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Klaviatur

Eine Klaviatur [klavi̯aˈtuːr] (v. lat. clavis „Schlüssel“ oder „Schloss") ist eine besondere Anordnung von Tasten, die über eine dem jeweiligen Instrument entsprechende Mechanik oder Traktur zur Tonerzeugung führt. Von einer Klaviatur spricht man bei jener Anordnung der Tasten, deren bekanntestes Beispiel das moderne Klavier ist. Andere Tastenanordnungen – wie etwa auf dem Akkordeon – werden im Deutschen als Tastatur bezeichnet.

Der englische Begriff für Klaviatur und Tastatur lautet Keyboard (v. engl. key „Taste“) und wird im Deutschen für elektronische Tasteninstrumente verwendet.

Man spricht bei Instrumenten, die mit mehreren Klaviaturen ausgestattet sein können, von Manualen (v. lat. manus „Hand“), wenn die betreffenden Klaviaturen mit den Händen zu spielen sind, und vom Pedal (v.lat. pes „Fuß“), wenn die Klaviatur mit den Füßen gespielt wird. Instrumente mit mehreren Pedalklaviaturen sind möglich, aber eher seltene Randerscheinungen.

Die Urkönigin aller Tasteninstrumente mit Klaviatur − eine Orgel – wurde 1361 für den Halberstädter Dom gebaut. Erfinder der Klaviatur ist möglicherweise Ktesibios, zugleich Erfinder der Orgel.

Inhaltsverzeichnis

Farbgebung und Material

Üblicherweise sind bei einer Klavier-Klaviatur (z. B. bei Flügeln und Klavieren) die Untertasten (C, D, E, F, G, A, H) aus hellem, die Obertasten (Cis/Des, Dis/Es, Fis/Ges, Gis/As, Ais/B) aus dunklem Material gefertigt. Bei Klavieren und Flügeln setzte man Elfenbein und Ebenholz ein. Seitdem die Verwendung von Elfenbein aus Tierschutzgründen verboten ist, verwendet man Kunststoff, bei hochwertigen Instrumenten einen Elfenbeinersatz aus Spezialkunststoff. Bei den meisten Cembali und einigen Orgeln sind hingegen die Untertasten dunkel und die Obertasten hell. Hier wird die Farbe häufig durch die Wahl des Holzes bestimmt, aus dem die Tastenbeläge gefertigt sind. Diese Auswahl richtet sich bei älteren Instrumenten wiederum nach der Härte des Holzes, so dass für die häufiger benutzten Untertasten oft auch das härtere Holz gewählt wird.

Tastenanzahl

Die Klaviatur umfasst bei

Bei Orgeln schwankt die Anzahl der Tasten in den Manualen sehr stark. Bestrebungen der Normierung beziehen sich in der Regel nur auf die geometrischen Maße. Bei Neubauten beträgt die Anzahl der Tasten in den Manualen 56, 58 oder 61 Tasten (4½ bis 5 Oktaven, chromatisch ab C) und im Pedal 27 bis 32 Tasten (bis etwa 2½ Oktaven, ebenfalls chromatisch ab C).

Sowohl der Zwang der Kostenersparnis als auch das bestreben nach historischen Vorbildern zu bauen, führt aber auch zu kleineren Umfangen, wie sie seit dem Barock gebräuchlich sind. So gibt es Orgel mit nur 38 Tasten im Manual (F, G, A, B, H-g2,a2). Gemein ist allen Manualen lediglich, dass sie mit einer weißen Taste enden.

Bei sehr großen Orgeln (Riesenorgeln) kann das Pedal auch bis zu drei Oktave (F1 bis f1) umfassen.

Bei elektronischen Heimorgeln sind auch so genannte „Stummelpedale“ mit nur 13 Tasten (eine Oktave) verbreitet. Auch vereinzelt sind Stummelpedale noch auf Orgeln anzutreffen

Besondere Bauformen

Chromatische Klaviatur

Die chromatische Klaviatur (von gr. chroma Farbe) ist eine Klaviatur, bei der die Oktave in zwölf gleiche Teile zerfällt. Auf der chromatischen Klaviatur folgen die Ober- und Untertasten (mit selbständigen Bezeichnungen) gleichmäßig aufeinander (Zwölftonreihe). Heinrich Josef Vincent (1819–1901) propagierte in seiner Broschüre „Die Neuklaviatur“ von 1875 radikal die chromatische Anlage der Tastatur (das C fiel danach auf eine Obertaste) und wies darauf hin, dass Bernhardt Schumann, ein Arzt in Rhinow bei Rathenow in der Mark Brandenburg, schon 15 Jahre zuvor die Idee einer Neuklaviatur aufgebracht habe. Die chromatische Klaviatur konnte sich damals nicht durchsetzen, Anfang 2007 wurde jedoch ein MIDI Controller namens AXiS vorgestellt, der die chromatische Klaviatur besitzt.[1]

Jankó-Klaviatur

Der Ungar Paul von Jankó (1856–1919) erfand 1882 eine Klaviatur, bei der die zwölf Tasten einer Oktave in stetem Wechsel als Ober- und Untertasten angeordnet sind. Jede Taste hat dabei drei Angriffsstellen, so dass sie sich äußerlich als eine Terrasse von sechs Tastenreihen darstellt. Ihre Vorzüge sind eine geringere Spannweite der Oktave, was sehr weite Akkordgriffe und neue Figurationen ermöglicht, einfacherer Einbezug des Daumen ins Spiel sowie chromatische Glissando-Effekte.[2]

Goldhammer-Klaviatur

Die sogenannte Goldhammer-Klaviatur geht auf einen Reformversuch von Prof. Otto Goldhammer, Mitarbeiter des Instituts für Musikwissenschaft in Leipzig, zurück. Bei ihr sind die Obertasten vorne abgerundet, und deren Kanten verlaufen senkrecht, verbreitern sich also nicht nach unten, wodurch die vorderen Spielflächen der weißen Tasten etwas geräumiger werden. Die weißen Tasten der Halbtonlücken H-C und E-F sind angefast, so dass kein breiterer Finger mehr steckenbleiben kann. Außerdem konstruierte Goldhammer verschieden große Klaviaturen für ein und denselben Flügel, so dass man sie für Kinderhände auswechseln konnte. Die Goldhammer-Klaviatur konnte sich allerdings nicht durchsetzen.

Besonderheiten bei der Orgel und den historischen Tasteninstrumenten

Die Anzahl der Klaviaturen einer Orgel ist von ihrer Größe abhängig, typisch sind mindestens zwei Manuale und eine Pedalklaviatur. Der tiefste Ton ist jeweils das große C, vereinzelt auch F1, G1 oder auch F.

Früher wurde in der Regel bei allen Tasteninstrumenten die tiefste (d. h. die große) Oktave nicht vollständig mit Halbtönen versehen. Man baute stattdessen fast immer Klaviaturen mit sogenannter kurzer Oktave (C, F, D, G, E, A, B, H) oder gebrochener Oktave (zusätzlich mit Fis und Gis; vereinzelt finden sich auch Varianten der kurze Oktav ab G1). Noch bis Mitte des 18. Jahrhunderts wurde meistens das große Cis weggelassen.

Weiterhin wird der Begriff gebrochen auch für Obertasten verwendet, die mehrfach ausgeführt sind, um die enharmonische Verwechslung zu verhindern. Sind Doppeltasten vorhanden (meist für Dis/Es und Gis/As), handelt es sich um ein Subsemitonium (= „Unter-Halbton“ im Sinne von Unterteilung). Dadurch wird erreicht, dass man bei mitteltöniger Stimmung auch in Tonarten mit mehreren Vorzeichen spielen kann, ohne dass sich die Quinten „reiben“ (Wolfsquinte Gis-Es).

In der Regel verfügt eine Orgel über Koppeln. Damit können verschiedene Klaviaturen miteinander „verbunden“ werden und dadurch Register von einer Klaviatur aus bespielt werden, die eigentlich einer anderen Klaviatur zugeordnet sind.

Stumme Klaviatur

Als Sonderform gibt es so genannte stumme Klaviaturen, denen die Tonerzeugung fehlt. Sie dienen ausschließlich Übungszwecken.

Besonderheiten bei Digitalpianos und Keyboards

Manche Klaviaturen von hochwertigen Digitalpianos und Masterkeyboards verfügen über eine gewichtete Hammermechanik (-Simulation). Dadurch nähert man sich dem authentischen Spielgefühl eines Flügels, zum Beispiel bei der Ausführung von Repetitionen. Ältere Einsteiger-Digitalpianos (vor Baujahr 2003) arbeiten nur mit Gewichten und Federn. Keyboards und preiswertere Synthesizer verfügen in der Regel nur über eine gefederte Tastatur.

Keyboards ohne eigene Tonerzeugung nennt man Masterkeyboards. Diese bestehen nur aus einer Klaviatur und einem MIDI-Kontroller, über den ein externer Synthesizer oder ähnliches angesteuert werden kann.

Auch Keyboards kennen Sonderformen, wie das Continuum Fingerboard, das eine stufenlose Kontrolle mehrerer Parameter (beispielsweise Tonhöhe, Tonstärke und Klangfarbe) ermöglicht.

Quellen

  1. Homepage des AXiS
  2. Paul von Jankó: Eine neue Claviatur. Theorie und Beispiele zur Einführung in die Praxis, Wien 1886)