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Verwaltungsgliederung der Slowakei

Die Slowakei ist administrativ seit 1996 in 8 Landschaftsverbände (kraje) und 79 Bezirke (okresy) unterteilt.

Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Zum besseren Verständnis der slowakischen Fachbegriffe nachfolgend einige kurze Erläuterungen und Übersetzungshilfen:

Konkrete Gliederungen

Die Slowakei ist nach den folgenden drei Gliederungsprinzipien in folgende kleinere "Einheiten" unterteilt.

Gebietseinteilung

Es gibt folgende "Ebenen" der Gebietseinteilung:

Staatliche Verwaltung

Seit Juli 1996 (mit der unten angeführten Änderung zum 1. Januar 2004) gibt es folgende "Ebenen" der staatlichen Verwaltung:

Territoriale Selbstverwaltung

In der Slowakei gibt es zwei Arten von Selbstverwaltungseinheiten. Sie sind Körperschaften, genauer gesagt nach slowakischem Recht "juristische Personen". Der Landschaftsverband ist (in diesem Zusammenhang) der Gemeinde nicht übergeordnet oder umgekehrt:

Selbstverwaltungslandschaftsverband (samosprávny kraj) oder Höhere Gebietseinheit (vyšší územný celok / VÚC, so z.B. in der slowakischen Verfassung) oder selten Gespanschaft (župa*, von den Sprachwissenschaftlern und Historikern forciert): zum 1. Januar 2002 eingeführt; hat eine "Vertretung" (sl. zastupiteľstvo, d. h. gewähltes Parlament) und einen direkt gewählten "Vorsitzenden des Selbstverwaltungslandschaftsverbands/der Selbstverwaltung der Höheren Gebietseinheit" (sl. predseda samosprávneho kraja / samosprávy vyššieho územného celku), der manchmal abgekürzt auch als "Gespan" (župan)* bezeichnet wird; die Selbstverwaltungslandschaftsverbände sind laut einem Gesetz von 1996 vom Gebiet her mit den (Regierungs-)Landschaftsverbänden identisch.

Gemeinde (obec): bereits 1990 eingeführt; hat ebenfalls eine "Vertretung" und einen direkt gewählten "Bürgermeister" (starosta) bzw. Gemeinden, die Städte sind, einen Oberbürgermeister (primátor); dem Bürgermeister ist das Gemeindeamt sowie die Gemeindepolizei direkt unterstellt.
Die Gemeinden Bratislava und Košice haben ausnahmsweise zwei Ebenen der Gemeindeselbstverwaltung: Stadt (die so genannte Magistratsverwaltung) und Stadtteile. Sie haben dementsprechend auch einen Oberbürgermeister und mehrere Bürgermeister in den einzelnen Stadtteilen. Die Aufteilung der Kompetenzen wird von besonderen Gesetzen für die beiden Städte geregelt.

*Die Begriffe "župa" und "župan" werden von der Bevölkerung (noch) gemieden, weil sie zum einen veraltet klingen (Gespanschaften gab es bis 1927 und dann 1940 - 1945) und/oder man irrtümlich annimmt, dass es sich um ungarische Begriffe handelt (Genaueres siehe unter Gespanschaft), zum anderen weil das Wort župa an "žumpa" (Jauchengrube) erinnert und das Wort "župan" auch die Bedeutung "Morgenrock" hat.

Liste der Landschaftsverbände (kraje)

Die Namen der 8 kraje / samosprávne kraje / VÚC (ebenso wie die der okresy) wurden von den Namen ihrer jeweiligen Landeshauptstädte (unten in Klammern) abgeleitet:

In der obigen Liste kann das Wort kraj jeweils durch samosprávny kraj oder VÚC ersetzt werden.

Geschichte

Bezirke gibt es in der Slowakei schon seit dem 19. Jahrhundert (siehe Okres), allerdings mit sehr oft wechselnden Kompetenzen, Grenzen und Anzahl (zum Beispiel 1949-1960: 89, 1960-1968: 33, 1968-1996: 37, später 38).

Zum 1. Januar 1949 wurden in der Slowakei zum ersten Mal Landschaftsverbände eingeführt - damals 6: Bratislavský kraj, Nitriansky kraj, Žilinský kraj, Banskobystrický kraj, Prešovský kraj und Košický kraj. Sie hatten aber jeweils völlig andere Grenzen und Kompetenzen als ihre heutigen Nachfolger. 1960 wurde ihre Anzahl auf drei reduziert; es entstanden so der Východoslovenský kraj (Ostslowakischer Landschaftsverband), der Stredoslovenský kraj (Mittelslowakischer Landschaftsverband) und der Západoslovenský kraj (Westslowakischer Landschaftsverband). Am 1. Januar 1969 erhielt Bratislava als "Hauptstadt der Slowakischen Sozialistischen Republik" einen Sonderstatus. Zum 1. Juli 1969 wurden die Landschaftsverbände in der Slowakei (im Gegensatz zu Tschechien) vorübergehend abgeschafft, sie mussten aber im Zuge des Normalisierungsregimes nach dem gescheiterten Prager Frühling 1970 wieder eingeführt werden. Bratislava blieb dabei eine Art vierter Landschaftsverband. Diese Verwaltungsgliederung hielt bis zum Ende des Kommunismus in der Slowakei (Samtene Revolution von 1989). Bratislava war in dieser Zeit in obvody unterteilt (1960-1971: 12, 1971-1985: 4, 1985-1990/1996(?): 5). Diese mit den heutigen fünf Bratislavaer Bezirken identischen Obvody fungierten zwar seit den 1970er Jahren (auch) als Bezirke, sonst galt aber Bratislava als ein einziger Bezirk.

Im September 1990 wurden zum einen die vier Landschaftsverbände abgeschafft (nach manchen Quellen existierten sie rein formal ohne Kompetenzen weiter), zum anderen wurde Gemeinden nach langer Zeit wieder auch als Selbstverwaltungseinheiten definiert. Es wurden 38 Bezirke und 121 obvody.

Im Juli 1996 wurden schließlich die jetzigen 8 Landschaftsverbände eingeführt, die sich aus 79 Bezirken zusammensetzen, und die 121 obvody wurden abgeschafft. Im Dezember 2001 wurden die Selbstverwaltungslandschaftsverbände eingeführt. Zum 1. Januar 2004 wurden schließlich die Bezirke als Teil der öffentlichen Verwaltung (das heißt die Bezirksämter) abgeschafft und dafür die obvodné úrady (siehe oben unter: staatliche Verwaltung) eingeführt. Gleichzeitig werden seit 2001 die Kompetenzen der beiden Selbstverwaltungsebenen ständig erhöht, zuletzt durch ein Gesetz, durch das sie ab 2005 weitreichende Kompetenzen im Steuer- und Finanzbereich erhalten sollen.

Siehe auch