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Tourbillon

Das Tourbillon (franz. für Wirbelwind) ist eine besondere Vorrichtung (meist) in Armband- und Taschenuhren, um einen Fehler der Ganggenauigkeit aus dem Schwerkrafteinfluss auszugleichen. Durch die immer unterschiedliche Bewegung am Handgelenk ist das Tourbillon in Armbanduhren jedoch eher als technische Spielerei zu sehen und nicht als wirklich sinnvolle Uhrenkomplikation. Bei Taschenuhren gilt dies nicht.

Inhaltsverzeichnis

Funktion

Um Lageveränderungen einer Taschenuhr (und die daraus folgende Gangungenauigkeit) aufzuheben, erfand Abraham Louis Breguet (1747–1823) um 1800 das Tourbillon. Das Patent wurde 1801 in Paris erteilt, in der Patentschrift wird es als „regulateur à tourbillon“ bezeichnet).

Bei diesem wird das Ankerrad, der Anker und die so genannte Unruh auf einer kleinen Platte in einem Drehgestell, einem auf der Welle des Sekundenrades sitzenden Käfig, verbaut.

Der Sekundentrieb wird von unten an das Drehgestell geschraubt und fest auf der unteren Platine verbaut. Das Drehgestell, in dessen Mitte die Unruh genau über der Welle des Sekundenrades schwingt, dreht sich um das festgeschraubte Sekundenrad. Dabei läuft der Trieb des Ankerrades auf diesem ab. Wenn sich also das Sekundenrad einmal pro Minute dreht, macht das Tourbillon (die Platine) diese Drehung mit. Dadurch treten Lagen- oder Schwerpunktfehler nicht mehr auf oder werden einmal in der Minute (abhängig von dem Tourbillon) ausgeglichen.

Allerdings kann ein Tourbillon den Lageausgleich nicht zielgerichtet durchführen. Eine Armbanduhr wird permanent in unterschiedliche Richtungen bewegt, daher kann der Lageausgleich auch nicht vollständig durchgeführt werden. Das Tourbillon wurde ursprünglich für Taschenuhren entworfen, da sich die Position dieser Uhren kaum änderte. Daher ist ein Lageausgleich für Taschenuhren, im Gegensatz zu Armbanduhren, durchaus sinnvoll. Einen Lageausgleich in allen Positionen kann aber auch ein Tourbillon nicht durchführen. Auch Temperaturschwankungen beeinflussen diese Uhren fast genauso stark wie normale mechanische Uhrwerke. Tourbillons sind technisch sehr komplex und zudem nicht sehr robust.

Je besser die Unruh ausgewuchtet ist, desto weniger bringt das Tourbillon an Genauigkeit. Bei kardanisch aufgehängten Uhren (z. B. Navigationschronometer) steht die Unruhwelle immer senkrecht. Ein Tourbillon ist in diesem Fall nicht sinnvoll.

In den etwa 200 Jahren wurden gerade einmal etwa 700 Tourbillons gebaut, da deren Anfertigung besonders schwierig ist. Aus diesem Grund sind Tourbillon-Uhren teuer und sehr begehrt. Die Einstellung und Reparatur einer Tourbillon-Uhr erfordern ein hohes Maß an Fachkenntnissen und Sorgfalt.

Eine Modifikation dieser Uhren wurde von dem Dänen Bonniksen erfunden. Er nutzte das Federhaus als Rotationslager und lagerte das Laufwerk und die Unruhe auf einem drehbaren Karussell. Solche Karusselle sind auf Grund ihrer Fertigung weitaus schwerer als ein Tourbillon und führen einen Lageausgleich mit einer kompletten Rotation alle 261/4 Minuten durch. Diese Art der Uhren wird Karusselluhren genannt. Das Karussell bot zudem einen Blickfang für die technikbegeisterten Leute der damaligen Zeit. So wurde häufig das Zifferblatt für Fenster-Öffnungen ausgefräst, um den Blick auf das Karussell freizugeben.

Das „fliegende“ Tourbillon

Das „fliegende“ Tourbillon ist eine Weiterentwicklung oder Variante des klassischen Breguet Tourbillons. Es wurde anfang des 20. Jahrhunderts vom Uhrmacher-Lehrer Alfred Helwig erfunden. Die Eigenheit des fliegenden Tourbillons ist, dass die obere Brücke zur Lagerung des Käfigs fehlt. Der Käfig wird ausschließlich auf der Unterseite gelagert.

Das Gyro-Tourbillon

In der Theorie kann das Tourbillon zwar eine statische Lageänderung der Uhr durch Drehen um die Zeigerachse ausgleichen, nicht jedoch dynamische Störungen (z.B. beim Joggen). Beim schweizer Nobel-Uhrenhersteller Jaeger-LeCoultre wurde daher das Gyrotourbillon entwickelt: Eine komplexe Mechanik dreht die Unruh laufend um drei Achsen, analog einem gyroskopischen System.

Die Funktionsweise ist – selbst bei direkter Anschauung – auch für Fachleute nur sehr schwer nachzuvollziehen.

In der Praxis allerdings ist der Gewinn an Ganggenauigkeit kaum messbar; der Gewinn bleibt unterhalb des – selbst bei hochwertigsten Uhrwerken – auftretenden mechanischen Fehlers (Reibung etc.); das Gyrotourbillon bleibt eine technische Spielerei.

Hersteller von Tourbillon-Uhren

Das Tourbillon ist, obwohl dessen Effekt auf die Genauigkeit bei Armbanduhren begrenzt ist, dennoch sehr beliebt. Seine hohe Komplexität eignet sich als Herausstellungsmerkmal. Daher ist bei Tourbillonuhren regelmäßig das Ziffernblatt durchbrochen gestaltet, so dass es den Blick auf Tourbillon und Teile des Werks freigibt. Mittlerweile produzieren chinesische Hersteller Tourbillonuhren, die unter verschiedenen (oft europäisch klingenden) Pseudonymen meist über Internetauktionen vertrieben werden. Über die Qualität, UVP und Wert dieser Uhren wird in Uhrensammler-Kreisen diskutiert.

Ein weiterer Trend bei Internet-Auktionen ist, Uhren mit sichtbarer Unruh mit dem Prädikat „Tourbillon Style“ oder sogar „Tourbillon“ anzupreisen, obwohl es sich nur um eine einfache Unruh-Hemmung mit ortsfestem Ankerrad handelt.