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Infect and persist

Die Ausharrungstaktik bzw. englisch Infect and Persist, zu deutsch etwa infizieren und dableiben, auch Persistente Infektion genannt, bezeichnet in der Medizin eine der beiden hauptsächlichen Strategien von Viren bei der Infektion lebender Organismen. Die andere Hauptstrategie wird als Hit and Run bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines Vorgehen

Nach der Infektion vermehrt sich ein Virus im Wirt und führt dabei meist zu einer mehr oder minder schwer verlaufenden akuten Krankheit, in deren Verlauf der Wirt seinerseits die replizierten Viren ausscheidet, dann aber im Verlauf einer Immunreaktion oft auch das Virus eliminieren kann und meist dauerhaft gegen Neuinfektionen immun bleibt.

Vorgehen bei dieser Strategie

Diese Strategie wird überwiegend von jenen Viren angewendet, die an ihren Reservoirwirt recht gut angepasst sind und ihn daher nicht im Verlauf einer akuten Krankheitsphase töten, oder von Viren, gegen die der Wirt nicht sehr schnell Antikörper entwickelt, welche das Virus eliminieren. Nach der Infektion eines solchen Organismus treten günstigenfalls sogar keinerlei Krankheitsfolgen auf (inapparente Infektion), oder es kann sich durchaus eine akute Krankheitsphase entwickeln, die der betreffende Organismus jedoch in der Regel gut übersteht. Während dieser gesamten Zeit steht dem Virus der Organismus ungetrübt für seine eigene Vermehrung zur Verfügung. Auch wenn eine solche leichte Erkrankung nicht sehr lange dauert, spricht man doch davon, dass das betreffende Virus hier die sogenannte Infect and persist-Strategie anwendet, da es seinen Wirt nicht in kürzester Zeit umbringt. Erst recht, wenn es am Ende einer eventuell ausgelösten Erkrankung noch nicht einmal vollständig eliminiert wird, sondern sich vor dem Immunsystem des infizierten Organismus verstecken kann.

Wenn ein solches angepasstes Virus sich vor dem Immunsystem verstecken kann, können entweder vollständige Viren im Körper verbleiben, oder ihr Genom überlebt nahezu unauffindbar irgendwo in Organismuszellen. Oft entwickelt sich nach jahrelanger Latenzzeit eine sekundäre Erkrankung. Andererseits ist aber auch eine periodische Reaktivierung der Erreger und eine erneute Virusausscheidung möglich (z. B. Herpes).

Eine HIV-Infektion ist in diesem Sinne eigentlich ein Sonderfall. Die HI-Viren zählt man nicht zu den Viren, die an den Menschen besonders gut angepasst sind, denn selbst nach einer längeren Inkubationszeit töten sie den menschlichen Wirt früher oder später in jedem Falle, aber eben in der Regel nicht in einer ersten akuten Erkrankungsphase. Nur durch unsere medizinischen Möglichkeiten ist es uns zumindest in den hoch entwickelten Ländern für eine große Anzahl von Infizierten gelungen, dieses Ende weit hinauszuzögern. Auch wenn ein HIV-Infizierter nicht behandelt wird, bleibt dem unangepasstem Virus allerdings recht viel Zeit, den Organismus mit der Infect-and-persist-Strategie zu seiner eigenen Vermehrung ungestört zu benutzen.

Beispiele dieser Strategie

Humanmedizin

Veterinärmedizin