnten Südseeinseln. Nach und nach wurde der Terminus auf andere Gebiete erweitert.

Transozeanien

Im Englischen ist zusätzlich der Begriff Transozeanien gebräuchlich. Dieser Terminus entstand vor allem aus wirtschaftlichen Gründen in Australien und Neuseeland und bezeichnet ein Gebiet vom Norden Australiens über Indonesien bis zur Südgrenze der Philippinen und dem äußersten Westen der pazifischen Inseln. Hierbei geht es um eine typische Handelsroute zwischen dem Technologiestandort Australien und den besonders armen Zulieferern von Arbeitswaren. Besonders als Standort für Billigproduktion sind Indonesien und die Philippinen sehr beliebt.

Südsee

Der Begriff Südsee wurde 1513 von Vasco Núñez de Balboa geprägt, als dieser die Landenge von Panama durchquert hatte und das vor ihm liegende Meer (Pazifik) Mar del sur („Südmeer“, „Südsee“) nannte. Geografisch gehören zur Südsee alle Bereiche südlich des Breitengrades von Panama.

Zentrale Inselgruppen sind die Gesellschaftsinseln (Französisch-Polynesien/Tahiti), der Samoa-Archipel und die Fidschi-Inseln.

Der Begriff Südsee wird häufig synonym mit Ozeanien und im engeren Sinne mit Polynesien verwendet (Dreieck mit den Eckpunkten Hawaii, Neuseeland und der Osterinsel).

Geographie

Geologie

Ozeanien ist kein Kontinent im geologischen Sinn, da nur Australien, Neukaledonien, Neuseeland, Neuguinea und Tasmanien aus kontinentaler Erdkruste des einstigen Kontinent Gondwana bestehen: So bilden Neuseeland, Neukaledonien und ein großes Stück des einstigen kontinentalen Schelf Gondwanas, die Lord-Howe-Schwelle mit der Lord-Howe-Inselgruppe, den Mikrokontinent Zealandia[1] und Australien und die beiden Inseln Neuguinea und Tasmanien waren noch während der letzten Eiszeit die zusammenhängende Landmasse namens Sahul, da damals der Wasserspiegel im Pazifik etwa 100 m tiefer war.

Die meisten Inseln Ozeaniens sind vulkanische Erhebungen im durchschnittlich 4000 m tiefen Pazifischen Ozean, die entweder ihre Herkunft durch einen sichtbaren Vulkankrater offenbaren oder nahe an die Meeresoberfläche reichen und auf der Spitze ein Korallenriff oder Kalksteinfelsen gebildet haben. Häufig finden sich Mischformen, wie beispielsweise eine Vulkaninsel mit Korallengürtel und von Höhlen durchsetzten Kalksteinfelsen. Auslöser der vulkanischen Aktivitäten sind geologische Vorgänge in der ozeanischen Erdkruste. Das sind Bewegungen der im Gebiet des Pazifik sich befindenden großen und kleinen Lithosphärenplatten, die dann beispielsweise zum so genannten Pazifischen Feuerring führen. Dort wo es zur Subduktion, beispielsweise der pazifischen Platte kommt, entstehen Tiefseegräben, Inselbögen und manchmal Seebecken (das Back-arc Basin). Graben, Bogen und Becken gehören geologisch zusammen, wie beispielsweise der bis 10.882 m tiefe Tongagraben östlich der Inselgruppe Tonga und das westlich Tongas liegende Lau-Becken.[2] Eine weitere Quelle vulkanischer Aktivitäten ist der so genannte Hot-Spot-Vulkanismus, der im Ozean lange Inselketten erzeugt, wie beispielsweise die Hawaii–Emperor-Kette mit den Inseln des Kure-Atolls, der Midwayinseln und den Inseln Hawaiʻis als Endpunkt.

Meeresströme

Die pazifische Meeresströmung auf Höhe des Äquators, die von West nach Ost verläuft, ist der Äquatoriale Gegenstrom. Nördlich, auf der Höhe von Hawaiʻi, fließt von Ost nach West der Nordäquatorialstrom. Bei der Insel Neuguinea geht er in eine nordwärts gerichtete Strömung über, fließt östlich der Philippinen als Kuroshio vorbei und erzeugt einen riesige Wirbel im Gebiet von Mikronesien. Ein Teil der Meeresströmung verlässt den Wirbel ostwärts, um bis zur Küste Nordamerikas zu fließen und wieder zu seinem Anfang als Nordäquatorialstrom zurückzukehren. Südlich des Äquators, ebenfalls von Ost nach West, verläuft der Südäquatorialstrom. Dieser wird vom kalten Humboldtstrom an der Westküste Südamerikas gespeist und geht teilweise in den Ostaustralstrom über, der an der Ostküste Australiens entlang fließt und auf Neuseeland trifft. Von dort verläuft eine ostwärts gerichtete Strömung bis nach Südamerika, die sich aus warmen äquatorialem Wasser und kaltem Wasser des südlich von Australien und Neuseeland verlaufenden Antarktischem Zirkumpolarstrom zusammen setzt. Dadurch wird Neuseeland im Norden von einem warmen und im Süden von einem kaltem Meeresstrom umflossen.

Klima

Die tropisch- bis subtropischen Pazifikinseln Ost-Ozeaniens bieten ganzjährig wenig Abwechslung und beherbergen durch ihr feuchtheisses Klima eine Vielzahl an Regenwaldformen. Die niederschlagsreichen Winter im Osten und der Monsun im Nordwesten (Indonesien, Queensland) heben das Jahresmittel hier deutlich an.

Eine Ausnahme ist hier Australien mit Tasmanien und Neuseeland. Während im Süden Australiens und Neuseeland warmgemäßigtes Klima vorherrschend ist, bietet der Rest Australiens fast jede Klimazone. Die Wüstengebiete im Zentrum und die tropischen Zonen Nordaustraliens sind zwei typisch-australische Extreme. Tasmanien ist als der Kältepol Ozeaniens zu bezeichnen. Zwar liegt die Insel auf demselben Breitengrad wie auf der nördlichen Hemisphäre Südfrankreich bis Spanien, dennoch ist das Klima hier als kaltgemäßigt zu bezeichnen. Betrachtet man die Durchschnittstemperaturen von winterlichen -10,5 bis 0,5 °C und im Sommer 9 - 19,0 °C so zeichnet sich hier ein deutlicher Unterschied zum Rest Ozeaniens ab.

Politische Gliederung

Unabhängige Gebiete

Abhängige Gebiete

Flora und Fauna

Ozeaniens Flora und Fauna ist zweigeteilt. Zum einen gibt es die australische Tier- und Pflanzenwelt, mit z. B. den Beutelsäuger und Kloakentiere, die bis zur so genannten Wallace-Linie im indonesischen Archipel reicht. Zum anderen die Welt der kleinen Inseln im Pazifik wohin Landpflanzen und Landtiere nur über das Meer angeschwemmt werden können. Dort kann die adaptive Radiation beobachtet werden, die Auffächerung einer wenig spezialisierten Art an die vorhandenen Umweltverhältnisse in viele stärker spezialisierte Arten. Dabei sind flugunfähige Vögel, beim Fehlen großer bodenlebenden Raubtiere, eine häufige Erscheinung.

Somit sind in Ozeanien viele Tiere einmalig und sind sonst nirgendwo anders auf der Welt anzutreffen. Leider sind die meisten Tiere durch eingeschleppte Haustiere (Hunde, Katzen usw.) oder durch Ratten, die sich an Bord der europäischen Entdeckerschiffe befanden, vom Aussterben bedroht. Ein kleines Beispiel dafür liefert der neukaledonische Kagu. Dieser legte von Natur aus wenige Eier, da er ursprünglich keine Feinde hatte. Als die Europäer Ratten mit einschleppten, fraßen diese die für sie leichte Beute und der Bestand des Kagu sank bedrohlich tief. Erst als es fast schon zu spät war, setzte man Schutzmaßnahmen ein. Langsam konnte sich der Bestand erholen, doch nicht immer enden Schutzaktionen glücklich. Für viele Tiere kommen Schutzmaßnahmen zu spät und manchmal muss der Mensch hilflos zusehen wie eine Tierart ausstirbt.

Zusätzlich gibt es noch die Pflanzen- und Tierwelt des Meeres.

Herausragende Naturgebiete Ozeaniens sind das Great Barrier Reef, die Galapagosinseln, die Lord-Howe-Inselgruppe sowie East Rennell.

Bevölkerung

Land Einwohner
pro km²
Fläche
(km²)
Einwohnerzahl
(Stand 2002)
Nauru 587 21 12.329
Tuvalu 429 26 11.146
Marshallinseln 407 181 73.630
Amerikanisch-
Samoa
(US)
345 199 68.688
Guam (US) 293 549 160.796
Mikronesien 194 702 135.869
Nördliche Marianen (US) 162 477 77.311
Tokelau (N.Z.) 143 10 1.431
Tonga 142 748 106.137
Kiribati 119 811 96.335
Cookinseln (N.Z.) 87 240 20.811
Französisch-
Polynesien
(Fr.)
62 4.167 257.847
Samoa 61 2.944 178.631
Wallis und Futuna (Fr.) 57 274 15.585
Norfolkinseln (Aus) 53 35 1.866
Fiji 47 18.270 856.346
Palau 42 458 19.409
Salomonen 17 28.450 494.786
Vanuatu 16 12.200 196.178
Neuseeland 15 268.680 3.908.037
Papua-Neuguinea 11 462.840 5.172.033
Neukaledonien (Fr.) 11 19.060 207.858
Niue (N.Z.) 8,2 260 2.134
Australien 2,5 7.686.850 19.546.792
Pitcairninseln (UK) 1,0 47 47
Total 3,7 8.523.655 32.642.390

Indigene Völker Ozeaniens

Zu den indigenen Völkern Australiens und Ozeaniens gehören:

Die Vielvölkersituation

Die indigene Bevölkerung Ozeaniens befinden sich in sehr unterschiedlichen Situationen. Während sie zum Beispiel in Australien und auf Hawaii nur noch kleine Minderheiten bilden, ist der Anteil der Māori in Neuseeland noch bei knapp 15 %. Auf den Nördlichen Marianen haben die Polynesier nur noch einen Bevölkerungsanteil von 21,3 %. Papua Neuguinea hat größtenteils eine indigene Bevölkerung, so wie auch die meisten der Südseeinseln.

Europäer bilden die Mehrheit in Australien, Neuseeland und auf Hawaii. Große europäische Minderheiten leben auf Neukaledonien (34 %) und in Französisch-Polynesien (12 %).

Auf den Fidschiinseln bilden Inder eine Minderheit von 38,2 %.

Die asiatische Einwanderung stellt eine erheblichen Anteil des Bevölkerungswachstum dar. Vor allem Chinesen und Philippiner suchen in den Inselstaaten eine neue Heimat und stellen eine wachsende Minderheit dar. Zumeist ist ihr Anteil noch gering, aber es gibt auch andere Beispiele. So stellen die Philippiner auf den Nördlichen Marianen mit 26,2 % die größte Bevölkerungsgruppe, Chinesen mit 22,1 % die zweitgrößte.

Wirtschaft

Betrachtet man die weitestverbreitete Begriffsdefinition, so ist Australien der wirtschaftliche Kern des Kontinents. Mit Neuseeland ist es auch ein international wichtiger Technologiestandort. Die kleineren aufstrebenden Inselstaaten verlagern ihre ökonomische Infrastruktur zunehmend in den Bereich der Dienstleistungen. Der Reiz der pazifischen Südseeinseln ist ein attraktiver Aspekt für den Tourismus, regional hängen bis zu 95% des BIP direkt oder indirekt mit dem Fremdenverkehr zusammen. Die transozeanische Einfuhr von Arbeitswaren ist einerseits eine wirtschaftliche Bremse für die Länder der ersten Welt, sichert aber die Versorgung der abhängigen Kleinststaaten, die nur sehr wenig, hauptsächlich landwirtschaftliche Exportgüter (Arzneirohstoffe, Kokosnüsse) produzieren können. Als besonders schwierig erweist sich immer wieder der Güterverkehr zwischen den Inseln, der selten mit kleinen Wasserflugzeugen und hauptsächlich mit Frachtschiffen oder Fähren erfolgt. Telekommunikation und Rundfunk sind ebenfalls nur in den wenigen, dichter besiedelten Gebieten ausgebaut. In den abgeschiedeneren Gebieten kommt es vermehrt zu hohen Analphabetenraten (50 % in Wallis und Futuna). Diese, hauptsächlich von indigenen Völkern bewohnten Inseln sind meist politisch abhängige, vergessene Selbstversorgergebiete.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Ozeaniens

Vorkoloniale Geschichte

Es wird angenommen, dass der moderne Mensch vor etwa 60.000 Jahren erstmals den Australischen Kontinent besiedelt hat. Bis vor etwa 35.000 Jahren war über die kontinuierliche Landverbindung von Neuguinea bis nach Tasmanien die erste Besiedelung abgeschlossen. Es wird angenommen, dass auch Teile der Salomonen schon damals besiedelt wurden.

Eine zweite Besiedelung begann als ab etwa 1500 v. Chr. Melanesien und Mikronesien von Menschen austronesischer Sprache besiedelt wurden. Um das Jahr 0 v. Chr. erreichten sie Polynesien, zwischen dem zweiten und sechsten Jahrhundert Hawaiʻi, im 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. die Osterinsel und Neuseeland zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert.

Im 16. Jahrhundert begann mit der Entdeckung Ozeaniens durch die Europäer eine neue Besiedlung. Ihre Hautfarbe kam ihnen sehr entgegen. Unter den Ureinwohnern erzählte man sich von Göttern, die vom Meer kommen und weiß sein werden. Entsprechend wurden sie empfangen. Bis ins 18. Jahrhundert wurde Ozeanien nach und nach entdeckt und kartiert.

Koloniale Geschichte

Später ändern sich die Motive der Seefahrer. Die Einheimischen wurden geplündert, ermordet und vergewaltigt. Vor allem die eingeschleppten Krankheiten richteten sie zu tausenden zugrunde.

Im Zuge des aufkommenden Handel breitete sich das Phänomen der Strandläufer in Ozeanien aus. Dies waren meist ehemalige Seeleute oder flüchtige Straftäter, die am Rande der einheimischen Gesellschaft lebten und als Zwischenhändler und Übersetzer zwischen Einheimischen und Europäern dienten.

Der Kolonialismus im 18. und 19. Jahrhundert nahm wenig Rücksicht auf die Kultur der Ureinwohner. Vor allem Briten, Spanier, Franzosen, Amerikaner und Deutsche teilten die Territorien untereinander auf. Die Landwirtschaft wurde wo möglich auf die Produktion von Kolonialwaren umgestellt. So wurden beispielsweise Zuckerrohr-Plantagen in Fidschi und im australischen Bundesstaat Queensland angelegt. Die benötigten billigen Arbeitskräfte konnten anfangs durch Freiwillige gedeckt werden, während später auch Zwang angewendet wurde. In der Zeit von 1879 bis 1916 kamen etwa 60.000 indische Arbeitskräfte nach Fidschi, auch Ozeanier arbeiteten dort. Mehr als 60.000 Ozeanier, hauptsächlich Menschen von den Salomonen und Vanuatu, wurden nach Queensland gebracht, wo sie neben Japanern, Chinesen und Indern arbeiteten[3]. Obwohl Sklaverei verboten war, war die Situation auf den Plantagen doch sehr schlecht, so wurde nur wenig Lohn bezahlt. Eine Vielzahl an staatlichen Vorschriften regelten die Situation in Queensland wie z. B. der Pacific Islanders Protection Act von 1872. Durch die Änderung der Emmigrationspolitik ab 1901 (Immigration Restriction Act 1901) in Australien, die europäische Emigranten bevorzugte, stieg der politische Druck auf die Plantagenbesitzer und die Verschleppungen und Ausbeutung endete mit der Zeit. [4]

Der Amerikanisch-Spanische Krieg führte am Ende des 19. Jahrhunderts zu einem wilden Wechsel der Hoheiten über die Pazifikgebiete. Die Niederlage im ersten Weltkrieg zwang Deutschland dazu, seine Schutzgebiete aufzugeben, die unter den Siegermächten aufgeteilt wurden. Der Pazifikkrieg im zweiten Weltkrieg wurde vor allem für die Brutalität seiner Besetzer bekannt, die sich hauptsächlich gegen die Einheimischen richtete.

Nachkoloniale Geschichte

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen die Großmächte, ihre Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen. Einige behielten sich doch politische Interventionsrechte und militärische Hoheitsrechte vor. Ende des 20. Jahrhunderts wurden auch die kleinen Inselstaaten von der UNO anerkannt.

Kunst und Kultur

Da unter den indigenen Völkern Ozeaniens keine Schrift bekannt war, spielte Kunst eine sehr große Rolle. Geschichte wurde mit Malerei und Schnitzerei festgehalten und weitergegeben. Besonders Körperschmuck und -malerei waren Ausdruck von Individualismus und Schönheit. Tätowierungen waren vor allem unter den Polynesiern üblich.

Polynesische- und Māori-Kunst

Gestaltung und Bildnerei war sehr eng mit Praxisnutzen verbunden. Zwar stellte man auch rein dekorative Werke her, aber das Hauptaugenmerk künstlerischen Schaffens legte man auf den Schmuck von Alltagsgegenständen. Die am stärksten vertretene Ausdrucksform der polynesischen Kunst war die Schnitzerei. Meist standen nur primitive Werkzeuge wie scharfe Muscheln und Steine zur Verfügung, mit der allerdings erfahrene Schnitzer Erstaunliches leisteten. Von zentraler Bedeutung war die Verzierung der waka, der Auslegerkanus der polynesischen Völker. Diese wurden mit besonderem Stolz gezeigt, verloren aber mit der Ankunft der Europäer ob deren großen, modernen Schiffe an Bedeutung. Später konzentrierte man sich auf die Verzierung der Versammlungshäuser, mit der Gestaltung von Totems rund um den Ahnenkult. Die hohe gesellschaftliche Anerkennung des Handwerks hatte auch große Ehrerbietung den Künstlern gegenüber zur Folge. Die europäischen Pazifikfahrer brachten harte, geschmiedete Werkzeuge nach Ozeanien, wodurch es den Polynesiern möglich war, Jade zu bearbeiten. Der wertvolle Bodenschatz wurde zu Schmuck und Werkzeug verarbeitet und ebenfalls reichlich verziert. Eine weitere Kunstform war die Tätowierung. Mit einer frühen Form der Tätowierung konnte der Status einer Person angegeben werden. Je größer und verschlungener das so genannte Moko war, umso höher war der Rang der Person, die es trug. Mit Hammer und Schlegel wurden die Muster (meist Spiralen oder muschelähnliche Formen) ins Fleisch gestoßen und mit frischem Russ eingerieben. Den Frauen waren diese Arten der Kunstausübung größtenteils verwehrt. Die einzige standesgemäße Form kreativen Schaffens war für die Frauen das Weben. Die Flachsfasern wurden verschieden eingefärbt und zu komplizierten Mustern verwoben.

Aborigine-Kunst

Die Aborigines verfügten von jeher über eine enge Verbundenheit mit der Natur. Dieser Verbundenheit verleihen sie mit einer eigenen Kunstform des Wandmalens Ausdruck. Unter den Bildern der Aborigines gibt es solche, die eine rituelle Bedeutung haben, die zum Beispiel eine bestimmte Wirkung auf den Gegenstand haben sollen oder einen spirituellen Einfluss auf ihn nehmen sollen, während andere, beispielsweise wertvolle Gegenstände, durch die Kunst einfach nur verziert werden sollen. Vor allem Bumerangs und Didgeridoos werden zu aufwendigen Kunstwerken bemalt. Als Farben dienten vor allem Ruß, Lehm und Tierblut, die speziell bearbeitet werden, um sie haltbar zu machen. Gegen Norden verlagert sich auch unter den Aborigines der Gestaltungsschwerpunkt auf die Schnitzerei. Schwere Holzfiguren dienen unter anderem dazu Land zu kennzeichnen, vor Gefahren oder unfruchtbarem Land zu warnen oder auf heilige Orte hinzuweisen.

Literatur

Quellen

  1. Nick Mortimer: Zealandia (pdf-Datei)
  2. venturedeepocean.org: The lure of Lau
  3. Emma Willoughby, A „White Australia“
  4. Reid Mortensen: Slaving in Australian courts: Blackbirding cases, 1869-1871
 Portal: Ozeanien – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Ozeanien
 Commons: Ozeanien – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Ozeanien – Nachrichten
 Wiktionary: Ozeanien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Wikimedia-Atlas: Ozeanien – geografische und historische Karten