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Jungfrauenweihe

Der Ausdruck Jungfrauenweihe (Consecratio Virginum) bezeichnet in der römisch-katholischen Kirche den feierlichen Ritus der Weihe einer Frau, die sich dem Dienste Gottes und der Kirche im Stande der Jungfräulichkeit bzw. unaufhörlicher Keuschheit (Ehelosigkeit) hingegeben hat.

Der im frühen Christentum [1] weit verbreitete Ritus der Jungfrauenweihe, der älter als das Ordensleben ist[2], war nach dem Mittelalter für Frauen, die "in der Welt" lebten, ungebräuchlich geworden, wurde aber von Papst Paul VI. 1970 wiederhergestellt.

Die Kandidatin wird nach einer mehrjährigen Vorbereitungszeit vom Bischof ihrer Diözese durch den feierlichen Ritus der Consecratio Virginium dem Dienst in der Kirche geweiht (siehe Can. 604). Die gottgeweihte Jungfrau lebt von nun an in einem öffentlichen kirchlichen Stand, im Ordo virginum, einer der Formen des geweihten Lebens, und ist dabei dem jeweiligen Ortsbischof unterstellt. Dies beinhaltet vor allem anderen den Auftrag der Kirche zum Halten des kirchlichen Stundengebets, jedenfalls Laudes und Vesper.

Bei der Sakramentalien sieht das Pontifikale die Übergabe des Ringes und des kirchlichen Stundenbuchs als Insignien vor. Zusätzlich kann auch der Schleier übergeben werden.

Die gottgeweihte Jungfrau gehört weder der kirchlichen Hierarchie an, noch sind bestimmte Ämter oder Funktionen mit diesem Stand verbunden. Sie wird auch nicht von der Kirche unterhalten, sondern ist für ihren Lebensunterhalt selbst verantwortlich.

Weltweit gibt es heute über 3.000 Jungfrauen, die außerhalb klösterlicher Gemeinschaften leben[3]

Bekannte Frauen, die dem Stand der Jungfrauen angehörten, sind zum Beispiel die hl. Agatha, die hl. Agnes, die hl. Scholastika, die hl. Lucia oder die hl. Katharina von Siena.

Einzelnachweise

  1. Brief des Caecilius Cyprianus über das Verhalten von Jungfrauen ("De habitu virginum")
  2. „Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist“ (1. Kor 7,33).
  3. Ordensreferat des Bistums Regensburg gegenüber der Nachrichtenagentur ZENIT, veröffentlicht am 11.04.2008

Literatur

Albrecht, Barbara: Dimensionen christlicher Jungfräulichkeit (Theologie und Leben 31), Meitingen: Kyrios 1976
Albrecht, Barbara: „Bis du kommst in Herrlichkeit. Gottgeweihte Jungfräulichkeit – Urzeichen für die geistliche Dimension der Kirche"
Schlosser, Marianne: Alt, aber nicht veraltet. Die Jungfrauenweihe als Weg der Christusnachfolge. Köln (Sonderdruck der Ordenskorrespondenz, 1992)