Heim

E-Book

Ein E-Book (auch "eBook" oder "ebook", von engl. electronic book), selten eingedeutscht E-Buch oder eBuch (von elektronisches Buch) versucht im weitesten Sinne, das Medium Buch mit seinen medientypischen Eigenarten in digitaler Form verfügbar zu machen.

Es gibt unterschiedliche Ansätze, die sich folgendermaßen klassifizieren lassen:

Alle Ansätze teilen das Manko, dass ein reales Buch bestimmte herstellungsbedingt individuelle, vor allem haptische Eigenschaften und Qualitäten besitzt (z.B. Art und Qualität von Bindung, Papierart und -stärke sowie verwendeter Drucktechnik), die sich mit herkömmlicher Computertechnologie nicht wiedergeben lassen. Vertreter des rein strukturell-funktionalen Ansatzes verzichten auch völlig darauf und verstehen ein E-Book als gänzlich eigenständiges Medium mit lediglich "natürlichem" Vorbild, dessen Funktionalität es mit Hilfe der Computertechnologie zu erweitern gilt (Suchfunktion, multimediale Komponenten usw.).


Inhaltsverzeichnis

Geschichte des E-Books

Die digitale Verfügbarkeit von Büchern war frühzeitig Diskussionsgegenstand der sich abzeichnenden Informationsgesellschaft. Sie gehörte auch zur ursprünglichen Konzeption des World Wide Web und seiner Auszeichnungssprache HTML, wofür bestimmte META-Angaben vorgesehen waren, die eine sequentielle Abfolge von HTML-Dateien kennzeichnen sollten.

Diese blieben jedoch von den Entwicklern der Browser-Software unberücksichtigt. Das zugrundeliegende Konzept Hypertext war zunächst rein dokumentenorientiert und schien dem auf Sequenz und Dramaturgie ausgerichteten Buch allzu sehr gegenläufig. Entsprechend handelt es sich bei E-Books im Format HTML meist um eine einzige große Datei, welche den kompletten Inhalt enthält. Die Navigationsmöglichkeiten darin bleiben meist auf die Scroll-Leiste oder simple Kapitelanwahl beschränkt.

Project Gutenberg

Bereits seit 1971 gab es das nicht-kommerzielle Project Gutenberg, welches sich zum Ziel gesetzt hatte, rechtefreie Literatur in digitaler Form kostenlos anzubieten. Dabei ging es zunächst nur um das Anbieten in unstrukturiertem Textformat, weswegen man kaum von "E-Books" sprechen konnte. Erst in jüngster Zeit halten dort auch typische E-Book-Formate wie Plucker Einzug.

Der "E-Book-Hype"

Die Firma Adobe Systems, der es schon gelungen war, mit ihrem plattformunabhängigen DTP-Format PostScript eine Monopolstellung auf dem professionellen Druck- und Satzmarkt zu erringen, entwickelte als zunächst abgespeckte Form das Format PDF für handelsübliche Kleindrucker, legte es offen und bot den dazugehörigen Acrobat Reader kostenlos zum Download an. Damit gelang es der Firma, einen plattformübergreifenden Quasi-Standard für formatierte Druckdaten zu setzen.

Mitte bis Ende der 1990er Jahre kam es davon ausgehend zu einem regelrechten Hype um E-Books, denen ein grandioser Zukunftsmarkt vorausgesagt wurde. Angetrieben wurde der Hype vor allem von Aussichten auf denkbare Einsparungen im Bereich Herstellung und Vertrieb, der traumhafte Gewinne zu Lasten der Druckindustrie zu versprechen schien und Investoren in großer Zahl auf den Plan rief. Der Begriff "E-Book" wurde vorübergehend praktisch zum Synonym für solche portierbaren Druckdateien.

Die Anfänge lassen sich in einem Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Institut für Technische Mechanik der Universität Karlsruhe (TH) und IBM Deutschland finden. Prof. Dr.-Ing. W. Wedig setzte Vorlesungen im Fach Technische Mechanik und Technische Schwingungslehre in digitale Form um. Ein anderes frühes Beispiel war im Jahr 1993 die Anleitung der Spiele Ultima Underworld 1 & 2 im PDF-Format auf der Kompendiums-Compact-Disc. Auf der CD war die Anleitung für die zwei Computerspiele und die DOS-Version des Acrobat Readers enthalten. Mit diesem Programm konnte man die Anleitung betrachten, darin suchen und blättern und sie sogar ausdrucken.

Die Druckindustrie reagierte gelassen und investierte stattdessen wie seit Beginn der DTP-Ära weiterhin intensiv in die Modernisierung und Rationalisierung ihrer Druck- und Herstellungstechnik. Das "echte" Buch als wesentlichstes Kulturträgermedium für Literatur sah man hier durch die aufkommenden E-Books nie ernsthaft in Gefahr. Im Gegensatz zu Tonträgern oder Videos, die ohnehin und immer von einem technischen (und damit energiebedürftigen) Trägermedium abhängig sind, spielen beim Printmedium Buch materielle Eigenschaften eine allzu gewichtige Rolle. Digitalisierbar ist lediglich die Druckvorstufe, mit der ein tatsächliches und im Wortsinne wirkliches Buch aber längst noch nicht fertig ist.

Gleichzeitig entwickelten sich auf Bücher als hinsichtlich Lagerhaltung, Haltbarkeit und Versand ideale Ware spezialisierte Online-Vertriebsfirmen wie Amazon, welche Logistik und Bestellwesen radikal rationalisierten, damit in kürzester Zeit eine marktbeherrschende Stellung erringen konnten und dem schon totgesagten "richtigen" Buch nie gekannte Auflagen bescherten. Die erträumten Gewinnaussichten der E-Book-Investoren zu Lasten von Herstellung und Vertrieb schrumpften damit auf ein wirtschaftlich nicht mehr interessantes Minimum. Den nicht kopierbaren Vorteil des Buches, auch ohne Strom ein handlicher und vollwertiger Informationsträger zu sein, konnte und kann ein E-Book nicht wettmachen.

In den folgenden Jahren blieben E-Books denn auch wirtschaftlich ein Nischenmarkt. Es bildete sich eine Szene heraus, in der zeitgenössische Literatur gescannt, via OCR in Texte gewandelt, mehrfach korrekturgelesen, dann meistens in Foren oder Mailboxen untereinander ausgetauscht und schließlich ausgedruckt oder auf PDAs gelesen wurde. Ein Einverständnis von Rechteinhabern gab es nur in Ausnahmefällen. Dennoch gingen jene im Allgemeinen nicht aktiv gegen die Szene vor, weil dort ein ungeschriebenes Gesetz herrschte, nur vergriffene oder mindestens ein Jahr alte Bücher zu „bearbeiten“ – entsprechend gering waren der finanzielle Verlust und die Motivation der Verlage.

Die ersten größeren Versuche zum kommerziellen Vertrieb von E-Books kamen 1999-2000 in der Zeit des Börsenbooms (Dotcom-Blase) und der New Economy auf. Parallel dazu etablierte sich das Untergrundforum eBookz, welches bis 2003 existierte.

Mehrere Verlage experimentierten mit E-Books, unter anderem O’Reilly mit ihren Bookshelf-CDs. Diese umfassten ein reguläres Buch und auf CD-ROM sieben E-Books zu einem entsprechenden Thema im HTML-Format.

Eine gewisse Marktstellung konnten E-Books als digitale Buchkopien auf Basis des PDF-Formats nur im Bereich der Fachpublikationen erringen, wo formale buchtypische Kriterien wie Aussehen, Anfühlen, Dramaturgie usw. keine große Rolle spielen. Es werden denn auch vor allem Fachbücher in digitaler Form verkauft. Dabei ist es meist möglich, entweder nur Teile (Kapitel) oder ganze E-Books zu beziehen.

Die meisten Verlage für Fachbücher produzieren bereits digitale Publikationen, die Auswahl ist dennoch eher klein, wächst jedoch ständig; mehr als 1000 deutschsprachige Fachbücher sind derzeit erhältlich. Auf der Frankfurter Buchmesse 2007 wurde festgestellt, dass bereits 30% aller Fachbücher als E-Books erhältlich sind.

Themenbereiche sind vor allem Wirtschaft, Recht, Computer/EDV, Medizin/Gesundheit, Psychologie/Pädagogik und Politik/Zeitgeschichte. Jeden Monat kommen auf diese Weise etwa 100 neue digitale Titel auf den deutschen Buchmarkt.

Mittlerweile hat im Zuge der Verbreitung von PDAs auch das Plucker-Format eine gewisse Bedeutung erringen können, eignet sich aber formatbedingt hauptsächlich für kürzere Informationseinheiten wie einzelne Artikel.

Alternativen aus Russland

Aus Russland, stammt die E-Book-Initiative FictionBook, die eher der strukturell-funktionalen Variante zuzurechnen sind, auch wenn Sie Konvertierungen in PDF- oder HTML-Format vorsehen. Auf Basis eines speziellen XML-Formats mit Dateiendung ".fb2" gibt es bereits umfangreiche, russischsprachige Bibliotheken mit Werken klassischer russischer Dichter.

Motivation ist hier vor allem, den reichhaltigen Schatz an russischer Literatur weltweit kostenlos verfügbar zu machen. Diverse E-Book-Reader unterstützen das Format FictionBook.

E-Books mit AJaX

In jüngster Zeit mehren sich Ansätze, Websites als dynamische E-Books mit Hilfe von DOM und AJaX zu gestalten. Die Darstellungsmöglichkeiten entsprechen denen des verwendeten Webbrowsers, sind also gleichermaßen durch diesen beschränkt (z.B. typografische Möglichkeiten) wie umfassend durch dessen Unterstützung von Multimedia-Elementen.

Als Reader dient hier der Browser selbst, der durch einen skriptgestützten Client Manager ergänzt wird. Als Ausgangsformate eignen sich hierfür (X)HTML sowie diverse Variationen von XML. Ein standardähnliches Format gibt es derzeit nicht.

E-Book als digitale Kopie

Kommerziell verwertet werden meist E-Books als digitale und portierbare Kopie eines Originalbuchs.

Erwerbsmodelle

Im deutschsprachigen Raum gibt es zurzeit zwei größere E-Book-Anbieter: Ciando und beam-eBooks.de. Beide bieten sowohl Fachbücher als auch Belletristik an. Im Bereich der Belletristik sind es vor allem ältere, bekannte Titel, die in dieser Form eine Neuauflage erfahren. Serien aus dem Bereich SciFi und Horror oder auch Thriller sind bei E-Book-Verlagen zu erhalten. Das deutsche Projekt Gutenberg-DE verkauft digitale Bücher, deren Urheberrecht abgelaufen ist. Es unterscheidet sich damit vom amerikanischen Project Gutenberg mit ähnlichem Namen, das nichtkommerziell arbeitet.

Ausleih- bzw. Mietmodelle

Safari von O´Reilly bietet ein E-Book-Mietmodell an. Dabei gehen die E-Books nicht in den eigenen Besitz über, sondern man hat die Möglichkeit, eine bestimmte Anzahl von E-Book-Slots (E-Book-Stellplätze) pro Monat zu erwerben. In diese kann man aus einer Auswahl von über 3.000 E-Books die Gewünschten hineinlegen und anschließend lesen. Frühestens nach einem Monat können einzelne/alle E-Books ausgetauscht oder weiter im Slot belassen werden. Für dieses Modell muss der Benutzer unbedingt online sein, die E-Books werden nicht auf dem eigenen Computer gespeichert.

Nicht kommerzielle oder freie Anbieter

Es gibt eine Reihe von Anbietern, die Werke, deren Urheberrecht abgelaufen ist, kostenlos zum Download anbieten. Einige Hochschulen beziehungsweise Dozenten bieten ausgesuchte Bücher kostenfrei an. Das O’Reilly-OpenBook-Portal und Galileo Press stellen eine Auswahl von E-Books (Openbooks) kostenlos zur Verfügung. Das amerikanische Project Gutenberg stellt Literatur als ASCII-, HTML- oder Plucker-Datei lizenzfrei zur Verfügung.

Lesegeräte

Spezielle, proprietäre E-Book-Lesegeräte haben den Vorteil, genau für ihren Einsatzzweck, das Lesen von E-Books, konzipiert zu sein. PCs oder Laptops sind andererseits universell einsetzbar, aber meist auch "unhandlicher" in der Handhabung.

Spezielle E-Book-Lesegeräte

Anfang 1999 kam das Rocket eBook, das erste Lesegerät für E-Books, auf den Markt. Obwohl damals bereits viele davon ausgingen, dass es den traditionellen Büchern den Todesstoß gäbe, wurde stattdessen die Produktion des Rocket eBook nach kurzer Zeit eingestellt.

Nach einigen ähnlich gescheiterten Versuchen in der Zwischenzeit wagte sich der Elektronikriese Sony an das Thema und brachte 2004 das Lesegerät LIBRIE EBR-1000EP (für 40.000 Yen = ca. 300 Euro) auf den japanischen Markt. Dem Gerät sollte der Durchbruch als echte Alternative zumindest für Taschenbücher gelingen, denn:

Allerdings hat es noch keine Farbdarstellung und das Blättern mit Pfeiltasten gilt vielen auch nicht als so komfortabel wie das Umblättern von Papierseiten mit dem Daumen. Der Kontrast ist im Vergleich zu Papierschrift (schwarz auf weiß) auch bei weitem nicht erreicht, er entspricht eher dem von Zahlen auf einem Taschenrechner mit mattgrauem Hintergrund. Im Vergleich zu einem aufgeschlagenen Buch ist das Netto-Lesedisplay relativ klein; abzüglich des Displays und der Tastatur bleiben etwa 20 % Gehäuserand-Abstände, die bei einem echten Buch kaum akzeptabel wären.

2006 gab es etliche Neuerscheinungen auf dem Markt, die speziell als E-Book-Reader konzipiert sind und auf elektronischem Papier der Firma E-Ink aufbauen. Insbesondere sind hier der iLiad der Firma iRex Technologies, der Sony Reader (Nachfolger des Librie) und von Jinke Electronics die Hanlin V2 und V8 zu erwähnen. Seit 2007 liefert der französische Hersteller Bokeen das Lesegerät Cybook.

Im November 2007 präsentierte Amazon einen neuen E-Book-Reader namens Kindle, ein drahtloses E-Book-Lesegerät für 399 US-Dollar. Es wiegt rund 290 Gramm und greift über ein Mobilfunkmodul auf Amazons Online-Shop zu, wo mehr als 90.000 Büchern (darunter 100 von 112 Titeln der »New York Times«-Bestsellerliste), Zeitschriften, Zeitungen und Blogs aufliegen. Das Gerät kann bis zu 200 Buchtitel speichern.

PC, Laptop oder PDA als Lesegerät

Den normalen PC, Laptop (auch der 100-Dollar-Laptop) oder PDA als Lesegerät zu verwenden, hat einige Vorteile. Es muss meist nur eine E-Book-Software installiert werden, und schon ist das eigene Lesegerät in der Lage, E-Books anzuzeigen. Weitere Investitionen in zusätzliches Zubehör sind nicht notwendig.

Auf der anderen Seite sind diese Geräte meist recht unhandlich und können, abgesehen vom PDA, daher nicht überall hin mitgenommen werden. Zusätzlich sind manche PC-Bildschirme durch die Röhrentechnologie augenfeindlich und laden nicht zum langen Schmökern ein.

Genau an dieser Stelle könnte sich aber der Tablet PC weiter etablieren, da er sowohl Vorteile von speziellen E-Book-Lesegeräten auf der einen Seite als auch von PCs auf der anderen Seite miteinander vereint. Hierzu ist auch der 100-Dollar-Laptop der gemeinnützigen Gesellschaft OLPC zu erwähnen. Der Laptop ist dabei ausdrücklich als Lesegerät konzipiert, indem der Bildschirm eine einschaltbare Schwarz-weiß-Anzeige anbietet, der mit 200 dpi ähnlich hoch wie gedruckte Zeitschriften den Text wiedergibt.

Alternativ zu einem PDA eignen sich auch moderne Mobiltelefone bzw. Smartphones als Lesegeräte, sie sind weit verbreitet und haben den Vorteil, die Funktionen mehrerer mobiler Einzelgeräte zu vereinen. Der Lesekomfort kann allerdings durch die Bildschirmgröße eingeschränkt sein, auch können teilweise nicht alle gängigen E-Book-Formate gelesen werden. Für manche Geräte existiert nur Software zum Anzeigen von unformatierten Textdateien als Midlet.

Technische Schutzmaßnahmen

Um das Urheberrecht auch praktisch schützen zu können, wurde für viele E-Books ein Digital Rights Management eingeführt. Dieses führt durch technische Einschränkungen dazu, dass der Benutzer des E-Books keinen vollständigen Zugriff mehr auf die Dateien besitzt. Beim Adobe Acrobat DRM kann das E-Book beispielsweise an die Hardware gebunden und bestimmte Rechte (wie Ausdrucken, Benutzungsdauer, Copy-and-Paste-Funktionalität …) eingeschränkt werden.

Digital Rights Management sollte im Prinzip auch User Management sein. Allerdings wird es heutzutage hauptsächlich als Rechteeinschränkung des Benutzers gesehen.

eBooks on Demand

EoD - eBooks on Demand ist ein kostenpflichtiger Dokumentenlieferdienst im Rahmen des EU-Projektes Digitisation-on-Demand (DoD)[1], der die Bestellung vollständiger elektronischer Kopien von urheberrechtsfreien Büchern (d.h. Büchern aus dem Zeitraum von 1501 bis etwa 1930) ermöglicht. Man kann dabei zwischen Standard EOD eBooks und Advanced EOD eBooks unterscheiden:

Bislang haben sich am Projekt eBooks on Demand 13 Bibliotheken aus 8 europäischen Ländern beteiligt. In Deutschland wird dieser Service zur Zeit von der Bayerischen Staatsbibliothek, der Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin sowie den Universitätsbibliotheken Greifswald und Regensburg, in Österreich von den Universitätsbibliotheken Innsbruck, Wien und Graz angeboten.

Programme zum Anzeigen verschiedener E-Book-Formate (E-Book-Viewer)

Daneben liegen viele E-Books auch im HTML- und TXT-Format vor.

Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. http://www.epractice.eu/cases/eod